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Jüdische Presse · 1923-11-02 · 44 (2.11.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
44 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 344 JÜDISCHE PRESSE Nr 44 schlossen wurde, dass durchaus nicht nur die Frage des Wiederaufbaues Palästinas Verhandlungsgegen* stand sein dürfte. Das muss jeder zugestehen, der die Sprache von Resolutionen zu lesen und zu deuten versteht, denn wenn gesagt wird, dass die beregte Frage in erster Reihe stehen müsse, so ist damit mehr wie verhüllt gesagt, dass dem Kongress auch andere Aufgaben obliegen. Auch darin waltet ein geheimnisvolles Gesetz. Es kann eben keine jüdische Gemeinschaft geben, die sich lediglich mit praktischen Dingen beschäftigt. Wir registrieren die Tatsache vorläufig, da wir zunächst glauben, dass wir über die Frage des Weltkongresses selbst bereits im Früh- Jahr alles gesagt haben, was dazu zu bemerken ist. Es war unser Zweck, die jüdische Oeffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass man trotz Karlsbader Beschlüsse auch diese Frage mit sorgfältigster Aufmerksamkeit zu beobachten sich veranlasst sehen Sollte. Die Jugend und Neweh-Jisroel. Allen Uebertreiibungen abhold, hat es die Aguda bisher vorgezogen, in stiller, aber umso erfoigreicherer Arbeit ihren Teil zu der Belebung des jüdisehen, des wahrhaft jüdischen Lebens in Palästina beizutragen. Ohne übermässigen Beamtenapparat, ohne marktschreierische Reklame!ist es der Aguda gelungen, den ihr gebührenden Platz unter den aktiv für Erez Jisroel tätigen Gruppen zu erringen, zu behaupten und zu vergrössern. Dass dies ohne alles moderne Beiwerk geschehen konnte, hat seine Vorteile, so insbesondere, dass die aufgebrachten Gelder bei der Aguda zu fast 100 Prozent ihrem eigentlichen Zweck zugeführt wurden, was den Erez Jisroel-Freunden Vertrauen zu der Arbeit der Aguda einflösst. Es hatte aber auch seine Nachteile. Eine Bewegung in der heutigen Zeit, mag sie noch so ideell sein, muss populäre Schlagworte und auch Zweckmittel haben, die ihr über die Krise hinweghelfen. Dieser Mangel der modernen Aufmachiung bei den Aktionen der Aguda für Erez Jisroel ist nirgends so empfunden worden wie in der Jugendbewegung. Die Aelteren erwägen nüchtern, die Jugend׳ aber ־will hingerissen werden. Wenn es die Aguda bisher unterlassen hat, die Zügel sohiessen zu lassen, so sicher nur aus der einfachen Erwägung, dass alles, was bisher für Erez Jisroel getan wurde, im Wege der ״Privatinitiative“ geschah. Dieser Gedanke, der in den Kreisen der Aguda Erez Jisroel-Freunde geboren wurde und von unseren Gegnern jetzt, nachdem er seine Lebensfähigkeit!bewiesen hat, mit derselben Leidenschaftlichkeit für ׳sich reklamiert wird, wie er früher bekämpft wurde, hat in der Jugend wenig fruchtbaren Boden- Jetzt aber ist ein Stück Erez Jisroel-Arbeit in Angriff genommen worden, die gerade auf die Mentalität der Jugend gemünzt ist. Eine Arbeit, die, wenn sie mit dem nötigen Eifer und auf her wünschenswert breiten Grundlage getan wird, etwas ganz Gewaltiges werden wird. Auf dem von der Jugendgruppe der Agudas Jisroel in Jerusalem gekauften, 200 Dunam grossen Grund, soll einem von der englischen Regierung bewilligten Plan entsprechend, in der kürzesten Zeit eine moderne Gartenstadt erstehen. Dieser Stadtteil, der wie seine Häuser nichts an modernem Komfort zu wünschen übrig lassen wird, wird als Wahrzeichen der Vereinigung der modernen Technik und traditionellem jüdischen Geist alles, was bisher für Erez Hakedauschoh getan wurde, überragen. Denn so wie diesem Stadtteil äusserlich nichts fehlen wird, so wird auch nicht ein Atom fehlen von dem, was wir uns als einen Jischuw in Erez Jisroel al pi Tauras Jisroel vorstellien. Zehntausend Pfund sind notwendig. Wie leicht ist es, nur 10.000 Juden zu bewegen, ein Pfund zu leihen oder zu geben- Die Jugend wird ihren Stolz darein setzen müssen, in der kürzesten Zeit' diese Summe aufzubringen, damit der Bau noch im heurigen Schemitto-Jahr in Angriff genommen werden kann iund bald in vollem Gljanz erstehe. Wir haben keinen Beamtenapparat, der Gelder absorbieren würde. Jeder geborgte Schilling wird bis zum eingebauten Ziegel verrechnet werden. Wer also wirklich noch ein Fünkchen für die heilige.Sache empfindet, wird teilnehmen, so rasch und so ausgiebig als notwendig und möglich. . S. S. Die Stellung und die Aufgaben der jüdischen Frau. 11 Von Pessie Wolk-Kowne. (Schluss.) Es ist nun also kein Wunder, dass, wenn sich die Gefühle der jüdischen Frau, die auf der Erziehung des elterlichen Hauses basierten und im ausgesprochen jüdischen Milieu wurzelten, mit den neugeweckten aus der fremden Welt begegneten, diese neuen Gefühle die alten schnell besiegt haben» Und doch ist die jüdische Frau an dem Zusammenbruch des jüdischen Heimes nicht schuldig. Die jüdische Frau war nicht die erste, die an der Zerstörung des jüdischen Hauses gearbeitet hat, wiewohl durch sie die erste Bresche gelegt worden ist. Das bekannte Bild der Verhältnisse in Deutschland vor 150 Jahren wiederholte sich auch in den anderen Ländern und wiederholt sich auch heute. Die traurige Tatsache, dass die jüdische Tochter von ihren Eltern auch heute zuerst am Altäre des modernen Zeitgeistes geopfert wird. Die jüdische Frau, der die Thora und die Geschichte ihres Volkes ein Buch mit sieben Siegeln ist, wurde zuerst in sämtlichen profanen Wissenschaften unterrichtet, um dann schon selbständig durch Lektüre und Studium Opfer jedweder zurzeit modischen Richtung zu 'werden. Diese Erziehung entfernte die jüdischen Töchter weit von ihren Brüdern, denen die Thora alles bedeutete, und denen die Thora mit Recht als Basis jedweden Wissens galt. Hier beginnt die Tragödie des jüdischen Heimes, hier ist die Quelle aller weiten Konsequenzen und Entwicklungen. Das jüdische Heim wurde durch die Erziehung in zwei Teile geteilt, zwei Teile, die sich schwer vereinen konnten. Wenn auch früher zwischen der Erziehung der Knaben und der Erziehung der Mädchen ein Unterschied bestand, ist doch ein vollkommener Gegensatz nie vorhanden gewesen. Früher wurde der Knabe in der Thora, Mischna, Gemara usw. unterrichtet, während das Mädchen bloss Schreiben und Lesen und seltener im Chumesch unterrichtet wurde. Nun aber lernte der Knabe Thora, das Mädchen aber lernte alles und darunter vieles, was ihr Volk und dessen Lehre nicht mit dem grössten Respekt und Liebe behandelte, und so sieht man dasselbe Bild heute noch in vielen jüdischen Häusern. Der Knabe wird in der Wissenschaft der früheren Geschlechter unterrichtet, wogegen die Mädchen in einer dem Judentum fremden Kultur erzogen werden. Die Kraft des jüdischen Hauses beruhte in der Einheitlichkeit und dem einheitlichen Geiste, der in jedem Winkelchen des Hauses herrschte. Auch das verloren gegangene einheitliche jüdische Milieu war eine stützende Säule des jüdischen Lebens. Und so konnte man es nicht verhüten, dass auch die innere Einheit beider Geschlechter zerstört werde, so dass wenn dann die in diesem Geiste verschieden erzogenen jungen Leute einstmais selbständig ein jüdisches Haus zu führen haben, diese Häuser sich vollkommen fremd sind. Aus allem früher Gesagtem können w׳ir entnehmen, dass, wenn auch die heutige jüdische Frau dem früheren Ideal nicht entspricht, sie zum geringsten Teile die Schuld daran trägt. Der Zerfall des jüdischen Heimes, wie traurig er auch sein mag, ist eine vorübergehende Erscheinung. Wenn die heutige jüdische Frau ihre Rolle in der jüdischen Gesellschaft erkennen wird, die Rolle, die gewaltig ist, weil sie gleichbedeutend mit der Rolle von Lehrern eines Volkes, so wird auch das jüdische Heim weiterhin eine Zierde des jüdischen Volkes bilden. In der Erziehung der Kinder im jüdischen Geiste, im Geiste unserer heiligen Thora, ist der ganze Komplex der grossen, verantwortungsvollen und herrlichen Aufgäbe der jüdischen Frau zu finden. w ■■T■ ■iiriiiiii ■י!■«^—1■ ■ווו CHff->« Die Not der deutschen Juden. Die Aktion des Zentraibureaus des Jüdischen Hilfswerkes der Aguda in Wien. Die Zentrale des' Jüdischen Hilfswerks der Agudas Jisroel hat folgenden Aufruf für die Hilfsaktion in Deutschland erlassen: Die Katastrophe in Deutschland hat Dimensionen angenommen, die rascheste Hilfe erheischen. Die vollständige Entwertung des Geldes ist die Ursache eines Lebensfflittelhilfe für Deatsehland 'י <• der', - Agudas Jisroel. Zur Versendung gelangen folgende Pakettypen: P&ket 1• & Kilogramm. 1 kg raffinierter Zucker ן Preis des Paketes (samt Porto, 78 » כשר Speisefett I Verpackung,Expedition.Trans- 17a ■ Vollreis j portversicherung gegen alle l#/4 » Weizenmehl > Schäden) K 57.000 Paket II. 5 Kilogramm. 1 kg raffinierter Zucker 78 » כשר Speisefett 1 ״ Vollreis 174־.» Weizenmehl 1 Dose gezuckerte Kondensmilch 74 kg holländ. Kakao 74 ״ ungebrannter Kaffee Preis des Paketes (samt Porto, Verpackung, Expedition, Transportversi• herung gegen alle Schäden) . . . K 67.000 Paket III. 5 Kilogramm. 1 kg raffinierter Zucker 1 « כשר Speisefett 1 ״ Vollreis 1 n Hülsenfrüchte 1 Dose gezuckerte Kondensmilch 1/4 kg ungebrannter Kaffee Preis des Paketes (samt Porto, Verpackung,Expedition, Transport. ersieherung gegen alle Schäden) . . . K 77.000 Paket IV. 5 Kilogramm. Vj kg rafffinierter Zucker l 8 n כשר Speisefett 1 מ Vollre ia 1 B Hülsenfrüchte 1 Dose gezuckerte Kondensmilch V4 kg holländ. Kakao 74 א ungebrannter Kaffee 3 Dosen Sardinen Preis des Paketes (samt Porto, Verpackung, Expedition, Transportversicherung gegen alle Sei׳ äden) . . . K 77.000 178 3 V, V, Paket V. 5 kg raffinierter Zucker Dosen gezuckerte Kondensmilch kg holländ. Kakao ״ ungebrannter Kaffee Dosen Sardinen Kilogramm. Preis des Paketes (samt l*orto,Verpackung,Expedition, Transport- Versicherung geg. alle Schäden) . K 104.000 Paket VI. 10 Kilogramm. kg raffinierter Zucker כשר מ Speisefett ״ ungebrannter Kaffee ״ holländ. Kakao א Vollreis ״ Weizenmehl Dosen gezuckerte Kondensmilch n Sardinen Preis des Paketes (samt Porto, Verpackung Expedition, Transportversicherung gegen alle Schäden) . . K 144.000 SßtT" Bestellungen auf diese Paket« werden “Wm p0P entgegengenommen «t!d Auskünfte erteilt |ÜßgT beim Generalsekretariat des ״Jüdischen *8^׳ fcflSF' Hilf®werk“, Wien, II. Bezirk, 11 alz- **4A8 gflp gasse Nr. 12 a, Telephon Nr. 49-0*54. Verfalles, der stündlich mit rasender Schnelligkeit jenem Punkte zustrebt, an weichem hilf rose Verzweiflung Platz greifen müsste. Davor müssen wir unsere Schwestern und Brüder bewahren, die neben der materiellen Not noch entsetzliches seelisches Leid tragen. Agudas J.isroel muss auch hier eingreifen. Abgesehen von der rein menschlichen, rein jüdischen PfMcht, stehen hier Dinge auf dem Spiele, deren Verlust für Jahrzehnte 1hinaus von unabsehbaren Folgen sein könnte. Menschenleben und Menschengut, jüdisches Leben und jüdischer Geist drohen vollständig zu verfallen. Die jüdische Orthodoxie Deutschlands hat besonders unter dem grossen Unglück zu leiden. Es fehlt am Allernotwendigsten. Rabbiner, Lehrer und andere Gemeindefunktinäre sind dem buchstäbliehen Hunger preisgegeben. Der gesamte stolze Bau des orthodoxen, jüdischen Lebens droht in Deutschland zu verfallen. Die Not der Kinder hat den Zenith erreicht• ln der fürchterlichsten Hetzjagd nach dem trockenen Stückchen Brot, gejagt von der Not u!nd dem Hasse, können jüdische Eitern den Kindern nicht mehr die notwendige materielle und ideelle Pflege angedeihen lassen.? Die Zentrale der Agudas Jisroel hat eine Aktion eingeleitet, um deutsche Kinder im Ausland für einige Wochen unterziubringen. Wir appellieren an a.'Je Landesorganisationen, ehebaidigst in jedem Lande grosszügige Sammel- und Hilfsaktionen zu eröffnen. .. Eingedenk der grosszügigen Aktion der Agudas Jisroel für die Hungernden in Russland hoffen wir, dass auch jetzt Agudas Jisroel vorbildlich tätig sein wird. Die Pflicht ist umso ernster, als Deutschlands Juden noch in jeder Zeit sich als die treuesten, opferfähigsten Helfer bewährt haben. Alle Spenden sind an die Ortsgruppe Halberstadt, p. A. Gottfried Goldschmidt, Halberstadt, Unter den Werden 3, abzufti'hren. Spendenverzeichnis für Deutschland. (Fortsetzung•) Jakob Schwed K 250.000, Herr Neumann K 20.000, F. N. K 500.000, S. K 50.000, Osias und Sara Müller für Kinderaktion, Lebensmittelpakete, Unterstützung der liidisahen Gemeinden je K 20.000 (60.000), Sammlung bei Vorlabung Donnebauim-Neuhauser K 160.000, tsch. K 35—, N. N. K 100*000, Sammlung durch H. P. Schlamm K luO.üOo, A. ׳Perlberger K 200.000, J. Hertzka K 300.000 (600.000), Frau Warkany K 10.000, Sammlung der Herren Hemrch Fleischmann und Leopold Sommer im Caf6 Niebauer K 120.000, Jaköb Perlberger K 500.000, Max und Adolf Grünwald K 1,000-000 Ein Paket Kleidungsstücke durch Frau Stern. Gesamtsumme der Spenden österr. K 3,370.000, tsch. K 35.—. Lebensmittelsendung nach Deutschland. Die Agudas Jisroel Mädchen gruppe Wien ha/t mit der ״Agrumaria“ Import-A.-G. ein Abkommen geschlossen, über das wir ln unserer voriger Nummer bereits berichteten. Das Zentralbueau des Jüdischen Hilfswekes hat ׳die ■■ ■ aus dauergewelltem TS_J ^11» W M0|1| ll^lffPIl Naturhaar, garantiert JtVULClOJLI 19'wXaJLJP ■ w ■ mm Wim w ■ ■ unsichtbar irn Tragen, w!en, 1. Bezirk, Kärntnerstrasse 8 mm₪K₪M₪₪₪₪₪₪₪₪₪m₪₪n₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪₪i liefert kurzfristig (nächst dem Stefansputz, um die Ecke)

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