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Jüdische Presse · 1923-11-09 · 45 (9.11.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
45 (9.11.1923)
Date
1923-11-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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seit# 352 JÜDISCHE PR ESSE Nr 45 Ntac& eto Fäll m bessriders angeführt: der cfcs Inbab$rs BayeH«&iii Film-geseHsefaaft J. fett, dir seit 27 Jääfiitt Jh MÖnohen ansässig Ist. Er hät schon vor gcrätötttr Zeit ein NaturaVUlerüitgSgestich bei der Regierunc vött Oberhäyefn ein gebt acht, die ihm nach eingehender Pratos seiner Verhältnisse und seiner PersöUaiien, 4k «feef ein Jahr in Anspruch nahm, die Atifnähme in den bayerischen Staatsverband fiir den Fall tusicherte, als er aus dein österreichischen aus^hiede. Fett, der nach Wien zuständig war, erfüllte die Bedingung und nunmehr wurde ihm seine Ausweisung mitgeteilt. Ais Staatenloser kann er nicht einmal die Intervention eines Konsulates in Anspruch nehmen. Das Vorgehen gegen Fett ist umso unbegreiflicher, als der Präsident der Reffierimg von Oberbayern die genaue Prüfung seiner Akten vornahm und ih/n ,,würdig" ׳befand, bayerischer Staatsbürger zu werden, derselbe Doktor von Kahr ist, der ihn in seiner Eigenschaft als Generalkotrtmissär atiswies. Zur Durchführung der Judenausweisungen ist eine besondere Abteilung bei der Polizeidirektion errichtet worden. Die Judenausweisungen werden nicht nur gegen Ausländer, sondern auch gegen Reichsdeutsche gefhandhabt. Es ist geplant, später auch bayerische luden unter ein Fremdenrecht zu stellen. Typisch und vielsagend ist eine Acusserung, die ein Funktionär Kahrs gegenüber einigen Juden tat, die Einsprach gegen ihre Ausweisung erhoben. Er meinte: ״Ich begreife gar nicht, warum Sic in München bleiben w ollen. Vielleicht werden Sie Lald froh sein, dass Sie nicht mehr in München sind!“ Wie verlautet, beabsichtigt der kürzlich von Häikenkreuzlem so roh überfallene Kommerzialrat Frankel, einer der grössten Wohltäter der Stadt, infolge der Rechtlosfekeit der Juden in Bayern seinen Wohnsitz in die Schweiz zu verlegen. Rumänien hat endlich die Juden 1emanzipiert, Bayern führt sie in das Ghetto oder weist sie aus. München. Aus verschiedenen Orten Bayerns treffen Nachrichten über Judenausweisumgen ein, die zum Teil mit rücksichtsloser Schärfe durchgeführt werden. Hand ln Hand damit gehen Angriffe der Hakenkreuz!er gegen jüdische Geschäftsläden und Wohnungen vor sich. Aus Kempten Wird berichtet, dass die dortige nationalsozialistische Jugend die Häuser, wo Juden wohnen, sowie die Läden jüdischer Geschäfte andauernd mit Hakenkreuzen und hetzerischen Aufschriften bemalt. Gegenüber einer Mitteilung der Münchener Polizeidirektion, dass sich Massenausweisungen allgemein gegen Ausländer richten, stellen die antisemitischen Blatter, wie ,,M.jEknchen-Augsburger Abendzeitung" und ״Völkischer Beobachter“, triumphierend fest, dass es , sHi bei den Massenausweisungen •um eine betont anfcrjüdische Massnähme handelt. Die ,,München-Augsburger Zeitung‘‘ betofluptet, es seien bei den Ausgewiesenen Devisen, Gold, Silber und zum Teil auch Waffen beschlagnahmt worden. Wie jetzt bekannt wird, wurde in einem einzigen Falle einem ausgewiesenen reichsdeutsohen Juden gestattet, seine Wohnung gegen eine in eitlem anderen Bundesstaat zu tausahen; es wurde ihm aber ausdrücklich dk Bedingung gestellt, dass der Neueinziehende kein Jude sein dürfe. In der fränkischen Stadt Thüringen kam es vor einigen Tagen anlässlich eines abgehaltenen ״Deutschen Tages“ zu einer Schlägerei zwischen Hakcnkreuzlern und Arbeitern, wobei ein Arbeiter den Tod fand. Die Schutz- P03i«i scSrftt daraufhin zur Verhalten* von einigen Arbeitern und sieben an den Vorfällen ganz unbeteiligt gewesene indische EiriWöfHkt Ttt8riÄgfef1S» die von den Hakenkreuzlern verdächtigt worden waren, dass sie die Menge gekatdt und betrunken gemacht hätten. Die verhafteten Juden wurden nach dem Gefängnis Kurlstadt gebracht und von dort m das Lindessrcrlylitsgeiängnis in Würzburg elngelicfert, wo sie sich noch immer befinden. Berlin. Bertitt. ln Berlin ist es zu schauderhaften Dingen gekommen. Aufgehetzter Mob überfiel jüdische Geschäfte, jüdische Häuser und jüdische Passanten. Die Leute wurden fürchterlich geschlagen. Die Aussclireitungen dauerten 48־ Stunden. Die Polizei war entweder machtlos oder griff nicht energisch genug ein• Die Lage ist bis zur Stunde, in der diese Nummer in Druck gelegt wird, voükommeti ungeklärt. Der Kindertransport, der aus Berlin für Donnerstag avisiert war. konnte wegen der traurigen Vorfälle nicht abgeschickt werden. Er wird fiir nächsten Montag erwartet. Die Hilfsaktion des Jüdischen Hilfs- Werkes der Agudas Jisroel. Deutsche Kinder nach Wien. (Aktion des Jüdischen Hilfswerkes der Agudas Jisroel.) Wien. Der erste Kindertransport ist Donnerstag, den 1. November in Wien angelangt. Die Kinder wurden bereits in Passau von Vertretern des Jüdischen Hilis-werkes der Agudas Jisroel in Wien, empfangen. Unter den Kindern, denen man die traurigen Zustände, die in Deutschland herrschen, von den bleichen Gesichtchen ablesen kann herrschte helle Freude über die Reise nach Wien. Was die Kinder erzählen, ist henzzerreissend. Und wenn man die Antwort eines siebenjährigen Mädchens auf die Frage bekam, ob es sich freue naah Wien zu fahren, die Antwort nein, weö ja Papa und Mama dort bleiben mussten und sich so plagen müssen — dann kann man ermessen, wie grenzenlos die Not in 'Deutschland ist und in welchem Masse eine rasche Hilfe nottut. In Wien wurden die Kinder am Bahnhof herzlich begrüsst und in das Lokal des Jüdischen Hilfswerkes ge leitet, wo sie nach einem guten Früstüdk in die betreffenden Familien eingeteilt wurden. ׳Die meisten Kinder sind Kinder von Lehrern, höhjeren Gemeindebeamten u. s. w. Die Nachfrage nach Kindern orthodoxer Familien ist sehr gross. Man kann erfreulicherweise fest stellen, dass die Nachfrage das ״Anbot“ beiweitem übersteigt. Im Laufe dieser Woche wurden zwei Transporte angemetdet, deren Unterbringung bereits gesichert ist. Auch aus der österreichischen •J^rov.lnz und dem Burgenlande kommen zahlreiche Anmeldungen für Kinder an. Das Jüdische Hilfswerk der Agudas Jisroel nimmt weiter Anmeldungen im Sekretariate des Jüdischen Hilfs- ׳Werkes der Agudas Jisroel, Wien, 11״ Malzgasse 12 a, an. Das orthodoxe Fiume übernimmt 50 Kinder. Wien. Die Orthodoxie in Fiume, die kaum mehr als 50 Seelen zählen dürfte, hat der Zentrale des Jüdischen Hilfswerkes die Uebernahme von 50 deutschen Kindern angemeldet. Dieses Beispiel der Fiumaner Orthodoxie soll zum Muster werden! Leben safttefUtfe für PgnftphfniKl Um allen rituelle» Bedenken au begegnen, hat das Zentralh«reau des ״Jüdb sehen Hittewerfces der Axud&s Jisroel" mit der ״Agrumaria" Import A.-G. Ihr Abkommen dahin geändert, dass an Stelle der Kondensmilch und der Sardinen andere gleich- *wertige Lebensmittel beigepackt werden. Die Aktion ist im vollen Gange und, wie wir mit Befriedigung verzeichnen können, sehr erfolgreich. Seitens unserer Pressburger Sdhwesterorganisation wurden Montag den 5. d. M. die ersten 50 Pakete zur Verfügung deutscher Jagen dg rappen angewiesen. Lebensmittelhiife für Deatsehlini der Agudas Jisroel. Zur Versendung gelangen folgend• Pakettypon: 1 7« 17» 1% l’ak'et I. 6 Kilogramm. kg raffinierter Zueker ) Preis des Paketes (samt Port•, Verpackung, Expedition,Traes koscher Kunerol Vellrois Weizenmehl ]Pr ׳י I p t s portreraicherung gezea »Ile Schäden).K »7.00• Aalruf für Kartoffeln! Wie es in Deutschland aussieht, kann man aus dem kurzen, doch markdurchdringenden Aufruf ersehen, de* die Zentrale für jüdische Wahlfahrtspflege erlassen hat. Es fehlt an Afllernatwendigsten. Die Speise der Aermsten — Kattoiffeln — muss durch öffentliche Sammlung aufgebracht werden. ״Ein Winter nabt, wie wir Menschen ihn nie gesehen haben. Schwerste Trostlosigkeit fällt auf unzählige Herze*. Nie klang unser Ruf um Hilfe Insbrünstiger als zu dieser Zelt Kartoffeln müssen beschafft werden! Ihr Preis reisst Ins Gigantische hoch! Helft, dass der Siron unserer Gemeinschaft nicht verloren gehe! Helft, dass Ihr vor Eurem Gewissen bestehen könntl Tatenlos zusehen, wen* Nebenmenschen Hungers sterben, heisst morden! Ueber Zeit und Ewigkeit tönt die gewaltige Stimme; Kain, «wo ist dein Bruder Abel?“ Zentrale für Jüdische Wohlfahrtspflege (Bankkonto: A. Merzbach G. m. b. H., Frankfurt a. M., Postscheckkonto: D. Well Nr. 57.112, Sonderabteilung WirtschaftshflfeJ Lebeusmittelaktkm der Agudas Jisroel in der Slowakei Auf Initiative der Agudas Jdsroel-Jugendgruppfc an Bratislava hat die Landesorganisation der Agudas Jisroel eine Sondersammlung zur Unterstützung der notleidenden Glaubensgenossen in Deutschland mit Lebensmitteln eingeleitet. In den Orts- und Jugendgruppen werden überall Vorbesprechungen gepflogen, um die grosse Sammlung der orthodoxen andeskanzlei zur Unterstützung der reifgiösen Institutionen, die auf die Woche פרשת ויצא festgesetzt ist, mit möglichst gutem Er- ::olge durchzuführen. Ausser dieser grossen Aktion, für welche die Mitglieder der Aguda laut Beschluss der Nitraer Tagung mit aller Energie einzutreten laben, widmen sich besondere Komitees der Sammung von Geldern zur Absendung von Lebensmitteln nach Deutschland. Die Sammlung hat alsbald in den ersten Tagen schöne Erfolge zu verzeichnen. Am [ersten Tage schon konnten 48 Lebensmittelster Morgenstunde und von einem Spdtzelsystem vernimmt, das sich bestochener Hausgehilfinnen, Agents prervooateurs und des ganzen Arsenals eines Hasses bedient, der um jeden Preis doch wenigstens den Schatten eines Vorwan des für die Vertreibung unschuldiger Menschen Vortäuschen will. Die Judenaus- Weisungen haben bisher etwa 170 Familien betroffen, und zwar handelt es sich keineswegs nur um Ostjuden, sondern auch um• Juden aus der Tschecho- Slowakei, aus Oesterreich, ja sogar aus Preussen und anderen deutschen Staaten. Unter diesen bedauern*- werten Menschen, die als ״lästige Ausländer“ abgeschoben werden, finden sich auch solche, die seit mehr als zwei Menschenaltern in München gelebt und dort angesehene Stellungen bekleidet haben• Um wenigstens den Schein eines Rechtsgrundes für die Ausweisungen vorzuspiegeln, werden diese Bedaurnswerten ״wegen Bereicherung“ abgeschoben. Nun, man muss nur diese abgehärmten, armseligen Gestalten betrachten, ihre düstere Leidensgesohieilte hören, um ■beurteilen zu können, wie sie sich beredchert haben müssen. Die Katastrophe hat arm und reich gleichermassen betroffen und alle Verraögensuuterschiede ausgelöscht; der Eigentümer eines grossen Münchener Handelshauses, der von seinen hakenkreuzl erfischen Angestellten aus seinem eigenen Betriebe buchstäblich hinatisgeworfen wurde, ist genau so bettelarm wie der fadenscheinige Student, der in München nicht mehr die Hochschule besuchen darf, weil er sich ״bereichert“ hat. Ein junger Schriftsteller, der sich mühsam eine Existenz als Mitarbeiter eines Verlages geschaffen hatte und jetzt vor den täglichen Drohbriefen und den zarten Anspielungen in Form von Gummiknüttelhieben in eine fremde Stadt fliehen musste, wo er sein Leben wieder von neuem ■beginnen soll — der nervöse, blasse junge Mensch bricht ׳plötzlich in einen fassungslosen Weinkrampf aus. Vielen Kaufleuten hat man aus dem Besitze von ein paar ausländischen Devisen, d&e bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmt wurden, einen Strick gedreht. Die Ausweisungen haben zum Teil auch den Zweck, der Münchener Wohnungsnot auf radikale Weise abzuhelfen. Jedem Ausgewiesenen wird nämldch sofort die Wohnung abgemommen, und durch eine eigene Verfügung ist der Wohnungstausch mit Juden verboten worden. Ihr Barvermögen dürfen die Landesverwiesenen nicht mitnehmen, da es als angebliche Sicherstellung für eventuelle Steuerrückstände zurückbehalten wird. Die Flüchtlinge aber wissen sehr genau, dass diese vorläufige Zurückhaitung ihres Vermögens einer Konfiskation gleichkommt. Die Flucht der Juden aus München h&t in den letzten Tagen geradezu die Form einer Panik angenommen, da ihnen fortwährend die Einkerkerung in einem oberbayerischen Konzentrationslager angedroht wird- Zahlreiche Christen, die mit jüdischen Familien befreundet waren, haben in vornehmster Weise auch im Unglück ihren Freunden die Treue gehalten. Mehrere christliche Frauen, die mit Juden verheiratet sind, befinden sich unter den Flüchtlingen. Die aus ihrer Heimat Vertriebenen betrachten Wien nur als Durchgangsstation. Die meisten von ihnen wollen nach England oder Amerika reisen, wo sie einer freundlichen Aufnahme sicher sind. ־׳י! IV« 7. 7, Paket II.» Kilogramm, kg raffiniert** Zueker koscher Kunerol Vollreis Weizenmehl Kakao ungebrannter Kaffee Paket III. 178 kg raffiniert«r Zucker Preis 4*8 Paketes (samt Porto, Verpackung, Expedilion, Transportversi h׳*rung geg** alle Schäden) . . K «7.000 11 17» l1/* •u 7» ־7 V« 7. koscher Kunerol ״ Vollrois ״ Hülsenfrflchle ״ ungebrannter Kaffee Paket IT. kg raffinierter Zucker ״ koscher Kuaerol ״ Voibeis ״ Hfllsenfrüehte ״ Kakao ״ ungebrannter Kaffee Paket T. kg raffinierter Zueker ״ koscher Kunerol ״ Voll reis ״ Kakao ״ ungebrannter Kaffee Paket YI. 10 Kilogramm, kg raffinierter Zucker ״ koscher Kunerol ״ un gebrannter Kaffee ״ Kakao ״ Vollreis . Weizenmehl 5 Kilogramm. Preis des Paketes (samt Porto, Verpackung, Expsdition, Transport rer- Sicherung gegen alle Schäden) . . K 77.000 Kilogramm, Preis des Paketes (samt Porto, Verpackung, Expaditien. Transportier- Sicherung gegen alle Schälen) . . K 77.000 5 Kilogramm. Preis dos Paketes (samt Porto, Verpackung, Expeditioa, Transportier- Versicherung gegen alle Schäden) . K 104.000 Preis des Paketes (samt Porto, Verpackung. E x pedition, Transportrer- Sicherung gegen alle Schäden) . K 144.000 Paket• werde* Auskunft# erteilt Bestellungen auf diese eutgegengeaemmen u• d beim Generalsekretariat des lt ilk«fIschen Hilfewerk“' Wien, II. Bezirk,» Maltsrasse Nr• 12 a, Teiephen Nr. 4f54»0־. aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1• Bezirk, Kärntner Strasse 8 (nächst dem Stefansplatz, um die Ecke)

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