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Jüdische Presse · 1923-12-07 · 49 (7.12.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
49 (7.12.1923)
Date
1923-12-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 384 JÜDISCHE PRESSE Nr. 49 Einwohnern volle politische Reife Innewofrnt, so lange wird!der Zeitpunkt nicht erreicht sein. Wir sind überzsangt, dass wir Politikern mit dieser Auseinander- Setzung nichts Neues sagen. Wir hoffen aber, dass sich Araber und Juden die ganze verwickelte Situation einmal von diesem Gesichtspunkt aus betrachten. Unsere Darlegung ist gar nichts anderes als der Versuch, all denjenigen, die sich auf den Boden der Mandatspolitik stellen, und das war im Jahre 1919 wenigstens dem Wortlaute nach die ganze Welt, die Tat- Sache zu zeigen, wie denn doch zwischen dieser neuen Richtung und den sogenannten Interessen- Sphären aus der Grosskriegszeit dem Gedanken nach ein wirklicher Unterschied besteht• Historisch bedeutet die Mandatspolitik die Verweisung des Selbstbesthnmungsrechtes der Völker auf den Weg der Entwicklung. Die Araber glauben, dass diese Entwicklung schon abgeschlossen sei. Es bedarf also eines Eindringens in die.höchsten und letzten Gedanken politischer Bildungsmöglichkeiten, um aus dieser Frage einen Ausweg zu finden. Die Bedeutung des Keren Hathora. Von Dr. Raphael Breuer, Rabbiner in Asdvaffeniburg. Wenn das Judentum zur Zeit der Hasmonäer den Ansturm des Heidentums, der es geistig unterwühlen und zersetzen wollte, siegreich überstand, so war dieser Sieg ein Triumph der jüdischen Tat über jenen unseligen Ge!i׳st eines fatalistischen Gehenlassen,s der Dinge, der auch damals, so wie heute, in weiten Kreisen der Judenheit das Gefühl der Verantwortung für das Schicksal der Thora einzuschläfern versuchte. Die Hasmonäer wachten, während andere schliefen, sie weckten und riefen auf zu opfej:־ freudigem Tun, während andere ׳mit der berühmten Vergeblichkeit alles Tuns ihr Gewissen beruhigten. Der Tat der Hasmonäer war ein Erfolg b-eschi&den, der nicht vereinzelt blieb, der sich noch immer wiederholte, wann immer jüdische Menschen mit dem ganzen Einsatz ihres Lebens und Vermögens für die Erhaltung ihres höchsten Gutes eintraten. Die Agudas Jisroel wendet sich mit einem. Aufruf an die jüdische Welt, die Ghanukatage dieses Jahres nicht vorübergehen zu lassen, ohne den Keren H a t h 0 r a, den die rabbinischen Grössen der Gegenwart ins Leben gerufen •haben, mit reichfliessenden Spenden zu unterstützen. Was ist dieser Keren Hathora? Er ist das finanzielle Instrument, dessen die Aguda sich bedienen will, •um die Lehrstätten der Thora zu erhalten. Diese Lehrstätten befinden sich in grosser Not. Sie sind von den Gefahren des Verfa'lles und der Zerstörung bedroht, und sie werden untergehen, wenn die Hasmonäerhände und Hasmo- ־näerherzen fehlen, die bereit und gewillt sind, den Untergang zu verhindern. Habt ihr die entsetzlichen Folgen eines Unterganges d׳:r jüdischen Lehrstätten sohon einmal genau durchdacht? Es ist keine rednerische Phrase, sondern eine geschichtliche Tatsache, dass unser Leben und die Länge unserer Tage in dien Lehrstätten der Thora wurzelt. Man kann die Geschichte der Juden geradezu als die Geschichte der jüdischen Lehrstätten, bezeichnen. Denken wir uns einmal aus der jüdischen der Kaiserin Maria Theresia empfangen zu werden. Einer FamilicntraditioTr) zufolge soll Isak Landesmann sogar auf ausdrücklichen Wunsch der Kaiserin zur Audienz befohlen worden sein, die den Mann s hm wollte, über dessen humanes Wirken sie viel Gutes gehört und dessen Märtyrertum für seine Religion sie gerührt habe. Diese Darstellung mag wohl durch die Brille der ein wenig übertreibenden pietätvollen Familienüberlieferung gesehen sein. Tatsache aber ist, dass die Kaiserin den ״Pullitzer Judenrichter“ in Audienz empfing, und das war, wenn man die Verhältnisse jener Zeit ins Auge fasst, wohl auch schon nichts Geringes. Die historisch besser zu begründende Vermutung liegt nahe, dass auch bei der Audienz Isak Landesmanns gleichfalls der mächtige Einfluss des Fürsten Kaunitz sich geltend gemacht halte. Dem Charakter dieses Staatsmannes entsprach es wohl, dass er einer Sache, die er als gerecht erkannte und für die er einmal Interesse gewonnen, auch dann sein Wohlwollen bewahrte, wenn es sich *) Rer Rabbiner M. L. Kohn hat vor •etwa sechzig Jahren die von dien Nachkommen' Isak Landesmann ihm 21׳ur Verfügung gestellten mündlichen und schriftlichen Mit- (ci'lamigen sorgfältig i׳n einer umfangreichen Studie über diesen Fall zusamimengestelllt. (Dieser Studlie und d׳em Buche des Historikers G. Wolf ,Jandentauifen in Ostreich“, das einen Ausiauig der über diese Angelegenheit erhaltenen׳ •amtl!x:1hen Protokolle enthält, ist das Material entnommen, das wir zur Beleuchtung des ״Mortarafalles im 18. Jahrhundeirte“ benäitizt haben.) Weldler&Fürst Feinste Herrengarderoben nach Mass Lager feinster. Original engl. Stofie Wien! Ho; Hollands!!*■ IS Geschichte alles weg, was in Zusammenhang mit dem Leben und Wirken der Ghadorim und Jeschiwohs steht, daun bleibt ein leerer Rahmen übrig, aus dem auch unsere politischen und wirtschaftlichen Schicksale herausgefallen sind, weil auch die nur im Zusammenhang mit unseren jetzigen Bestrebungen und Erlebnissen, so wie sie in ihrer besonderen jüdischen Eigenart sich abgespielt haben, möglicli waren. Denn wann immer jüdische Menschen a!is •Gestalter ihrer politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sich betätigt haben, immer galt ihre politische Sorge und ihr wirtschaftliches Streben der Verwirklichung und Erreichung ihres Zieles, das sie lediglich als das materrelle Substrat ihres geistigen Lebensinhaltes e.mpfanden und bewerteten. Eine durch Gefährdung der jüdischen Lehrstätten herbeigeführte Lockerung des Zusammenhanges von Thora, Politik und Wirtschaft müsste und würde somit eine Umwertung aller jiidischen Werte, •eine Umkehrung aller Triebfedern der jüdischen Geschichte bedeuten. Dahin darf es niemals kommen, denn v/as in solchen kritischen Zeiten, wie wir sie heute durchleben, die vieles vernichtet und alles in Frage gestellt haben, aus ׳dem jüdischen Volke würde, wenn man ihm durch eine Vernachlässigung seiner Lehr- Stätten die Grundlagen seiner geistigen Existenz entzöge, davon können wir uns eine Vorstellung machen, wenn wir den Entwicklungsgang der jiidisehen Intelligenzen verfolgen, die aus dem Kulissendunkel ihrer polnischen oder litauischen Heimat in das Rampenlicht der wissenschaftlichen oder politischen Weltbühne traten. Diese jüdischen Revolutionäre und Bolschewisten, die den breiten Volks• massen, wir mögen uns dagegen wehren, so viel wir wollen, als typische Vertreter des jüdischen Geistes gelten, die den Riss!ihrer Seele nur dem Kundigen verraten, der nur weiss, dass noch kern Acher gestorben ist, ohne in seines Lebens letzter Stunde die Stimme Rabbi Meirs vernommen zu •haben, die ihn heimwärts rief, ׳bevor mit dem letzten Atemzuge auch die letzte Möglichkeit der Teschuwo'h verhauchte — diese grossen jüdischen Hasser und Verneiner der Thora, die•uns. so bitter weh taten und in der öffentlichen Meim1^^^|v:grössen W-elt so unendlich geschadet haben, sie׳ stehen heii'te bei allem Eklat ihrer Wirkung auf Welt und Leben nur einen kleinen Bruchteil der jüdischen Intelligenzen dar, ■die aus 'den Bindungen •der Thora .' den Weg ins ״Freie“, wie sie das selbst auzudrücken pflegen, gefunden haben. Wie nun aber, wenn das, was bisher vereinzelte Erscheinung war, zu einem mit der ganzen Wucht eines W'asserfalles a׳uf tretenden Massenereignis würde? Wenn sich ׳die Jeschiwohs, die heute noch immer das Gros des jüdischen Volkes der Herrschaft der Thora zu unterwerfen und Generation nach Generation an ihren Dienst zu fesseln wissen, entleerten, wenn sie verkümmerten und eine Massenfluoht aus ihren brüchigen Hallen einträte, gegen die alles, was wir um Juden handelte.!Fürst Kaunitz hatte mehr als einmal vor seiner Monarchin das Interesse des Staates gegen Uebergriffe der Kirche vertreten, und er mag daher auch 1 aus prinzipiellen Gründen für Isak Landesmann ein Wort. eingelegt haben. Maria Theresia hörte wohlwollend die in bescheidenem Tone, aber mit Freimut vorgetragene Bitte des Juden an, der nur Schutz für sein angeborenes Menschenrecht erbat. Man darf wohl auch annehmen, dass Maria Theresia, die selbst eine zärtliche Mutter war, durch den Hinweis Landesmanns auf seine Gattin, die seit so langem des Anblickes ihrer kleinen Kinder beraubt sei, gerührt wurde. Eine Mutter wird — auch wenn sie nicht frei von anerzogenen konfessionellen Vorurteilen ist — das Verständnis für die Schmerzen einer jüdischen Mutter nicht unterdrücken können. Die Kaiserin entliess den ״Pullitzer Judenrichter“ mit freundlich tröstenden Worten, und sie bekundete ihre günstige Gesinnung für ihn auch alsbald durch die Tat. Als ihr die geteilten Meinungen der Mitglieder der Hoflcanzlei über den Fall vorgelegt wurden, entschied sie sich für das, Landesmann günstig lautende Votum der Majorität. Dieses lautete, ״dass dieses Judenkind bei den allenthalben wegen Richtigkeit der angeblichen Taufe fürwaltenden Zweifel von der Anfechtung der Geistlichkeit ledig und .losgezählt, folglich •dem jüdischen Vater seine eingelegte Caution anwiederum relaxiert werden könnte“. (Schluss folgt.) und Mizwos erlebten, in dfcn Schatten träte? Als vor hundert Jahren in Deutschland, dieser richtigen Hochbürg des Thoralernens und Thorawissetfs, eine Jeschiwoh nach der anderen ihre Pforten schloss, da war es der Ansturm eines neuen Geistes, des Geistes der Reform, öder noch besser der Rebellion, dem sie nicht widerstehen konnten. Immerhin war es eine geistige Auseinandersietzung, der sie unterlagen, es war eine Niederlage, die der tragischen Grösse nicht entbehrte. Dagegen wäre heule ein Untergang der Jesahiwohs im Osten mit aiien Merkmalen eines hässlichen Todes behaftet• Es wäre ein beschämendes Ereignis, eine Niederlage der Thora aus schäbigen Gründen, finanzieller Kalamität. Dahin muss es niemals kommen. Daihin wird es niemals ■kommen, wenn ihr dem Keren Hatbora gebt, was ihm gebührt. Es hat alles seine Grenzen. Auch der Idealismus hat seine Grenzen. Denn sie sind doch schliesslich und endlich aus Fleisch und Blut, die in den Jeschiwolis lernen und lehren. In Zeiten sozialer Hoch- Spannung frisst sich der Ingrimm 'physischer Unter- ׳ernährurog auch in den Lchrstätten der Thora ein. Es ist ein Bisojaun Hatauroh ohnegleichen, junge Mensahen, die ״ihren Leib mit Schass und Poskim füllen“ wollen, in den Jahren der physischen Ent- Wicklung körperlich darben und hungern zu lassen. Die traditionelle Figur des gebrechlichen Jesehiwo-!boohers pflegt in empfindsamen Gemütern nicht die Pflicht tatkräftiger und opferfreudiger Hilfe, sondern eine vkchifeile Bewunderung des Sieges der Thora über die Gebrechen des Leibes auszulösen. Diese romantischen Seelen, die körperliche Sättigung als ein Privilegium des Am Haaretz betrachten, mögen sich gesagt sein lassen, dass der bekannte Ausspruch, unserer Weisen ״Hisoaru hiwnei anlim usw.“ nicht im Sinne ׳einer ׳etwa von der Thora anbefohlenen Verelendung der Thorabeflissenen, sondern im Sinne unseres Keren •Hatauroh-Institutes zu verstehen ist, aus dem ein breiter Strom frischer Lebenskraft, starken •Lebensmutes und jugendlicher Lebensfreude über die Lchrstätten der Thora sich ergiessen soll, wo auch die Aermsten unter den Armen frei von allen nieder- ׳drückenden Sorgen und des Lebens Notdurft dem Lehren und Lernen der Thora sich widmen sollen. Wie heisst es doch in Ghu'lin 92a: Das jüdi-che Volk gleicht einem Weinstock, die Trauben am Weinstock sind die Thoraweisen, die Reben sind die Männer des praktischen Lebens, die sie unterstützen. Die Blätter sind die Unwissenden. Deshalb lautet die Botschaft aus Palästina an die Bewohner Babylons: Die Trauben sollen für das Wohlergehen der Blätter beten, ohne die Blätter, die ihnen Schutz bieten, könnten die Trauben nicht gedeihen. Ihr Blätter auf weitem Erdenrund, spendet zu den Keren Halthora. Die Trauben beten für euch! Agudas Jisroel und der Zionismus. In den letzten Nummern des ״Jewish Chronicle“ veröffentlichte R e v. G. B 0 y a r s einen längeren Artikel unter obigem Titel. Wir bringen beute die ausführliche Antwort des Herrn Harry Goodmann, die eine präzise und klare Darstellung dieses ganzen Kornplexes bildet: An ׳den Herausgeber des ״Jewish Chronicle“! Sir, — In der jüngsten Nummer des ״Jewish Chronicle“ drückt Reverend G. Boyars seine Bedenken über die Aufrichtigkeit der Agudas Jisroel, was den Wunsch zum Frieden und zur Eintracht betrifft, aus- Dieser Wunsch datiert nicht von der Kenessio Gedaiulo her, schon früher hat dd׳e *Aguda den Wunsch geäussert, sich mit anderen jüdischen Körperschäften zu verbinden, um ihren angemessenen Teil an den grossen Anstrengungen des Wiederaufbaues von Palästina zu haben. Es ist nicht allgemein bekannt, dass unmittelbar nach dem Waffenstillstand die Agudas Jisroel sioh an das Kopenhagener ׳Bureau der zionistischen Organisation (zu jener Zeit die Zentrale der zionistischen Organisation) gewendet hat, mit der Absicht, eine Verständigung einzuleiten. Es ist ebenso wenig a’lgemein bekannt, dass nachher Dr. T. Lewenstein aus Zürich, zu jener Zeit Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel, nach Paris und London in einer besonderen Mission reiste, mit dem Aufträge, über eine Verständigung mit der zionistischen Organisation zu verhandeln, •und dass Mr. S 0 k 01 0 w das Memoran- •dum, welches ihm Dr. L e w e n s t e i n zurückliess, verlegte und sich erst einige Monate später an das betreffende Gespräch erinnerte. Die zionistische Antwort auf diese Schritte ist noch ausständig. Die Aguda sah diesen Verlauf der Angelegenheit voraus und wünschte die Katastrophe, welche herannahte, abzuwenden. Die Jewish Agency sollte die wirkliche Vertreterin des jiidisaben Volkes und nicht einer einzelnen Partei sein. Zu behaupten, dass die Aguda früher nie auf die bisher an Beispielen des Einzelabfalles von Thora En gro$ ua*9 Erxo^guiftg I.,Bauernmarkt 24 (icke Fieischmarkt) Tel. 6730־? Deftailverkaufs-FljedeHage % I., Cspaben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. PetzRUfbewahrung gegen Versicheraug über die Sommermonat•'

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