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Jüdische Presse · 1923-10-05 · 40 (5.10.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
40 (5.10.1923)
Date
1923-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 JÜDISCHE PRESSE Sette 313 an einer entscheidungsschweren politischen Zeitenwende Rabbi Abraham Izchak Kuk auf den Plan gerufen! Wir kennen die Persönlichkeit Oberrabbiner Kuks nur aus seinen Schriften und Taten; hier ist wahrhaft das vorhanden, was man im tiefsten Sinne Persönlichkeit nennt, mit reichem Thorawissen gepaart, ein hoher Schwung idealistischen Denkens, der die Schranken irdischer Bedingtheiten überfliegt und ferne Ziele geschichtlichen Werdens mit gläubiger Zuversicht als Gegebenheiten der Stunde antizipiert. Diese Grösse des Mannes schliesst zugleich die ungeheuren Gefahren seiner Wesensart und seines Wirkens in sich. Denn es ist klar, dass die Weltfremdheit der orthodoxen Massen, die wir oben gekennzeichnet, in ihren gefährdenden Wirkungen vervielfältigt wird, wenn ihr zum Führer eine über den Realitäten und nicht in ihnen stehende Persönlichkeit wie Rabbiner Kuk erwächst. Und wenn nun, als ob sich alle dunklen Mächte gegen den Frieden Jerusalems verschworen hätten, der gefahrvolle Dreibund zwischen einem im Metaphysischen lebenden geistigen Oberhaupte, einer weltfremden Masse und lebensklugen, übergewandten liberalen Gemeindepolitikern, wenn dieser Dreibund von der Zwangsgewalt des Staates patronisiert und mit Hoheitsrechten über alle jüdischen Seelen Jeruscholajims ausgestattet wird — wie sollte nicht der Kampf um die Freiheit der Gewissen jene erbitterte Form annehmen, die in Jerusalem zu den ׳bekannten traurigen Ereignissen des abgelaufenen Jahres geführt hat. Es war zu befürchten, dass die Hochspannung der Jersalemer gemeindepolitischen Atmosphäre auf der ״Kenessio Gedaulo“ zu heftigen Entladungen führen und der Welt das Schauspiel scharfer Gegen- Sätze innerhalb der thoratreuen Judenheit, leicht gar eines בזיון התורה bieten würde. Die beiden hervorragenden Männer, um deren Person die Gegner sich gruppieren, Rabbi A. J. Kuk und Rabbi Chajim Sonnenfeld, waren zwar persönlich nicht anwesend!und ,hatten sich auf warme schriftliche Begrüssungen an die von ihnen beiden als berufenes Forum anerkannte ״Kenessio Gedaulo“ beschränkt. Allein um so ungehemmter konnte die Explosion der von ihren Parteigängern geführten Gruppen erwartet werden. Glücklicherweise hat sich schon an diesem Punkte die Autorität des Rabbinischen Rates bewährt. Das in dessen Namen ergangene Verbot, im Plenum über die Jerusalemer Gegensätze zu sprechen, bevor der Rabbinische Rat Stellung genommen haben würde, ward fast restlos — eine einzige, durch Ordnungsruf des Präsidiums sofort gerügte Entgleisung eines rumanischen Redners ausgenommen — respektiert. Die ,!,auf•;..sshfrfäts,^^^ripfstimipun^.-gegen die. Partei Kuk eingestellte Tschechosiowalceil/efl'eissigte sich grosser Mässigung und die litauischen Vertreter, denen ^wiederum, das קנאות der Jerusalemer Delegierten sicherlich stark auf die Nerven ging, zeigten — auf dieses Symptom ist noch zurückzukommen — feines Verständnis für den Standpunkt der Sonnenfeldschen Gemeinde. Im Rabbinisohen Rat selber kam man nach vielstündigen Beratungen zu dem bereits kurz mitgeteilten Ergebnis, das!bemerkenswertenwcise einen einstimmigen Beschluss des Rates darstellt* Der Rabbinische Rat!schlägt Oberrabbiner Kuk und der über Rechtsverkürzung klagenden Sonnenfeldschen Gemeinde vor, ihren Streit durch ,ein entweder vorn Rabbinisohen Rate zu entsendendes oder nach den Vorschriften des חשן משפט frei zu bildendes Besdin entscheiden und auf diese Weise der heiligen Stadt den Frieden wiedergeben zu lassen* Bis zur Ent- Scheidung dieses Besdin muss nach der haiachhschen Ueberzeugung des Rabbinischen Rates die Sonnenfeld־ sehe Gemeinde im Besitze aller derjenigen gemeindliehen Rechte bleiben, die ihr vor der Entstehung des ״Misrad harabbanuth“ zustanden, und es sind diese Rechte, sofern sie durch Eingriffe irgendwelcher Art geschmälert worden sein sollten, bis zur endgültigen Entscheidung wiederherzustellen. Dem Rabbinischen Rate stehen keine anderen Machtmittel zur Verwirklichung seiner Wünsche zur Verfügung wie das Gewicht der תורה “Autorität, die seinen in aller Welt anerkannten Mitgliedern eignet. Man darf hoffen, dass die דעת התורה! die in dem von ruhiger Würde getragenen Schreiben nach Jeruscholajim zum Ausdruck gelangt, dort liebevolles Vcrständnis finden und auf beiden Seiten ohne Vorbe- ׳halte, akzeptiert werden wird. Ist das der Fall, dann wird die Regierung Herbert Samuels, so sehr sie heute für die zwangsweise Einheitsreligion sewärmt, einer vorläufigen Einstzung der Sonnenfeldschen Gemeinde in ihre wohlerworbenen Rechte und einer späteren friedlichen Auseinandersetzung der ׳Parteien gewiss keine Schwierigkeiten in den Weg legen; umgekehrt müsste selbstverständlich eine ,spätere Entscheidung des Besdin, falls sie nach gründlicher Prüfung der Verhältnisse ein gewisses Mass ^Jbn Verwaltungseinheit für zulässig und geboten erachten sollte, eben¬ SCHEITELN, PERÜCKEN u.Transformationen in feirtWar 0.modertster Ausführung! Hit elnemGrlff DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren voll 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHEITELN AUF HAUT gearbeitet, gänzlich unkenntlich Im Tragen. Sämtliche Reparaturen wie auch Wasserwellungen werden übermo<i114rn frisiert nommen. 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Von einer Seite, die über jeden ״Verdacht“ besonderer Sympathie für den sögenannten Austrittsgedanken erhaben ist, wurde daher dem Rabbinischen Rat eine Resolution gegen die Auerkennung des ״Waad leumi“ unterbreitet, die ain Schlüsse der Sitzung ohne jeden Widerspruch• in folgender Form zur Annahme gelangte: Original: הכנסיה הגדולה מתכבדת לבקש מהוד מעלתו הנציב׳ שחיי הצבוריים היהודים יסודר בלי כפיה׳ היינו שלכל ערה שלפי דעתה מפני טעמים דתיים; אינה יכולה להתאחד עם קהלה שמנהליה והעומרים בראשה אינם עומרים על בסיס * הדת׳ ינתן לה חפשית גמורה?!היות־ עדה בפני.עצמה ולא• יחיה. רשות'לשום עדה או וועד!להטיל עליה מסים נלד רצונה, Deutsch: ,,Die Kenessio Gedaulo richtet an den Oberkommissär das Ersuchen, das jüdische Gemeinschaftsleben in Erez.Jisroel ohne ,staatlichen Zwang zu ordnen. Das heisst: Jeder Gemeinde, die ihrer Ansicht nach aus religiösen Gründen einer anderen Gemeinde nicht angehören kann, deren Führer und Vorsteher nicht auf dem Boden der Thora stehen, muss das Recht gegeben werden, eine unabhängige Gemeinde zu bilden, ohne dass einer anderen Gemeinde oder Körperschaft das Recht zusteht, sie gegen ihren Willen zu besteuern.“ Die Tendenz des Beschlusses ist aus seiner Entstebungsgeschichte klar; er fordert de lege ferenda völlige Gemeindefreiheit, soweit religiöse Momente durch eine zwangsweise Zusammensohweissung berührt werden, und widerspricht damit bewusst der Karlsbader Forderung auf staatliche Anerkennung des ״Waad leumi“. Nicht beabsichtigt war natürlich — was man missverständlich deduzieren könnte —, der ausdrück־ lieh für später vorbehaltenen endgültigen Entscheidüng in dem Streite der beiden Jerusalemer Gemeinden durch diese Resolution von vornherein zu präjudizieren. Die in dieser Hinsicht von Oberrabbiner Lewin-Sambor im Plenum abgegebene Erklärung war darum durchaus zu begrüssen* Die Lage ist also nunmehr folgendermassen: 1. Der Rabbinische Rat der ״Agudas Jisroel“ hat seine guten Dienste zur Verfügung gestellt, um den Frieden in Jerusalem durch ein unparteiisches Besdin TJJST]B3BX>IJSrQ־T JLESEISTI Infolge Anhäufung der Lagerbestände verkaufen wir für kurze Zeit kompleite Küchen, und zwar: 1 Kredenz mit Ornamentverglasung. 1 Abwaschtisch mit 2 Zinkschaffein. 1 Kohlenkiste, 1 Mistkiste. 1 Stockerl, alles prima weiss emaiilackiert‘ statt K l,80ü 000 zum äusserst billigen Preis von K 1,390.000. Billigste Emkaufsquelle von: Vorzimmern, Schlaf- und Mädchenzimmern, Küchen, Bureau- und Geschäftseinrichtungen. Verkauf sämtl Küchengeräte Möbel-Speziaifabrik ״Küchenfee“, Karl Klimberger & Co., XX. Engelsplatz 6, Goldene Medaille 1913. Filialen 1 Spiegeleasse 15, IV. Margaretenstrasse 2, VI. Stumpergasse 51, VIII. 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Vermutlich wird e!3 auf beiden Seiten Stürmer und Dränger genug geben, die dem Rabbinisehen Rate der Aguda wegen seiner vorsichtig abwägenden Stellungnahme grollen und darum unter naheliegenden Vorwänden die Annahme seiner Vermittlungsvorschläge zu hintertreiben suchen werden. Hoffen wir, dass diese neben dem eigenen Meister keine andere Autorität anerkennenden kleineren Geister diesmal nicht die Oberhand behalten, sondern die berufenen Führer selber dem Friedensrufe aus der Golia ein geneigtes Gehör schenken werden. Dann wird der פורם סכת שלום das Glück seines Hüttenfriedens über die Seinen senken, über sein ganzes Volk Israel und — über Jenisoholajim. (״Israelit“, Frankfurt.) Der Jade als Philanthrop. Vom amerikanischen Handelsminister Herbert Hoover. (JPZ) Der bekannte amerikanische Ernährungskommissär für die europäischen Kriegsländer und jetzige Handeisminister Herbert Hoover erliess im Wege der ״Jewish Tribüne“ anlässlich des jüdischen Neujahrfestes die folgende Botschaft: ״Während der neun Jahre, in denen ich an den grossen amerikanischen Hilfsmassnahmen für Europa aktiv teilnahm, stand ich in enger Verbindung mit verschiedenen jüdischen Organisationen, die an dieser Hilfsarbeit engagiert waren. Ich hatte häufig Anlass, die ausserordentliche Generosität und Freigebigkeit der amerikanischen Juden in ihrer Beteiligung an Wohltätigkeitsakten hervorzuheben und besonders zu betonen. In der Tat haben ihre freiwilligen Beitragsleistungen jene aller anderen amerikanischen Gruppen übertroffen und wiesen Beiträge von den kärglichsten Sparpfennigen des ärmsten Arbeiters bis zu den reich- Iichsten Zuwendungen;<der ift ■ glückliohen Verhältnissen lebenden Persönlichkeiten auf. Während der akutesten Zeit des Notstandes in Europa hatte es sich als notwendig erwiesen, behufs Sicherstellung der Höchstleistungen in der Rettung bedrohter Leben und der Vorbeugung künftigen Leides innerhalb der Leistungsfähigkeit unserer Hilfsquellen die engste Kooperation in der Verwaltung der amerikanischen Hilfsmassnahmen herzustellen. Diese Zusammenarbeit wurde vom ״Joint Distribution Committee“ (Vereinigtes jüdisches Hilfskomitee) mit beispiellosem Weitblick und unerreichter Zweckdienlichkeit geleistet. Während die grösseren freiwilligen jüdischen Fonds in der Hauptsache für die eigenen Religionsgenossen bedacht waren, haben die amerikanischen Juden in königlicher Weise zu den allgemeinen Hilfsfonds beigetragen, und selbst in der Verwaltung ihrer eigenen Spezialfonds die weitherzige Politik der Kooperation in der Hilfeleistung an alle Leidenden überhaupt befolgt. Und tatsächlich wurden Hunderttausende von Nichtjuden von ihrer Fürsorge in gleicher Weise mit den Juden bedacht. Diese weitherzige Philantropie hat in vielen Ländern Osteuropas einen so tiefen Eindruck gemacht, dass man sich dort der Judenverfolgungen schämte, die in der Zeit des grossten Chaos in vielen Städten zum Ausdruck kamen. Aber nicht nur im Ausschütten von Geldmitteln haben sich die Juden so ausserordentlich generös gezeigt, sondern auch in dem Ausmasse der persönlichen Hilfsdienste. Ich diente zusammen mit den Vertretern der jüdischen Gruppen in gemeinsamer Kraftanstrengung. In meinem eigenen Stab für dieses Werk hatte ich viele jüdische Männer und Frauen, denn wir linderten auch viel jüdisches Leid mit den Mitteln anderer allgemeiner Fonds. Die Dienste, die diese Männer und Frauen aus so vollem Herzen, so werktätig und mit solcher persönlicher Selbstaufopferung geleistet haben, können mit Worten nicht gewürdigt werden. Die wahre Würdigung und Dankbarkeit für alle jene, die ihre Mittel und ihre Dienstleistungen hergaben, kommen aus dem Herzen der Millionen, denen ,sie dienten und nützten. In der gesamten Geschichte der Philanthropie gibt es kein glanzvolleres Kapitel als dasjenige, welches von dem Werk der amerikanischen Juden während der letzten neun Jahre geschrieben werden könnte.‘* Schiff5 Pelzwarenhaus En gros und Erzeugung I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Detailverkaufs-Niadarlaga! I., Graban 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. PelzaifbewahruRg fsgan Varsiehsraa! ü*sr tfl« Sannsrnonats

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