Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 41 (12.10.1923)
- Date
- 1923-10-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 322 JÜDISCHE PRESSE Nr. 4! einziges Wahlmotiv ins Treffen führt, sondern dann müsste «iah den ganzen Komplex der jüdischen Fragen in Befracht ziehen und müste vor aHen Dingen «ach Männern und Namen suchen, von denen man, losgelöst von allen sonstigen Anschauungsdifferenzen, die zweifelsfreie ZulängHchkeit des Verständnisses annehmen könnte. So wie die Sachen jetzt liegen, gewhmt man vielleicht ׳mit Unrecht den Eindruck, als ob denn doch nicht in allen Punkten und in allen Köpfen diese grosse Linie krümtramgslos beabsichtigt war, oder gar eingehalten worden ist. Hierbei möge als wohltuender Effekt der sogenannten Einigungs- Verhandlungen hervorgehoben werden, dass nur die Verteidigung der wirtschaftlichen und rechtlichen Positionen der Juden auf das Programm der Kandidaten geschrieben wurde, dass hingegen das nationale Moment ausgeschaltet ist. Wir lehnen es ab, nachdem die Voraussetzungen absolut sittlicher Höhe nicht erfüllt sind, zur Wahl selbst irgendwie Stellung zu nehmen. Nachdem wir es für die vor- «dunste Aufgabe unseres Organes halten, in jedem einzelnen Stadium jeder jüdischen Frage den durch sittliche Motive bedingten Anschluss an das allgemein gültige möglichst nachzuweisen und als wirklieh vorzuschlagen, wird es jeder ernste Leser begreifen, dass wir zu diesem Standpunkt gelangt sind. Von unseren Freunden hoffet! wir, dass sie die Wahl in ihrem Heimatstaate oder ihrer Heimatstadt gleichfalls von diesem Standpunkt der sittlichen Notwendigkeit aus begreifen und ausführen. Die jüdische Erez Jisroel-ßank. Wien. In unserer jüngsten Nummer ist bereits die Nachricht von der erfolgten Gründung der jüdisehen Erez Jisroel-Bank durch eine Gruppe von Finanziers aus den Kreisen der Aguda gemeldet worden. In Ergänzung dieser Nachricht wird uns mitgeteilt: Dem Bankrate gehören folgende Herren an: Sally Gugenheim (Basel), M. Gibert (Riga), H. Wojdislawski (Lodz), Heinrich Pappenheim, Julius .Steinfeld, Dir. Dawid Schlesinger, Eduard Deutsch, A. J. Hornstein; (alle in Wien.) Das Bankkomitee besteht aus den Herren: D. Breuer, M. Wolk, Alfred Stroh. Die Verhandlungen mit vielen führenden Finanzmännern verschiedene״ .Länder werden fortgesetzt. Die Anschluss prominenter Mitglieder der Finanzkreise ist gesichert. Die Jugend und die Bankaktion. Wien. Samstag den 6. Oktober fand iin Lokale der Jugendgruppe der Agudas Jisroel in Wien eine Beratung der Palästinasektion statt, in der die Beteiligung der Jugendgruppe in der Prapaganda und Verbreitung der Bankaktion zur Sprache kam. Mehrere Redner wiesen auf die Notwendigkeit der Heranziehung der breitesten Volksmassen zu dieser Aktion hin, wenn auch die Realisation durch Finanztiiänner bereits gesichert ist. Nach längerer sach- Höher Beratung wurde der Beschluss gefasst, an der Bankaktion aktivsten Anteil zu nehmen. Es wurde toi diesem Zwecke eine Kommission gewählt, der folgende Herten angehören: D. Baumgarten, S. Feleenbürg, A. Steiner, J. Aschkenasy, N. Adler, M. Adler, lind die in ständigem Kontakte mit dem Bankkomitee fetebea Wird. Die Jugendgruppe besclüoss ferner auf eigene Rechnung ein Haus in Erez Jisroel bauen zu lassen. Ausser der einigen hundert Pfund, die die Jugendgruppe selbst aufzubringen sich verpflichtet tiat, wird die Jugendgruppe eine grössere Anleihe von fler Erez Jisroel-Bank erhalten. Wien. Nach neunjährigem Aufenthalte verliess am 09. Tlschri Herr Rafeb. Benzion Kats, früher Borszczow, flle Stadt, die Ihm zur zweiten Heimat -geworden war, um dem ehrenvollen Ruf zum Rabbiner der Kultusgemeinde In ׳Czcrnowttz Folge zu leisten. Die Tätigkeit, die der ehrwürdige Herr während dieser neun Jahr« auf dem Gebiete der religiösen Erziehung leistete und ebenso das, was seine verehrte 1Frau Gemahlin an Armen -und für Arme getan hat, wird unvergesslich bleiben. Dementsprechend ge- «taltete sich auch der Abschied am Nordbahnhofe zu einer erhebenden Kundgebung. Neben dem engeren Kreis seiner zahlreichen Freunde hatten sich Vertretungen des ״Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel“, des Verstandes der Ortsgruppe der ״Agudas Jisroel“, des ״Sozialen Hilfswerkes" und der ״Adas Jisroel” eingefunden, um noch einmal Wort und Gruss des Abschiedes mit dem Verehrten Herrn Rabbiner zu tauschen. Segenswünsche aus tiefstem Herzen begleiteten ihn und wir dürfen wohl der 1Hoffnung Ausdruck geben, dass er,!der übrigens seine Lieblingsgründung, das ״Cheder Or Thauro“, auch weiter führend betreuen wird, in gleich segensreicher Welse in «einer neuen grossen Wirkungsstätte seine Tätigkeit mit ■reichem Erfolg gekrönt sieht. Maler Durmaschkin in Wien. Auf einer Studienreise nach Italien. Frankreich ׳und England befindet sich der bekannte Maler Durmaschkin 0seit kurzer Zeit in Wien, und diesem Um- Stande verdankt das Wiener Publikum die Möglichkeit, sich mit dem grossen bekannten Gemälde unter dein Titel ״Rückkehr nach Zion“, das in den Räumen Sensationell• Umwälzung in der dauergewellten Perücken- und Scheitelmode durch die Neuschaffungen der Firma OTHMAR SCHIFF Wien, I., Kärntnerring 6 (gegenüber dem Hotel Bristol) welche den Damen kostenlos :: vorgeführt werden :: En gros En detail Billigste Einkaufsqueile Die grösste internationale Kun־«twerkstätte für Perückent Scheitel und Tra?׳s‘ormationen Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialist in Braut-Scheiteln. Di^e werden der Mädelionfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacbt. Um vor Irreführung zu schützen, bitte den Vornamen Othmir und die Adresse genau zu beachten I NACH WIEN I. 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Als später der weitberühmte grösste russische Maler R e p i n die Arbeiten Durmaschkins besichtigte, erkannte derselbe das grosse Taltent und verschaffte trotz grösster Schwierigkeiten dem jungen jüdischen Maler eine Freistelle in der kaiserlichen Akademie in Petrograd• Nach Beendigung der Akademie wurde Durmaschkin, da Professor Repin erkannt hatte, dass eine Reise im Orient für den Künstler die beste Schule sei, auf Kosten der russischen Regierung auf eine Studienreise geschickt, auf welcher die Türkei, Palästina, Griechenland, Aegypten und Indien, ganz Arabien und Afrika besucht wurden. Der Weltkrieg überraschte den jüdischen Künstler in Kongo, wo er dieselbe unterbrechen musste und nach Russlang zurückkehrte. Die Ausbeute dieser Reise betrug über 300 Bi!- der, die meistens das jüdische Leben im Oriente künstlerisch Wiedergaben. 25 Bilder allein wurden vom Museum Alexander III. m Petrograd angekauft.. Während der revolutionären Umstürze in Russland gingen leider die anderen Bilder zugrunde. Ende 1917 kehrte Maler Durmaschkin in (seine Heimatstadt Wilma zurück, wo er als Professor für Zeichenunterricht an dem Gymnasium in Wilna tätig war. Zu Beginn des Jahres 1920 begannen die Arbeiten für das grosse Gemälde unter dem Titel ״Rückkehr nach Zion“, das er*st im Jahre 1922 beendet worden ist. Das grosse Kunstwerk wurde in allen Städten Polens ausgestellt und hat grosses Aufsehen erregt. Die grosse Kunst des jüdischen Malers fand bei dem Publikum und bei der Fachkritik höchste Anerkennung. Wir werden auf Inhalt und Komposition des Kunstwerkes noch näher zurückkommen und auch die Besuchszeit im Jüdischen Museum mitteilen. Bundeskanzler Dr. Seipel in Frauenkirchen. Am שבת בראשית den 6. d. M. erschien Bundeskanzler Seipel in Frauenkirchen. Aus diesem Anlässe erschien eine Abordnung der Frauenkirchner isr. Kultus gemeinde vor dem. Bundeskanzler. Ihr Führer, Herr Rabbiner S. Löwy hielt eine wirkungsvolle An- Sprache an den Regierungschef, auf die dieser in überaus liebenswürdiger •und gewinnender Weise ausführlich erwiderte und darauf hinwies, dass er dem glauben streuen Judentum voller Sympathie gegenüberstehe, dass die Angelegenheiten der burgenlänidischen Judenschaft, die der Sprecher der Deputation seinem Wohlwollen empfohlen hätte, Unvoreingenommenheit, ja sogar Entgegenkommen ׳seitens des Regierungschefs finden werden. Auf dringendes Verlangen des Deputationsführers bewilligte der Bundeskanzler trotz der kurzbemessenen Zelt der Deputation eine halbstündige Audienz, in welcher Rabbiner Löwy in seiner Eigenschaft als Präses des Verbandes der ' burgenländischen orth. isr. Kultusgemeinden dem Bundeskanzler über den Statutenentwurf Vortrag hielt, das Historikum der Entstehung der orthodoxen Organisation erörterte und über den Leidertsweg referierte, den der zur Genehmigung eilige־ reichte Entwurf bereits durchgemacht. Der Bundeskanzler versicherte dem Sprecher, dass er dringende Weisung geben werde, dass diese Angelegenheit bald nnd günstig erledigt werde. Zugleich wurde auf die Anomalie hmgewiesen, ־dass die jüdischen Seelsorger im Burgenlande vom Staat K. 7000 ■bis 10.000 monatlieber Unterstützung erhalten, während die Seelsorger der anderen Konfessionen «ine der Geldentwertung, den Preisen der Bedarfsartikel entsprechende Subvention beziehen. Der Sprecher bezeichnete diese Behandlung der Rabbiner als eine beschämende und herabwtirdigende. Auch in diesem Belange gab ■der Bundeskanzler die Zusage, dass die Beschwerde in gebührender Weise werde berücksichtigt werden. Worauf sich der Bundeskanzler in herzlichster Welse von den Mitgliedern der Deputation mit wiederholten Händedrücken verabschiedete. Deutschkreuz: Unter grosser Begeisterung der ganzen Bevölkerung fand am 9. d. M. die Installation Rabbiners Kahane statt. Aus der ganzen Umgebung eilten viele Fremde herbei, um an der Feier tellzunehmen. Der Eindruck der Antrittsderoschah war ein sehr grosser. Bei dieser Gelegenheit sind grosse Summen für die Jesohiwoh gespendet worden. Ein schönes Bankett, dass durch gediegene Diwrej Thauro gewürzt war, war ein würdiger Abschüusss dieser erhebenden Feier. Wien: Nach langer Krankheit verschied dieser Tage im Alter von 58 Jahren Herr Emanuel Hess. Ein leuchtendes Vorbild seltener Glaubens- und Pflichttreue, erfreute sich der Verblichene innerhalb weiterer Kreise grosser Sympathien, die auch anlässlich der am 9. Oktober 1923 staütgefundenen לוי׳ zum Ausdruck kamen. I׳m Trauerhause ,widmeten Sr. Ehrwürden die Herren Rabbiner Sehen und Flelsohmann dem Dahingeschiedenen Zur Saison! ltelo' e Aiswabl neuester Pelzmodolle iu säuitl. Balzarten — «Pariser j md Wiener Oaee'imneft vereiui — e«ge«1jt nur in «ffenaa WgrkatflHten ] unter iiersöal. L'ltunf 4e* bestr^enm erten InhaN*• derjhrma I r»11 ., fir.M1k1tm.;H