Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 49 (7.12.1923)
- Date
- 1923-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. JÜDISCHE m ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration{ Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-SIowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreiset Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-SIowakei Kö. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1.500. Zahlungen fflr Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-SIowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217: f.RamSnien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz & Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. L,uzem VII. 1470. Np. 49 Wien-Bratislava, 7. Dezember 1923 ,ב״ה ויענה־פרעססבורג ניט כסלו תיפ"!־ 9. Jahrg. In und um Palästina. Die Chanukazeit ist vielleicht wie keine andere Zeit geeignet, uns und unseren Lesern Rechenschaft über den Stand der Palästna-Angelegenheit zu geben. Es bedarf keines weiteren Wortes, um zu sagen, dass diese Angelegenheit die Angelegenheit jedes Juden ist. Umsomehr ist man verpflichtet, sich klar zu werden über die Schwierigkeiten, die aus dem Weg z!u räumen sind, wenn die Palästina-Angelegenheit als allgemeinjüdische ihrem Ziel entgegengeführt werden soll. Die Schwierigkeiten liegen auf drei Gebieten, wovon das eine ein rein materielles, das zweite ein rein geistiges ist, das dritte sich zwischen diesen zwei Polen bewegt. Das rein Materielle liegt in der Tatsache beschlossen, dass Palästina zurzeit die höchste Valuta auf Erden hat und infolgedessen Einwanderung und Existenz ausserordentlich erschwert!sind. Diesem Uebelstand wäre nur dadurch abzuhelfen, dass Juden in Ländern mit hoher Valuta sich entschliessen würden, den Organisationen, die ihren Kulminationspunkt in Ländern mit niederer Valuta besitzen, einen langfristigen Kredit zu gewähren. Dieser Kredit müsste auf rein kaufmännischer Basis organisiert sein und all die Garantien bieten, die derartige langfristige Kredite gegenüber Staaten oder sonstigen Gemeinschaften beanspruchen und erhalten. Nur dadurch könnte die Palästina-Anbeit aus dem Rahmen einer Wohltätigkeitsaktiori heraus und in den Rahmen einer produktiven Gemeinisohaftsarbeit hineingespannt werden. Dieses Ziel ׳kann, -wir wiederholen, nur dann erreicht werden, wenn diese Kredite nicht an einzelne Personen, sondern an tragfähige Organisationen gewährt werden, denen dadurch schon aus materiellen Gründen der Zwang auf erlegt würde, die für jede Art von Kolonisation tüchtigsten Menschen auszuwählen und zu entsenden. Das Problem ist ein schweres Problem, aber es ist zu lösen. Schwieriger, noch viel schwieriger ist das Problem auf!geistigem Gebiete. Wir stehen nun einmal vor der Tatsache und sagen das ohne jede Parteirücksicht, dass ein Teil der Juden in Palästina ein Paradies der Möglichkeit erblickt, sich ungehemmt ausleben zu. können, der andere Teil hingegen Pa- 1lästina als das Land betrachtet, in deim die absolute Gebundenheit an das religiöse Gesetz für den Einzelnen und für die Gesamtheit eine unumgängliche Notwendigkeit ist. Es ist eine grausame Wendung des jüdschen Geschickes, dass der Kulturkampf innerhalb der Judenheit sich nun ausgerechnet auf dem Boden Palästinas austoben will. Selbstverständlich kann es auf einem solchen Gebiete einen Waffenstillstand nicht geben. Man kann sich einer grossen Sache mit dem höchsten׳ erreichbaren Grad von Selbstverleugnung hingeben, man kann und darf aber, nicht zum Verräter des Heiligsten werden. Kompromisse auf religiösem Gebiete gibt es nicht. Aber wie soll denn sonst das Problem gelöst werden? Auch hier gibt es nur einen Weg. Die Führer des Individualismus müssen! sich entschlossen, zur Führung der jüdischen Dinge in Palästina nur religiöse Menschen zu berufen und müssen die Kraft aufbringen, religiöse Institutionen als sakrosankt zu betrachten, ohne sie ,mit Steuern und Kontrolle zu belasten. Die Erziehung müsste als religiöse Institution betrachtet werden, so dass man wenigstens ohne Sorge für das geistige׳ Wohl der Emigranten sich der Fürsorge für den wirtschaftlichen Aufbau widmen könnte.; Das dritte Gebiet, das wir oben als Grenzgebiet bezeichneten, ist die sogenannte arabische Frage. In derselben mischen sich bei den Arabern selbst rein materielle Gesichtspunkte des!Ringens um politische Macht sowie ideale Gesichtspunkte, die sich aus nationalgeschichtlicher Tradition ableiten. Wenn man die arabische erkennen, mit welch hochentwickelter diplomatischer Meisterschaft in jedem einzelnen Stadium diese beiden Punkte zu einer Einheit zusammengefasst und zielbewusst vertreten worden sind. Wir sind nicht so vermessen, um behaupten zu wollen, dass die Juden allein imstande sind, die arabische Frage zu lösen, insbesondere nach jenem geheimnisvollen Gesetz der Menschheitsgeschichte, dass dort, wo entgegengesetzte Ideen aufeinander ■stossen utDd sich mit materieller Macht umkleMen, es immer einen Kampf bis aufs Aeuisserste gibt. Zu untersuchen wäre nur die Frage, ob es wirklich nötig war, künstlich einen derartigen Gegensatz der Ideen zu konstruieren. Es wäre ferner Pflicht, zu untersuchen, warum früher ein arabisch-jüdischer Gegensatz nicht bestand. Wif wollen nicht behaupten, dass das Resultat dieser Untersuahiung nach der Lage der Dinge, wie es nun einmal ist, einen politisch gangbaren Weg zeigt. Allein es ׳wäre schon viel gewonnen, wenn es gelänge, ztt zeigen und zu ׳bewähren, dass das arabische und jüdisehe Wollen wohl in Einklang zu bringen ist. Dann würde dem Kampf, der sich auf materielle Faktoren stützt, viel von seiner Schärfe und Bitterkeit genomimem werden und es könnte vor allen Dingen nicht mehr politisches Intrigenspiel ein so leichtes Feld wie bisher haben. Wir bitten unsere Leser, die Antwort der arabischen Exekutive auf den Vorschlag des High Commissioriers, die wir an anderer Stelle dieses Blattes bringen, von diesem Gesichtspunkte aus zu prüfen. Dabei müssten allerdings alle beteiligten Faktoren stets, im Auge behalten, was eigentlich der ganze Sinn der Mandatspolitik ist. Man vergisst nur allzu leicht, dass dieser Begriff in den Friedensverträgen, diie sich an den Weltkrieg anschliessen, neu geschaffen wurde. Der Grundgedanke, der hiebei obwaltete, besteht darin, dass man den werdenden Staaten noch nicht die Kraft zutraute, sich sofort in absoluter Selbständigkeit in das Weltkonzert einzufügen, und dass man deshalb geschichtlich erprobten Staaten die Aufgabe zuwies, die jungen Staaten ge- Wissenmassen erzieherisch zu. betreuen.. Deshalb hat damiv sie darauf bedacht ist, in absehbarer Zeit — da!s. ״absehbar“ ist hiebei zu unterstreichen — den Staat seinen Bewohnern zur absoluten selbständigen Verwaltung zu übergeben. Sowohl Araber wie Juden hätten in der Grenze des politischen Egoismus das höchste Interesse daran, die Erreichung dieses Zeit- Punktes zu beschleunigen. Natürlich müsste auch dies im Rahmen der nun einmal gutgeheissenen Mandatspditik geschehen. So lange bei den Bewohnern eines Landes nicht die beiden Voraussetzungen erfüllt sind, unid, ziwar erstens der gemeinsame Willensausdruck, zweitens der Nachweis dafür, dass den Eia Mortara-Faü im 18. Jahrhundert. (Fortsetzung.) Der Staatskanzler hörte freundlich die Leidensgeschiöhte der Familie Landesmann an und war von dem tragischen Schicksale, das diese jüdische Familie ohne jedes eigene Verschulden betroffen hatte, erschüttert. Fürst Kaunitz war, was mit dazu beitrug, ihm in der Geschichte Oesterreichs einen ruhmvollen Platz zu sichern, ein von Freisinn und religiöser Vorurteilslosigkeit beseelter Mann, der von konfessionellem Fanatismus nichts wissen wollte. Maria Theresia, die in diesem Punkte noch ganz von den Vorurteilen ihres Zeitalters beeinflusst wurde, liess sich trotzdem mitunter von ihrem ersten Minister in einer Weise beraten, die keineswegs die׳ Zustimmung der klerikalen Eiferer fand. Die Kaiserin wusste, dass Kaunitz im Vatikan sehr schlecht angeschrieben war, dass man ihn dort als einen Ketzer betrachtete, aber sie liess sich durch keinerlei Einflüsse bewegen, sich von dem geistig so hochragenden Staatsmann zu trennen. Ein Mann wie Kaunitz konnte nicht nur das Ohr, sondern auch das Herz für die Klagen einer Gattin, einer Mutter haben, die nur mit!demütigen Worten den trockenen Sachverhalt zu erzählen brauchte1, um zu einer Anklägerin gegen die gehässige Intoleranz zu werden. Kaunitz versprach der Bittenden, sich zunächst um das Schicksal ihres im Kerker schmachtenden Gatten kümmern zu wollen, und er löste bald sein Wort ein. Es war sicherlich seinem gütigen Bemühen zu danken, dass dem Isak Landesmann die ihn peinigenden ,;starken Eisen“ abgenommen und durch leichtere ersetzt wurden und der Gefangene überhaupt eine mildere Behandlung erfuhr. Es ist auch anzunehmen, dass Kaunitz‘ mächtigem Fürworte es zu danken war, dass das Gubernium das Ansuchen Esthers, mit ihrem und ihres Gatten ganzem Vermögen für die Entlassung Isaks aus dem Gefängnis zu garantieren, einer wohlwollenden Prüfung unterzogen wurde* Die Kaiserin hatte das ihr vorgelegte günstige Votum des Gubemiums, wonach die Untersuchung der Angelegenheit fortgesetzt, aber inzwischen der Gefangene auf freien Fuss gesetzt werde, bestätigt. Aber— und das wirft wieder ein grauenhaftes Licht auf die Verhältnisse jener Zeit — selbst das gesamte Vermögen der Eheleute wurde von den Behörden nicht als eine genügende Kaution betrachtet. Man mutete ihnen za, dass sie eventuell lieber als Bettler sich flüchten, bevor sie die endgültige gerichtliche Entscheidung abwarten würden. Da zeigte sich aber die jüdische Dankbarkeit und Hillsbereitschaft in ihrem vollen Glanze. Sämtliche Mitglieder der Pullitzer Gemeinde erklärten sich bereit, mit ihrem ganzen, allerdings nicht sehr beträchtlichen Vermögen für Isak Landesmann die Garantie zu übernehmen. In einer der Behörde überreichten Urkünde vom 12. Juni 1768 heisst es u. a. buchstäblich: ״Im Falle über kurz oder lang besagter Isak Landesmann auf jedesmaliges Verlangen bei dem gehörigen Gericht sich nicht stellen oder aber gar flüchtig werden sollte, gleich berührte Caution per 300 fl. Reichswährung. von uns mit den schärfsten Zwangsmittein eingetrieben werden könne, solle und möge, gleich wie wir hiemit pro Generali Hypotheca unser gesamtes Hab, Gut und Vermögen konstituieren; pro Speciali aber unsere gesamten eigentümlichen Häuser, und zwar dergestalt, dass wir, die ganze Gemeinde, für jeden besonders und einer für Alle, keiner davon ausgenommen, haften sollen und mögen.“ Neun Monate waren vergangen, seitdem Isak Landesmann das Leben eines schweren Verbrechers im Kerker verbrachte, bis endlich die Stunde der Befreiung, der Erlösung, für ihn schlug, und er zu seiner opfermutiigen Gattin zurückkehren durfte. Aber noch war nicht der Tag angebrochen, an welchem Landesmann hätte wag’en dürfen, auch seine drei kleinen Söhne aus dem Exil heimzubringen und an das Vaterherz zu drücken. Noch mussten die zärtlichen Eltern die natürlichsten Gefühle der. Menschenbrust gewaltsam unterdrücken und ihre Kinder in dem zarten Alter, in welchem sie so dringend der mütterlichen Pflege und Sorgfalt bedürftig waren, in der weiten Fremde unter der Aufsicht allerdings braver, frommer Menschen lassen, die aber doch niemals die Liebe der Eltern ersetzen konnten. Isak Landesmann besorgte weiter, ״dass ihm mit. seinem Kinde Löbel doch eine Gewalt geschehen könnte“. Er entschloss sich׳ daher, kaum dass er das Gefängnis verlassen, die Fahrt nach Wien anzutreten, um dort seine Angelegenheit persönlich zu vertreten. In Wien gelang es ihm, in Audienz von fl *££ Bl« fltfostt Inttmatiotial« Km»«W«m$tätie für fl Itnmar Schilf Pttück«n, Scheitel und Cransformatlonen •1/111 I ▼ | / 111 €n gros — cn detail / Billigte ClttnauTtgutlic / Pie fier$teinnfl a«$ garant. daHergeweiltettt ttat»rhaar QJi«n I... .. Härntntrrinfl Br. * (gtgtnlbtr 4«. not«! Btiitoi), c«1. Liefert $elt «ebr all anderthalb Jabrxebnie« de« wraebmftea orthodoxen Damen aller Eäadcr Perücke*. 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