Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 42 (19.10.1923)
- Date
- 1923-10-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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(״JÜDISCHE KORRESPONDENZ») ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JU1 X., Redaktion und Administration! Wien, II., Malzgasse 12a — Telephon 49 054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichte י Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig: für Oesterreich, Deutschland, Polen öst. K 80.000, Tschechu-Slowakei K<5. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar. Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1.600. Zahlungen für Oesteneich: PostsparkanBenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.49<׳; für Ungarn: Postsparüassenomt Budapest, Konto Nr. 50.170: für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Präs, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 40.217: f. Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz NCo, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 42 1 Wien-Bratislava, 19. Oktober 1923 ,ב*ה ויענדדפרעססבו־רג ט״ חשד תיפיד 9n Jahrg. Die Not der deutschen |udet1. I« diesem Augenblicke, in dem wir uns ansoMcken, wieder einmal einen schweren Bittgang zu macken, gedenken wir der grossen Opfer, die das thoratreue Judentum aller Länder gebracht hat, so oft wir die Bitte um Hilfe erschallen Hessen, gedenken wir der wahrhaft herrlichen Taten der Orthodoxie in schweren Zeiten der Not, der grossen und raschen Hilfe, die das orthodoxe Judentum mit fast öbeimenschlicher Kraft den notleidenden Brüdern gebotea hat• Diese Erinnerung, diese schönste Blüte unaerer Tage, lässt uns Mut schöpfen und nicht versagen, dass auch diesmal, wie immer, der Beweis erbraoht werden wird, dass das orthodoxe Judentum noch in vollster Blüte die Eigenschaft besitzt, die Zeichen edlen jüdischen Menschentums ist — Mitleid und grenzenlose Hilfsbereits 8 h a f L Schwere Jahre liegen hinter uns. Jahre, die ein Martyrium gewesen sind. Lebensjahre, die alles Gute und Schöne, das wir in uns und um uns hatten, in Not und Tod, Elend und Verderben stürzten und unter den Ruinen einer zusammenbrechenden Weit begraben hatten• Jahre, die uns allen Schutzes ent- Mössten, innerlich schwächten und von aussen Schicksalsschläge mitbrachten, die mit unermüdlicher Wucht, zerschmetternd auf uns niederjielen. Weltkrieg, Pogrome in der Ukraine, Hungerkatastrophe in Russland, Valutasturz der mitteleuropäischen Länder, in denen die grösste Zahl unfrerer Brüder wohnt — Unglück auf Unglück, Not auf Not und ein hn schauderhaftesten, wahrsten Sinne des Wortes grenzenloses Elend ist der Inhalt dieser Jahre. In diesen schwersten Zeiten haben wir Trost und Hoffnung gefunden in unserer heiligen Lehre. Unser Glaube war uns allen ein linderndes, einendes Band, war uns der Born, aus dem wir die Kräfte Schöpften, die notwendig waren, um die Zeit des (Bends zu erdulden. Und nun wieder ein Schicksalsschlag. Deutsch- (and steht am Rande des Unterganges. Mit unheimliefeer Raschheit wurde ein ganzes Volk zu einer Gemeinschaft von Bettlern. Map■■ Und Deutschlands Judenschaft? Deutschlands Judenschaft hat nicht nur den lebenszerstörenden Zerfall der Ordnung und Verfall des Rechtes, hat nicht nur das Unglück der völligen Zerstörung des Gtldes zu ertragen. Deutschlands Judenschaft ist nicht nur bettelarm geworden, sondem ist auch gleichzeitig ein Opfer der blinden Furie des Hasses und der Verhetzung• Das deutsche Judentum stirbt aus• Der rapide Sturz hat ganze Gemeinden, Zentren jüdischen Lebens im Westen Europas, über Nacht lebensunfähig gemacht. Dem deutschen Judentum muss geholfen werden. Die Gefahr, die jetzt droht, ist dieselbe, wie vor zwei Jahren, als das ukrainische Judentum am Rande des Grabes gestanden ist. Dieselbe Gefahr, dass grosse wertvolle Teile der jüdischen Gemeinschaft elend zugrunde gehen. Und ebenso müssen wir den jüdischen Gemeinden in Deutschland helfen, wie sie früher uns und unseren Brüdern in Russland geholfen haben. Es ist unser eigen Fleisch und Blut, dem die Gefahr droht, abzusterben. Juden! Brüder! Wir brauchen Euch nicht mehr zu sagen. Schauet nach Deutschland und Ihr werdet es sehen. Wir bitten Euch, mit der festen Zuversicht, dass unsere Bitte erhört weräs# wird: Jede kleinste, aber rasch erteilte Spende, die Ihr für die ״NoMeidenden jüdischen Gemeinden in Deutschland*4*) gebet, rettet jüdisches leibliches und geistiges Leben! Aufruf. Jene Familien, die deutsche Kinder znr Pflege übernehmen können, wollen nachstehende Fragen beantwortet, umgehend an eine der unten stehenden Adressen bekanntgeben. a) Wieviel Kinder? b) Ob Knabe oder Mädchen? c) Alter (6 bis 14 Jahre)? •) Spenden nimmt der geschäjtsführende Ausschuss der Agudas Jlsroel, Wien, II״ Malzgasse 12a, entgegen. Quittierung erfolgt in diesem Organ. d) Dauer der Erholung (4 bis 8 Wochen)? Kinder können nur in rituell geführten Häusern untergebracht werden. ״Jene Familien, welche keine Kinder aufnemhe« wollen, können sich an der Aktion ״Liebesgabe!- Pakete nach Deutschland“ beteiligen. Zusendung von Geldbeträgen, Lebensmitteln oder Kleidungsstücken an nachstehende Adressen: Oberrabbhier S• F ü r s t, II., Grosse Schiffgasse 8. Agudas Jisroel, II., Mategasse 12a. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, 11., Obere Doiwih strasse 69. Bilanz. Das ist vielleicht noch nicht dagewesen, dass man die Bilanz einer Wahlbewegung und einer Wahl*• handlung zieht, bevor noch die Wahl selbst erfolgt ist. Aus dem Versuch in dieser Richtung hin ergibt sich, dass tatsächlich unsere Bilanz unabhängig vom Erfolg ist, weil es sich tun eine Bewegung in einer Welt von Ideen handelt, und weil der Ideenbereich, in dessen Dienst sich dieses Organ gestellt hat, sich die Frage vorlegen muss, ob die zutage getretene# Erscheinungen ihm besondere Aufgaben stellen, b£- sondere Probleme zur Lösung vorlegen. Zunächst die Habenseite. Nach einem mehr als hundertjährigen Vertuschungssystem, in welchem die sogenannten Assimilanten Oesterreichs sich ein rellgiös negatives, wesenloses, seftemenartiges Judentum geschaffen hatten, haben sich diese Kreise selbst wenigstens klipp und klar zur Judenheit bekannt und sind in eine Vereinigung eingetreten, welche de! Namen ״jüdisch” frank und frei an der Stirn trägt. Mit dem Schwergewicht logischer Notwendigkeit wird sich daraus ergeben, dass die ernsten Menschen diese! Kreises von dem Namen zum Begriff, von dem Schlagwort zum Inhalt kommen, und es wird Aufgabe der Orthodoxie in Oesterreich sein, dafür zu sorgen, der einzige Inhalt des Judentums, das Religiöse, der! sich zur Wirklichkeit durchsetzt. Auf der andere# Seite muss registriert werden, dass die bisher einseltif nationalistisch orientierten Kreise auf jede Betonung des Nationalen verzichtet haben. Man sage nicht! dass dies bloss eine für die Zeit der Wahlen gedachte Kpa- Zession darstellt; selbst wenn es so gedacht war, sp Rabbi Akiba Eger. (Fortsetzung.) Selbst Nichtjuden erzählten sich, wie von einem vollkommen verbürgten, allgemein geglaubten Geschehnis, den folgenden Vorfall: Rabbi Akiba war eines Tages zur Erfüllung einer religiösen Funktion im Begriffe von Posen nach Obersitzko zu fahren. Auf dem Wege begegneten ihm einige Feldarbeiter mit ihren Senken auf der Schulter. Der Anblick des langbärtigen R!bbi schien in ihnen ke ne menschenfreundlichen Gefühle zu erwecken und sie stürzten mit hochgeschwungenen Sensen auf den Wagen los. Der wehrlose Kutscher schrie entsetzt auf, der Rabbi aber blieb ganz ruhig sitzen, kein Laut kam aus seinem Munde, nur sein Blick traf die Stürmenden. Da blieben die bösen Menschen plötzlich wie festgenagelt, ohne sich rühren und ohne sprechen zu können, auf ihrem Platze stehen. Der Kutscher hieb in die Pferde und der Wagen fuhr unbehelligt weiter. Der Gutsherr kam eben von emem Spazierritt heim, sah seine Leute in diesem seltsamen Zustande und erfuhr von einem Zeugen der Szene, was vorgefallen war. Er ritt dem Wagen nach und bat Rabbi Akiba, er möge den Bösewichten verzeihen. Dieser gab ein׳.* ausweichende Antwort, er wisse von nichts und denke, die Leute würden sich inzwischen wohl schon entfernt haben. Das war auch der Fall. So energisch Rabbi Akiba Eger in der Vertretungseines prinzipiellen Standpunktes in religiösen Fragen war, so milde, nachsichtig und wohlwollend war er stets im Verkehre mit den Menschen. Als Beispiel für das oft an den Tag gelegte ausserordentliche Zartgefühl Rabbi Akiba Egers mögen hier zwei kleine Eilebnisse erwähnt werden. Als ein ihm befreundetes, würdiges Gemeindemitglied S. B. Latz (es war dies auch der Mann, der über Wunsch Rabbi Akibas die Mittel zur Errichtung eines Krankenhauses gespendet hatte) schwer krank daniederlag, hielt der Arzt zu dessen Kräftigung die Verschreibung von rituell nicht erlaubten Reisen für notwendig. Rabbi Akiba Eger wurde befragt, ob er seine Zustimmung hiezu gebe. Er sprach sich mit aller Entschiedenheit dagegen aus und verliess sodann den Kranken mit seinen besten Wünschen. Aber er entfernte sich nicht aus dem Hause, sondern begab sich in die Küche und ordnete dort persönlich die Bereitung der vom Arzte versc riebenen Speisen m׳t der Bemerkung an, er habe es vermeiden wollen, dass der Kranke durch d!e Erlaubnis, diese Speise zu nehmen, von dem bedrohlichen Stand seiner Krankheit Kenntnis erlange. Ein zweiter Fall: Man erzählte eines Tages dem Rabbi mit tadelnden Worten, dass ein jüdischer Viehhändler es so leichtfert'g mit religiösen Vorschriften nehme, dass er sogar mitunter, mit Thalis und 'Mlim bekleidet, während der Verrichtung des Gebetes das Vieh vor sich treibe. Rabbi Akiba meinte hierauf lächelnd: ״Warum sagt Ihr nicht lieber, dass der Mann es so ernst mit seinen religiösen Pflichten nimmt, dass er selbst bei seinen notwendigen irdischen Beschäftigungen die Erfüllung derselben n cht unterlässt"•«-. Man erinnerte sich nur an einen einzigen Fall, in welchem R bb! Akiba Eger einer ihm persönlich zugefügten Kränkung gedachte, allerdings auch da mit der Hinzufügung, dass er, was seine Person betreffe, diese Beleidigung verzeihe. Die Besitzer einer hebräischen Buchdruckerei, reiche, angesehene Männer, hatten anlässlich eines Gutachtens, das Rabbi Akiba Eger über den Druck einer von einem anderen Verlag unternommenen Talmudausgabe erstattete, eine verleumderische Aeusserung gemacht, die den Rabbi selbstischer Motive beschuldigt?. Rabbi Akiba, dem selbstverständlich auch der Schatten eines solchen Beweggrundes f?rnegel?gen war, erfuhr von dieser ehrenrührigen, öffentlich erfolgten Verdächtigung und war natürlich tief durch sie gekränkt. Er sagie aber, er verzeihe die ihm persönlich zugefü^te Kränkung; die Verletzung der Thora jedoch, die m»! dieser unzertrennbar vorliege, sei eine unverzeihliche. Als die leichtfertigen Verleumder bald darauf von einem furchtbaren Schicksal betroffen wurden, war die Volks• stimme sofort bereit, h erin eine Erfüllung der strafenden Worte Rabbi Akiba Egers zu erkennen. Aber der Fall, dass jemand auch nur unehrerbietig von Rabbi Akiba zu sprechen wagte, wiederholte sich kaum. (Schluss folgt) Pessl Wien I. Erstes und grösstes Wiener Haus Kärntnerstrasse 28 für künstlerisch ausgefUhrt« Scheitel, Perücken und Transformationen aus aller« m bestem, dauernd gewelltem Naturhaar. Versand der reich Illustrierten Frisurenmappe kostenlos. Gegründet 1804