Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 45 (9.11.1923)
- Date
- 1923-11-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt. 45 JÜDISCHE PRESSE Seite 353 patate überwiesen werden• Bis zum Erscheinen dieser Mitteilung dürften bereits mehrere h u ndert Pakete <lurch die Aguda nach Deutschland übermittelt worden sein. Im Bureau der Aguda meL den sich täglich freiwillige Sammler und Mitarbeiter. Die eingegangenen Gelder ,werden täglich an die Zentfafe in Wien weitergeleitet. Das Bureau der Aguda ihratft auch Spenden zur UebermittlUng von Paketen an bestimmte Personen in Deutschland entgegen. In sofchen Fällen ist die Adresse des E m p f ä ng e r s genau anzugeben. Pakete werden in mannigfachen Zusammensetzungen abgesandt, und zwar 5 kg-Pakete zum Preise von 30, 35, 40 und 55 tschech. Kronen und 10 kg-Pakete zum Preise von 75 tschech. Kronen. Für die richtige Ankunft der Pakete an die Adressaten hat die Transportgesellschaft vertrag- }ich Garantien übernommen. Ueber den Inhalt der Pakete siehe die Anzeige des Wiener Aguda- Bureaus• Interessenten wollen :sich wenden an die Landesorganisation der Agudas Jisroel in der SIowakei, Bratislava, Turnergasse 14-16, Postfach 140. Die Hilfsaktion in Holland. Die holländischen Zeitungen veröffentlichen die Aufrufe zur Linderung der Not der deutschen Juden und die ersten ansehnlichen Spendenausweise. Nach dem Muster des Jüdischen Hilfswerkes wurde auch ln Holland eine KJnderaktion eröffnet. Die hoäländisclre Jirdenschaft, die auch den österreichischen Kindern seinerzeit gerne einen Erholungsaufenthalt gewährte, ist auch jetzt bereit, die deutschen Kinder für einige Wochen zu übernehmen. Spendenausweis. Deutschlandhilfe. (Fortsetzung.) Allgemeine Spenden: Herr Süss durch Heinrich Ffefsohmann K 10.000, Albert Frankel K 500.000, Mizzi Brüll K 20.000. David Weinberger K 200.000, Jakob Fuchs K 500.000. Adolf Pollak K 50.000, Lazar Laub K 50.000, Ludwig Klemptner K 20.000, Julius und Irene Renner K 50.000. Hugo Träger K 50-000, Jakob Katzburg K 20.000, Heinrich Neumann K 20.000, Grünhut K 50.000, Bella Grünwald K 100.000, Josef Glück K 200.000. Alice Greiner K 30.000. Josef Frankel, Bratislava, unig. K 16.752, Differeuz einer We'tte K 75.000. Summe der Spenden österr. K 1,945.000, ung. K 16.752. Kinderaktion. Jakob Wolf durch Frl. Drtta Lettner K 3,000.000, Frau Löffler K 50.000. J. Pauli K 500-000. Gesamtsumme der Spenden K 3,550.000. Lebensmittelpakete. Jakob Stroh K 161.000, Ernst Stern K 392.000, Rabb. Neuwirth K 144.000. Sandor Wolf, Eisenstadt, K 500.000, Mayersohn K 300.000, Ludwig Fischer K 114.000. Josef •Brodi K 144.000, Moritz Reidihardt K 134.000, Theodor Klein K 154.000, Isidor Erster K 288.000, Akiba Schreiber K 144.000, Wilhelm Morgenstern K 77.000, Berlin K 144.000, Emft Kritzler K 57.000, Ludwig Fischer K 57.000, Frau;Weiss K 67-000, Frau Pick K 67.000, Frau Singer K 67.000, Jakob Rabinowitsch K 171.000, Salo Weiss K 57.000, gesaftimelt durch Herrn Bernhard Lewinter von Firma Krupnik K 570.000, Jonas Welieoker K 154.000, Marc Göttin K 40.000. Summe der Pakete K 4,003.000. . . Gesamtsumme der bisher׳ eingelaufenen Spenden: öoterr. K 13,870.000, ung. K 16.752. tschech. K 35.— Versicherungen aller Art übernimmt Herr Direktor Josef Grub er. Wien, II.. Taborstrasse 64. der bei Berulung auf unsere Zeitung die Provision zur Gänze der ,Azuda“ in Wien zuwenden wird. Gründung des Verbandes der orthodoxen Bethausvereine in Wien. Wien: Samstag, den 4. November, 8 Uhr abends, fand im Saale der Talmud Thoraschule eine Versammlung der Vorstände der orthodoxen Bethaus־ vereine in Wien statt. Auf der Tagesordnung stand die Stellungnahme der orthodoxen Bethausvereine zu den von der Wiener Orthodoxie an die Kultusgemeinde überreichten Forderungen. Anwesend waren Delegierte folgender Vereine: Adas Isroel, Marphe Inefesch, Achdus Isroel, Zabner Klaus, Talmud Thora, Sanzer Klaus, Adas Jeschurim, Bethausverein in der Stumpergasse, Ernunas Owos, Thora Ejz Chaim, Bethaus Schönlaterngasse, Machsike Hadath. Andere Vereine haben ihre Abwesenheit entschuldigt. Kommerzialrat Sigmund Bon di eröffnet die Versammlung, indem er die zahlreich Erschienenen aufs herzlichste begriisst. Besonders wird das Erscheinen der anwesenden Herren Rabbiner betont. Redner gibt eine gedrängte Schilderung der Lage der orthodoxen Judenschaft in Wien und weiters die Geschichte der, der Kultusgemeinde überreichten Forderangen der Orthodoxie. Dieselben stellen das Minimum der Rechte dar, <lie der Orthodoxie auf Grund ihrer Anzahl wie auch ihrer Leistungen zugebilligt werden müssen. Redner spricht die Hoffnung aus, dass die Einsicht sich Bahn brechen werde, und dass die Wünsche der Orthodoxie berücksichtigt und erfüllt werden. Der nächste Redner, Dr. Reiniger, konstatiert eingangs seiner Ansprache die Anwesenheit einer grossen Anzahl von orthodoxen Bethausvereinen Wiens. Diese Tatsache ist ein Beweis, dass Adas Isroel nicht auf eigene Faust handelt, sondern im Namen der vielen Hunderte von Mitgliedern der orthodoxen Vereine dfe Initiative ׳ergriffen hat• Redner geht sodann auf die Argumente der Oegner der Orthodoxie ein. Die Beschuldigung einer Zerreissung der Kultusgemeinde sei lächerlich. Die Kultusgemeinde in Wien ist religiös nicht einheitlich, kann ergo nicht zerrissen werden. Es handelt sich nur um die rechtliche, formelle Anerkennung eines bereits seit Jahrzehnten bestehenden faktischen Zustandes. Die zwei grundverschiedenen Weltanschauungen beider Gemeinden lassen sich nicht vereinigen, aber die Orthodoxie wird sich auch in religiösen Angelegenheiten niemals vergewaltigen lassen- Wird fedoch der faktische Zustand anerkannt werden, das heisst die ohnehin materiell und geistig selbständige Autonomie der Orthodoxie, die sich um Adas Isroel gruppiert, auch formell anerkannt, so wird es dann endlich zum Frieden in der Gemeinde kommen, den Redner sowie Adas Isroel sehnlichst erwarten. Redner stellt den Antrag:. Die am 4. November versammelten Vorstände der orthodoxen Bethausvereine Wiens konstituieren sich als Verband der orthodoxen Bethausvereine Wiens zur Wahrung der Interessen und zum Schutze der Rechte der Wiener Orthodoxie. Ueber diesen Antrag kommt es zur Debatte, an der sich die Herren B. Hofbauer, S. Bondi, M. Felsenbürg, M. Kamm, Dr• Reiniger, M. Lederer, Fromme, Fleischmann und A. Schreiber beteiligen. Im Prinzip sind alle Redner einig, dass die Aktion der Adas Isroel mit allen Kräften zu unterstützen sei und dass man formell die Gemeinsamkeit der Interessen ausspreche. Dass Adas Isroel heute i n der ganzen Welt als.einzige, wirkliche Vertretung der wahren jüdischen Orthodoxie in Wien gilt, ist notorisch. Ebenso, dass alle Institutionen der Adas.Isroel als die wahrhaftesten orthodoxen Institutionen gelten. Alle Redner betonen das grosse Verdienst der Adas Isroel, indem sie endlich den Kampf für das, bereits sogar durch das Staafcsgrund'gesetz sanktionierte Recht auf reiigiöse Autonomie aufgenommen hat. Vor der Abstimmung legt Kultusvorstand Bondi nochmals die bekannten Forderungen deT Orthodoxie dar• Die Forderung nach einer separaten Steueradministration ist ebenso, wie es in der spaniolisehen Gemeinde der Fall ist, eine selbstverständliche Massnähme, damit die orthodoxe Judenschaft nicht doppelte Steuerlast zu tragen habe. Die Selbständigkeit des orthodoxen Rabbinates sowie der autonomen Religionsschule sind ebenso *Angelegenheiten, die jede Einsicht und Toleranz zugeben und gutheissen muss. Hierauf werden die Vorstände der Bethausverelfte namentlich ^üfgeruferi>iAlle ־ geben ihren An- Schluss an die Eingabe def 'df'thodoxen Vertreter Im Kultus Vorstand kund und stimmen für die Annahme des Antrages Dr. Reiniger. Der Verband der orthodoxen Bethausvereine Wiens ist konstituiert- Es werden eine Kommission zur Ausarbeitung der Statuten sowie eine Delegation in die Kultusgemeinde gewählt. Bevor die Sitzung geschlossen wird, ergreift das Wort Herr Pappenheim, um in kurzen Worten auf die Not der deutschen jüdischen Gemeinden hinzuweisen und alle Anwesenden zu tatkräftiger Hilfeleistung aufzufordern. Der vom Kommerzialrat Bondi begrüsste, im Saale anwesende Herausgeber und Redakteur der ״Wahrheit“, Herr L. Hirschfeld, dankt für die Begrüssung und konstatiert, dass durch die Gründung des Verbandes die Orthodoxie Wiens jener Faktor geworden ist, der seit langem notwendig war, nämlich eine einheitliche Vertretung der jüdischen Orthodoxie in Wien. Redner hofft, dass die berechtigten Forderungen der Adas Isroel, unterstützt durch das Vertrauen und die Mittätigkeit so vieler Vereine, erreicht werden. Nachdem Kultusvorstand S. Bondi die Bedeutung der Verbandsgründung sowie die Hoffnung aussprach, dass die Orthodoxie in Wien in Bälde zu ihren gebührenden Rechten kommen werde, wurde die Sitzung in vorgerückter Stunde geschlossen. Grundzüge der Erez Jisroel-Politik der Agudas Jisroel. *) 1. 1. Die Erez Jisroel-Politik der ״Agudas Jisroel“ bestimmt sich, wie ihre Politik überhaupt, ausschliesslieh nach den in der überlieferten Gotteslehre für das öffentliche Leben des jüdischen Volkes und für das private Leben, soweit es mit dem offentliehen zusammenhängt, niedergelegten Grund- Sätzen und konkreten Vorschriften. . 2. Hiernach hat die Erez Jisroel-Politik vor allem *) Wir beginnen heute ׳mit dem Abdruck einer Reihe von programmatischen Darlegungen über das Palästinawerk der Agudas Jisroel. Die für wirtschaftliche Dinge autonome Palästinazentrale in Frankfurt a. M. hat sich folgende Normen als Prinzipien ihrer Arbeit gesetzt. Die Red. sich nach den vier allgemeinen Prinzipien der thoragemässen jüdischen Politik zu orientieren. Diese hat im Auge die Sicherung a) der physischen Existenz, b) der wirtschaftliehen Existenz, c) der geistigen Existent, d) der sittlichen Existenz des jüdischen Volkes sowie der oder des grösseren Teiles der Einzelpersonen, deren Summe das jüdische Volk bildet. Zu diesen vier allgemeinen Grundsätzen, die bei eindringlicher Betrachtung sich als ausserordentlich erfolgreich erweisen, treten alsdann die besonderen Aufschlüsse, die uns die überlieferte Gotteslehre über die Stellung Erez Jisroels und die Beziehungen der Gesamtheit und des Individuums zu diesem Lande erteilt. Endlich gesellt sich als dritte Quelle für die Grundlegung der iüdlsehen Erez Jisroel-Politik zu den allgemeinen und besonderen erkenntnismässigen Prinzipien noch der ganze Komplex der unter dem Namen ״Mizwas Jischuw Erez Jisroel“ bekannten gesetzlichen Vor- Schriften. II. 1. ״Agudas Jisroel“ kann die zionistische Bchauptung, dass die physische Existenz des jüdisehen Volkes durch die Errichtung einer öffentlich rechtlich anerkannten jüdischen Heimstätte in Palästina gesichert werde, dass in dieser Heimstätte die Millionen oder auch nur Hunderttausende jüdischer Verfolgten eine von jeder Bedrohung und Lebensgefährdung sichere Zuflucht finden könnten, nicht als erweislich richtig, nicht einmal als wahrscheinlich anerkennen. Die Gründe liegen auf der Hand und sind durch die Ereignisse der letzten Zeit auch den minder Weitsichtigen klar geworden. Vom Standpunkte der Sicherung der physischen Existenz aus wäre also die Besiedlung Erez Jisroels im grossen nicht als eine geeignete Lösung dieses schweren politischen Problems anzusehen. Andererseits ist jedoch auch die Frage, ob die physische Existenz der Juden in Palästina unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen so sehr gefährdet sei, dass eine vorsichtige Politik die Einwanderung nicht befürworten dürfe, entschieden zu verneinen. Das Interesse Englands einerseits, die Möglichkeiten einer vernünftigen, auf wahrhaft jüdischen Prinzipien aufgebauten Verständigungspolitik mit den Arabern andererseits verleihen den jüdischen Wohnstätten in Palästina zum mindesten den gleichen Grad von Sicherheit der physischen Existenz wie in einem sehr grossen Teil der Diaspora. Pflicht •der •Aguidas Jisroel-Politik ist es alleröings, ihr schärfstes Augenmerk auf die Sicherung der physischen' Existenz der Juden in Palästina ia richten, von diesem Gesichtspunkt aus aktiv in die Verhandlungen mit England sowohl wie m i t sd e ri Arabern einzugreifen, und dabei diejenigen Gesichtspunkte zur Geltung zu bringen, die sich allein als Vertreterin des historischen jüdischen Volkes in der genügenden Entschiedenheit und Ueberzeugungstreüe geltend machen kann. 2. Von erheblicher Bedeutung für die Erez Jisroel-Politik ist der Gesichtspunkt der Sicherung der wirtschaftlichen Existenz. Da einerseits in allen Kulturländern die wirtschaftliche Entwicklung die Tendenz hat, gerade diejenigen Bevölkerungsschichten und Berufskreise wirtschaftlich auszu• schalten und zu entwurzeln, in denen die Juden und insbesondere die gesetzestreuen Juden ihre Wirtschaftliche Existenz finden, da andererseits die Sabbat-Beobachtung, die durch jene Ent- Wicklung hervorgerufene Krisis in verhängnisvollem Umfange verschärft, so ist jede Möglichkeit, kleinere oder grössere Gruppen auf den BodenErez Jisroels zu verpflanzen und ihnen dort eine im Boden wurzelnde und vom Sabbat kaum erschwerte Existenz zu schaffen, von jeder gewissenhaften jüdischen Politik mit dem grössten Ernst zu würdigen. Während bei der Frage der physischen Existenz leicht der Fall eintreten kann, dass durch a 11 z u 1 a 111 e s Betonen des nationalen Palästina-Gedankens in den Golus-!.’Indern ebensoviel oder mehr jüdische Individuen Brautausstattungen Billigste Einkaufsquello in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer etlega 6 (nächst Salzgries), Telephon 6571־3־ Pelzwarenhaus מצבות Grabsteine מצבות aus Marmor, Granit und wette׳ festem Kunststein sowie Grabtafeln aus Marmor samt Eisengestell in jeder Ausführung Solid und billig in jeder Preislage Max Kessler, Wfen 39 En gros und Erzeugung!.״Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Detailverkaufs-Niede^Bage: |B, Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Polzairfbewabrung geyen Versicherung über die SemmerMOaat«