Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 44 (2.11.1923)
- Date
- 1923-11-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Seite 345 JÜDISCHE PRESSE Duchführung dieser Aktion übernommen. Wir verweisen auf die diesbezügliche Annonce in der heutigen Nummer und bemerken noch hiezu, dass Einzahlungen nebst beim Zeratralbirreau des Jüdischen Hfifswerkes auch bei den Romiteedamen der Deutschlandhflfe geleistet werden können. Die Pakete gehen gegen!Raub und Unfall versichert, prompt an den Adressaten ab. Die Hilfsaktion in der Slowakei. Die orthodoxe Landeskanzlei in Bratislava versendet soeben folgenden Aufruf an sämtliche Genrieinden des Landes: בעזדדי Hilferuf! Grenzenlose Not ruft unser jüdisches Mitgefühl zur Hilfeleistung auf. Der Ruf kommt aus einem Lande, das noch vor ganz kurzer Zeit in blühendem Wohlstand prangte, aus Deutschland! Die vollständige Entwertung der Reichsmark hat Elend und Not im Gefolge. Hunger und Mangel pocht an die Tür vieler unserer jüdischen Brüder in Deutschland, die Not zu lindern, Hilfe zu bieten, zu erfreuen, aufzurichten, zu geben, immer wieder zu geben, niemals aber Wohltat zu empfangen, Hilfe zu suchen, zu geben gewöhnt waren. Ist es da nicht unser aller Pflicht, ihnen zu Hilfe zu eilen? Zahlreiche jüdische Gemeinden in Deutschland, Musterbilder wohlgeordneter jüdischer Gemeinwesen, drohen unter ihrer Last zusammenzubrechen. Jüdische religiöse Institutionen, Zeugen des Wiederaufblühens alter jüdischer Frömmigkeit in tausenden jüdischen Herzen, sind in Gefahr, sich aufzulösen. Rabbiner, Lehrer, Gemeindebeamten sind nicht mehr imstande, für die kargliehen Gehälter, die ihnen ihre Gemeinden zu zahlen vermögen, ihre Familien auch nur mit trockenem Brot zu versorgen. Sollen nicht Zerfall und Verwüstung an die Stätten hoffnungsreichen Lebens treten, muss schleunig Hilfe gebracht werden. Wir fordern daher die gesamte jüdische Bevölkerung unseres Landes auf, unverzüglich an die Rettungsarbeit zu schreiten. Setzen wir unsere Hilfe zunächst dort an, wo die Gefahr am grössten ist, wo die Not das jüdische Dasein an seiner Wurzel, an den religiösen Grundpfeilern, anzutasten droht. Helfen wir den verarmten Gemeinden und ihren Institutionen! Suchen wir, ihnen über diese Zeit der Not hinwegzuhelfen, bis Hunger und Elend mit G. H. gewichen sind und sie wieder von ihren Mitgliedern aufrechterhalten werden! Um der Hilfsaktion eine zweckmässige Basis zu geben, bitten wir die löblichen Gemeinden, den שבת פרשת ויצא zum Hilfstag für die. bedürftigen religiösen Institutionen in Deutschland zu bestimmen. Bei קריאת התורה soll für diesen Zweck reichlich gespendet und während der ganzen Woche in allen jüdischen Häusern Spenden gesammelt werden. Kein gewissenhafter Jude wird seine Gabe verweigern. Die gesammelten Gelder sind sofort auf das Konto des Orthodoxen Israelitischen Zentralbureaus bei der Böhmischen Industrialbank, Filiale Bratislava, für ״Hilfsaktion“ zu überweisen, damit die Hilfe nicht verzögert wird. Jüdische Brüder! Gedenket der traurigen Lage Eurer Brüder in Deutschland und beweist durch reichliche Spenden, dass der Hilferuf in Eurem Herzen Widerhall gefunden hat. Bratislava, im Mareschwan 5684. Für das Z e n t r a 1 b u r e a 11 : Oberrabbiner Koloman Weber, Präses. Oberrabbiner ’Simon H i r s c h l e r, Vizepräses. Für das Rabbiherkomitee: Oberrabbiner Akiba S c h rie i b e r, Bratislava. Oberrabbiner Moses Katz, Nitra. Oberrabbiner Samuel W e i n b e r g e r, D. Streda. Oberrabbiner Josef• Tiegermann, Nove Zamky. Josef Bernfeld, V. Topolcapy; David Ehrenfeld, V. Surany; Simon Ehrlich, Kosice; Beni Bayern, Kosice; Samuel Eichner, Spisske Podhradie; Ludwig Preiss, Presov; Hermann Steiner, Nitra; Simon Scharmann, Kosice; David Kranz, Bratislava; Ignaz Kalisch, Galanta; Jeremias Stern, Piestyan; Leopold Ungar. Bratislava. Die eingelaufenen Gelder werden in der ״Jüd. Presse“ quittiert. Der Landesvorstand der Agudas Jisroel schliesst sich dem obigen Aufrufe mit dem nachfolgenden Rundschreiben an: בעזה״י Bratislava, 19. Marcheschwan 5684. An alle Orts- und Jugendgruppen der Agudas Jisroel in der Slowakei! Das Orth. isr. Zentralbureau versendet am heutigen Tage einen ״Hilferuf“ an sämtliche Gemeinden des Landes zur Einleitung einer Hilfsaktion für die religiösen Institutionen in Deutschland. Der שבת פ׳ ויצא wird darin als Hilfstag bestimmt. Bei קריאת התורה soll für diesen Zweck gespendet und während der ganzen Woche in allen jüdischen Häusern gesammelt werden. Der Delegiertentag in Nitra hat den einstimmigen Beschluss gefasst, dass die Mitglieder der Orts- und Jugendgruppen der Agudas Jisroef verpflichtet sind, sich in den Dienst dieser Hilfsaktion zu stellen. Indem wir allen Gruppen von diesem Beschluss Kenntnis geben, richten wir die dringende Bitte an alle Mitglieder und Anhänger Agudas Jisroel, ihre ganze Tatkraft,- ihre jüdische Bruderliebe und ihre Begeisterung für die Erhaltung der religiösen Institutionen in Deutschland einzusetzen. Seiet unter den ersten, die selber geben und andere zu geben veranlassen! Für den Landesvorstand der Agudas Jisroel in der Slowakei: Rabbiner Aron K a t z, Präses m. p. Jakob Joel Braun, Sekretär. PT5 m. Trv NACHRICHTEN. mmm Vom Tage mmm Die Feinde der Talmud Thora an der Arbeit. Es soll In diesen Zeilen diesmal nicht von der Bedeutung des Limud Hathora im allgemeinen, die Rede sein. Wir möchten uns mit einer speziellen Anstalt der Wiener Orthodoxie beschäftigen, die unter dem Namen Talmud Thora nicht nur jüdisches Wissen vermittelt, sondern einigen hunderten jüdischen Kindern ermöglicht, das vom Gesetz zwangsmässig vorgeschriebene Mass von Wissen in einem jüdischen Milieu, ohne die Gefahr ״■ fremder und feindlicher Beeinflussung und, was das Wichtigste ist, bei vollkommener Beobachtung der Schabbosruhe zu erlernen. Nebst dieser Tatsache soll noch angeführt werden, dass in den Vorstand dieser Schule einige Herren der Wiener Aguda-£)rtsgruppe kooptiert wurden. Trotz dieses Umstandes würde man annehmen, dass selbst der Gegner der Aguda vor ^allem das grösste orthodox jüdische Schulwerk Wi|ens sehen würde, und dass die segensreiche Wirksamkeit desselben ihn über diesen unangenehmen Punkt, dass auch Agudisten in dem Vorstand mitarbeiten, hinwegheifen würde. Dem scheint es nicht so zu sein. Wir bedauern es aufrichtig, dass gerade aus jenen Kreisen unserer Gegner, denen eine ״Talmud Thora“ unter allen Umständen heilig sein sollte, böswillige Ausstreuungen Ihren Anfang nehmen, die ebenso unwahr wie geeignet sind, den guten Ruf dieses grossen, Segensreich wirkenden Schulwerkes zu bemakeln. Ein Rabbiner aus Berlin hat in Mainz für Misraahi einen Vortrag gehalten, wo er zur Hebung der Stimmung seiner ZuhöreT folgende Geschichte zum Besten gab: ״Zu Propagandazwecken wurde die Talmud Thora-Schule in Wien photographiert. Einen Zögling, der ein M0gen-Dowid-Abze ichen trug, zwang man, dasselbe zu entfernen, hingegen wurden die ■drei christlichen Lehrer der Talmud Thora (die Aguda stellt selbstverständlich mit Vorliebe christliche Lehrer an) mit Hakenkreuzen photographisch festgehalten.“ Wir nehmen es selbstverständlich Herrn Rabbiner Dr. Harry Levi nicht übel, wenn er soweit vom Hass erfüllt wird, dass er den gesunden Menschenverstand verliert, denn trotz aller Greuel, die ein Agudist selbstverständlich täglich begeht, sollte man doch bei normalem Verstand nicht glauben, dass ein Agudist das Hakenkreuz als Symbol d׳er Aguda hlnstellt- Doch diese Gehässigkeit kann keine Entschuldigung sein für einen Rabbiner, der, ohne über die Wahrheit seiner Angaben sich die Gewissheit zu verschaffen, solche Dinge verbreitet. Dass dies aber kein Einzelfall ist, beweist ‘der Umstand, dass ein Wiener Misrachiftihrer ebenfalls ohne Anfrage bei der Schulleitung das ebenso unvernünftige wie unwahre Märchen verbreitet, dass ein Lehrer derselben Talmud Thora-Schule die Kinder in die Stephanskirche führt. Das einzig Gute, das iwir als Folge solcher ׳Ausstreuungen erhoffen, ist das Erwachen der Orthodoxie. Sie kennt und würdigt noch immer nicht den unschätzbaren Wert ihrer Talmud Thora-Schule. Das sollten wir erst von unseren ׳Feinden lernen. Wie gut muss die Sachd-sein, um derentwillen sie uns nicht nur beneiden, sondern sich zu den niedrigsten Verleumdungen herbeilassen! Die orthodoxen Bethausvereine. Die orthodoxen Bethausvereine Wiens führen ein merkwürdiges!Dasein. 'Die Geschichte des jüdischen Wien ׳kann nicht geschrieben werden, ohne diesen Bethausvereinen,!die alle dem religiösen Bedürfnis der orthodoxen Juden entsprungen sind, einen breiten Raum zu widmen. Sie entfalten eine segensreiche Wirksamkeit, sie erhalten ein Bethaus, meistens auch webst anderen Funktionären einen Rabbiner. Viele von ihnen führen eine Bibelschule. Weiter sinid sie aber in ihrer!Entwicklung nicht gegangen. Die merkwürdige Zersplitterung, die soviele Wiener Institutionen verdirbt, Hess auch die orthodoxen Bethausvereine nicht zu einem mächtigen Organismus werden, der, aus den Einzelzellen Leben gewinnend, den Segen organisehen Wachstums den Einzelgliedern ׳geben würde. Die jüngsten Vorgänge innerhalb der Kultusgemeinde, der Kampf um die berechtigten Forderungen der Orthodoxie verliehen auch den Betihausvereinen eine vielversprechende Aktivität. Es wäre sehr falsch, diese Aktivität bloss in öffentlichen Kundgebungen pro und kontra (es gibt Bethausvereine, die sich ״orthodox" nennen und doch gegen die selbstverständlichen Forderungen der Orthodoxie sich wenden1) verpuffen!z׳u lassen. Es ist bereits bis zum heutigen Tage Vieles durch die Vernachlässigung der orthodoxen Bethausvereine und ,durch die unrichtige Einschätzung ihrer Bedeutung versäumt worden. Ste sollten ■alle in der grossen Arbeit der Orthodoxie feste Stützpunkte auf dem Gebiete der Erziehung,!der sozialen Fürsorge und Wohltätigkeit sein. Die orthodoxen Bethausvereine werden nur dann ihren Platz *in Wien, ausfü'llen, wenn sie Gelegenheit bekommen, an allen Gebieten der segensreichen Arbeit der Orthodoxie teilzunehmen. Dann werden sie die Ansammlungspunkte, bei denen e'ine zentrale Leitung mit den Massen der orthodoxen Juden in Berührung kommt. Werden die bekannten Forderungen der Orthodoxie an die Kulitusgemeinde d i e wohltätige Folge haben, dass die orthodoxen Bethausvereine durch engen Zusammenschluss die Möglichkeit geschlossen arbeiten und die geeinte Kraft und Leistungsfähigkeit der WieneT Orthodoxie darstelien werden, so haben die Forderungen der Wiener Orthodoxie den grösstmöglichen Erfolg davo׳nge!tragen. Sie erringen einen inneren Sieg, der die schönste Frucht der Kämpfe sein wird, den die Glaubenstreuen für ihre Sache in den letzten Jahren geführt haben. Die orthodoxen Bethaus vereine zu den lebendigen Gliedern eines lebendigen Organismus zu machen, ist der grössten Anstrengung wert. Sie. bedeuten schon heute viel im ■Leben der orthodoxen Judenhe.it Wiens. Sie können aber bei richtiger Erfassung, Alles bedeuten. mm Die Woche. 838888 Warschau. Das Kuratorium ׳dieir Baron Hirsch-Stiitun- 'gen, das bisnun in Wien seinen Sitz hatte, wurde, da die meisten Stiftungen sich in Polen befinden, nach Warschau verlegt. Das Kuratorium besteht aus 14 Personen der jüdischen Gesellschaft. Viier Mitglieder wählte die Regierung. Moskau. Im Moskauer Arbeiterviertel kam es vorige Woche zu ׳ernsten Unruhen. Demonstrierende Arbeiter haben die jüdischen Häuser und Geschäfte überfallen und jüdische Passanten schwer verletzt. Die Polizei konnte nicht Ordnung schaffen. Zurzeit fehlen noch nähere Details. Tel Awiw. Die Wahlen in den Gemeinderat in Tel Awiw finden am 26. November statt. Wahlberechtigt ist!jeder Bürger, ohne Unterschied des Geschlechts, der das 20. ׳Lebensjahr erreicht!hat und' mindestens 50 Pfund Steuern bezahlt. Tiberias. Der Jude Zaki Hadow!ist interimistisch zum Bürgermeister von Tiberias ernannt worden, da der bisherige Bürgermeister wegen Beschuldigung des Missbrauches der Amtsgewalt, seinen Posten verlassen musste. Kowno. Die an:ti׳j׳üdische Hetze in Litauen dauert fort. In mehreren Städten wurden sämtliche Schilder der jüdischen Geschäfte heruntergerissen. Jüdische Graödenkmäler und Bethäuser wurden beschmutzt. Die Zeitung des litauischen Schützenverbandes, welche aus Staatsge'ldern erhalten ■wird, führt eine Sprache, die als direkte Hetze zu Pogromen bezeichnet werden kann. Die jüdischen Abgeordneten werden diesbezüglich bei der Regierung intervenieren. Warschau. Die antisemitische Gesellschaft ,Rozwoy“ hat beschlossen, aus Aallass ihres 10jährigen Bestandes einen Kongress einzuberufen, der vom 7. b.is 10. Dezember in Warschau tagen soll. Wie es im Aufruf heisst, soll der Kongress versuchen, einen realen Weg zur Lösung der Judenfrage in Polen zu finden. London.!In London fand vergangene Woche der Kongress der Organisation ״Israel“ statt. Dies ist eine Organisation nichtjüdisoher Engländer, die daran glauben, dass die Engländer ein Teil des jüdischen Volkes sind. In einem Referate erklärte der Präses der Organisation Lord Geasbarow: Das englische Volk stammt von den verschwundenen zehn Stämmen des jüdischen Volkes. Der beste Beweis für diese Behauptung ist das Wort ״Britisch“. Im Hebräischen bedeutet das Wort ״brit“ Bund, das Wort ״i׳sch“ Volk. Am Kongress nimmt auch die Prinzessin Ellis teil. Der Kongress wurde am 20. Oktober beendet. Bukarest. Nach Oradea mare in Transsylvanien hatte der berüchtigte Antisemit Professor Cuza seine Ankunft angesagt. Die lokalen antisemitischen Vereine haben grosse Vorbereitungen getroffen und von der ganzen Gegend kamen die Anhänger auf den Bahnhof, um den ״würdigen“ Führer einen ״würdigen“ Empfang vor-' En gros und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel.67302־ Detailverkaufs - Niederlage! I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. PelzMfbewaltruiig flogen Veroloheruafl Uber di« Sommernonito Pelzwarenhaus