Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 49 (7.12.1923)
- Date
- 1923-12-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 49 JÜDISCHE PRESSE Seite 387 000000009000 NACHRICHTEN. 000000000000 Vom Tage Der Sturmlauf gegen die Familie* ,Die Gfoarauikaiwodtoe!bietet eiiraen ®erwünschtien Anlass, mm!nebst den Gham1kabetra׳dnt!u1n!g1en politischer, hi- «torischer Naihtr ■auch de׳r kulturelten Setfite der ,heroischen! Makalbäerkämpfe eiwiigie Zeilen 125u widmen. Auch d1a׳s jüdisehe F,am׳Mien111eben und ׳die jüdische FanDslienreinhait stand auf •der Konskrtip t!io nslliste der 'heiI׳e!n1i,sc!h־lh1eidn1iseh1en Modiernen. Die Umgiebumidenheit ׳der griechischen! Moralanschauiung hat'!in der Bindunig ׳de!s!jüdischen Matnnes und ׳der jüdischen Frau!in der Ehe ׳eine Zwangsjacke erblickt, die eines freien Menschen unwürdig ist. Plato, der Viiellbewunderte, erblickt das Ideal ׳der!memsahiliichen!Welt- Ordnung ■in einem Zustand, in wieildheim jedes Kind lin einem jeden Griechen seinen Vater vermuten kann. Die wunderbaren Ghanukatage!haben ׳die drohende Gefahr von der Unantastbarkeit und Reinheit des jüdischen!Familiensleibenis .albgeiwehrt. Nicht atif immer. Der Kampf dauert noch weiter. ׳Es mehren sich die Anzeichen, dass die helilenisdli- Ihieidmilsdhen!Modernen wiederum einen Generalstnrm!gegen׳ die Moralbegniffe planen, welche die jüdiische Geimeiimde hat und über , das jüdische Volk hinaus gehend, einen w eiben׳ Kreis ,von Menschen umfasst. Die Gebundenheit ׳der Ehe, die Reinheit des Familienllebens, die Heiligkeit ׳der •Mutter- Schaft, ׳sollen ,alle auf ׳dem Altar des modernen■ materialisibisch marxiistiisohen iMblocIhs!geopfert werden. Das Jahrhundert des Kindes schilliest mit der Forderung .ab, ׳dass eum Wo/hle ׳und Gedeihen einiger weniger Kinder unigezählte Mensahen'keime und ungeborene Kinderseelen er-!tötet werden. Das Jahrhundert des ׳Marxismus, ׳der ursprünglteh den Schutz ׳der Scihwadh'en und1 das Recht ■a׳ufs Leben für jedermann verkündet •hat, fordert die Preisgabe dies keimenden Lebens ׳zum Wöhle der Wenigen!, ׳die dann Im Behagen des Lebens sich, ׳wlir möchten salgeny mlit ׳Ausschaltung der Konkurrenz, erfreuen können. I׳m ׳Schatten dies Rechtes auf ׳das nackte Leben!wuchert diiie Genusssucht und die!Bequemlichkeit so stark, dass ׳nun die Stimme dieser faulen׳ Lebensgiiier dimmer mächtiger ertönt und alle Ketten ■zerre isen; iwiiil, ■die ׳noch Glied ,an Glied gesclhlossen, die ׳alte Lebensansahauung umringen. ׳Auch unser Volk, dessen Stärke die Reinheit und Heiligkeit ׳der Familie!ist, zeigt leider vtielifaoh diese Verfalllsersdheinuiriigen. Die Begriffe, welche Luxus und •Genusssucht, '׳überhaupt eine ma-!teriialistisch heiidniisdhe Kultur ׳grossgeizogen haben, dringen störend und zerstörend ׳in jüdische Kreise ein. Die moderne jüdische Jugend beiderlei Geschlechts,!die sich nicht ׳genug tun konnte ׳an der Verspottung der rückständigen;Elterin, die vor der Bhesohiiessung sorgsam um die ׳wüintschaiftliehen Grundlagen ׳der Eheverbiindung Ihrer Kinder beiküimmert waren, kalkuliert, rechnet,!erwägt und bedenkt ■nun geschäftig, um nach vollzogener Bhiescblessung, selbst ׳den leichtesten Schatten von Sorge,׳ das siind die Rinder, von ,ihrer Ehe fernzubaiten. Hat die jüdische 'Mutter ׳einstens •vor ׳der Bhesdbliessung deir Kinder gerechnet und!gesorgt, um nur alles ,gut vorzuibieireiten, so kalkuliert ׳die moderne jüdische Frau 1i,n ׳der Ehe. Dass bei einer ׳solchen Weltanschauung diiie Kinder nicht mehr als .Segen ׳Gnttes ,gewertet! sind, ist selbstverständlich. Mit ■de,m ikalten Bleistifit'!in der Hand sollen diese , die eiinst Schmuck und Schatz für jede •jüdische Mutter bedeutet haben,;ganz nach der wirtschaftlichen Konjunktur erreeihnet' werden, ihre Zahl, ihr Alter ׳sollen nunmehr nach scAvntdkXOascAe. 1ü strengen materiellen Grundsätzen ׳festgestellt w׳erden. Es wird bloss bejammert, •dass über!ihr Geschlecht noch niaht verfügt werden ׳kann. Zu Ehre unserer frommen Familien soll gesagt werden, dass ׳da über diese Dinge einstweilen bloss gesprochen wiird. ׳Die Tat richtet sich noch mach ׳dem alten Moralbegriffen1, ׳die mit ׳dem jüdischen Blut seit Jahrtausenden• verwachsen׳ sind. Wenn aber einmal über diese Dinge gesprochen wird, so sind sie niaht mehr selbstvertänidlich. Wenln ge ■gern die alten ׳Moraibegr.iffe ein ■Sturmlauf ׳einsetzt, so entsteht -die Pflicht, auch für ■sfe ׳zu sprechen. Es soll mit aller Klarheit •darauf bingewiiesen׳ ׳werden, dass die alte!ehrbare jüdische •Familie, dieser kosit1barste Schatz, den das Judentum der Welt gegeben ,hat, in ׳dem Augenblick zerstört w׳ir׳d, lin welchem die Dämme der heiligen Tradition, die die jüdüsahe Ehe, die jüdische Familie und vor allem die jüdische Mutter schützt und in ׳den Stunden der schweren Pflichterfüllung stützt, niedergerissen oder verschüttet werden. Der heilige Kampf der!Makabäer galt der Reittung de׳r jüdischen Fanfilienreinheit und züchtigen Keuschheit. Ihre Tradition soll auch für ihre Nachkommen in der Sorge um diese ׳heiligen Güter massitlbend sein. 2)ie Woche. Moskau. Nach der offiziellen Statistik kamen ln den Jahren 1917 bis 1920 in ׳der Ukrafina 1295 Pogrome vor. Von diesen entfallen auf das Gouvernement Kiew 506, auf Pododien 370, Wolhynien 133, •Odessa-Gebiet 95, Gourvernement Po'ltava 54, die übrigen Gouvernements 137. Jerusalem. Die ■vereinigte ׳Expedition des Palästina- Ausgriabungsfonds und des ,;Daily Telegraph“ hat bei den Ausgrabungen bereits die Bas'is ׳der alten DaiVidstaidt erreicht und!ist dabei ׳auch :auf ׳die Reste ׳des mysteriösen Millo gestossen. Millo wird ׳im!der biblischen Geschichte als die!Jebusiterburg erwähnt, die König David •erobert hat. Es wird dort gesagt, dass;,׳er rund um Millo herum“ baute. Man battle bislang :immer geglaubt, dass ׳Millo eine Art befestigten• Turms ׳gewesen seli, oder •etwa ein Damm, der den Eingang ln den Talkessel vom Pyroipoen sperrte. Laut den Entdeckungen des Professors Macalister war Millo ׳etwas ganz anderes. Professor Macalister will demnächst genaue Daten geben. Paris. In Elsass-Lothringert, wo jedes kleinste Dorf seine Kirclhie hait, ׳gibt ׳es eine Stadt, ׳die darin eine Ausnähme bildelt. Es!ist dies ׳das Städtchen ׳Foussemagne. Dort entdeckt man nichts, Was ׳an ׳eine Kirche ׳erinnert, dafür existiert dort ׳eine sehr,!schöne Synagoge. Die ganze 2000 Seelen!zählende Einwohnerschaft von Foussemagne besteht aus Juden. Riga. Die Moskauer 1jüdis|Ch־!ko(mmunis׳tlsdh׳e Zeitung ״Eimes“ plant ׳die Herausgabe eines ״Schwarzen■!Buches“, •in iwei'dhen alle Daten der jüdischen (religiösen Organe gegen die jüdische und ׳allgemeine Arbeiterbewegung verzeichnet sein sollen. Oe$tmeicl>. Chanukahfeier im Kindergarten der ״Jessod-Hathora“. Sonntag, den7 ׳. Tag Chanukoih wird ב״ דן für die Knaben und Mädchen des Kindergartens im Tursaale, IL, Maflizgasse 16, präzise 4 Uihr' nachmittags, eine grosse Ghiamuhah-Feieir ׳stattfinden. Gönner und Freunde der ״ J essod-Hatfboira“ als auch diie Eltern der Kinder ■wenden hiezu höflicbst eingeladen. Grosse Clianukajause. Wien. Milttiwodli am IV. Ohanuikaalbenid fand Im!grossen Saale des ,!RaiMsohen Hof“ programmässig r ■die grosse Ghamukajause statt. An ׳der Jause /nahmen die Zöglinge 4er Talmud-Thora, der Jessad Hathora, ׳des El/isabethheims und die vom Jüdischen Hiilfsiwerk der Agudas Jisroef in Wlien und1 Wr.-Naustadt untiergebraabten deutschen Kinder ׳teil. Der Aufmarsoh der Kinder •erfolgte von der Talmud Thora aus. Sowohl der Marsch der Kipder auf der ■Strasse •wie der von fröhlichen Kindern dicht gefüllte Saal' haben auf jeden׳!eine unauslöschliche Wirkung ausgeübt. U.m 5 Uhr begann ■die Feier. Da die Polizei ׳einen weiteren Elmlass strengstens verbot, mussten Hunderte enttäuscht vor dem Gittertor Halt machen׳,!während am Podium eine reine Kinderstimime die ברכות vorfcrug, und die Chanukalichter angezündet ׳wurden. ׳Sowohl •diie Ansprache des Herrn Oberlehrers Jakob Kohn, wie die Vorträge der Schüler haben alle Teilnehmer In die richtige Festesstimmung versetzt. Danach folgte die Bewirtung der Kinder. Sie war reichlich und geschmackvoll. Die flinken Mitglieder der grossen Damenlkomftees haben hervoiragend gearbeitet. Nach der J׳ause wurde das jüngst erworbene SJdop-;üikon der Talmud Thora der Klinderschar mit ernsten und heiteren Bildern vorgeführt Ganz neu war die Darstellung der jüdischen Geschichte miittels dieser Balder. Den Ab- Schluss dieses Programmpuriktes bildete ׳die Darstellung der vorjährigen Chanukafeier im Turnsaale der Talmud Thora, die sich zu einer überaus herzlichen Sympathieikundigeibung für die Familie Altmann gestaltete. Nachdem noch ein Zauberkünstler!die Kinder öefhistnigte, ging nach •Absfingung von Moaius Zur die Feier zu Ende. Der Abmarsch ging ltn vollkommener Ordnung vor sich. Das Fest, a׳n dem die Kultusgemefnde durch den ersten Sekre- •tär Dr. Adler, Agudas Jfsoel durch W׳odf Pappen/h e im, ׳die Keren Hathora-Zentale durch Dr. D euitschlämder, ׳Adas Jisroel, Aohdus Jiisroel, die Steiniingersyinagoge durch ihre Obmänner vertreten waren, dauerte zweieinhalb Stunden! und war das grösste und׳ lejmdruefcvolilste, 1das je lin Wiien für jüdische Kinder veranstaltet wurde. Es war eine grossarfcige und feinsinnige Dokuimentiieru ng der Wilener glaubenstreuen Judenheit für (ihre Jugend. Gedächtnisausstellung David Kohn. In diesem Blatte wurde schon viel über den Menschenfreund und Philantropen David Kohn s. A. geschrieben, die Kunst des Malers wurde nicht entsprechend gewürdigt, weil uns sein Judentum und Menschentum in erster Linie zur Bewunderung hinriss. — Erst die Ausstellung seines künstlerischen Nachlasses in der neu eröffneten Holbeingalerie gibt uns willkommene Gelegenheit, auch den Maler und Zeichner rühmen zu können. Gibt es eine jüdische Kunst? Die oft gefragte Frage findet ihre unbedingte Bejahung bei einem Rundgang durch die stimmungsvollen Räume, in welchen die künstlerische Lebensarbeit des unvergessenen und unvergesslichen Meisters, liebevoll gesichtet, ausgestellt ist. Zur Wehmut, dass dieses edle Herz zu schlagen aufgehört, gesellt sich der Schmerz, dass auch dieser genialen Künstlerhand so frühzeitig Pinsel und Palette entrissen wurde. Wer würde es nicht fühlend ahnen auch wenn man von diesem Künstler weder Herkunft noch Abstammung wüsste, dass nur ein Maler mit jüdischem Herzen und jüdischer Seele Kunstwerke schaffen konnte, in welchen die ganze jüdische Tragik sich wiederspiegelt. Einfach und anspruchslos wie sein Wesen sind auch die künstlerischen Mittel, deren er sich bedient. Er verzichtet auf die leuchtende Pracht der Farben, auf das dankbare Sujet, nur mit Kohle, Kreide und Rötel, durch Vertiefung und Versenkung in dem im vorschwebendem Stoff, zaubert er durch seine eigene Technik Licht und Glanz, Luft und Duft hervor, und malt alte Juden mit wallenden Bärten im Gebet oder im Talmudstudium vertieft. Er malt in diese leidvollen Mienen seine eigene Seele, seine eigene Gläubigkeit, sein Ahnen, Wissen und Wollen. Auch sein Mitleid und Mitleiden spiegelt sich in diesen Bildern, am klarsten in einem, das einen alten Juden am Friedhof zeigt. Haltung und Ausdruck, Stimmung und Tönung zwingen uns Tränen in die Augen, obgleich nichts anderes wiedergegeben ist wie jüdische, verwitterte Leichensteine, aus welchen die gebeugte Gestalt des Juden hervorragt. — Der ewige Jude . . . In diesen Bildern steht uns dieser Meister am nächsten, und diese jüdischen Bilder fanden auch in den Salons willigen Eingang, wo sonst alles Jüdische verbannt erscheint. David Kohn war nicht nur der Menschenfreund, in seinen Werken der Nächstenliebe hat er sich verewigt, sondern auch ein Menschenkenner, der aus den Zügen auch die Seele verstehen konnte, und darin liefft das Geheimnis seiner Kunst zum Porträtmaler. In der Galerie der von ihm Porträtierten findet man die höchststehenden und _Pelzwaren—. MÖBEL- SPEZIAL-FABRIK ״KÜCHENFEE« KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 K&ohen-, Bohl&f-, Vorand M&dohen- Zimmer za billigsten Freisen. War eigene Erzeugung. Ooldene Medaille 1913. 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