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Jüdische Presse · 1923-10-19 · 42 (19.10.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
42 (19.10.1923)
Date
1923-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Seite 331 Nr. 42 Polen. Die Ejqäostonskatftstroptie!0 Warschau. Warschau. Am 13. Oktober ist die Warschauer ßtaddle, die ein Teil des zentralen!Munitionslagers war, itt die Luft gellogen und Ist völlig zerstört worden. Ausserdem siad noch anschliessende Pavillons der Zitadelle yentfchtet. Von den Baulichkeiten der Zitadelle und den in 4er Nähe gelegenen Häusern sind durch die Gewalt der ßxploeioa die Dächer weggerissen worden. In der ganzen Umgebung sind sämltiche Fensterscheiben samt den Einlasst!•gen aus dem Mauerwerk gerissen. Die Zahl der Getötete• ist noch nicht festgestellt, beträgt aber bisher über dl Personen. 40 Personen wurden schwer und über 400 leicht verletzt. Als Ursache der Explosion des Pulvers, dessea Menge etwa 2000 Tonnen betrug, wird ein verbtecherischer Anschlag vermutet. Der Sachschaden ist ungeheuer. Der Alexandrer Rebbe, s. A. Elter der grössten Chasiddimrabbis, der Rabbi von Alexatdrer bei Lodz, R. S. Z. Danzig er, verschied dieser Tage im Alter von 63 Jahren. Das polnische orthodoxo Judentum hat ln der Person des Alexandrer Rabbi cfnea seiner grössten geistigen Führer verloren. Die Lehre und Richtung der Alexandrer Ghassidini ist ein Produkt vieler Rabbis und Zadikim, deren Erster der allbekannte B. Izchoic Worker s. A. gewesen ist. Der eben verblichene Alexandrer Rabbi übernahm erst vor einigen Jahren das Rabbinat nach seinem Bruder R. Israel Jizchok, der als grosser Gelehrter bekannt war und der einige Jahre vor dem Kriege starb. R. Israel Jizchok war Verfasser des Werkes ״Jlsmach Jisroel“. Im Kriege erlitt Rabbi S. Z. Daazlgcr einen schmerzlichen Verlust. Sein ältester Sohn R. Petwele, der ein gross'er Gelehrter war, wurde von den Kosaken vom Bet Hamklrasch weggeschleppt und unter dem grundlosen Verdachte der Spionage zum Tode durch den Strang verurteilt. Diesen grausamen Verlust konnte der Vater nicht mehr verwinden. Seit dem Beginne der Aguda-Bewegung hat der Alexandrer iRcbbe aktivsten Anteil genommen und war seit der Gründung an, im Präsidium der Moezes Gedaulo!Hatauro in Polen. Später zog er sieb vom öffentlichen Leben zurück, blieb aber dem Gedanken der Agudas Jisroel immer treu. £ltäU«lt. Zum Schutze des Sabbat. (3PZ) K 0 w 11 0. Wie jetzt bekannt wird, ist die Volkszählung in Litauen auf einen Sabbat angesetzt, wogegen von einem Teil der jüdischen Gemeinde Protest erhoben wird. Leider liegt bereits ein Präzedenzfall vor, nämlich die Sejmwahlen, die ebenfalls auf Sabbat gelegt waren. Die damaligen Bemühungen, den Wahltermin zu verlegen oder zu verlängern, blieben ergebnislos. Von jüdischer Seite muss gegen diese Nichtberücksichtigung der jüdischen Religion Verwahrung eingelegt werden. Das Minderheitsstatut des Völkerbundes verbietet dem Wortlaut wie dem Sinne nach die Ansetzung von Wahlen und Volks- «Sfckmgen an Ruhetagen der Minoritäten. Die Wahlen. Kowno. Die letzten Tage standen -im Zeichen der Wähle« für den Nationalrat und die Gemeindeverwaltung. Achduth gab in Übereinstimmung mit den Unparteiischen die Parole aus,'sich der Wahlbeteiligung für den Nationalrat vollständig zu enthalten. Ein Nationalrat unter Ausschluss der Kultusangelegenheiten kann nicht als eine jüdische Institution gelten und wäre eine Mitwirkung an der Zusammensetzung eines solchen ein Verbrechen an der jüdischen Volksseele. In diesem Sinne sprachen sich auf einer ,Konferenz vor einem'Jahre auch die litauischen ׳Mlsrachifiihrer aus, die nur in politischen Dingen ein Zusammengehen mit den Zionisten für möglich hielten, nicht aber in Fragen der Religion oder bei Unternehimmgen, die gegen die Religion gerichtet sind. Umso unverständlicher ,ist die Taktik der heutigen Mlsrachi, der gegen Achduth seine Wahlhilfe dem religionslosen Nationalrat in vollstem Masse angedeihen lässt. Was die Wahlen in die Kultusgemeinde betrifft, so haben Achduth und Unparteiische eine ■eigene gemeinsame Liste von 29 Kandidaten aufgestellt, an deren Spitze Oberrabbiner S c 11 a p i r 0 steht. 15 Kandidaten sind ausgesprochene Anhänger und Vertreter der Aguda, 5 Kandidaten stellen die Zeire Jisroel, 8 Mandate sind angesehenen, gesetzestreuen Männern zugedacht, die in keiner Partei organisiert sind. Der erste Wahlgang hat bereits einen namhaften S. ie* dieser Liste gebracht. Pogromstimmung. Kowno. Es herrscht wieder ■eine schwüle Atmosphäre und während der Feiertage schwirrten Gerüchte durch die Luft, die die jüdische Bevölkerung mit Angst und Bangen Einrichtungen für Qast-u.Kaffeeliäuser: Sessel, Tische, Eiskästen, Eismaschinen, Aufsätze etc. Ferner Porgellan-, Glas-, Email-, Kupfer- und Altsminiamgeschirr. Alpakkabestecke, Löffel und Tassen. Ludwig Adler, Wien, IV. Wledner Hauptstrasse 10 (Freihaus) Telephon 51-0-62 ־o1־sr]BE1DX1sra-T i^eseist! 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Am Kolnidreabend wurden in einigen kleinen Bethäusern die Fensterscheiben eingeschlagen. Die Hetze gegen die Juden wird mit den schlimmsten Mitteln betrieben und Presse und Behörden haben kein Wort der Zurückweisung, fm Sejm wird inzwischen die Lösung der MinoritätendeklaratiojQ. die dem Völkerbunde cinzurciohen ist, von Tag zu Tag verschoben. Von oben wird nichts getan, um die Gemüter zu beruhigen, im Gegenteil ist die ganze Innenpolitik darauf eingestellt, die Hetze gegen die Juden noch zu unterstützen und zu ermutigen. Antisemitische Ausschreitungen in Kowno. Kowno, 2. Oktober. In Ko\vno wuiiden in den letzten Tagen Aufrufe verbreitet, in denen *egen die Juden gehetzt wurde. Zwar wurde abends die ■Stadt von grossen Militärabteilungen bewacht, doch konnte nicht verhindert werden, dass in Nebenstrassen heftige Zusammenstösse erfolgten. In einem jüdischen Restaurant wurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. Es entstand eine Schlägerei. Sogar in der Synagoge wurden Juden überfallen. Die Ausschreitungen wurden in der Hauptsache von jungen Studenten im Alter von 16 bis 20 Jahren hervorgenifen. Auch in S c h a u 1 e n ist es zu Ausschreitungen gekommen. Dort wurden in einer Nacht sämtliche Jüdischen Firmenschilder und Strassenauf- Schriften mit Teer übermalt und Steine gegen die Synagoge geschleudert. Das Ministerium hat Massnahmen ergriffen, tun Wiederholungen •dieser Exzesse zu verhüten. Russland. Senator de Monzie über die geringe Roüe der Juden in der bolschewistischen Revolution♦ Paris. (J. P. Z.) Der soeben von ,einer Studienreise aus Russland zurückgekehrte Senator de ■M on zi e veröffentlicht im ״Journal“ seine Eindrücke aus Russland. In seinen Artikeln nimmt die jüdische Frage!in Russland einen besonderen Platz!ein. Unter ־aiffderem berichtet Senator de Monzie ■über eine Unterredung, die er mit einem jüdischen Kommissär in Russland gehabt hat. Dieses Gespräch, <erklärte der •französische Senator, habe bei ihm einen solchen Eindruck ■hinterlassen, dass er es nun versteht, dass gewisse Leute den Juden den Kommunismus zum Vorwurf machen. 111 der Wirklichkeit;aber spielten die Juden eine nur g e r i 11 gif ü.g i ge R 011 e i n der b 0 1 s c h e w i s 11 s c h e n R e v o :1 u t i o n, die in Wahrheit durch Russen, Latten u nd Po len herbeigeführt worden ist. Schitomlr. Aus Schitomir in der Sowjetukraine kommt eine schreckliche Nachricht, wonach eine Munitionsexplosion das ganze jüdische Viertel zugrunde gerichtet haben •soll und unzählige Menschenleben an Opfer gefordert hat. Die ■Bolschewiken erklären, dass die Explosion ein Attentat der konterrevolutionären Kreise ist. Der Kamp! der jüdischen Kommunisten gegen die jüdische Religion in Russland. Moskau. Das Zentralkomitee der jüd. kommunlstisehen Partei Russlands versendete zu den hohen Feiertagen ein Zirkular über den Ausbau der antireligiösen Aktion. Das Zirkular kündigt an', dass im Gegensatz zur früheren Kampfmcthod-e. die nur einen agitatorischen Charakter hatte, die diesjährige Kampagne einen viel ernsteren Charakter tragen muss. Zu diesem Zwecke wird die Abhaltung von Diskussionsabenden in den Fabriken und Arbeiterklubs über ■die jüdische Religion im allgemeinen sowie über die '!jüdischen Feiertage :im speziellen empfohlen. Ferner sollen an den Feiertagsabenden Vorträge und Ausstellung antireligöser Kunstwerke sowie Theatervor- Stellungen stattfinden. Auch wird demnächst eine Zeitung zu diesem Zwecke herausgegeben werden mit dem Namen ״Der Aplkojres“, die den Kampf gegen die Religion unterstützen wird. 6r«2 Isroel- Ein Appcftj der Agudas Jisroel an die Orthodoxie in Erez Jisroel. Wien. (A. J. P. B.) Die Zentrale der Agudas Jisroel richtete an die Führer der Orthodoxie in Jerusalem sowie an Oberrabbiner Kuk ein Schreiben, in dem von dem Beschlüsse der Kenessio Gedaulo Mitteilung gemacht wird, an die Jerusalemer Orthodoxie zu appellieren, endlieh den Intrigen und Streitigkeiten, die in beiden Lagern der Orthodoxie herrschen und die ein Chilul Haschern für das ganze orthodoxe Judentum bilden können, ein Ende zu bereiten. In diesem Briefe wird auch der Vorschlag gemacht, demzufolge beide Parteien die strittigen Fragen einem Besdin unterbreiten •sollen, der aus den drei bekannten Thoraautoritäten besteht und von beiden Parteien anerkannt werden soll. Bis zu diesem Din Thora ersucht die Zentrale der Agudas Jisroel, bevollmächtigt durch die Kenessio Gedaulo, beide Parteien Im Namen des Friedens, jedwede unparlamentarische Polemik in Wort und Schrift zu unterlassen, •um so die Ehre der Thora, die beiden Selten heilig ist, zu wahren. Massenmeeting der Agudas Jisroel in Jaffa. Jaffa. (A .J. P. B) Vergangene Woche fand Mer unter grosser Beteiligung eine Versammlung statt, in der der Delegierte Jakob Malkow den Bericht über dkl Kenessio Gedaulo erstattete. Auch Vertreter gegnerischer Parteien nahmen an dieser Versammlung teil. Der Bericht wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Beginn der intensiven Tätigkeit der Agudas Jisreef in Erez Jisroel. Jerusalem. (A. J. P. B.) Die Agudazentral-e in Jen*־ salem setzte auf allen Gebieten mit einer regen Tätigkeit ein. In einer Versammlung, auf deren Tagesordnung das Arbeitsprogramm für die nächste Zeit gesetzt wurde, nahmen die Führer der Aguda in Jerusalem, Jaffa, Tiberias, Safed u. s. w. teil. Unter anderem wurde die Errichtung eines Kindergartens unter dem Namen ״Prosdor“ und eines Einwandererheimes beschlossen. Ferner soll der Be- Schluss der Kenessio Gedaulo betreffs Reorganisation des sephardischen Chlnuchs realisiert werden• Es wurde» spezielle fachmännische Kommissionen eingesetzt, die eine« genauen Arbeitsplan auszuarbeiten •haben. Delegation der Agudas Jisroel bei der Begrässsug Herbert Samuels. Jerusalem. (A. J P. B.) Zur Feier der •Rückkehr Sit Herbert Samuels nach Palästina veranstaltete General S t 0 r t s eine Empfangsfeier, zu der die prominenten Persönlichkeiten aus allen Gesellschaftskreisen elngeladeU wurden. Namens der Aguda waren eingeladen und nähme* teil: Oberrabbiner R. Josef C11. Sonnenfeld, Rabbine* B c r ns t c i n, Dr. Wallach und Prof. J. J. de Haa a. Der Häuserbau in Erez Jisroel. Wien. (A. J. P. B.) Es wurde hier eine Filiale de® Gesellschaft ״Niwej Jisroel“ gegründet, die zum Ziele de« Häuserbau in Erez Jisroel hat. Das Gründungskomitee erlässt einen Aufruf, der von allen Rabbinern und Rabbi» unterschrieben ist, in welchem das orthodoxe Judentum aufgefordert wird, mit allen Kräften den Aufbau des heiligen Landes zu fördern und besondere Aufmerksamkeit dem Häuserbau während des Schmittohjahres zuzuwenden. Rabbiner Benzion J a d 1 e r, der berühmte palästinensische Volksredner, ist zu diesem Zwecke in Wien verblieben, um unermüdlich, jedoch mit Erfolg, für den Häuserba« in Erez Jisroel tätig zu sein. Bis nun wurden zirka 10OÖ Pfund Sterling gezeichnet und es besteht die Hoffnung, dass in kurzer Zeit die Summe vervielfacht werden wird. Uebernahme einer Misrachi-Schule durch die Agudas Jisroel. Jerusalem. (A. J. P. B.) Die Lehrerschaft der bishe» dem Misrachi unterstehenden Schule in Petach Tikwa ist a« die Agudaleitung in Jerusalem mit dem Ersuchen herangetreten, die Aguda möge die Schule übernehmen. Ia einer am 30. September stattgefundenen Sitzung des G. A♦ der Agudas Jisroel wurde die Uebernahme der Schule, di» von 400 Kindern besucht wird, beschlossen. Der Beschlus« wurde sofort telegraphisch dem Jerusalemer Agudaburea« übermittelt. Die Kolonisten von Petach Tikwa verpflichteten sich, die־ Hälfte des Budgets der Schule zu tragen. Der Restbetrag ist von der Aguda aufzubringen. Sitz der Exekutive der Palästinazentrale. Frankfurt. (A. J. P. B.) Der Geschäftsführende Ausschuss der Agudas Jisroel •bestimmte Frankfurt a. M.' als Sitz •der Exekutive der Palästinazentrale und ernannte zum Vorsitzenden der Exekutive (Waal Hapoel) ■Dr. Siegfried Oppenheimer. Jerusalem. Emir A b d u 1 a h traf am 29.r September in Jerusalem ein und begab sich direkt in da» Regierungsgebäude. Er besprach mit SJr Herbert Samuel eine Reihe politischer und privater Angelegenbeiten. Am nächsten Tage begab sich der Emir zurück nach Transjordanien. Jerusalem. Aus Jerusalem wird gemeldet, dass dl« Palästinaregierung in Anbetracht der jetzt tagenden, britisehen Reichskonferenz neue Richtlinien für ihre Politik erwarten soll. Ferner berichtet ״Morgenpost“ aus London, dass das englische Kolonialministerium •mit in Betracht kommenden Stellen im heiligen Lande zum Zwecke einer neuen Regelung der politischen Lage im Lande Fühluh® ■genommen hat. Jerusalem. Ingenieur R u 11 en •b e r g sprach 1» Agud-abureau in Jerusalem vor, um ■die Agudas Jisroel zur Mitarbeit an seinem Unternehmen zu gewinnen. Jerusalem. Die Ortsgruppe in Jerusalem errichtete ia diesen Tagen ein Unterkunftshaus für Einwanderer. Ferner wird, da nun die vor einigen ■Monaten errichtete Mädchenschule auf finanziell gefestigter Grundlage steht, auch die Errichtung einer Mädchenschule ,in Tiberias geplant. SCHEITELN, PERÜCKEN u. 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