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Jüdische Presse · 1923-11-23 · 47 (23.11.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
47 (23.11.1923)
Date
1923-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 370 JÜDISCHE PRESSE Nr. 47 Ungarn und die Aguda. Drei Gründe sind es, die in orthodoxen Kreisen als Motiv gegen den Anschluss an die Aguda wirken. Vorerst die Angst, dass die durch lokale Verhältnisse, Umgebung, Kulturniveau der Umwelt verschiedenen Erziehungsprobleme, speziell das unbedingte Bedürfnis des Westens nach höherer europäischer Kultur, im Osten den grossen, unbedingt nötigen Zeitaufwand für Limed Hathorah soweit beschränken könnte, dass die Intensität des Thorastudiirms stark beeinträchtigt werden könnte. Weiters wird geltend gemacht, dass die Länder, die eine geschlossene orthodoxe Organisation besitzen, der Aguda nicht bedürfen. Ein drittes, nicht eingestandenes Motiv zur Zurückhaltung ist die Furcht, dass der Anschluss an die Aguda grosse Opfer an Zeit und Geld erfordern müsse, noch dazu für fremde Länder, da doch die grossen Aufgaben der Aguda nur mit Aufwand aller Kräfte der gläubigen Judensch.jft der Lösung entgegengeführt werden können. Die Kenessio Gedaulo hat all diesen Einwänden für ehrliche Menschen ein Ende gemacht. Die Erscheinung der Grössten unseres Volkes ח״י hat alle Befürchtungen vor einem schädlichen Einfluss der Aguda entkräftet. Nur was שוד! לכל נפש ist, was der Orthodoxie auf dem ganzen Erdenrund frommt, darf die Aguda unternehmen. Die entscheidende Bestimmung hierüber hat der ׳Rabbinische Rat, in dem die גאונים וקךושים deren Bedeutung in überwältigender Weise in die Erscheinung trat. Auch die Ansicht, ״wir ■bedürfen der Aguda nicht“, hat der Verlauf der Kenessio Gedaulo entkräftet. Die Erkenntnis, dass nur die gesamte Orthodoxie in ■der Lage ist, die Abwehr gegen innere und äussere Feinde mit Erfolg zu betreiben; dass eine kräftige Unter- Stützung geistiger und materieller Art zu bieten, und zwar zu bieten, ohne dass die Empfänger antireligiösen Elementen dankbar und von ihnen abhängig sein müssen, hat ׳sich allgemein durchgerungen. Alle, die an der Kenessio Gedaulo teilnahmen, mussten sich eingestehen, dass nur der Klal Jisroel in der Lage ist, unsere heiligsten Güter: Thora, Awodah und Gmilus Chesed zu erhalten, und dass die Arbeit für Agudas Jisroel ausschliesslich befähigt ist, den Geist unserei Altvordern, wie ihn Jisroel seit vier Jahrtausenden hegt und pflegt, auch unseren Kindern und Kindeskindern zu vererben. Die ungarische Orthodoxie, die dank ihrer Organisation es dahin gebracht hat, dass die Zahl der יראים in den letzten fünf Dezennien ב״ה zugenommen hat, konnte annehmen, dass sie keiner Weltorganisation bedürfe. Konnte glauben, dass die riesigen Anforderungen, die sie im Lande bedarf, es ihr unmöglich machen, für auswärts Opfer an Geld und Zeit zu bringen. Durch den Anschluss an die Aguda hat die ungarische Landesrepräsentanz, die aus freier Wahl hervorgegangen, die Ansichten der ungarischen Orthodoxie widerspiegelt, dokumentiert, dass das Heil der gesamten thoratreuen Judenschaft durch die Tätigkeit der Aguda allein gewahrt wird. Dieser Anschluss ist geeignet, den Gedanken der Aguda zu verbreiten und zu vertiefen und der Aguda auch jene יראים zuzuführen, die bisnun den An- Schluss ablehnten. Das Palästinaprogratnm der Agudas Isroel! *) Die in ■der Agudas Isroel organisierte Orthodoxie hat seit ihrer Gründung am 12. Siwan 5672 in Kattowitz als eine ihrer vornehmsten Aufgaben betrachtet, alle ■mit Erez Isroel zusammenhängenden Fragen im Geiste der Thora zur Lösung zu bringen zu versuchen. Die Stellungnahme der thoratreuen Judenheit zu Erez Isroel ist ■aber über alle wechselnden Ersc'hsinungen der Völker- und Staatengeschichte hinaus nicht etwa durch individuelles Empfinden, Tradition und historische Erinnerungen allein oder durch politische Bestrebungen irgend welcher Art bestimmt, sondern vielmehr durch ■die klar von der Thora und den massgebenden Decisoren ausgesprodiene religiöse Verpflichtung: Dass Juden in Palästina wohnen, dass sie sich persönlich dort niederlassen und alle Kraft aufbieten, um durch Hebung der wirtschaftlichen Lebensmöglichikeit einer möglichst grossen Zahl von Brüdern die Niederlassung zu •ermöglichen, bildet den Begriff der Mizwas Jischuw, Erez Isroel. Der einzige Faktor der Palästina-Politik der Agudas Isroel ist ausschliesslich die Sicherung der ungestörten Erfüllung dieses religiösen Pflichtgebotes innerhalb der jeweiligen politischen Konstellation. Hiebei ist in Betracht zu ziehen, dass uns Erez Isroel ein heiliger Boden ist. Der Jischuw im Heiligen Lande soll ein heiliger Jischuw sein. Die von der Agudas Isroel dort angestrebte Entwicklung soll sich *) Wir bringen heute einen Aufsatz in Fortsetzung der programmatischen Darlegungen über das Palästinawerk der Agudas Isroel. Die Red. zwar sehr wohl die technischen Errungenschaften der Neuzeit dienstbar machen, aber sich deshalb nicht von dem Sinaigesetz abiösen und etwa ein Abklatsch einer unreligiösen westeuropäischen Talmi- Kultur werden. Unser ganzes Interesse ist somit darauf gerichtet, dass die noch ganz im alten Judentum wurzelnden osteuropäischen Massen frei in Palästima einwandem, und frei sich dort bewegen dürfen; dass ferner diejenigen Kreise der mitteleuropäischen Orthodoxie, welche die Auseinandersetzungen mit der Kultur schon bis zu einem gewissen Grade bestanden haben, auch in Erez Isroel bei dem Aufbau eines wahren jüdischen Lebens unbeschränkt mithelfen können und dass endlich im Lande selbst Verhältnisse geschaffen werden, welche weder einer individuellen noch einer nationalen Assimilation an unjüdische Kultur Vorschub leisten. Zur Erreichung dieser Ziele hat Agudas Isroel, seitdem die politische Konstellation die Palästina-Besiedelung ermöglicht, sich eigene Organe geschaffen, um die Palästina- Arbeit unnachgiebig -von den übrigen grossen Arbeitsgebieten der Agudas Isroel mit der notwendigen Intensität zu pflegen. Jede Landesorganisation der Agudas Isroel besitzt ihre eigenen Palästina-Zentralen. Bezeichnenderweise stellte sich heraus, dass bei den gemeinsam gerichteten Interessen aller Länder sehr bald der Wunsch rege wurde, einen von den Landesgrenzen unabhängigen ״Keren Hajischuw“ (Wirtschaftsfonds) zu schaffen• Während der eigentliche Keren Erez Isroel wie auch die sogenannte Rausch- Chaudesch-Spende der Förderung des Schulwerkes ■und der übrigen Thorainstitutionen des Heiligen Landes gewidmet ist, dient ■der Keren Hajischuw vornehmlich der rein praktischen, wirtschaftlichen Auf- MÖBEL - SPEZIAL-FABRIK ״KÜCHENFEE“ KARL KLIMBERGER & CO. WIEN, XX. BEZ., ENGELSPLATZ NR. 6 Küchen-, ßohl&f-, Vor- und Mädchen- Zimmer zu billigsten ]Preisen. £Jur eigene Erzeugung־. Goldene Medaillo 1913. 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JEREMIAS M.LIPPEL Wien, II., Stefanlestrasse 7 (Jetzige He andst.) modern frisiert bautätrgkeit auf Grundlage der Thora. Nachdem aus prinzipiellen Gründen Agudas Isroel mit der zignistisehen Organisation nicht konform geht, ist sie gezwungen, ihre eigenen Fonds selbständig aufzubringen und zu verwalten. Es ist aber selbstverständlich, dass der Keren .Hajischuw niemandem zuliebe und niemandem zuleide diejenigen Gebiete der Palästina-Arbeit vor allem speisen soll, welche unabhängig von jeder Parteirichtung von allen denjenigen begrübst werden wird, die eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung R.alästinas auf Grundlage der Thora als ein dringendes Gebot der Stunde betrachten. Die landwirtschaftliche Kolonisierung Palästinas wird in erster Linie aus den Mitteln des Keren Hajischuw bestritten werden. Der aus diesem Fonds gekaufte Boden wird, soweit er der Vorbereitung der Bebauung bedarf, zunächst durch Pioniere bebauungsfähig gemacht werden müssen, und alsdann unter fachmännischer Leitung der eigentlichen Bebauung zugeführt werden. Das Arbeitsmaterial wird anfangs nur aus teilweise gut geschulten Kräften bestehen können; doch soll durch Lehrfarmen sowohl in Palästina als auch durch Ausbildung in europäischen Anstalten für einen Stamm gelernter Landarbeiter Sorge getragen werden. Neben der geldlichen Entlohnung für die Pioniere und Landarbeiter soll jedem Arbeiter die Möglichkeit gegeben werden, im Laufe der Zeit Mitbesitzer des von ihm bebauten Bodens zu werden. Das Land, welches Agudas Isroel erwirbt, wird vornehmlich in der Form der Erbpacht an Private abgegeben werden können. Aber auch für die Urbarmachung und die Bebauung von Land, dessen ■Besitzer an Chuzö Hoorez sind, wird Agudas Isroel Sorge tragen. Hauptsächlich fördert die Verwaltung des Keren Hajischuw Genossenschaften, die gemeinschaftlich als geschlossene Gruppe Koloniegründung beabsichtigen. Neben der eigentlichen Bodenbebauung wird Gartenwirtschaft, Gemüsezucht, Geflügel■!־ zucht, Milchwirtschaft besondders in der Nähe deT Städte zu berücksichtigen sein. Unter fachmännischer Leitung wird ein Spezial Programm für die lanidwirtschaftliche Tätigkeit, welche durch den Keren Hajischuw zu fördern ist, ausgearbeitet werden. Es wäre völlig verfehlt, wenn man sich damit begnügte, lediglich die Möglichkeiten zu besprechen, welche denjenigen Ansiedlern in Palästina sich bieten, die •sich landwirtschaftlich dort betätigen wollen. Einmal lässt sich der Uebergang von ganz anderen Beschäftigungen zum Ackerbau nicht so leicht vollziehen, dass damit zu rechnen wäre, dass auch nur ein nennenswerter Bruchteil der Einwanderer besonders vom Westen, sich agriknlturell zu betätigen i/1 der Lage wäre; Es soll keinem ■die Lust genommen werden, im gewohnten Berufe im neuen Lande ein Fortkommen zu suchen, so lange ihm in der gänzlieh ungewohnten Landwirtschaft ein Erfolg nicht möglich ist. Es wäre auch alles andere als eine gesunde Volkswirtschaft, wenn durch die Uebertrcibung des Landwirtschaftsbetriebes Industrie und Handel vernachlässigt würden. Mit Beachtung der bereits bestehenden Industrien und derjenigen, die sich auf Grund von Produktion und Rohstoffen des Landes sowohl, als auch auf Grund importierter Industrieartikel und Rohmaterialien ergeben, beabsichtigt die Palästina-Zentrale der Aguidas Isroe'l vornehmlich die industrielle Kolonisierung auf dem Gebiete der Montanindustrie und Ver- Wertung von Bodenschätzen (Mineralien, Textil- und Lederindustrie, Olivenholzindustrie, Buchdruokereiindüsfrie samt den zusammenhängenden Schriffgiessereien, Holzschnitzerei, Möbelsöhreinerei usw. Es dürfte vor allem■ durch Gründung von Aktiengesellschaften ermöglicht werden, einzelne Industriezweige, die besonders aussichtsreich sind, durch Privatinitiative zu fördern. Zur Durchführung der landwirtschaftlichen sowie der industriellen Kolonisation ist aber die Teilnahme aller denkenden, gesetzestreuen Jehiudim an unserem Keren Hajischuw Voraussetzung. Nachdem die Kenessio Gedaulo in Wien sich einmütig für die wirtschaftliche Arbeit in Erez Isroel ausgesprochen hat, sind wir überzeugt, dass gerade die Wiener Aguda es als eine Ehrenpflicht auffasst, an der Erez Isroel-Arbeit der Aguda sich zu beteiligen• Ein jeder enzelne sowie jede Gruppe setze ihren Stolz darein, bei dem Erwerb der Stätten beteiligt sein zu dürfen, welche der Erfüllung des 'rhoragesetzes im Lande der Thora geweiht sind. Denn die Weihe jeder Ackerfurche, jeder Baumpflanzung im Heiligen Land, die Durchdringung jeder Tätigkeit des jüdischen Landwirtes, des jüdischen Kaufmannes und Gewerbetreibenden mit Thorageist ist uns Jischuw Erez Isroel, ist uns die Rettung des einzelnen und der Gesamtheit von materieller!und ideeller Not, ist uns ■die Rettung des Heiligen Landes von der Gefahr, ein unheiliges Land zu werden. Das Unserige dazu zu tun und das Prophetenwort zu verwirklichen, ״dass jeder Topf in Jerusalem und Jehuda heilig sei, heilig sei dem ü-tt der Schöpfungssebaren“. Das ist das Palästina-Programm der Agudas Jisroel! Dr. S. E. Zur Saison 1 Reiche Auswahl neuester Pelzuiodelle in sämtl. Pelsartea — Pariser Kid Wiener Ueselimack voreiut — erzeugt nur tu eigenen Werkstlttea unter persOul. Leitung de«, bestroaetam orten Inhabers 11er Pirna Ms PW6r1, Mrstmse 9-11 Ir. Utkresg. Hi

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