Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-10-19 · 42 (19.10.1923) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
42 (19.10.1923)
Date
1923-10-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630040--1179-2632903
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 328 JÜDISCHE PRESSE Nr. 42 waltet doch auch hier ein Gesetz der logischen Not Wendigkeit. Es Wird ja doch der eine oder der andere aus den nationalistischen Kreisen zur Besinnung gekommen sein und sich sagen, dass ein Prinzip, das so leicht, wenn auch nur zeitweilig, verleugnet wurde, ein konstitutives Moment einer Menschengemeinschaft denn doch nicht sein kann. Es wird auch hier Aufgabe der Orthodoxie sein, den Nachweis zu erbringen, was wirklich ein Bleibendes ist. Es wäre ferner zu registrieren, dass in den Wahlaufrufen, in den Proklamationen der christlichsozialen Partei die antisemitische Note kaum angeschlagen wurde. Wir nehmen auch hier an, dass diese Runepause einen wohltätigen Einfluss ausüben muss. Man wird zur Besinnung kommen und wird und muss einsehen, dass neben der finanziellen Sanierung auch die ideelle für Oesterreich notwendig ist. Wir glauben ferner, dass diejenige Partei, welche — tiefer aufgefasst — den harmonischen Ausgleich zwischen den Forderungen des Individuums und denen der Gemein- Schaft sucht, das gemeinschaftliche Moment der Ideen klarer erkannt und sich zu ihm bekannt hat. Diese Abkehr vom rein materialistischen Weltprinzip ist ein neues Gebiet von Aufgaben, welches für diejenigen angewachsen ist, die immer auf dem Standpunkte standen, dass die Welt und ihr Geschick von Ideen bestimmt wird. Es lohnt sich nun kaum, die kleinen Posten der Sollseite zu registrieren, denn die gewollten oder ungewollten Entgleisungen, in denen sich einzelne Wahlagitatoren der jüdischen Wahlgemeinschaft in Form von Ausfällen gegen die Orthodoxie und gegen die Thora gefielen, zählen nicht mit und werden sicher keinen orthodoxen Wähler in seinem Entschluss beeinflusst haben. Dass es herzlich dumm war, sich etwas frühzeitig zu demaskieren, haben ja diese Herren selbst sicher empfunden. Was aber die grosse Lücke ist, das ist die Tatsache, dass die Orthodoxie in keiner Weise versucht hat, ihre Prinzipien zum Durchbruch und zur Anerkennung zu bringen und sich mit den oben zitierten Habenposten begnügt hat. Aber vielleicht ist es gut so, dass eine Situation geschaffen isi, aus welcher sich für die Thoratreuen neue Pflichten ergeben, losgelöst vom Glanze politischer Erfolge und unabhängig von der Tatsache der Wahl selbst. Sie kann nunmehr objektiv an die Erfüllung ihrer Aufgabe gehen, und diese Bilanz wird offen bleiben, bis im Läufe der Zeit sich die Kraft der Orthodoxie an diesem Problem erprobt haben wird. P. K. Bei König Feisul und Emir Abdullah. Von Professor Jacob Israel de Haan in Jerusalem. Herr Professor de׳ Haan, .Jerusalem, hatte als Korrespondent des ״Alg.emeenen Handelsblad“ in Amsterdam ein Interview mit König Feisul von Mesopotamien, der einige Tage zum Besuche seines Bruders Abdullah in Transjordanien weilte. Wir geben seinen Berieht über die Unterredungen (im Auszug!wieder. ״Wir treten ein. Der König erhebt sich. Hamid Pascha stellt vor: ״Dies ist der Freund von Sidna Abdullah, worüber Sidna mit Eurer Majestät gesprochen halben.“ — Der König sagt: ״Ahlan wasalan”. Hamid Pascha verlässt den Raum. Der König sagt mir, ich könne die Fragen ganz nach meinem Be- Hieben stellen. Zuerst frage ich, warum er nach Transjordanien gekommen sei. ״Um meinen älteren Bruder, den Emir Abdullah m sehen . . wer wird1 sich nicht freuen, nach sechs Jahren seinen älterem Bruder wieder zu sehen . . . und inzwischen ist viel geschehen.“ Ich frage, wie es im Irak aussehe? ״Ruhig,“ sagt der König, ״ganz ruhig. Der ökonomische Zustand ist nicht zum Besten, aber auch nicht schlimmer wie anlderswo. Die Datteln sind zu billig. Und das Hinterland des Irak blüht noch nicht recht auf.“ Und die arabische Föderation? ״Wenn die historische Entwicklung sie erfordert, wird sie kommen. Und wenn sie nicht nötig sein soll, wer sollte sie dann herbeiwünschen? Die Unterhandlungen mit England führt König Hussein von Mekka. Und passt es sich da für den König Feisul, sich hineinzumischen?“ ״Ich bin der König von Irak,״ sagt der sanfte König mit Nachdruck, ״und das Wohlergehen des Irak ׳geht darum mir am nächsten. Ich bin auch der Sohn des Sherif von Mekka ... ein arabischer König, doch kommt die arabische Föderation für mich erst an zweiter Stelle.“ Und die jüdische Frage? Und die palästinensische Frage? ״Ya Achie,“ (mein Bruder) sagt der König von Irak, ״für mich gibt es keine jüdische Frage. Bagdad ist meine Residenz. Und haben vor Jahrhunderten Juden und Araber nicht schon in Freundschaft in Bagdad gelebt? So will ich es weiter auch. Mein Finanzminister ist ein Jude, Herr Sassoon, ... in allen Ministerien können Sie bei mir Juden finden . . .“ Und die zionistische Aufgabe? ״Mein Bruder,“ antwortet der König, ״ich bin ©®®©©©©©©©©®©©®©©©© י® fierren־ und Damenpeize I <g) § aller Art in feinster flu$« ® © fiibrung und ln jeder Preislage © ® @ | Pelzhaus ® © © § M.Bermann&Co ® ® © ® ® © © ® Wien, 2. Bezirk, Taborstraße 1 1. Stock, Telephon 46-7-61 © © © Filiale: 2. Bezirk Taborstr. 17 B ® © © Reparaturen und © ® Umarbeitungen werden raschest © ® © und billigst effektuiert © 0©©®®®©®®©®©©®©©©©® der König des Irak . . . und siebenhundert Meilen ist der Irak von Palästina entfernt. Ausserdem ist die Politik bei uns verteilt. Mein Vater und mein Bruder Ali führen die allgemeine arabische Politik. Ich bin der König des Irak. Und mein älterer Bruder Abdullah, der Sie schätzt, hat mit den Ländern des Westens sich zu beschäftigen: Syrien, Palästina . . Transjordanien.“ — — Sidna Abdullah wünscht mich zu sprechen. Wie ich komme, spricht er noch gerade sein Mittagsgebet. Warten wir deshalb einen Augenblick• Sidna Abdullah sieht Sidna Feisul nicht ähnlich. Er ist klein und kräftig gebaut. Seine Stimme ist energischer• Er spricht in kurzen, abgehackten Sätzen und klug ist er ausserdem auch. Zu Ehren seines Bruders Feisul hat er heute ein Obergewand aus blaugerippter Seide an. Ein weisses Kopftuch mit goldenem Band. Und zierliche, rote Schuhe. ״Ahlan wasalan,“ sagt der Emir, sobald ich in sein Zelt eintrete. Der Emir Schakir, Megdel Pascha, Hamid Pascha und Dr. Tuferik erheben sich. Ich zähle nicht mit. ״Ich bin glücklich, Sie wieder hier zu sehen,“ sagt der Emir, ״es sind stets schöne Tage, wenn Sie kommen . . . ahlan wasalan.“ ״Ahlan wasalan,“ "sägen nun auch alle Gäste. Und nun wird Kaffee herumgereicht. Tiefschwarz und sehr süss. Und wir sprechen ein paar freundliche Worte. ״Ahlan!wasalan,“ wiederholt der Emir noch einmal. — — Aber plötzlich schaut der Emir auf: ״Mein Bruder Feisul,“ sagt er. Und da tritt auch schon der König ein. Ein Gegenbesuch? Oder fürchtet der vorsichtige König, der Emir könne zu scharf sprechen? Der König und der Emir setzen sich und wir uns ihnen gegenüber. ״Ein jüdisches Palästina? Wer soll so etwas je sehen?“ sagt der Emir bestimmt. ״Will England denn das noch? Lord Milner . . . Lloyd George . . Sir Martin Conway, ist da noch einer, der den Ausspruch des Dr. Weizmann übernimmt: ״Palästina so jüdisch, wie England englisch ist?“ ״Er hat das nicht so schlimm gemeint,“ fällt der sanfte König ein, ״er hat das für die Propaganda sagen müssen.“ ״Gefährliche Worte,“ sagt der Emir, ״ich kann Ihnen nur sagen: ich sehe kein jüdisches Palästina. Solange die Engländer in Palästina sind, wird die Politik englisch sein. Und sobald England das Land verlässt, ist das Land arabisch. Es ist seit Jahrhunderten ein arabisches Land. Seit Jahrhunderten.“ ״Ja,“ sage ich, ״aber das war doch die Idee: England als Mandatarmacht sollte den Juden helfen, eine wirtschaftlich gesunde Niederlassung zu schaffen, und danach die Verwaltung den Bewohnern ׳des Landes übergeben. Das ist der Gedanke des Mandats.“ ״Gedanken sind noch lange keine Taten,“ sagt Sidna Abdullah, ״ich sehe keine jüdische Mehrheit in Palästina . . . ׳und dann ringsum arabische Länder. Ihr könnt in Palästina ohne Friede, ich meine wirkliehen Frieden mit dem grossarabischen Gedanken nicht leben. Ueberall Misstrauen. Und denken Sie, dass, wenn Dr. Weizmann sagt, dass die Juden In Palästina keine politischen Vorrechte wollen, die Araber ihm das glauben? Und wenn ich sage, dass eine konstitutionelle Regierung in Palästina den Juden kein Unrecht tun wird, glauben es die Zionisten mir denn? Mein Land ist den Juden offen. Und auch das Land meines Bruders ist den Juden offen. Alle arabisehen Länder. Aber eine Voraussetzung: keine besonderen politischen Rechte. Auch nicht in Palästina. Ihr habt die Wahl Friede und Freundschaft mit allen arabischen Völkern oder etwas Unmöglichem in Palästina nachjagen. Ich bin für eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit auf Grund der Gleichheit in allen arabischen Ländern . . . Palästina inbegriffen. Wenn die Zionisten das nicht können oder nicht wollen, lasst‘s dann die anderen, von Agudas Jisroel tun . . . Verräter? Ja, wer sich fürchtet . . . Verräter ... ein grosses Wort.“ Sidna Abdullah hat schnell gesprochen. Die letzten Worte kurz und bestimmt. Der König von Bagdad hat sanft mit zugehört und geschwiegen. Weil der Irak von Palästina doch immerhin siebenhundert Meilen entfernt liegt. Die Stellung und die Aufgaben der jüdischen Frau. Von Pessie Wolk, Kowno. II. Die natürliche Begrenzung der Aufgaben und Pflichten des Mannes und der Frau verläuft grad- Iinig durch alle Gesetze der mündlich überlieefrten und schriftlich festgelegten Thora. Ueberall sehen wir die Begrenzung auf Grund des natürlichen Kräfteverhältnisses• So sagt uns die Thora: ״Deswegen verlässt jeder Mann seinen Vater und seine Mutter und vereinigt sich mit seiner Frau und beide werden Eines.“ Es ist also nicht nur darin eine psychologische Erklärung des Begriffes vom Familienleben zu sehen, sondern auch eine befehlende Verordnung und eine Berufung zum Familienleben, als Gesetz, nach welehern das Leben zu normieren ist. Es heisst also: Der Mann und die Frau sind keine zwei besonderen Teile, die voneinander durch besondere Grade oder einen besonderen Rang ahgeteilt sind. Sie sind Eines und beide zusammen stehen sie auf einer Rangstufe, auf welcher sie die ׳Harmonie ihrer Natur erreichen können, die von G-tt ihnen erteilt worden ist. Der Unterschied, der zwischen beiden herrscht, ihre besonderen Rechte und Pflichten sind eine natürliche Notwendigkeit, aus denen nur unreife Köpfe Prätensionen herausfolgern können, die nie berechtigt sind. Und gerade deswegen sind alle moralischen Mizwoth, deren Erfüllung eine allgemein menschliche Pflicht ist, auch Pflichten der Frau. Mizwoth dagegen, deren Erfüllung von bestimmten zeitliehen Momenten abhängig ist, bilden für die Frau keine Pflicht. Statt dieser erhält die Frau andere Aufgaben, die mehr ihrer Frauerinatur angepasst sind, Aufgaben und Pflichten als Leiterin des Hauses und Mutter ihrer Kinder. Aber auch von!den an gewisse Zeiten gebundenen Mizwoth ist die jüdische Frau nicht ganz befreit. Es gibt doch darunter' Gesetze, deren Erfüllung allgemeine Pflicht i׳st, nationale Religionspflicht... Die Erfüllung derselben ist für die Frauen ebenso grosse Pflicht, wie für die Männer, als Kinder desselben Volkes. So z. B. die Mizwoh schel Achilath Mazzoth, die eine Erinnerung des Auszuges aus Aegypten bildet und gleichzeitig die erste Mizwoth ist, die dem Volke gegeben wurde, als es überhaupt zu einem Volke geworden ist. Ebenso das Anzünden der Chanukahiichter und Vorlesung der Megilath Ester usw. Alles Gesetze, deren Erfüllung die Pflicht gegenüber grossen nationalen Ereignissen bildet. Dass die Frau vom Talmudstudium befreit ist, wollen gewisse ״freidenkende“ Kritiker als Beweis einer niedrigeren Rangstellung betrachten. Selbstverständlich auch darin eine vollkommene Verkennung der Tatsachen. Eine Pflicht, deren Erfüllung das ganze Wesen eines Menschen in jeder Lebensläge umfasst, ist in bezug auf die Frau ganz unmöglieh, da sie ja i׳m vorhinein durch die Eigenschaften ihres Geschlechtes an der Erfüllung verhindert wäre. Das Studium der Thora ist eine Leensaufgabe, oftmals müssen grösste leibliche Opfer gebracht werden, die die Frau auf keinen Fall darbringen könnte. Deshalb nur ist die Frau vom Thorastudium befreit worden und erhielt als vollwertigen ׳Ersatz andere Mizwoth und Verpflichtungen im Hause und in der Familie. Nebenbei muss bemerkt werden, dass die Frau wohl vom Thorastudium befreit worden ist, jedoch ihr dasselbe nicht verboten wurde und sie das Studium betreiben kann, wenn die notwendigen Fähigkeiten vorhanden sind. Damit aber sind die Aufgaben der Frau noch lange nicht beendet. ״Womit können sich unsere Frauen den ewigen Lohn verdienen?“ fragen und antworten gleichzeitig unsere Weisen: ״Mit dem Bringen ihrer Kinder ins Beth Hamidrasch, wo diese Thora lernen können.“ Darin •liegt der Grundstein des herrlichen Familienlebens, den unsere Weisen vorsorglich geschaffen haben. Die Frau ist es, der die grösste Pflicht — die Erhaltung des Hauses und die Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstrasse 8 (nächst dem Stefansplatz, um die Ecke)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.