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Jüdische Presse · 1923-10-26 · 43 (26.10.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
43 (26.10.1923)
Date
1923-10-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 43 Seite 336 Aktion. Die grossen Parteien, die {sie geben zu, dass es last sträflich war) grosse Hoffnungen geweckt haben, grosse ״Ereignisse“ versprachen, die grossen Trommel^ rührten, haben auch grosse Misserfolge geerntet, die ganz gewiss — auch dies wird freiwillig zugegeben (nebenbei, die einzige positive Post in dieser miserablen Rechnung) — verhütet werden konnten, Um dann, was allerdings nicht besonders erquiekend ist, mit tragischem Pathos die komische Verlegenheitsfrage zu stellen — ,.jüdisches Volk, was hast du getan?“ Dies ist ja die blutig-tragische Gegenwartskomödie der Zionistischen Partei, die jedweden seelischen Gehaltes bar zu werden scheint. Die junge, kräftige Organisation des glaubenstreuen Judentums hat a priori einen ungeheuren, nicht zu unterschätzenden Vorsprung vor allen heutigen Bewegungen im Rahmen des jüdischen Volkes. Sie ist erstens jung, zweitens besteht sie aus wirklich produktiven Elementen des lebenden Volksorganismus, drittens hat sie hinter sich die feste Mauer der durch den morschen Zeitgeist noch nicht angekränkelten Volksmasse des Ostens und viertens ist sie die geradlinige, durch keine noch so kleine Konzession an die moderne dekadente Gedanken rieh tung gekrümmte, Fortsetzungslinie der Geschichte des jüdischen Volkes. In der zusammenfassenden, grundsteinbildenden Ver- Sammlung der Kenessio Gedaulo hat die Bewegung des thoratreuen Judentums den grossen Anfang ihrer für die Geschichte des jüdischen Volkes so bedeutungsvollen Existenz geschaffen. Die Kenessio Gedaulo wai ein gewaltiges Werk einiger Weniger, die sich der Unsterblichkeit wert gemacht haben, deren Kräfte aber beiweitem zu gering sind (weil es überhaupt menscliliehe Kräfte nicht bewältigen können), um das Werk fort zu schaffen, das die Agudas Jisroel gerade in dieser unserer Zeit zu vollenden berufen ist — die Renaissance des jüdischen Volkes, des jüdischen Geistes auf der einzig möglichen Grundlage des jüdisehen Gesetzes, im ׳heiligen Lande und in der Zer- Streuung. Dazu bedarf es eines Moses — oder der unendlich emsigen, täglich frischen, der kolossalen Verantwortung bewussten Kleinarbeit tausender Einzelner. War die Schaffung der Agudas Jisroel das grandiose Werk einzelner Grossen, so ist die Fortsetzung!dieses Werkes Pflicht jedes Einzelnen, deren Kraft mächtiger ist als eines jedes Genies, die Macht der bewussten Masse. Man sah schon viele Male das Bild grosser Organisationen, die ׳scheinbar reibungslos präzis arbeiteten, doch plötzlich dem Verfalle preisgegeben waren und zusehends auseinanderfielen. Es fehlte diesen Organisationen die Agilität und rastlose Aktivität eines jeden einzelnen Mitgliedes. Es ist nicht genug getan, Wenn die Pflicht getan wird. Nein, tausendmal mehr ׳ ist notwendig, um ein so grosses Werk zu vollenden, wie die Neubelebung eines Volkes. Jedes Mitglied der Weltorganisation des thoratreuen Judentums nahm auf sich zugleich mit dem Eintritt in diese Organisation eine grosse Last. Wer sie nicht zu tragen vermag, möge sie schon jetzt abschütteln. Allerdings ist das Ziel ebenso gross. Wenn die Agudas Jisroel das sein will, was ihr vom Schicksal zu sein vorbestimmt ist, so muss eine Aktivität durch jedes einzelne Mitglied entfaltet werden, die für Keinen Augenblick ruhen darf. Die Dinge, die gemacht werden müssen, sind gleich wert und gleich wichtig. Ob es nun Sammeln von Mitgliedsbeiträgen ist oder die Schöpfung von grossen Institutionen, ist irrelevant. Geschehen muss es. In ׳diesen Zeiten der Schlaffheit, in denen sich in der ganzen jüdischen Welt eine ׳sonderbare Energielosigkeit, die sich i׳n Klage und Kritik ausliebt, ausbreitet, muss, im Lager des thoratreuen Judentums die regste, tagtäglich frisch erneuernde Aktivität dem Leben des ganzen Volkes ihren Stempel aufdrüoken. —z. IV öffnet! Pelzwaren. aller Art, für Damen u. Herren, in eigener Werkstätte feinst ausgeführ zu billigen ElnfUhrungspreisen A. Teitler.il., Schmelzgasse 6 Modernisierungen prompt und billig! TJISrJBEDIlNrC3-T XTESEISr 1 Infolge Anhäufung der Lagerbestände verkaufen wir für kurze Zeit komplette Küchen, und zwar: 1 Kredenz mit Ornament- Verglasung, 1 Abwaschtisch mit 2 Zinkschaffein, 1 Kohlenkiste, 1 Mistkiste, 1 Stockerl, alles prima weiss emaillackiert‘ statt K 1,800.000 zum äusserst billigen Preis von K 1,390.000. 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Ist es nun notwendig, angesichts dieses rapiden Verfalles von unschätzbaren Werten, von Menschen, von nackten Menschenleben, nochmals an jüdische Herzen zu appellieren? Mit verhülltem Antlitz und von Schmerz erstickter Stimme kann man nur nochmals den Ru' erschallen lassen: Rettet! Helfet! Gebet! Deutsche Kinder nach Wien! Es ist uns allen eine־-:hoch willkommene Pflicht, den in Not geratenen deutschen Familien nach unseren besten Kräften zu helfen. Einen Hinweis auf das, was die Juden in Deutschland seinerzeit für uns getan haben, als unsere Kinder in Not gewesen sind, braucht es dabei nicht. Denn Taten des Herzens geschehen ohne Gedanken an Revanche oder Dank. Aber es ist aus vielerlei Gründen nicht jedermann möglich, ein solches Kind zu sich ins Haus zu nehmen. Dagegen kann es ihm leicht fallen, den kleinen Gast gegen entsprechendes Kostgeld in einer jüdischen Familie des Wiener Mittelstandes unterzubringen, wobei ׳er selbstverständlich die volle laufende Aufsicht über den Schützling auf sich nimmt. Deshalb geht mein Vorschlag dahin: Die zur Aufnähme eines deutschen Kindes bereiten Familien mögen ihre Adressen und Ansprüche der Redaktion der ״Jüdischen Presse“ sofort bekanntgeben. Sobald das geschehen ist, wird die Redaktion in ihrem Blatte (selbstredend ohne Nennung der Namen) die Zahl dei bereitstehenden Häuser veröffentlichen. Die Teilnehmer an der Deutschlandhilfe können dann täglich das Nähere im Redaktionsbureau erfahren. Wo das Vermögen des einzelnen nicht ausreicht, mögen sich mehrere zusarrimenschliesseh, um den Aufenthalt für ein deutsches Kind in Wien zu ermöglichen. Univ.-Prof. Dr. Max Eisler. Die Not in Sfiddeutschland. In dem ״Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz“ finden wir folgende Schilderung dqr schauderhaften Verhältnisse in Deutschland: Die Nachrichten, die ans dem näheren oder ferneren Deutschland kommen, lauten immer grauenvoller; es ist eine Höilensymphonie von Not und Elend, die uns entgegenschallt. Wer hätte jemals einen solch grausigen Niedergang in Deutschland für möglich gehalten! Wie es dort drüben aussieht, geht ■auch aus den folgenden Au׳sftihrungen unseres süddeutschen Berichterstatters hervor, der sich über die wirtschaftlichen und!politischen Verhältnisse folgendennassen auslässt: ״In Bayern ist die Lage der Juden seit dem ״deutsehen Tag“ in Nürnberg immer bedrohlicher geworden. Hitlers Mannen •beschlossen damals — vor etwa vier Wochen — das ihnen noch, nicht durchaus botmässige Mittelbayern durch weitere ״deutsche Tage“ •zu erobern• Ansbach, Bayreuth und Hof wurden solcher Veranstialtungen gewürdigt, die ihren Höhepunkt im Verprügeln sozialdemokratischer Arbeiter und im Erstürmen jüdischer Geschäfte haben. So •machte man die Kundgebung der ״vaterländischen Kampfverbände“ wahr, in der man den Kampf gegen die ״marxistische Bewegung“ und gegen ״das Judentum als Fäulniserreger!im Volksleben“ ansagte. Auch der LenrKörper ׳der staatlichen Hochschule für Bodenkultur in Wien gab aus dem stammverwandten Oesterreich zur Rückenstärkung der bayerischen Nationalsozialisten in einer offiziellen Kundgebung seine Zustimmung zu der ״nach Ansicht des Professorenkollegiums notwendigen Bekämpfung der sittlich und wirtschaftlich unverkennbaren ■schädigenden Auswüchse des׳ Judentums auf die kulturelle F.nrwicklung der Menschheit“. Man wollte, wie man in Ludendorffs Umgebung sich ausdrückte, ״die deutsche Frage in Beriin mit bayerischen Fäusten lösen“. •So schien die sciiwarz-weiss-rote, hohenzollerische Richtung in Bayern Oberwasser zu bekommen; die ״Verpreussung“ veranlasste die weiss-blaue, wittelsbachische Sektion der Nationalsozialisten Herrn v. Kahr -auf den Schild zu!heben. Herr v. Kahr ist sicher Antisemit, obgleich der ״Völkische Beobachter“ versichert, der Generalkommissär hänge die Freussen auf und lasse die Bankjuden und die jüdischen Schieber am Leben. Vorerst hat Kahr ,nur die Sozialisten für Freiwild erklärt. Ob er ■damit auch ohne weiteres die Juden meint, ist nicht ganz klar. Vielleicht wirkt hier die judenfreundlichere Gesinnung des ehemaligen Kronprinzen Rupprecht mildernd. Die bayerischen Juden wissen noch nicht, woran sie eigentlich mit der neuen Regierung als Juden sind. — Das aber steht fest, dass die unausgesetzte Propaganda norddeutscher und bajuvarischer Antisemiten die Gesinnung der Bevölkerung bestimmend beeinfkisst ׳hat. Erzählte mir doch jüngst eine Münchener Jüdin, die!ihren Sohn in eine andere Schule brachte, der Direktor habe sie mit den Worten empfangen; ״Da habe ich mich vor ein paar Wochen gefreut, den letzten Juden aus meiner Schule los zu haben: kommt da schon wieder einer!“ Dieser Pädagoge hat’s gesagt, andere — auch in freieren Ländern als Bayern — denken’s bloss. Und dabei ist die Not so gross, dass man dringlichere Dinge als Risohus zu verbreiten hätte. Eben bekomme ich aus Schwaben ■einen Brief, in ■dem es heisst: ״In den letzten Tagen hat man drei Frauen wegen Lebensmittelsorgen ■ins Irrenhaus gebracht, darunter die Frau eines Arztes.“ Das Leben ist ungeheuer kostspielig — man denke: ein Rappen weit über eine Million Mark! — Die alten Kapitalien sind längst geschwunden, jetzt ist auch in den allermeisten Fällen keine ausreichende Einkommensmöglichkeit mehr da. Die Fabriken arbeiten höchstens noch drei Tage in ׳der Woche. Die Geschäfte liegen bei den Ueber-Weltmarktspreisen still und müssen doch die Gehälter bezahlen. Die ״Winterhilfe“, die wir selbst veranstalten, wird bei bestem Willen wohl nicht reichen .So müssen wir es wehen Herzens begriissen, dass sich in Zürich ein Komitee für eine Hilfsaktion gebildet hat. Auch in Württemberg hört man gar oft den Refrain: ״Die^Juden sind schuld“. Als der jüdische Finanzminister Hilferding mit seiner brutalen Steuerpolitik versuchte, endlich den wirklichen Besitz heranzuziehen ■und das viele Papiergeld wegzuschaffen, benützte ein Zentrumsabgeordneter im Oberland die Steuerunlust der Bauern ■dazu, gegen den Juden Hilferding und gegen die Juden zu hetzen. Dabei sind die Verluste der meisten Juden in letzter Zeit weit grösser als d׳ie der Bauern, die ihren Besitz erhalten und vergrössern, •andererseits ihre Hypothekenschulden mit ein paar Papiermark abzahlen konnten. Aus Geldknappheit konnte die Stuttgarter Gemeinde ihre zweite Rabbinerstelle nicht!mehr besetzen. — Ein sehr wirksames Mittel wandten jüdische Burschen aus Rexingen in ׳Horb am Neckar an dadurch, dass sie die Träger von Hakenkreuzen verprügelten. Der Oberamtmann von Horb stellte auch am dortigen Bahnhof ein Polizeiaufgebot ■gegen Tübinger Studenten auf, die sich antisemitisch betätigen wollten. Je mehr man von Bayern nach Westen kommt, umso weniger ist von offener Judengegnerschaft zu spüren. Die politischen Verhältnisse, und vor allem die wirtschaftlichen, sind aber auch ■in Baden gespannt. Sie wissen ja, wie es sogar ■an der Schweizer Grenze, in Lörrach und ■Badisch- Rheinfelden rumorte. Aber die Demokratie ist im ״Musterländle“ (vielleicht durch schweizerische und elsässische Nachbarschaft) doch: ziemlich ׳stark verankert. Trotz der altbewährten ■Organisation der badischen Juden und trotz der staatlichen Vorschüsse befinden sich manche Gemein- ■den Ln sehr engen finanziellen Verhältnissen. Sogar die drit'tgrösste Gemeinde des Landes hätte einem Hilfsprediger für Jaum Kippur nicht 10 Goldmark zahlen können. Oder fehlte es da nicht auch ein wenig ׳am guten Willen der Steuerzahler? Da ׳ist die Gemeinde Villingen im Schwarzvvald zu loben, wo einige Juden monatlich 3,5 Milliarden zur steuerlichen Unterstützung ihrer Hauptgemeinde aufbringen.“ Spendenyerzeichnis für Deutschland. Heinrich Fleischmann.K 10.000 Wilhelm Morgenstern. 100.000 N. N.. 30.000 Die kleine Helene Pappenhoim. . . 2.000 ״ F. F. 50.000 M. Schwäre. 50,030 Dr. Pollak, Ablösung für Glückwunschtelegramm Hochzeit, Ullmann Schreiber, Budapest . . . 100.000 ״ N. N. 100.000 Sandor Adler .. 250000 Dr. Lemberger. 250.000 Frau Chawe Twersky.• . . , 60.000 ״ K. 1,0112.000 2 Lebensmittelpackefe durch Frau Gross. Deutsche Lebensmittelhilfe der Agudas Jisroel Mädchengruppe. Die Agudas Jisroel Mädcher.gruppe in Wien hat zugunsten der deutschen mittellosen Glaubensmüder eine Aktion eingeleitet, um Lebensmitteln für dieselben zu beschaffen. Um möglichst billi.; u״d rasch die aufgebrachten Lebensmittel nach Deutschiand gelangen zu lassen, hat die Agudas Jisroel Mädchengruppe mit der ״Ag1>u.;uia“, Lebensmitteliandel׳s-A.-G. ein Abkommen getroffen, dass dieselben Lebensmittelpakete, wie sie dieselben auch ür die ״deutsche Reichshilfe“ zusammenstellt, für Rechnung der Jugend- und Mädchengruppe mit Koscherfett und Milch zusammenstellen. Die Pakete gehen vom Transitlager der genannten Firma, sodass Zölle, Einfuhr- und Warenumsatz- Steuer erspart werden. Die Typen der Pakete sind die gleichen wie die allgemein angekündigten dei •״deutschen Lebensmittelhilfe“, nur dass an Stelle v^Ln^<ך^fl^Jור-L-L^מJךJוJ-^JרJו^v1)דJרJr^Jר/^^^ ... aus dauergewelltem W Naturhaar, garantiert JCIlUUOJUI 19VXXJLF JP unsichtbar im Tragen, Wion 1י Bezirk, Kärntnerstrasse & liefert kurzfristig (nächst dem Stefansplatz, um die Ecke) Perücken

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