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Jüdische Presse · 1923-10-05 · 40 (5.10.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
40 (5.10.1923)
Date
1923-10-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Mr. 40 Seite 31 im egten Streik. Verlangt wird eine Eritöhaog des Woohe•-!Öttofcc um 5 Doller und Herabsetzung der Arbeitszeit ▼0■ 08 anf48 Stunden In der Woche. Outtrrelcl). iDnJosef&BioclKj Der langjährige Herausgeber der ״Oesterreichischen Wochenschrift“ und gewesene Reichsratsabgeordnete Dr. Josef S. Bloch ist am jüngsten Montag nach kurzem Leiden verschieden. In Dukla geboren, besuchte er Jeschiwas, wo er sich bedeutendes jüdisches Wissen erwarb. Er absolvierte die Universität in München und Leipzig, allwo er seine literarische Tätigkeit begann, der er mit grossem Erfolge durch ein halbes Jahrhundert oblag. Hervorragend war sein Abwehrkampf gegen den Antisemitismus, den er in Wort und Schrift mit einer Meisterschaft führte, die die Aufmerk־ samkeit ganz Israels auf sich zog und ihm ewig ein ehrendes Andenken sichert. Sein Erfolg gegen die Ritualmord־Vertreter Rohling, Deckert und Konsorten, die er vor aller Welt als Lügner und Verleumder stigmatisierte, hat ungemein viel dazu beigetragen, dass kein anständiger Mensch mehr an diese scheussliche Erfindung glauben kann. Die ״Oesterreichische Wochenschrift", die er 1883 gründete und bis 1920 fortführte, war eines der gediegensten jüdischen Blätter. — Das orthodoxe Judentum dankt ihm seine warme Vertretung des Judentums im Reichsrat und in der Publizistik und seine stets sympathische Haltung den streng religiösen Interessen gegenüber. Sein Temperament, seine scharfe Kampfesart hat ihm viele Gegner gebracht, die ganze Judenschaft aber wird den Verlust eines Mannes beklagen, der stets unerschrocken für die Ehre der Juden und des Judentums eingetreten ist. Seine zahlreichen wertvollen Schriften fanden einen würdigen Ab- Schluss in seinen Erinnerungen und seiner Apologetik, die eine reiche Fundgrube des Wissenswerten und Interessanten bieten. Wien (A.J. P. B.): Die Vorbereitungsarbeiten für die Gründung einer Aguda-Bank für Erez jisroel sind beendet. Das Gründungskapital beträgt 100000 Pfund Sterling. An der Spitze der Bankleitung steht eine Gruppe agudistischer Finanzmänner, prominente Vertreter der jüdischen Finanzaristokratie (Pappenheim, Schlesinger-Wien, Guggenheim-Basel, Wojdislawski ־ Lodz u. s. w.): Es wird der Eintritt einer ganzen Reihe von Mitgliedern der jüdischen Finanzwelt erwartet, mit denen Verhandfungen gepflogen werden. Wien. Auf Qrund eines Beschlusses der Kenessio Gedaulo wurde am ersten Tage des Rosch Haschonoh- Festes mit dem Lernen eines Blattes Gemarah betonnen. Das Studium wird nun alltäglich fortgesetzt werden und jedesmal im Kalendarium die auf jeden Tag entfallende Seite vermerkt werden. Aus fast illen Jugend- und Ortsgruppen Polens wird mitgeteilt, dass überall mit grossem Eifer und wunderbarem Enthusiasmus dieses Studium inauguriert wurde. Deutschland. Berlin. Während der in vergangener Woche tagenden Weltkonferenz der Ose (Gesundheitsamt and Hygiene der Juden) brachte Dr. Gran einige statistische Ziffern über den schauderhaften Zustand des russischen Judentums. Im Weltkrieg fielen 50.000 russische Juden, 100.000 sind Schwerinvalide ver- Wieben, 200.000 Witwen und Waisen. Das verlorene Vermögen der russisch-jüdischen Flüchtlinge aus verschiedenen Gegenden wird auf 3 Milliarden Goklrubel geschätzt. Während der Pogrome wurden 100.000 Menschen ausgemordet, die wieder 100.000 Witwen ,und Waisen zurückliessen. In den Hungerjahren 4921 und 1922 sind zirka 100.000 Juden durch Hunger eugrundegegangen. Berlin. Die Lage der Juden In Oberschleslen wird durch die stärker werdende antisemitische Hetzpropaganda ledesmal schwerer. Während der Teuerungskrawalle in Beuthen haben zahlreiche Agitatoren die erregte Bevölkecung auf die Juden gehetzt. Auch Anschläge auf verschiedene jüdische Stätten mehren sich In letzter Zeit. Auf dem jüdischen Friedhofe in Langendorf bei Gleiwitz wurden die Grabsteine demoliert. Auf den Strassen häufen sich die Belästigungen jüdischer Passanten. Jüdische Erziehungskonferenz. Mit Rücksicht auf die Ceityerhältnisse findet die Delegiertentagung des J ü d 1sehen Frauenbundes und die Jüdische Erziehungskonferenz, die gemeinsam von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und dem Jüdischen Frauenbund veranstaltet wird, nicht in Frankfurt a. Main, sondern In Berlin im Plenarsaal der Jüdischen Gemeinde. Rosenstrasse 2-4, statt, und zwar: Die Delegiertentagung des Jüdischen Frauenbundes Montag, den 7. Oktober abends und Montag, den 8. Oktober. Die Jüdische Erziehungskonferenz beginnt am Montag sbends den 8. Oktober und endet am M111woch, den 10. Oktober. Im Anschluss daran findet tm 10. Oktober auch eine Frauentagung der Logen statt. Anmeldungen zu den beiden ersten Tagungen sind schon fetzt an Frau Henriette May, Berlin, Rosen- Strasse 2-4, zu richten. Polet. Zentralhilfskasse der Aguda• Warschau: In Anwesenheit des Mitgliedes der Exekutive der Agudas Jisroel in Wien, Herrn Kalman Pappenhelm, wurde die Schaffung einer Zentralhilfskasse in die Wege geleitet. Ihr können sich Bethäuser und wohltätige Institutionen anschliessen, deren Mitglieder nach Massgabe eines minimal bemessenen Beitrages des Vereines an die Zentrale mit Kredit und zinslosem Darlehen versorgt werden. Ein Besuch des Senator Mendelsohn beim polnischen Sejmmarschaü. Warschau. Senator Mendelsohn besuchte hn Aufträge des jüdischen orthodoxen Sejmklubs den Sejmmarschall Rataj, um demselben den Glückwunsch des Klubs zu seiner glücklich überstandenen Operation auszudrücken. In einer längeren Unterredung wurden verschiedene aktuelle Fragen besprochen. Der Sejmmarschall bekundete sein lebhaftes Interesse für die Kenessio G e d a u 1 o. Senator Mendelsohn informierte den Sejmmarschall über den Verlauf der Verhandlungen. Sejmmarschall Rataj sprach den Wunsch aus, genau über die Lage und die Ideen der Orthodoxie informiert zu werden. Die Unterredung trug einen sehr freundlichen Charakter. FILIALEN: WIEN/־IV. ARG EN TI NIE RSTR. C3UUSSING / STEFAN KLEE GRAZ/. AUSKÜNFTE WERDEN STETS GERNE ERTEIIT. 5SssÜ&!SS Wie'N 1. Nach DIE GRÖSSTEN UND SCHNELLSTEN ^,''.^׳schiffI'der'welI!, y 'i&r+t'ür+i Kaufet nur ßollinger Eiskasten Fabrik: Wien, XV. Staglgasse 10, Telephon 38.419 Filiale: Wien, VII. Burggasse 17, Telephon 32.380 Brautausstattungen Billigste Einkaufsquelle in Leinen- und Damastwaren. Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer tt-gr« 5 (nächst Salz- I gries). Telephon 6B-3-71 Einrichtungen für Gast-n.Kaffeehäuser: Sessel, Tische, Eiskäst? n, Eismaschinen, Aufsätze etc. Ferner Porzellan־, Glas-, Email-, Köpfer- und Alominiomgeschirr. Alpakabestecke, Löffel und Tassen. Ludwig Adler, Wien, IV. Wledner Hauptstrasse 10 (Frelhaus) Telephon 51-0-62 Anttiidteche Exzesse in Danzig. Danzig: Seit einigen Tagen herrscht zwischen de» Arbeitermassen in Danzig grosse Erregung wegen der fortschreitenden Teuerung. In Zusammhang mit diesem, kam es am 13. d. M. au! dem Hauptplatze zu Ausschreltungen, die dann einen antisemitischen Charakter angenom* men haben. Jüdische Geschäfte wurden demoliert, jüdisch# Passanten auf der Strasse blutig geschlagen. Warschau. Die Warschauer jüdische Gemeinde hat beschlossen, fünf Millionen Polenmark zugunsten der durch die Erdbebenkatastrophe in Not geratenen japanischen Kinder, zu überweisen. Das Warschauer Rabbinat hat einen Aufruf zugunsten der Hilfe für dat zerstörte Japan erlassen. In den Roschhaschanah- Tagen wurden in den Warschauer Synagogen Andachten, für die bei der Katastrophe Umgekommenen, abgehalten. Riga. Es sind hier Nachrichten eingelangt, das» die jüdischen Kommunisten in Russland den Kampf gegen die jüdische Religion während der hohen Feiertage verschärft haben. Dtatun. Kowao. Die orthodoxe Partei in Litauen ״Achdus* hat zu den kommenden jüdischen Nationalratswahlen die Parole der Wahlabstinenz ausgegeben, da die National- Versammlung, wie die ganze Autonomie nur auf weltlicher und nicht religiöser Grundlage beruhe. Die orthodoxe Partei wird Jedoch an den Wahlei! zu den einzelnen Qe!• meinden teilnehmen. Ctttiand. Unglaubwürdige Erklärung des argentinische• Konsuls. Riga. Der ״Baltischer Emigrant“ teilt mit, dass der argentinische Konsul, der seit kurzer Zeit in Reval weilt und der Argentinien nicht nur in Estland, sondern auch in Lettland und Litauen repräsentieren wird, in einem Gespräche erklärte, dass er bevollmächtigt ist, nur die Pässe christlicher Bürger Estlands, Lettlands und Litauen für die Einfahrt nach Argentinien zu vidieren und nicht di# Pässe jüdischer Bürger derselben Länder. Russland. Der Kampf gegen die Religion in Russland. Moskau. Auf Grund der offiziellen Statistik wurden in den ersten 7 Monaten des Jahres 1923 60 bravoslavische Kirchen, 2 Klöster und 14 Synagogen konfisziert. Plan zur Schaffung einer jüdischen Republik in Welssrussland. Kowno. Es wird hier von einem Plane des Zenr tralkomitees der kommunistischen Partei Russlands Mitteilung gemacht, wonach die Schaffung einer jüdischen Republik in Weissrussland ,vorbereitet wird. Alls Territorium kommen in Betracht Teile def Gouvernements Hornel, Witebsk und Minsk mit einer Bevölkerung von zirka 300.000 Juden und 500.000 Nichtjuden. Dieser Plan soll folgenden Ursachen seine Entstehung verdanken: Wie bekannt, wurde die russische Räterepublik vor einiger Zeit formell als. Verband der Räterepublikem Russlands erklärt. Demzufolge hat das Kommissariat für nationale Minderheiten, dem auch eine jüdische Abteilung angegliedert war, jede Existenzberechtigung verloren. Jede Nationalität ist im Verbände der Räterepubliken als terrltoriale Einheit vertreten. So haben die Juden Ihr# Vertretung in den zentralen Regierungsorganen ver* loren. Mit der Schaffung einer jüdischen Republik sollen nun die Juden wieder diese Vertretung erlangen. Wie die aus Russland zurückgekehrten Personen erzählen, wird dieser Plan sehr ernst genommen und es haben sich von den bolschewikischen Führern bereits Stalin und Kamelew für diesen Plan ausgesprochen. Das russische Paradies. Moskau. Die letzte Volkszählung erwies eine» grossen Rückgang der städtischen Bevölkerung, der sich besonders krass in den Städten mit grosser jüdischer Be* völkerungszahl erweist. In Verbindung mit diesem Umstand stirbt in solchen entvölkerten Gegenden jedes gesellschaftliche und kommerzielle Leben aus und die Bevölkerung fällt auf sehr niedrige Kulturstufen zurück. Dl« Sterblichkeitszahl erreicht bereits die Zahl der Geburten, die von Tag zu Tag geringer wird. In manchen jüdischen Städten der Ukraina übersteigt die Sterblichkeitsziffer die Geburtenziffer um das Drei- und Vierfache. Die Säuglinge kommen mit einem Gewichte von zwei Kilogramm zur Welt, mit fürchterlichen physischen Defekten behaftet. In den Schulen Odessas sind 70 Prozent der Kinder mit Hautkrankheiten infiziert. In den Fröbelschulen Kijews konnte man bei 80 Prozent der Kinder Tuberkulose feststellen. Pogromgefahr in Russland. London. In der Roschhaschanah-Botschaft des Chief* Rabbi von England Dr. Herz wurde auf die ungeheuren Leiden der Juden in Russland hingewiesen. Das westlich« Judentum schenke viel zu wenig Aufmerksamkeit der Gefahr, die dem Judentum im Falle einer Umwälzung in Russland droht. Alle reaktionären Parteien hetzen bereit» heute öffentlich zu Pogromen. Der Senator der Vereinigten Staaten, Mc. Ke Hat, der sich einige Tage in Moskau aufhielt, besuchte die Aus- Stellung über die Pogrome, die jetzt unter der Leitung der Idgoskom stattfindet. Er studierte genau die Menge der

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