Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 43 (26.10.1923)
- Date
- 1923-10-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JÜDISCHE PP55S (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) Redaktion und Administration! Wien, II., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Siowakei: Bratislava, Postfach J£0. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag, Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschecho-Siowakei Kö. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1.500. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkansenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen• Postsparkassenamt Warschau, Konto 1Vr. »90.40$; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Siowakei: Postsparkassenamt Prac, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram.Ko. N. 40.217; f.Ramanien: Banca Martnarosch Blanc & Co für Florenz 8tC0, Bukarest; für die Schweiz! Postscheckk. Luzern VII. 1470. Mp. 43 Wien-Bratislava, 26. Oktober 1923 .ביה רענה־פרעססבורג י״ו חשון תי־פ״ד 9. Jahrg. Aus der altjfidischen Zahnheilkunde. Ein jüdischer Prophet lässt einmal die spätgeborenen Enkel den Zusammenhang geschichtlichen Werdens ahnen in der Klage: ״Unsere Väter‘haben Schmelzzerstörendes genossen und davon sind unsere Zähne stumpf geworden. Wenn also irgend eine Generation, und namentlich eine solche in Zeiten des Uebergangs, in Zeiten, da alles fliesst und doch nach fester Gestaltung ringt, bestimmend in den Gang der Ereignisse einzugreifen versucht, so müsste sie dafür Sorge tragen, dass nicht die Klage über die Stumpfheit der Zähne in der nachfolgenden Generation laut werden kann.“ Diese ganz einfache prophetische Rede kommt uns in den Sinn, wenn wir die neueste Wendung der Dinge in Palästina objektiv zu betrachten uns bemühen. Zunächst das Tatsachenmaterial. Die englische Regierung hat durch ihren Vertreter, den Oberkommis$är Sir Herbert Samuel, den Arabern in Palästina den Antrag gestellt, sie wolle parallel und gleichberechtigt mit der Jewish Agency eine arabische Stelle errichten. Die englische Regierung bezeichnet dieses Angebot als die letzte Konzession, die sie den Ansprüchen der Araber einzuräumen gewillt und in der Lage sei. Die Araber haben das Angebot abgelehnt. Die englische Regierung hat dem zionistischen Exekutivkomitee in London vorher von der Absicht dieses Schrittes Mitteilung gemacht. Es ist nicht be- ־':ו ך, was das Exekutivkomitee getan hat. Dass der Schritt selbst eine gewaltige Minderung der Bedeutung der Balfour-Deklaration ist, braucht nicht bewiesen zu werden. Darin sind sämtliche Organe der Zionistisehen Partei einig. Der Grund der Ablehnung seitens der Araber kann ein doppelter sein. Es kann sein, dass sich die Araber mächtig genug fühlen, um nicht durch einen halben Gewinn das Programm ihrer Gesamtforderungen verderben oder entkräften zu lassen. Es kann aber auch sein, dass die Araber denken, es läge in dem Angebot der englischen Regierung etwas Widersinniges im Verhältnis zu den Forderungen der Araber, denn, um uns eines modernen Ausdruckes zu bedienen, das Ziel der Araber geht dahin, aus Palästina einen National- Staat'Zu machen und nicht einen Nationalitätenstaat. Wie immer es sich auch damit verhält, die Tatsuche des Angebots allein legt Zeugnis dafür ab, welch grosse Bedeutung die stets kühle, nüchterne und weitsichtige Politik Englands den Arabern und ihrem Programm beilegt. Es wäre ein sehr müssiges Ding, wollte man nach dem üblen Vorbild anderer Organe jetzt die Schuldfrage aufwerfen und gegen die Väter der in der Balfour-Erklärung gipfelnden Politik einen Vorwurf er■» heben, sie hätten für den Preis eines noch dazu schlecht ausgemünzten Augenblickserfolges diese Situation verursacht. Mag der Vorwurf berechtigt sein oder nicht, mit seiner Diskussion ist keinem gedient; würde aber die zionistische Organisation — und wir wissen, wir sprechen damit ein sehr ernstes Wort aus — wirklich und ernstlich das Wohl des jüdischen Volkes im Auge haben, so müsste sie in diesem Augenblick die Führung der jüdischen Dinge, soweit sie Palästina betreffen, demjenigen Kreis überlassen, der von vornherein nicht etwa aus Mangel an Palästinaliebe, sondern vielmehr in der nicht allzuschweren Voraussicht der kommenden Dinge, die Politik der Balfour-Erklärung abgelehnt und missbilligt hat. Würde dieses oben erwähnte Gesamtinteresse vorhanden sein, so müsste man, auch nach pariamentarischem Gebrauch, gerade.״•» nach solchen Kreisen suchen und sie bitten, die Situation zu retten. Andererseits hätten diese Kreise die unabweisbare Pflicht, diese sehr schwierige Aufgabe auf sich zu nehmen, um zu retten, was noch zu retten ist. Wir sind fest überzeugt, es gibt solche Kreise, die, soweit dies im politischen Leben überhaupt möglich ist, Anspruch auf das Vertrauen seitens der Araber erheben können und welche auch einen gewissen Widerhall auf diesen Anspruch erwarten dürfen. Freilich ist die Voraussetzung in diesem Gedankengang, dass auf allen Seiten der kritische Augenblick ein grosses Geschlecht findet; damit wäre auch der englischen Regierung ein grosser Dienst geleistet, und zwar nicht ein rauschender, propagandistischer Erfolg erzielt, aber eine Tat in die Wege geleitet, die allen Beteiligten dient und frommt. Die Angelegenheit kann so betrieben werden, dass auf keiner Seite die Würde verletzt wird. Nur muss man stets im Auge haben, dass die Enkel nicht das Recht haben dürften, eigenes Leid mit der Schuld der Ahnen verknüpfen zu müssen. p. K. Aktivität.. Die Situation, in der sich das jüdische Volk befindet, ist sonderbar. Aus tausend Mündern, in Hunderten von Reden und Zeitungsartikeln schallt uns die trübe Feststellung entgegen, dass es um uns und mit uns schlecht .bestellt ist. Eine sonderbare Psychose lässt uns nicht einen Augenblick daran vergessen. Ein Vergessen, das, wenn es auch auf den ersten Blick leichtsinnig erscheinen würde, jedenfalls dem Volks- Organismus und der Volksmentalität mehr nützlich sein würde, als ein fortwährendes Klagen, Aechzen und Stöhnen. Gewiss, die Lage ist nicht rosig. Diese Feststei־ lung genügt für den Augenblick und über den Augenblick hinaus für die nächste Zeit. Es sind die schönen Hoffnungen irgendwo hingeraten, über Nacht zerflattert. Der Trost, dass mancher von uns klug und vorausseheml gewesen ist und von diesem Katzenjammer unserer Tage warnte, ist äusserst mager und besitzt wieder keine Unze praktischen Gehaltes mehr, als die Klagen und verbitterten Schmerzensäusserungen ob der verlorenen Illusionen. Dabei geht es dem jüdischen Volke jedesmal ärger und Berufswahrsager prophezeien noch schlechtere Zeiten. Das Sonderbare dieser Situation wird noch Qualvoller, wenn man die Tatsache der allgemeinen Erlahmung der Energien in der jüdischen Welt konstatiert. Man kommt aus lauter Wehklagen, Kritisieren, Protestieren und zu guter Letzt auch Deklamieren zu keiner noch so kleinen Tat und wenigstens zu keiner Rabbi Akiba Eger. (Schluss.) Als Rabbi Akiba Eger im Jahre 1836 auf der Reise zur Hochzeit eines seiner Söhne mehrere Tage in Warschau sich aufhielt, zeigte sich in geradezu ergreifender Weise die liebevolle Verehrung, die ihm überall die jüdische Bevölkerung entgegenbrachte. Als die Kunde von seiner Anwesenheit sich verbreitete, kamen auch die Bewohner aus den umliegenden zahlreichen jüdischen Dorfgemeinden in Scharen nach Warschau und eine riesige Menge drängte sich unausgesetzt Tag und Nacht vor dem Hause, in dem er wohnte, um seines Segens teilhaftig zu werden. Auch die Behörden nahmen Kenntnis von seinem Aufenthalte, eine Ehrenwache wurde vor das Haus gestellt und die höchsten Würdenträger, an ihrer Spitze der Gouverneur Fürst Paskewitsch, erschienen bei Rabbi Akiba Eger zu Besuche. Der greise Mann musste Anstrengungen machen, um die Fülle der Ehrungen, die auf ihn einstürmten, zu ertragen. Von dieser Reise heimgekehrt, erfuhr Rabbi Akiba Eger bald darauf einen schweren Schicksalsschlag, den er wohl mit frommer Demut und Gottergebenheit trug, der aber seine Kräfte nicht mehr standhielten. Seine treue, viel jüngere Lebensgefährtin ward ihm durch den Tod entrissen. Von dieser Zeit an musste er sich allmählich der öffentlichen Wirksamkeit entziehen und sein Schwächezustand nahm derartig zu, dass man im Juli 1837 stündlich sein Erlöschen befürchten musste. Aber der starke Geist schien sich nur schwer von der schwachen Hülle lösen zu können. Rabbi Akiba Eger lebte noch einige Monate und sein letzter Wunsch lautete, der Allmächtige möge ihm nur noch einen Jom Kipur überleben lassen. Das Gebet des Frommen wurde erhört. Am 13. Tischri, dem zweiten Morgen nach Jom Kipur (12. Oktober 1837), hauchte der grosse Mann seine reine Seele aus. Das Testament Rabbi Akiba Egers war nicht bloss eine letzte Willenserklärung und eine Verfügung über die irdischen Güter, die er hinterliess. Diese waren gering genug; die Schätze, die er besass, bestanden vornehmlich nebst den gedruckten Werken in Manuskripten über talmudische Themen. Das Testament Rabbi Akiba Egers war zugleich ein letztes charakteristisches Dokument seines frommen, bescheidenen, edlen und gütigen Wesens. In diesem Testament bestimmte er unter anderem, seinen Schülern und den ihm gesinnungsverwandten Rabbinen möge die Zeitung von seinem Ableben Nachricht geben, mit Hinzufügung der Bitte, dass sie alljährlich an seinem Sterbetage einen Abschnitt in der Mischna lernen möchten, aber dass — ausser auf der Grabstätte — nirgends eine Trauerrede über sein Hinscheiden gehalten werde. An den Vorstand der Gemeinde richtete Rabbi Akiba das Verlangen, das Rabbinat möge vier Wochen nach seinem Tode durch einen hervorragenden Talmid-Hochom besetzt werden. (Sein gelehrter Sohn wurde zu seinem Nachfolger erwählt.) Ferner sprach er seinen Willen aus, dass auf seinem Grabstein keinerlei Lob, sondern bloss die Tatsache verzeichnet werde, er habe seit seinem 15. Lebensjahre unter grossen körperlichen Schmerzen mit Schülern Thora gelernt, und dann noch die Worte: ״Hier ruht Rabbi Akiba Eger, ein Diener der Diener des Ewigen in Friedland und Posen." Schliesslich sprach der mildherzige Mann den rührenden Wunsch aus, vor seiner Beerdigung solle bekanntgegeben werden, dass weder ein Sohn noch eine Tochter noch fremde Kinder seiner Leiche das Geleite geben mögen. Er wollte seinen Kindern den übergrossen Schmerz über den Tod des Vaters nicht durch deren Teilnahme an der Bestattung erhöhen. Das Herz, das im Leben so viel Güte und Liebe bewies, bekundete diese noch im Tode. Der Tod Rabbi Akiba Egers wurde, man kann es sagen, von ganz Israel beklagt. Selbst die Gegner seiner Richtung beugten sich ehrfurchtsvoll vor diesem Manne, was z. B. auch aus dem Nachruf hervorgeht, den das Blatt Philippsohns, die ״Allgein. Zeitung des Judentums“, ihm widmete. In diesem heisst es unter anderem: ״Der Ruf, den sich der Verewigte durch seine literarischen Kenntnisse und durch sein tiefes, vön einem klaren Verstände geordnetes talmudisches Wissen erwarb und welchem er ausserdem in sittlicher Beziehung durch seine Anspruchslosigkeit, sein strenges Rechtsgefühl, durch persönliche Uneigennützigkeit sowie durch unablässige Dienstleistungen an jeden, der seine Mit- Wirkung erbat, in nahem und fernem Kreise zu sichern wusste, war in ganz Europa und selbst in einem Teile Asiens so gross, dass ihm in dieser Hinsicht kein Rabbiner neuerer Zeit an die Seite gestellt werden kann.“ So lebt das Andenken Rabbi Akiba Egers gesegnet fort. M a 1 e a c h i. u^AWA1!vAY1vrrmv1*r1vy»vr1‘rrn‘r1^*A‘‘‘rA*******^**■ ■ י ■ Pessl Wien I. Erstes und grösstes Wiener Haus Kärntnerstrasse 28 Gegründet 1894 fUr künstlerisch ausgefUhrte Scheitel, Perücken und Transformationen aus allerbestem, dauernd gewelltem Naturhaar. Versand der reich Illustrierten Frisurenmappe kostenlos.