Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 47 (23.11.1923)
- Date
- 1923-11-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630045--1227-2632956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 47 JÜDISCHE PRESSE Seile 37! NACHRICHTEN. vom Tape Die Kongessrede Zangwills. 'Der Sturm, den Zangwiil mit seiner Reide am amer׳ika׳riisch־jüdischen Kongress ״entfesselte, .hat «iah noch nicht ge/legt. Es ist nicht unsere Absicht, an dieser Stelle ,auf diese Rede rm allgemeinen ziirückzitkommen; Ihloss einen einzigen Satz!wollen wir 'herausgreifen!, mit welchem Zangwili die Orthodoxie im aphoristischer Kürze chlaraikteri'S'ieren wallte. ״Orthodoxer Jude sein, sei 1׳idesst unvermeidlich ein Element des jüdischen Nationalismus ein.“ Zangwili wollte mit diesem Satz zur Ehrenrettung der Orthodoxie beitragen. Br glaubte, dass nach soviel Schmähung und Verachtung die Ehre der orthodoxen Juden •hergestellt werden muss, präziser ausgedrückb, dass man auch dem orthodoxen Juden Ehre zuerkenmen kann, schliesst doch die Wesenheit 'des orthodoxen Juden unvermeidlich ein jüdisch-naltionalißs Element e'in. Schade! Schade, diess diese nichtige Erkenntnis des grossen Dichters so spät kommt. In einer ,Periode, wo der orthodoxe Jude weit übe. die Phase •jenes Zustandes hinausgewachsen ist, wo man mit einer freundlichen Aeuserung sich zufrieden gibt. Solange •die Orthodoxie bloss Objekt war, solange!hat man die Objektivität zur Beurtetrlung ihrer Wesenheit kaum irgendwo finden können. Ist sie ׳nun erwacht und die Stellung eines 11anideIndien Subjektes in schweren Kämpfen errungen, wird sie selbst von den grossen Dichtern unsenes Volkes entdeckt und man macht ganz merkwürdige ,Entdeckungen. Der orthodoxe Jude, der iblis jetzt ,der Ausbund der Rückständigkeit unid ein zu nichts taugliches Gefäss war, ersteht plötzlich ,als ein .Bestandteil .des jüdischen Volkes. Ja sogar •als ein wertvoller Betauldtüil; •sein Sein enthält sogar unvenm eidlich ein Element des!jüdischen Nationalismus. Dass nun der orthodoxe Jude •als ein Element des jüdischen Nationalismus aufgefasst wird, ist ein wesentlicher Fortschritt. Vor 20 Jahren würde das ׳niemand geträumt haben. Selbst der grosse Träumer Zangiwill ,nicht. Dass aber orthodoxer Jude sein nicht ibloss ein Element, sondern überhaupt den jüdischen ,Naticnalismus ,in sich schliess‘1,!würde au phantastisch klingen, selbst in dem Munde ides grossen Phantasten Israel •Zangwili. Doch der orthodoxe Jude ist •erstanden, er ist 'handelndes Subjekt, und es Wird kaum lange dauern, dass ,selbst diie Gegner es ,anerkennen wenden, dass er nicht bloss ■ein Element, sondern überhaupt ‘die Wesenheit des jüdischen N a ti 0 null s m us bld eu te t. ©3© Die Woche. ©©3 Clevelaud. Wie der ״J'ewish!Independent“ meldet, beschloss die Gemeinde ״Bnai J׳eschurun“ in Glveland, eine neue Synagoge zu erbauen,!deren Kosten ohne •den Bauplatz zirka 500.000 Dollar betragen ׳wenden. Der zum vierten Male wiedergewählte, verdienstvolle ,Präsident der Gemeinde, iMr. ׳Henry Spina-, •wird demnächst das Aktionskomitee und •den Bauausschuss ernennen. New York. Die Harwand-Umiversität hat von den Erben des ־jüdischen Tabakgrosskiaufmannes Jakob Wertheim eine Stiftung von 100.000 Dollar erhalten, deren Zinsen alljährlich derjenigen akademischen1 oder nichtakademischen Persönlichkeit Zufällen •sollen,!welche die beste Arbeit •über das Zusammenwirken von Kapital und Arbeit liefert. Werbheim •hat sich vom kleinen Zigarrenhänidler zum Leiter der mit 20 Millionen Dollar arbeiten- •den ״United Cigar Ma'nufacturers Company“ hinaufgearbeitet. Jerusalem.!Die rumänische Regierung bat den Leiter der Credit Lyonnais in Jerusalem, Herrn Gerasimo, zu ihrem Vertreter in .Palästina, Konsul I. Klasse, ernannt. Bisher bat der spanische Konsul in Jerusalem auch die rumänischen •Konsutobgesdiäffte geführt. Jerusalem. Der palästinensische lMotordienlst hat■ einen täglichen Personen- und Güterverkehr zwischen Jaffa und Jerusalem eingerichtet■. Das Personenauto nimmt -drei Stunden für die Fahrt in Anspruch, die Karten kosten 17,5 Pilaster. Die Lastwagen fahren so ab, dass die während des Tages aufgeigebenen Eilpaikete nachts in Jerusalem ankommen ,und ■am nächsten Morgen an die Adressäten gesandt ■werden׳ können. Binnen kurzem sali auch zwischen Hebron, Jerusalem, ׳Rischon le Zion׳, Jaffa ein solcher Dienst eingerichtet und zwischen Jerusalem und Hebron ein dreimal täglicher ׳Personendienst durchgeführt werden. Konstantinopel. In der Türkei wurde eine neue Verordtiung erlassen, ׳wonach die Leiter und Lehrer auch der jüdischen!Schulen ottomanische Staatsbürger!sein •müssen, ebenso muss!die Unterrichtesprache für Geographie!und Geschichte etc. türkisch sein.!Die!Lehrer •wrclen von der Regierung ernannt, jedoch muss der Gehalt von den׳ jüdisehen ׳!Gemeinden ׳bezahlt werden!. Diese Bestimmungen erschweren •überaus (die Existenz der jü/diisdhen Schulen. Lemberg. An der medizinischen׳ Fakultät• in Lemberg haben sich nur 46 christliche neue Hörer gemeldet, obwohl 150 Plätze wFhanden ׳sirtd. Trotzdem ist nicht ein jüdischer Student zugelaissen worden. New York. Am 26. Oktober starb in Seaectady (Amerika) plötzlich IDr. Karl Steinmetz, einer der grössten Gelehrten und Erfinder, Steinmetz, ein Jude, gehörte zu (jenen Wenigen, wirklich Grossen, die nicht skrupellos sich über jedes Gebot der Menschlichkeit binwagsetzen! “Änd ohne (Rücksicht auf andere ,adle!unter- «ordneten Kräfte ausbeutend׳, nur einem Ziele na all jagen; eirettu! « *• 5 Pelzwaren aller Art, für Damen u. Herren, in eigener WerKstätte feinst ausgeführt zu billigen ElnffUhrungspreisen A.Teitler, II., Schmelzgasse 6 Modernisierungen prompt und billig! nämlich der Anhäufung riesiger Reichtum er. Um so mehr ist diese Tatsiche zu ׳würdigen, d׳a!Dr. Steinmetz in Amerika seine Erfindungen und Arbeiten schuf, in einem Lande, wo das Geldmachen der einzige Lebenszweck ist.!Bei der Nachricht von seinem Tode erklärte Thomas ■Alva Edison, nicht nur in seinem Namen, sondern auch im Namen der ganzen wissenschaftlichen Welt: Die ׳Welt verlor heute nicht nur einen der grössten Mathematiker•, •sondern auch eine der ׳grössten1 Leuohten der Wissenschaft. Oesterreich. Reorganisation der österreichischen Palästina- Zentrale. Wien: (A. J. P. B.) I׳m Verfolge eines Be- Schlusses der Kenessio Gedaulo wird die Palästina- Arbeit in allen Ländern stark in Angriff genommen. D'ie afriweltliiohe Palä s tim a -Ze n t r ad e ׳der Agudas Isroel in Frankfurt a. M. hat eine Reihe wertvoller Pläne zur praktischen Betätigung im heiligen Lande au'Sgeanbeitet, za deren Verwirklichung die einzelnen Landeszentralen die jüdischen Massen systematisch heranzuziehen halben. In Wien fand Dienstag, den 13. November eine von der österreichischen Palästina-Zentrale eimberufene Beratung statt, der mehrere erfahrene Fachleute zugezogen wurden. Bei der Konstituierung der österreichischen Palästina-Zentrale wurde Rabbiner Josef Bauimgarten zu!m Vorsitzenden und Rabbiner N. Friedmann zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Ferner wurden drei Korn- 1missionen ins Leben gerufen, •die den Arbeitskomplex unter sich verteilen werden: 1. Wirtschaftliche Kornmission, 2. Komm'isision für Thora und Chfsuk Hadas in Erez Isroel, und 3. Propaganda. Universitätskrawalle. Wien. Samstag den 17. ■d." M. kam es äuf der Wiener Universität wieder zu Krawallen aus Anlass der Reibereien zwischen den hakenkreuzierisehen u׳nld deatsabfireiheicliehen Studenten. Die ersteren besetzten die Aula der Universität und vertrieben alle jüdisch aussehenden Studierenden. Hierauf begaben sie sich in die Universitätsbibiiot'heik, um auch dort unter grossem Aufwand von Stimmitteln und ihrem geistigen Niveau entsprechenden Drohungen die jüdischen Leser der Bibliothek zum Verlassen der Räume zu zwiingen. Der Rektor der. Universität verbot .hierauf das Tragen der Farben auf dem Beiden der Universität und verfügte strengen Legiti׳matiansz wang. Es wäre, interessant, zu erfuhren, ״wie lange die betreffenden Faktoren dem Treiben einer Horde beschränkter Bierschädel zuschauen werden, einem Treiben•, das auf jeden Fall das Ansehen des Staates stark schädigt. Newej Jisroel Arbeit in Oesterreich. Die Arbeit für Newej Jisroel geht unerwartet rasch u!nd erfolgreich vor •s'iah. Niolirt niu!r!in Wien!, sonder« auch •in der österreichischen Provinz und de Tschechoslowakei, wo die /Jiugend 1 auldeso׳rganisation ei« unter der Leiitunig des Herrn L!a׳jos Kästner erfolgreich tätiges Komitee eingesetzt ׳hat. Wie populär die Aktion •und der Gedanke, den Häuserbau iiin Erez Jisroel nur durch ,die Aguda zu fördern, ist, beweist der ׳grosse Erfolg der Newej Jisroel in Wliener-Neustadt. Diese österreichische iProvinzstadt, ln der das religiöse Leben durch die Agudas Jisroel einen mächtigen Impuls erfahren hat!und stetig im Aufschwung begriffen ,ist, bat 1i׳m ersten Zugg die •Aktion •Pffd. Sterl. 350 aufgebracht, was aber!noch rrirmer nicht das endgültige «■D scäxmidkXÜäsche. Feinste Herrengarderoben xu.a.ct1 HKZCslss» Neu eröffnet: üenfefcüons - Abteilung■ •C ,Kein ו•1״ שעטנז■ S&:m.tlio]h.o Herrenmodeartikel (Herrenwäsche, Krawatten etc.) ן-׳״ ■ Mässige Preise.!— Ergebnis für Wiener-Neustadt dars teilt. •Dieser Erfolg Ist in erster Reihe der aufopferungsvollen .und selbstlosen Tätigkeit des Herrn Rabbiner M. D. Friedmann au danken, dem nicht minder aufopferungsvoll! ■die Ortsgruppenfeihmg der Agudas Jisroel in Wiener-Neustadt zur Seite stellt. Wienie^NeuStadt bildet einen!ver'heissu'mgsvollen Auftakt der Tätigkeit der Newej Jisroel in Oesterreich. Chanukajauso der Tallmud Thora. Wen. •Mittwoch (den 29. Kislew findet im Saale des Hotel ״Bayerischer >Hcf“ eine Ghanukajause der Talmud Thora statt. Die Jause ׳ist für 500 Kinder berechnet. Aus dem Bureau der Agudas Jisroel. Wien. (A. J. P. B.) Herr Rabbiner •Tobias ׳Horow.irz und ,Herr •Dr. Deutschländer sind in Wien eingelangt, 11m an den Arbeiten (des Zentra'ibureaus der Agudas Jisroel teizunehmen. Sijumfeier im 6. Bezirk. Am jüngsten Sabbatiausgang fand im Betlhhamidrasch der Stumperschwl ein סיום ברכות statt. Eine zahlreiche FrcnndessChaar mit Herrn Rabbiner Flesch, ■der Vorstand des Bettouses, mit Obmann Felsenburig an der Spitze, die Obmänner der Adas Jisroel Ccmmerzialrat ,Sigmund Bondi,!der Agudas Jisroel Baippeuheim Herr Rabbiner Dr. Politik, Dr. Ehemann, ׳Oberkantor ,Braun und Vetreter der Jugend-Gruppe Wien, IL, ,nahmen am Feste teil.!Nachdem Herr Bluim, der unermüdlich bemüht ist, dem ׳ שיעורdurch seine klare Vortragsweise (immer neue Hörer zu •gewinnen, die מסכת מסיים gewesen und dies mit gehörigem Drwre Tlhauroh gewürzt 'hatte, ,sprach Herr Rabbiner Flesch. In begeisterten Worten feierte er den riesigen Fortschritt, den idas יהדות i!m 6. Bezirk gemacht hat. In diesem Bezirk•, der einst eine W'üste mit wenig Oasen war, pulsiert heute ,ein kräftiges jüdisches Leben. Die Ansprachen der Herren Felsembung, Commerzialrat Band!, Dr. Pollaik, Dr. Ehmann und!Weiss,!besonders aber die 1herzlichen Worte der jungen Brüder Deutsch und Oesterre'icher, gestalteten das Fest zu einem Erhebenden. ׳Vom iRahbinat ׳der Adas Jisroel erhalten wir folgende!Mitteilung: Verschiedene Händler mit Lebens- und Gen'ussmittejn veröffentlichen Anzeigen•, dass sie Waren von Unternehmungen und Erzeugern beziehen,!die die Aufsicht des Rabbinats!der Adas Jisroel geniessen. Alle Kunden dieser Händler werden -aufmerksam gemacht, dass die obengenannte ■Mitteilung nicht beinhaltet, dass auch die betreffende Verkaufsstelle die ,strenge Aufsicht ,genlesst •Das Räbbinat der Adas Jisroel übernimmt für dieselben keinerlei Verantwortung und jedes Käufers Sache ist es, die Richtigkeit!de Angabe des Händlers und dessen Vertrauensfwürdigkeit selbst zu prüfen. *Wien, am 8. Kislew 5684 (16׳. November) 1923. Das Rabbinat der Adas Jisroel. Wien. In der nächsten Zeit erscheint ,die erste Nummer einer neuen grossen illustrierten Zeitschrift für jüdische ■Kunst,!Literatur und Wissenschaft ״Das Zelt“. Die Redaktion des literarischen und Wissenschaftliehen ,Teiles leitet gemeinsam ׳mit einem Redaktionskomitee Eugen Haetfliah, den künstlerischen Teil Unlv.- Professor Dr. Max Eisler!und Architekt Josef Hahn. SchriJtleitung und Verwaltung befinden sich Wien׳, I. Christinengasse Nr. 4. Berichtigung. Es wurde unser Verein auf einige Aufrufe unterzeichnet airid ich als Mitglied eines Komitees!gewählt. Iah als Obmann unseres Vereines .,Gmilis Cheseld“ (!Beizer Klaus) I׳I. Lilie nbrunngasse 18. erkläre hiemit in meinem sowie iim Namen unseres Vereines,!dass niemand ohne Beschluss des Vorstandes berechtigt •ist, für unseren Verein zu unterschreiben. ׳Wien, Kislew 5684. S. Sparer, Obmann. Polen. Antisemitische Exzesse in Kalwarya. Kakau. In •dem in der ׳Nähe von Krakau gelegenem Städtchen Kalwarya kamen während des •letzten Markttages Jiuldenexzesse vor. •Den Anlass hiezu gab ein Streit (zwischen einem Bauer und einem ׳jüdischen Händler, in dessen Verlauf die’ versammelte Menge für den iBaueru Partei ergriff, worauf Ueberfälle auf jüdische Kaufleute und Geschäfte begannen. Fast׳ ,sämtliche jüdische Warenläden wurden ausgeplündert. Der Polizei ist es gelungen, einige der Exzedenten m ergreifen, bei ׳denen ׳grössere Mengen geplünderter Ware gefunden wurden. Pelzhaus Armer & Orner Wien, II., Lassing-LeithnerpUtz 3 (Taborstr. 17 b) Grösste Auswahl In M&ntels, Jaoken und Fäohsen. Fassonierungen nach neuesten Modellen in eigener Werkstätte. Reichhaltiges Lager in allen Arten Verbrämungsfellen. # Billig-• Pr«ine, da klein« Regie. Herrenmodehaus A. BORENSTEIN Wien, II., Hollandstr. 10