Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 42 (19.10.1923)
- Date
- 1923-10-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 42 Seite 330 NacfakJänge: Aus Leserkreisen erhalten wir folgende Zuschrift: Die Frist, welche die orthodoxen Kuftusvorst&ude der Gemefnde zur Erledigung Ihrer Forderung gestellt •haben, ist abgfelatrfen. Man mag übeT die Form der orthodoxen Eingabe denken, wie man will, eines steht fest:?kt der Stein clnffiäl Ins Rollen gebracht worden, so darf tr nicht auf gehalten werden, das verlangt das ■Gewissen €er orthodoxen «Mfensche■. Es war nach Ansicht eines Teiles der Orthodoxie nicht richtig, die Forderungen an die berüchtigte Neuiahrsrede anzulebneti. Der Orthodoxie kann der Vorwurf iftdit erspart bleiben, dass sie die Tätigkeit des Obefrrabbinates nicht stärker bekämpft hat zu einer Zeit, wo diese Bekämpfung religiöse Pflicht gewesen wäre. Umsomehr muss es peinlich bcführen, wenn der Kampf *11 einer Zeit begonnen wird, da der Oberrabbiher von "Wien — an den früheren Erfolgen gemessen — fast einflusslos geworden Ist. Im eigenen Lager hat bekanntlich die wenig staatsmännische Haltung des Oberrabbiners auf dem Karlsbader Kongress unauslöschllohe Erhdrüakc!Unterlassen. Die •wenig ,geistreiche Predigt (?) hm NeujalirStäge hat auch viele Sympathien ahgckiihlt. •ffiezu kommt noch die Einstellung der grossen ausländischen Hilfsaktionen. Es war also in. E. nicht not- Wendig, ■den Streit mit Personen ln Verbindung zu britigen. Viel richtiger und viel wirksamer ist die offene Er- Jfclärung, dass!prinzipielle Grundsätze eine Trennung zu- *lindest ln gewissen Punkten (die in der orthodoxen Ein- *abe angeführten Punkte stellen wirklich nur ein Minimum ■där) verlangen. v. in. Dankesschuld. Als vor drei Jahren ,das Hungerelend ln Wien seiden Höhepunkt erreicht hatte, waren es nicht nur die Schweizer und Holländer, welche ihren Ueber־ Huss Wiener Kindern zugute kommen Hessen, solldem auch unsere Brüder in Deutschland, mit ihrer schon damals sinkenden Valuta und ihren eingeschränkten Lebensmittelbeziigen, luuben es sich nicht nehmen lassen, Wiener Kinder zu sieh zu berufen und *lit denselben zu teilen. Heute Ist uns die Mögliclikeit gegeben, diese Schuld abzuzaUlen. Von dem Elend, das heute in Deutschland herrscht, können selbst wir Wiener, mit den Kriegs- und Nachkriegserfalirungen, uns kaum einen Begriff machen. Der Grossteil der kleinen Ge- *meinden ist überhaupt nicht mehr imstande, seine Beamten zu entlohnen. Rabbiner, Kantoren und iüdische Lehrer (deren es in Deutschand viele gibt) können das tägliche Brot kaum mehr erschwingen. Es ist eine Ehrenpflicht für 1ms Wiener, ■die wir Htts «־ttlob!besserer Lebensbedingungen schon er- Irenen, hier helfend einzugreifen. Wer gleich gibt, glb t doppelt! Dr. S. Ehrmann in Wien. Wien. (A. J. P. ■B.) Das ■Mitglied des G. A. der Agudas Jisroel Dr. Salomow Ehrmann-Frankfurt langte in Wien ein, um an de« Arbeiten des Zen>tralrates leitend I tätig zu sein. Deutschland. Statistik der Juden tau Sen in Preussen und Deutschland. Berlin, Nach einer Feststellung der Blätter für Jüdische Demographie und Statistik haben die deutschen Juden in den letzten hundert Jahren einen ■grossen Teil Ihres Bestandes durch Taufe und Austritt aus ■dem Judenium verloren. Laut einer Schätzung des Missionärs •P. de la Roi haben Im 19. Jahrhundert 224-000 Juden die Taufe genommen. Die Episode der Juden taufen der neuen Zeit begann zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Anstosspunkt waren die politischen Verfolgungen der Juden ■von 1815 bis Ende der Vierzigerjahre in Deutschland, ferner die Be- Strebungen der protestantischen ■Kirchen jener Zeit, (len Uebertritt zum Christentum zu erleichtern. Die zweite Periode der Taufbewegung begann Anfang der Achzigerfahre des vergangenen Jahrhunderts, auch diese ducli die damals entsetzende antisemitische Bewegung hervorgerufen. In Preussen sind vom Jahre 1880 bis zum Jahre 1918 11.660 Juden zum evangelischen Glauben ׳übergetreten. Hierin sind die mit ge tauften Kinder nicht eingerechnet. Fast die Hälfte aller Juden taufen in Deutschland seit 1873 entfällt auf Berlin. Berichterstattung über die Kenessio Gedaulo. Berlin. Zum Donnerstag vor Rausch Hascliono luden die Berliner Aguda-Orts-Jugend- und Zeire-Gruppen zu einer Berichtversammlung über dlo» K. G. Herr Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer skizzierte ln warmen Worten den äusseren Verlauf dieser grossen Vesamrtilung und liess^ vor seinen Zuhörer« die bewundernswürdigen Gestalten einzelner unserer grossen Führer, die durch ihre Anwesenheit die Kenessio Gedaulo besonders verschönt hatten, erstehen. Ueber die wichtigsten Resolutionen, Chinuch, Aguda-Hllfswerk und Erez Jisroel referierte Herr Dr. Falk Schlesinger. Der Poniwescher ■Raiw, Rabbiner Kaha ne mann richtet zum Schluss eine begeisterte Anspiache. an die Anwesenden. Frankfurt a. M. In einer von annähernd 2000 Personen besuchten, nach •dem Volksbildungshelm einberufenen Ver- Sammlung der •Frankfurter Aguda-üruppen erstatteten die Herren Jakob Rosenheim, Dr. S. Ehrmann und Hermann Schwab-Halberstadt über den Verlauf der Kenessio Gedaulo Bericht. Zunächst begrüsste das Mitglied •des G. A. Herr Julius Holländer die Versammlung, dann •ergriff Jakob Rosenheim, stürmisch begrüsst, das Wort und führte u. a. aus: Neun Jahre schaffen wir am Werden des alten jüdischen Volkes im Geiste der Thora. Manchmal kam uns der bange Gedanke, wird ■dieses Werk gelingen? Die Kenessio Gedaulo hat die Frage beantwortet. Was sich ln Wien vollzogen hat, war wahrhaftig das Wiedererstehen eines Volkes aus seinem Grabe, Aguda Jisroel ist der Block der Mitte; rechts und links stehen Gruppen, die den Weg zu ihr noch nicht gefunden haben. Dann ging Redner auf die Jugend in Wien ein und meinte, es war vielleicht der Höhepunkt der Tagung, als der Vertreter der Jugend im Namen aller Ju^ndgruppen den Schwur ablegte, sich allen Anordnungen der Skenim bedingungslos zu unterwerfen. Der zweite Referent des Abends, Dr. Salamon Ehrmann, Frankfurt, berichtete an Hand des Statutes über die einzelnen Beschlüsse der Kenessio Gedaulo. Als letzter Redner entwarf Hermann Schwab Bilder von der Kenessio Für junges, intelligentes Mädchen aus wohlhabendem, streng jüdischem Hause (Mitgift tsch. K 200000) wird entsprechender Bewerber aus nur streng jüdischer Familie gesucht. — Ganz ausführl. Zuschr. (Diskretion ist selbstverstündliche Ehrensache) unter: ״Intelligenz und Charakter4‘ an d. Venr. d. 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Um vor Irreführung zu schützen, bitte den Vornamen Othmar und die Adresse genau zu beachten I Gedaulo, insbesondere schilderte er eingehend den Verlauf der Freitagsitzung und versetzte dadurch die Ver- Sammlung in selten gehobene Stimmung. ■Mit Dankes- Worten an ■die Redner und Aufforderung an die ZufaOret־ schloss der Vorsitzende die Versammlung. Frankfurt a. M. Der geschäftsführende Ausschuss der Agudas Jisroel bestimmte Frankfurt a. M. als Sit* de* Exekutive der Palästina-Zentrale und ernannte zum Vor► sitzenden der Exekutive (Waad Hapoel) Dr. Siegfried Oppenheimer. Soeben wird unter der Aeglde de« Waad Hapoel der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel dfft ״Newe Jisroel Aktiengesellschaft“ gegründet mit ef«en Anfangskapital von 10.000 Pfund. Zweck der Gesellschaft Ist die Errichtung von Häuserbauten in dem Stadtteil» Newe Jisroel in Jerusalem. Der Grund und Bode* Ist Eigentum der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Jerusalem, dl* denselben zum Selbstkostenpreis fn die Gesellschaft ei»- bringt. Die Aktien werden nächster Tage zur ZetcjhfltBae aufgelegt. Die jüdische Erez Jisroel-Bank. Frankfurt. (A. J P. B.) Ein Züricher Agudist hat der Jüdischen Erez Jisroel-Bank Ptfd. Steri. 2000 zur Verfftgnag gestellt. England. Die britische Reichskonferenz. London. Bei der ln London tagenden Kontere«» dar Ministerpräsidenten der britischen Dominions hat gernä» der englischen Pressemitteilungen der Kolonialmialster Duke of Devonshire in seinem Exposö folgende» tber Palästina gesagt: Was Palästina betrifft, so hat sich dj# Lage in einer Beziehung bedeutend gebessert, *eit fl&r. Churchill fm Juni 1921 gesprochen hat. Die Garniso« wurd» stark reduziert und ■die Kosten entsprechend verringert Die gegenwärtigen Lasten der britischen Staatskasse 4» bezug auf Palästina belaufen sich auf 2,024.000 Pfuad ft« Jahre 1922-23. ■Der Voranschlag für 1923-24 ist 1,500.001 Pfund, während wir auf uns genommen ■haben, Ina Jahr* 1924-25 den Posten auf 1,000.000 Pfund zu reduziere«. Ueber 1924-25 hinaus haben wfr noch keine klare» Vor- Schläge, aber wir hoffen, ■dass die allmähliche Einschränkung der Ausgaben ständig fortschreiten wird, bis der Betrag auf ein wirklich sehr geringes Ausmass eingeschränkt ist Aber unser Erfolg in dieser Richtung muss abhängea vo» der ökonomischen Entwicklung des Landes, welche« Ihrer-; selts von der politischen Stabilität abhängt. Icili wünschte, ich könnte Ihnen berichten, da*s 4« der ökonomischen Entwicklung des Landes, welche Ihrerrung während der letzten zwei Jahre vor sich gegangen wäre. In einem gewissen Sinne wäre dies Tiohtig: Seit de« Unruhen in Jaffa im Frühjahr 1921 ist keine ernstlich•* Störung des öffentlichen Friedens vorgekommen. •Sie er- Innern sich, dass unsere Politik in •Palästina gegründet ist auf die Balfour-Deklaration vom November 1917, durch die wir übernommen haben, die Errichtung einer nationale« Heimstätte für die Juden zu fördern, mit der Bedingung, dass die bürgerlichen und religiösen Rechte des Reste* der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden. War habe« unser Bestes getan, um beide Teil* dieser Deklaration einzulöse*. Eine neue Erklärung über die Politik wurde ft» Jahre 1922 veröffentlicht, welche in ■wichtigen Punkte» den arabischen Anschauungen entgegenkam. Die neu« Politik enthielt die Schaffung eines gesetzgebende» Rate« •auf teilweise gewählter Grundlage. Die Wahlen für diese» Rat waren für den ersten Teil dieses Jahres festgesetzt Infolge arabischer Wahlenthaltung kam eine ungenügend^ Anzahl von Wahlmännern heraus, so dass das ■Projekt der Einsetzung eines gesetzgebenden Rates suspendiert werden musste. Aber die politische Unruhe ist keineswegs ein Ding der Vergangenheit. Eine Lösung der jüdisabarabischen Kontroverse muss 110011 gefunden werden. Wir allerdings werden fortfahren, unsere Verpflichtungen za erfüllen. In diesem Punkte können nun keinerlei Zweifel bestehen. Aber die gegenwärtige Unruhe verursach*, zweifellos Unannehmlichkeiten, und wir würden gier»• sehen, dass sie ohne Aufschub zu einem Ende gebracht wird. Die Saahe behält unsere aktive Aufmerksamkeit. Vielleicht sollte ■ich noch ein Wort über Tramjo*־׳ danien hinzufügen. Auf dieses Gebiet, obwohl es auch unter unser Mandat Palästina fällt, findet die zionistlsehe Politik keine Anwendung. Im ganzen und gros*e« hat sich das Experiment gut bewährt, obwohl die Lai« durchaus nocli nicht frei von Besorgnissen ist. franltreicb. Internationaler Kongress für Religlonsgeschlchtak Paris. (J. P. Z.) In Paris wird zwischen dem 9. mU 13. Oktober ,ein internationaler Kongress für Religion»• geschichte stattfinden. Die vierte Sektion beschäftigt sich mit der Religion der ״Hebräer, Israeliten und Juden“, Exegese des Alten Testaments und talmudischer Literatur. Dieser Sektion wird der Grossrabbiner von Frankreich. Prof. D r. I s r a e 1 L e v y, präsidieren. Italien. Der schweizerische Nunzius und Palästina. Rom. (J. P. Z.) Zur Ankunft des päpstlichen Nunzius in der ■Schweiz Mons. Magi io ne teilen die Blätter mit, der Nunzius werde dem Papst über die Resultate des־ letzten Session des Völkerbundes und des Völkerbundrates berichten. Der Vatikan ,habe spezielles Interesse a* der Frage der Mandate über Palästina und Syrien, welch» das Problem der heiligen Stätten neu aufs Tapet bringe». Jugoslawien. Die Organisierung der Orthodoxie in Jugoslawien. Zagreb. (A J. <P. ■B ) Seit längerer Zelt wurden Biemühungen wegen einer Organisation der über das ganz» Land verbreiteten Orthodoxie des Königreiches S. H. S. gemacht, die Jedoch bisnun auf Hindernisse gestossen sind. In diesen Tagen ist es endlich gelungen, die orthodox» Jugend zu organisieren mit dem Zwecke, das Thora- Studium zu verbreiten und zu vertiefen. Auch ist beredttigte Hoffnung vorhanden, die älteren Elemente tm Rahme» der Weltorganisation der Agudas Jisroel zusammen*»- fassen. Rabblnerkonfercnz in Jugoslawien. Zagreb. (A. J. P. B.) Am 17. und 18. Oktober finde* die Konferenz der jugoslawischen Rabbiner statt. Di» Tagesordnung setzt sich aus folgenden Punkten zusammen!; Gründung einer Rabbinerorganisation, Stärkung des jüdA sehen Geistes im Sinne der heiligen Thora, einheitlicher Religionsunterricht in Religlonsbüohern in allen Schule* Stellung der Regierung zu den Gemeinden, Verbesserung der materiellen Lage der Rabbiner in Jugoslawien usw. Zur Saison! lielehe Auswahl neuester Pelz 1u#d eile in sttmtl. Palzarten — Pariser nud Wiener Gesehinucfc vereint — erseagt nur in eigen•» Werk8!ät!eu unter persönl, Leit»Dg des bestreaoauaierten Inhabers der Firma Pelzbiis PMiri. fir. MnlirfiDO 11 M