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Jüdische Presse · 1923-10-19 · 42 (19.10.1923) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
42 (19.10.1923)
Date
1923-10-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 332 JÜDISCHE PRESSE Nr 42 T S CH ECHO-SLOWAKEI. Die Wahlen in der Slowakei. Zum ersten Male seit der Neuordnung der Staatliehen Verhältnisse wurden in der tschechoslowakisehen Republik Kommunal- und Gauwahlen vorgenommen. Die Juden der Slowakei gingen zum grossen Teil geschlossen zur Wahlurne unid stimmten auf die Listen der ״Jüdischen Partei“. Etwa 100 Juden ziehen auf Grund dieser Wahlen in die Gemeinde-Verwaltunigen und acht Vertreter in die der Gaue (Komitate) ein. Noch ist das Verhältnis der auf die Listen dei ״Jüdischen Partei“ abgegebenen Stimmen zu der Gesamtzahl der wahlberechtigten Juden im Lande nicht festgestellt. Unzweifelhaft ist es jedoch, dass ein sehr ansehnlicher Teil *der jüdischen Wähler des Landes der Aufforderung der orthodoxen Landeskanzlei gefolgt ist und im Vertrauen auf ihre bewährte Führung für die Liste der ״Jüdischen Partei“ gestimmt haben. Die orthodoxe Landeskanzlei hatte vor der Wahl an sämtliche orthodoxe Gemeinden des Landes ein Rundschreiben ergehen lassen, worin den religiösen Wählern empfohlen wurde, mit anderen Juden gemeinsam eine Wahlvereinigung unter dem Namen ״Jüdische Partei“ zu gründen und unter Verzieht auf eigene ausschliesslich orthodox-jüdische Wahllisten für die reibungslose Durchführung der Wahlen Sorge zu tragen. Es war dies ein Versuch der Vereinigung weiter jüdischer Kreise der verschicdenen religiösen und politischen Bekenntnisse aut ein gemeinsames Wahiprogramm und wir wollen gleich hinzufügen: ein sehr gewagter Versuch, der die Disziplin gar manches orthodoxen Juden des Landes auf eine harte Probe stellte. Es wird jetzt Sache der Führer sein, die bei den Wahlen gesammelten Erfahrungen gründlich zu prüfen, die Vorteile und Nachteile einander gegenüberzustellen und zu erwägen, ob dieser Versuch einer Wahlvereinig u n g, die ausschliesslich für die Wahlen in die Kornmunal- und Gauverwalfcungen geschaffen wurde, zu weiterem Fortschreiten auf diesem Wege zum Ausbau der W a h 1 v e r e i n i g u n g zu einer s t ä n d igen politischen jüdischen Partei ermutigt. ׳Es wird vor allen Dingen abgewartet werden müssen, ob der Punkt aus dem Wahlprogramm der ״Jüdischen!Partei“, der die ״absolute Ausschaltung“ des Zionismus, Nationalismus und der bei unseren neunmalweisen Zionisten so 1beliebten Betonung der ״Minderheitsrechte“ gewährleistet, der also jetzt für alle auf Grund der Listen der ״Jüdischen Partei“ gewählten Kommunal- und Gauvertreter verpflichtend äst, auch wirklich ein ge halten wird. Gewiss sind Gremien, in denen Männer wie (um nur einige aus Bratislava zu nennen) Oberrabbiner Weber, Oberrabbiner Hir schier, Präses Kraus u. a. Sitz und Stimme haben, vor gewollter oder ungewollter unrichtiger Belehrung über jüdische Interessen geschützt. Anderseits haben aber die Resultate der Wahlen in einigen Provinzgemeinden auch Erscheinungen an den Tag gebracht, die von einer geradezu erschreckend weitgehenden G u t m üt ig k e i t, von einem grossen Mange lanSelbstvertrauen der orthodoxen jüdischen Wähler zeugen. Vielfach wurden z. B- Männer als ״jüdische“ Vertrauensmänner in die Kommunen und Gaue ent- .sandt, die als Juden wahrlich nicht das geringste Vertrauen beanspruchen dürfen und die mit dern wahren Judentum sicherlich nicht das Geringste gemein haben, in gegebenen Fällen also s e 1 b s t b e i gutem Willen die ״Sache des Judentums“ oder, wie man das jetzt sagt, die ״jüdischen Interessen“ eiendlich schlecht vertreten würden. Gehen wir'unter jüdischer Flagge zur Wahlurne, so müssen ־Konjunkturjuden nationalistischer oder assimilatorischer Couleur zumindest doch von den Listen ausgeschlossen werden, wo die jüdischen Wähler in überwiegender Zahl orthodoxe Juden sind; und das ist doch wohl im grössten Teil des Landes der Fall. Der orthodoxe Jude als Stimmvieh und politischesSprungbrctt für abfallsüchtige thorafremde Streb e r sollte mit vielen anderen, die Würde des froinmen Juden tief verletzenden Wahlusancen aus der ״ungarischen Zeit“ nun endlich in Versenkung geraten. Soll die ״Jüdische Partei“ jetzt nach Abschluss der Wahlen 0 r g a n i s 1 e r t und auf dauernde Grundlagen aufgebaut werden, so werden Garantien dafür geschaffen werden müssen, dass auch der Geist der nun glücklich abgewirtschafteten ״Vereinigten Jüdischen Parteien“ aus unserem öffentlichen Leben gebannt wird. Das orthodoxe Judentum will übera 11 seiner Zahl und seiner bürgerlichen und jüdischen Bedeutung nach seine eigenen Männer in die Vertretungskörperschaften entsenden. Unter dieser Voraussetzung gehen wir gern und willig auch mit J uden anderer Weltanschaung gemeinsam als Juden zur Wahlurne. Sonst aber sind wir genötigt, auch unsere wichtigen bürgerlichen Wahlakte frei und selbständig auszuüben. Die Befreiung des orthodoxen Judentums von jedweder Bevormundung durch thorafremde Kreise in an der e n Ländern hat jedenfalls zur Genüge bewiesen, dass selbst der Kaftanjude in der Lage ist, seinen Mann zu stellen — wenn er will. Wir wissen die Leitung des orthodoxen Judentums in der Slowakei in solch guten Händen, dass wir ihr mit gutem Gewissen werden folgen dürfen, wenn sie. uns einmal sagt: Es ist an der Zeit zu wollen! Civis Judäus• ♦ ♦ Grand-Sanatorium : und Wasserheilanstalt : ♦ ♦ : Bratislava ressburg) Tiefer Weg ♦ ♦ ♦ ♦ Erstklassige diagnostische, diätetische und phy- ♦ ♦ sikalische Heilanstalt für Innere u. Nerven• * ♦ kranke // Chirurgie, Frauenheilkunde // Abtei- ♦ ♦ lungen für Augen-, Ohren-, Nasenu. Halskranke * ♦ Röntgentherapie // Chemisches Laboratorium * ♦ ♦ l Pauschalpreis von öK 55, für Entbindung ♦ ♦ (8 Tage) öK 1100 bis 1800 ♦ ♦ Monats ׳ Pauschalpreis für Innere und l l Nervenkranke öK 1600 bis 2400 * ♦ * ♦ Wasserkur für Auswärtige (Bad mit Ab-׳ ♦ ♦ reibung und Wäsche) öK 12 l ♦ ♦ l Freie Aerztewahl ♦ ♦ f ♦ Rituelle כשר Verpflegung unter Aufsicht ♦ ♦ des Pressburger orthodoxen Rabbinates. ♦ י♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦.♦♦♦♦♦♦.y Vor der Nitraer Tagung. Die meisten Orts- und Jugendgruppen der Agudas Jisroel haben ihre Vertreter zum Delegiertentag in Nätra bereits ׳gewählt. Bis zur Stunde haben 28 Rabbiner ihr Erscheinen avisiert. Der Geschäftsausschuss der Agudas Jisroel in Wien wird durch mehrere Mitglieder vertreten sein. Das Präsidium der orthodoxen Landeskanzlei hat sein Erscheinen zugesagt. Vom Sitze der Aguda-Landesorganisation, Bratislava, entsendet die orthodoxe Gemeinde eine Vertretung. Aus zahlreichen Gemeinden, wo organisierte Aguda-Gruppen noch nicht vorhanden sind, werden Rabbiner, Gemeindevorsteher und sonstige führende Persönlichkeiten des orthodoxen Judentums anwesend sein, um sich über die Wege und Methoden der Organisation zu informieren. Alles in allem lässt das allgemeine Interesse an der Tagung die Stimmung widerspiegeln, die durch die Kenessio Gedaulo in Wien in der Slowakei ausgelöst wurde. Die Tagesordnung des Delegäertentages sorgt dafür, dass die Beratungen auf sachliche Erörterungen beschränkt sein werden. Es handelt sich bei dieser Tagung ausschliesslich um praktische Fragen der Organisation und der Durchführung der programmatischen Aufgaben der Organisation. Möge der Geist de» g-ttvertrauenden Klall Jisroel alle Teilnehmenden beherrschen, möge die!Liebe zu G-tt und seiner תורח חקדושח, zum Volke ישראל in den Gemütern walten, möge der entschlossene Wille zu fruchtbarer Arbeit für die Ziele der Agudas Jisroel der Tagung die Wege weisen, auf dass auch חשיית ihrseinen Segen des שלום verleihe! צלח ורכב על דבר אמת! Opfergabe für Notleidende! Der Verein ״Esra“ in Bratislava ersucht uns um* Veröffentlichung folgenden Aufrufes: Der infolge seiner Hilfsbereitschaft in den breitesten• Gesellschaftskreisen bestbekannte Verein ״Esra“ Hilfe in׳• der Not, sieht sich veranlasst, im Namen vieler verarmter Mitmenschen abermals an das wohltätige Herz seiner edlen Gönner zu appellieren. Wir ׳stehen vor dem grimrnigen Winter! Gross ist die Zahl jener Bedauernswerten, die für ihre Stube keine Wärme, für sich und ihre darbenden Kinder kein Brot und keine Nahrung, keine Kleider haben und denen es an Geld mangelt, um den allernotwendigsten Bedürfnissen zu genügen. Wir, denen dieses Massenelend bekannt ist, die wir stets mit nie sinkendem Mut in die Kammern der Not und Verzweiflung Einblick haben, suchen mit unseren Mitteln bis zur äussersten Möglichkeitsgrenze abzuhelfen, allein unsere Kraft ist ungenügend und wir suchen anlässlich der Hilfsaktion jene Menschenfreunde auf, die stets und bereitwillig mit beiden!Händen geben, wo es' heisst, die Not zu lindern und die Tränen zu trocknen. Unsere stets von uneigennütziger Menschenliebe erfüllte Damensektion übernimmt auch diesmal wieder die Hilfsaktion für das Aufbringen von Wäsche, warmer Bekleidung,. Beschuhung, Heizmaterial, Lebensmitteln und Bargeld und wir sind davon überzeugt, dass angesichts der heutigen grossen Not ein jeder Edelden׳kendt> sich wohlwollend dieser Hilfsaktion ,zur Seite stellen wird. Es werden sich die Damen unseres Komitees erlauben, behufs Entgegennähme der oben genannten Spenden und Gaben bei allen hilfsbereiten Freunden unseres Vereines bittend vorzusprechen. Spenden können ausser dem Sammlungswege auch an folgende Adressen verabfolgt werden: S. Lebensfeld, Klarissergasse 12; Dir. Isidor Knöpfelmaclier, städt, Bräuhaus; David Fleischmann, Jessenakgasse; Dr. Leo׳ Sipos, Deakgasse; Firma Weiss und Heimler, Deakgasse; Frau Max Deittelbaum, Zrinyigasse; Frau Dr. Bauer, Konventgasse 9. Rabbi David Raab זצ״ל. Ain zweiten Tage 1אש השנה< verschied in J a s o w a (Rabbinat Gus) R. D a v i d Raab, einer der frömmsten Männer dieser Gegend, ein grosser J7T> gepaart mit grenzenloser Bescheidenheit und mit allen schönen menschlichen Tugenden und Lieblingsschüler den ׳בחב סופר י זצ״ל" seinem 76. Lebensjahre. Schon in jungen Jahren als בחור an der Pressburger ישיבה ragte er durch besonderen Fleias und gute Eigenschaften hervor. Sein grosser Lehrer, der ׳כ״ס זצ״ל pflegte auf ihn das Wort zu gebrauchen :אינן ד ר אלא במקום תורה (die Anfangsbuchstaben seines Namens sind ד״ר)• Er heiratete eine Tochter des bekannten ךוון von Sered R. Aba Chija Hirsch und wurde Kaufmann in Tür (Rabbinat Gus), wo er sich die Liebe, Achtung und Anerkennung der gesamten Bevölkerung in einem Masse erworben hat, dass er In der ganzen Gegend als Musterbild eines wahrhaft frommen und ehrlichen תץ־ן galt. Sein Leben war ein קידוש השם. Auch als סוחר pflegte er mehrere Stunden der Nacht dem לימוד התורה zu widmen. Die Gemeinde Gus- und die Gegend betrauern in dem Heimgegangenen das be־־ deutendste Mitglied, den מגי[ התר. Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Leo Fürst hob dies in seiner vom Herzen kommenden Trauerrede besonders hervor. Rabbi David W e s- 8 e I y ׳דיין דק״ק פרעשבירג ״נ״ו betrauert in ihm seinen Schwager.- .תנצב״ה * Agudas Jisroel Jugendgruppe. Bratislava. Unterrichtssektion. Schiurimetnetilung. שבת קודש um 4 Uhr nachmittags אברהם pDr Vortrag des Herrn David Haberfeld. Um 4 Uhr nachmittag» מנחה, sodann Vortrag des Herrn Rabbiner Samuel Donath. Jegen Abend, 7 Uhr מת׳ קיצוה, Vortragender: Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Hirscbler. Um pünkliches Erscheinen wird gebeten. Gäste willkommen. Agudas Jisroel ״B" Jugendgruppen. שבת קידש um halb 3 Uhr Vortrag des Herrn Armin׳ Kohn משניות ברכת. Ü*8 ״ Uhr Vortrag über der סדרא da* Herrn Hermann Katzner. מנחה um 4 Ul1r• Adas Jisroel (Schiffschul) Gebetstunden in der Zelt vom 9.-16. Marcheschwan 5684־ Freitag, den 16. Cheschwan 05 5 קבלת שבת Uhr. Samstag ׳ם׳ לך לך Morgengebet um 645־ u. 930־ Uhrr Minchoh 12 15 und 3*30 Uhr. 50 5 מוצאי ש״ק Uhr. An Wochentagen Morgengebet 615־, Minchoh ß Uhr. □ס □ס □ס 03 CÖ KALENDARIUM. &88S3S383! Tag Oktober Cheschw. Berachot Notizen 3 Sonntag 21. 11. 42. Tod Metuschelach 1656. — Geburt und Tod Benjamin. — Tod Rachels. ־־־ Tod R. Mojsche Krotoschin. — Geburt R. Akiba Eger 11 5522. — Tod R. Jakow bar Jakow (Chachime Haklaus) Brody 5528. Montag 22. 12. 43. Päpstliche Bulle gegen Ritualmordmärchen 5633. — Märtyrertod von Juden in Heilbroan 5099. Abarba nel beginnt Komentar der Bibel 5244. — Tod R. Note Eibenschitz. Dienstag 23. 13. 44. Verbrennung des Talmud in’Venedig 5314.— Tod R. Juda J*w°*׳V*°**r vater des hohen R. Löw, Prag 5200. — Tod R. Mendel Rothschild, Hambure 5492. - Tod des Kabbalisten R, Baruch-Kossow 5544. Mittwoch 24. 14. 45. Tod R. Israel Meschultam-Kunitz 5536. Donnerstag 25. 16. 46. Tod Mattisjohu 3622. — Tod R. Zwi HorowUz-Czortkow Vater des Haflooh. Tod R. Jakow Wiener, Prag 5502. - Tod R. Eleasar Kalhr, Köln 5562. - Tod R. Arjeh L. Lipachitz, Budapest, begraben Abany Szanto 5866. Freitag 26. 16. 47. Tod R. Isak Josef, Krakau, 5533. Samstag 27. 17. 48. Wa jero. Haftorah: Weischo achas. Tod R. Simon Wolf. Landesrab. von Böhmen 5392. — Tod R. Salrnan Jekussiel Hanowi, Drohobycz 6491.

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