Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 47 (23.11.1923)
- Date
- 1923-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 372 JÜDISCHE PRESSE Nr. 47 DctmcManl Die Lage der Juden und der Orthodoxie. Frankfurt a. M. Vergangenen Samstag hielt Dr. N. Birnbaum auf Einladung der Agudas Jisroel- Jugendgruppe in Frankfurt vor einem grossen Auditorium einen Vortrag unter dem Titel ״Die Lage der Juden und die Orthodoxie“. Der eineinhalbstündige Vortrag war eine ungemein scharfe Abrechnung mit den Auswüchsen der Weltkultur und ihren Nachäffungen in den libefal-jüdisciien Kreisen. Der ganze Kampf gegen den Antisemitismus habe ein Fiasko ergeben* habe nichts genützt und viel geschadet. Alle Rettungsversuche für das jüdische Volk, ob sie von zionistischer oder liberaler Seite kamen, waren vergebens. Die Orthodoxie ist das Volk und muss die Rettungsarbeit in die Hand nehmen. Es müssen aber ganz neue Wege gesucht werden. Die Einmischung in die grosse Politik müsse vollkommen vermieden werden. Der jüdische Teilnehmer an der demokratischen oder gar radikal-sozialistischen Politik ist der unversöhnliche Hass zu danken, der sich überall gegen uns angehäuft hat, und sie muss fortan ganz unterbleiben. Wir müssen darauf sehen, ein einfaches biederes jüdisches Volk zu gewinnen, was aber bei der Vorherrschung des Kaufmannsstandes in der Judenheit nicht denkbar ist. Die beste Lösung wäre die Schaffung eines gesunden jüdischen Bauern- Standes. Rumänitn. Die Rede Senators Oberrabbiners Zirelsohns im rumänischen Parlament Bukarest: (A. J. P. B.) In dere Antwortdebatte zur Thronrede eregriff der jüdische Senator Oberra'bbiner Zirelsohn-Kischinew (Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Isroel) das Wort. Er konstatierte, dass die Bestimmungen des Gesetzes über diie Einbürgerung der Juden mit Füssen getreten wurden, ebenso, dass durch Verordnungen des Unterrrichtsministers in den Minoritätenschulen die Muttersprache verboten wurde. Er wies nach, dass zahlreichen jüdischen Lehrern die Lehrberechtigung entzogen wurde. Er brachte den Artikel des Friedensvertrages zur Verlesung, der die Freiheit des Unterrichtes in der Muttersprache garantiert. Schliesslich verlangte er die Annullierung aller Erlasse, die mit der Konstitution in Widerspruch stehen. Blutige antisemitische Ausschreitungen an der Jassyer Universität. Bukarest. Auf der medizinischen Fakultät der Universltät von Jassy kam cs seitens ■der antisemitischen Studenten zu cbweren Ausschreitungen. Die im anatomichen Saale befindlichen jüdischen Studenten, dlie mit d״r Sezierung einer jüdischen Leicthc beschäftigt waren, wurdep von den runnänrschen Hakenkreuzlem überfallen und mit, Knüppeln ׳blutig geschlagen. Zahlreiche jüdische Studenten erlitten ernste Verletzungen. Zur Wiederherstellung der Ru'he wurde Polizei und Militär aufgeboten. Ein Student wurde verhaftet, da er einem Polizelkomniissär einen Stockhieb versetzte. er« 3i$rotl. Die palästinensisch-arabische Exekutive erwartet neue Vorschläge der Regierung. Jerusalem. Die palestmensisch-arabische Exekutive überreichte dem Oberkommissär Sir Herbert Samuel ein sch Etliches Memorandum, in! dem die Ablehnung des letzten Angebotes einer ׳Arab Agency bekräftigt wird. Die paiästinensich-arabische Exekutive erklärt in dem Memorandtim, dass die Araber Palästinas das Angebot einer Arab Agency schon deshalb afolehnen, weil sie durch Annalime der Agency die Juden als ihnen gleichberechtigt anerkennen würden. Die Araber haben nicht den Wunsch, eine der Jewish Agency gleichgestellte Arab Agency zu halben. Sie verlangen volle Freiheit. Sie sind überzeugt, dass das Angebot der Arab Agency hiebt der Jetete Vorscblag der Regierung an die Araber ist. fraitkrticl». Gegen die jüdische Einwanderung nach Frankreich» Paris. In den letzten Tagen sind mehrere antisenrttische und reaktionäre Zeitungen mit Artikeln gegen die zunehmende jüdische Einwanderung In Frankreich hervorgetreten. Naah Mitteilungen dieser Blätter sind in der letzten Zeit eine grössere Anzahl von Juden aus Polen und Rumänien zu dauerndem Aufenthalt in Frankreich eingetroffen. Die Zeitungen sprechen die Befürchtung aus, dass die jüdische Einwanderung Massencharakter annehmen werde, und fordern Gegenmassregeln. Amerika. Das 50jährige Jubiläum der ״Ohew Zedek“ In New York. New York (A. J. P. B.) Die erste und älteste Organisatian der orthodoxen ungarischen Juden in Amerika ״Oltew Zedek“ feiert in er Woche vom 3. bis 10. Dezember ihr 50jähriges Jubiläum• Die First Hungarian Cangregation ״Ohew Zedek“ hat in der ganzen Zeit ihres Bestehens und besonders in den letzten Jahren mit grossen Mitteln und in grosszügigster Weise sich für den Schutz ihrer Mitglieder in Amerika und für d!ie Hilfe ihrer Brüder n der ganzen Welt eingesetzt. Für die Stärkung des orthodoxen Schulwesens in Amerika leistete die Organisation Vorbildticlies. Es ist besonders das Verdienst des Oberrabbiners Dr. Ph. Hil. Klein sowie des Präses der Organisation Mr. Moritz N e u m a n n, der Herren L. Friedmann und Moris E11 ge 1 mann, dass die ״Ohew Zedek“ heute an der Spitze der charitativen Institutionen in Amerika marschiert• Wir gratulieren herzlich der First Hungarian Congregaton ״Ohew Zedek“ zu ihrem Jubiläum und wünschen ihr weiteres Blühen und Geedihen. TSCHECHO-SLOWAKEI. Talmud Thora In Michalovce. Sonntag, 25. Marche- «chwan, fand in unserer Gemeinde eine Feier statt, die den freudigen Abschluss einer drefssigjähriigen Krisis im Erziehungswesen bei uns bildet. Seit Jahrzehnten war die Errichtung einer Talmud Thora-Schule ein Streitpunkt in unserem Gemeindeleben. Die Frage hat mm durch das zielbewusste Streben unseres gegenwärtigen Gemeinde- Präses, Herrn Lazar Fuchs, eine alle Parteien im hochsten Masse zufriedenstellende Lösung gefunden. Dank der Energie des Präses wurde in der Nachbarschaft der Synagoge ein grosses Grundstück erworben und darauf für diie Zwecke der Talmud Thora ein schönes Schulhaus imit acht Lehr zimmern gebaut. Die Gesamtkosten der Schule betragen tsch. K 500.000. Die Einweihung des Hauses ge- Staltete sich zu einer erhebenden Feier. Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Simon E h r e .n f e 1 d hielt aus diesem Anlass eine alle Anwesenden ergreifende schöne Rede, in der er die Bedeutung des Limuid Hatauroh •und der frommen Judenerztehuttg hervorhob und diie Verdienste des Herrn Lazar Fuchs um das Zustandekommen der neuen Schule dankbaT anerkannte. Hierauf fand ein von 400 Teilnehmern be- »lichtes ׳Bankett statt. Bei Tisch sprach Ehrw. Rabbiner Gr iinbe r g e׳r, der Sobranczer Rabbiner, Herr Michael Sommer u. a. Der frühere Gemeindepräses spendete tsch. K 20.000. An sonstigen Spenden gingen tsch. K 40.000 ein. Mit dem Feste war ein סיום deT המשניות *HD verbunden. David Büschitz S. A. Dunalsks Streda, den 1. November 1923. Donnerstag den 22. Marcheschwan (׳!._November); wurde hier Herr David Büschitz s. A. zu Grabe getragen. Mit dem Verblichenen1 sinkt •ein grosser •Teil unserer guten alten Keh ill fh tr adi t ionen ins Grab. Ein du rchdri irgend er Verstand, ein unbeugsamer Gharakter und antike Frömmigkeirt vereinigten sich in dein Verblichenen in ׳harmonischer Weise. Jahrzehntelang staufd er unserer ehrwürdigen Gerncinde vor, deren geistiger Leiter er bis ins hohe Greisenalter gewesen. Ein zahlreiche Trauergenieinde geleitete den Heimgegangenen auf seinem letzten Wege. Ergreifende Nachrufe, die ihm von seinem Sohne und von Seiner Ehrw. Herrn Oberrabbiner W e 11 n b e •r g e r (Dunajska Streda) gehalten wurden, entsprachen den Gefühlen der Trauergemeinde, die fast vollzählig ihrem Nestor das Geleite gab. Agudas Jisroel in Dunajska-Sfreda. An Stelle des nach Waitzen übersiedelten Rabbiner Silberstein wurde Herr •Lazar Büschitz, gewesener Gemeindevorsteher, zum •Präses der Agudas Jisroel-Ortsgruppe gewählt. Herr Büschitz hat sich um das jüdische Leben in unserer Gemeinde auch bisher schon grosse Verdienste erworben. Von seiner Energie und Rührigkeit wirtd!allseits auch für die Entwicklung der Aguda Grosses erwartet. Dank dein Eifer des Schriftführers unseer Ortsgruppe, Herrn Arnold Stern, hat die Sammlung der כופר C’Sä-Abgabe bei uns ein gutes Resultat erzielt. Als erste Rate konnte dieser Tage bereits der Betrag von ׳tsch. K 3000 an!die Zentrale abgeführt werden. Jüdisches Leben in Dunajska-Streda. Durch den Bau des vor kurzem unter grossen Feier- *ichkeiten evngetweihten בית המדרש bat unsere Gemeinde eine wertvolle Bereicherung seiner Institutionen erhalten. Das בית המדרש •führt den Namen des berühmten ח מיכאל פאפא זצ״ל, Vaters des Rabbi Mosche Josef Hofmann שליט׳יא in Jerusalem und Grossvaiers unseres beliebten Vorlerners R. Feiwel Schwarz נ״י. Morgens und abends versammelt sich eine grosse Anzahl von Kauf- Leuten, die während des Tages ebenso wie der Vorlerner selbst beschäftigt sind, in diesem בית המדרש, wo r. Feiwel Schwarz מנן אברהם׳ דינים, ׳יגמרא vorträgt. Diese שיערים erfreuen sich stetig wachsenden Zuspruches. Auch die Agudas Jisroel hält hier ihre Ver- Sammlungen ab. Vorige Woche feierten wir hier einen סיום auf מסבת ערובין •im Rahmen ejnes Festmahles, an dem ein grosser Teil unserer Gemcfa1demitg.lieder terlnahm. Dabei Welten die Herren R. F. Schwarz, Rabbiner Sialomon Goldberger, Arnold Stern u. a. begeistende Reden und es herrschte •unter den׳ Anwesenden eine frohe Stimmung!wegen des zunehmenden Lerneifers in unserer Gemeinde. Das Los unserer Brüder in Deutschland hat hier allgemeines!Mitgefühl erweckt. Dem Aufrufe der Landeskanzlei und! der Agudas Jisroel zur Einleitung einer Geldsammlung ■haben die׳ meisten jüdischen Einwohner Folge gegeben. Am letzten ש״ק wurden zirka tsch. K 6000 gespendet und die Sammlung wird noch fortgesetzt. ־ ס*וםFeier ln Cus. Am מוש״ק פרשת תולדות hat die שיעור יומי ש״ם חברה der Agudas Jtsroel-Or tsgnuppe in Cus anlässlich des סיום auf מ׳ם ברבות einen wohigeiungenen מלוה דמלכה- Abend veranstaltet. Ausser den!Besuchern des täglich ..*.... ♦b ♦ Grand ■ Sanatorium : und Wasserheilanstalt : Bratislava Tiefer Weg Erstklassige diagnostische, diätetische und physikalische Heilanstalt für Innere u. N*rvenkranke // Chirurgie. Frauenheilkunde // Ab!eihingen für Augen-, Ohren-, Nasenu. Halskranke Röntgentherapie 1/ Chemisches Laboratorium * Pauschalpreis von £K 55, für Entbindung l ♦ (8 Tage) öK 1100 bis 1800 ♦! 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Das Gelingen des schönen Festes fst bauptsächlich den eifrigen Aguda-Mitglledern Herren Viktor Adler,!Bamich Braun und Mor Herzog zu verdanken. B Rabbi Abraham KHmowsky צ״ל?. In Dimajsika Streda verstarb als Flüchtling der bekannte Rabb. Abraham Brody (Klimovsky) im Alter von 52 Jahren. Er war in!Brody תופס ישיבה ünd kan» während des Krieges zu uns. Hier hat er sieh baM grosse Sympathien erworben und ais grosser ת״ח und ירא שמים allgemeine Verehrung. Das Judentum verliert in Ihm einen ihrer besten Söhne. Er Hess Frau und fünf Kinder in grösster Armut zurück. Nove Zamky. שבת ויצא 'wird ׳hn hiesigen Op׳ meindeieben in dauernder Erinnerung bleiben. An diesem Tage wurde der ערוב seiner Bestimmung übergeben. Schon seit Jahren ׳w'ar es ein sehnlicher Wunsch der orth. Gemeindemitglioder, diass um die Stadt herum ein ערוב gezogen wird. Vor zwei Jahren hart der orth, Jugendverein mit Herrn Rudolf Fleischer an der Spitze die Angelegenheit in die Hand genommen. Herr Oberrabhiner Josef Tiger mann scheute keine Muhe und arbeitete tmrmüdlich, um die nötigen Instruktionen zu geben. Die städtische Behörde und der städtische Ingenieur Gombos gaben her eit willigst die ׳Bewilligung und die Gemeindemitglieder die Kosten hiezu. In einer Inhaltsreichen דרשה erörterte der Oberrabbiner dl* Vorschriften und die Bedeutung der ערוב. Mit eineT trefflichen Wendung kam Se. Ehrw. auch auf unsere Brüder .in Deutschland zu sprechen imd auf die Notlage, in welcher sich die deutschen 'Kultusgemeinden befinden, ׳In herzerschütternden Worten setzt er auseinander, dass es Pflicht eines jeden Ist, au helfen. Die Worte des Oberrabbiners Tigermann waren wirkungsvoll, ׳denn bis Sonntag abends ,sind ׳hier für die deutschen Juden tsch. K 6000 ztisamimengekommen. (A. B. N.) Briefkasten. Rabbiner und Andere. Beim Lernen des דף יןיסי H•*■ man na׳ h ברכות 'DD ״״mi tfiibar ׳ שבתDD unt r Auchaltung der משניות לס׳ זרעים weil משניות n!ch׳ nach דפים t werden. Nach Vollendung aller מסכתות we׳den vor dem 0יןם auf ganz Schass diמשניות ״ nachgehol׳. Oberrabbiner In J. Sie wünschen, auch in unserer Zeitung verzeichnet zu sehen, dass Eingänge an .,Zionisten׳• Steuer“ aus der tschechoslowakischen Republik nur zum