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Jüdische Presse · 1923-09-21 · 38-39 (21.9.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
38-39 (21.9.1923)
Date
1923-09-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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301 Nr 38/39 JÜDISCHE PRESSE ifclstet Und wird weiter vieles leisten. Doch die!grosse Gefahr ist, dass die zukünftige Hilfe unorgairisiert, unsystematisch und unsystcmatisiert sein ,wird. Und deshalb greifen wir mit Freude die Idee und die Worte auf, die auf den Spalten eines der führenden Blätter Amerikas, des ״The Daily Jewish Curier“ aus Chicago, veröffentlicht wurden: ״Das Relief Comitee und der Joint geben die Hilfstätigkeit in Osteuropa auf, aber das amerikanische Judentum darf die Arbeit nicht aufgeben! Geschieht dies, so wird auf einmal alles zerstört, was;wir in neun Jahren gebaut, gepflegt und gehegt haben. Ziehen wir unsere helfende Hand zurück, so bricht der ganze Bau zusammen . . .! Können wir so eine Katastrophe verantworten? Können wir unser Gewissen mit so Schrecklichem belasten? Welcher Jude, in dessen Herzen noch ein Funke von Jüdischkeit glüht, kann diese Frage mit einem ja beantworten. . .? Wir sind verpflichtet, die Reliefarbeit fortzusetzen. Die Hauptpflicht und die Hauptarbeit fällt auf das orthodoxe Judentum in Amerika. Den radikalen Elementen ist es ganz gleichgültig, ob in Osteuropa Tausende, notleidender Rabbiner des Hungers sterben oder nicht. Die radikalen Elemente werden sich gar freuen, wenn alle Taltnud-Thoras und Jeschiwos aus Geldmangel gesperrt werden müssen. Aber wir werden uns Krijah schneiden müssen, wenn dies geschehen wird. Wenn in Osteuropa die Jüdischkeit zugrunde gehen wird, . so geht das Judentum in Amerika auch zugrunde. Und so ist letzten Endes die Hilfsarbeit nicht nur eine philantropische, sondern, vielmehr eine nationale Arbeit. Die orthodoxen jüdisehen Gemeinden in Amerika sind verpflichtet, ihre Hilfsarbeit fortzusetzen, denn es ist gar kein Grund und keine einzige Ursache vorhanden, die europäisehen Juden im Stiche zu lassen!“ Wir sehen, die Oeffehtliclikeit Amerikas fasst die Situation richtig an und ist sich ihrer Pflicht he-!,wusst. Doch ein Schritt weiter muss gemacht werden. Das Relief Comitee und der Joint liquidieren. Sie haben ihre Aufgabe gelöst und ewiges Gedenken wird ihre Tätigkeit unsterblich machen. Doch an ihrer Stelle müssen neue Organisationen treten, junge Komitees, die nicht müde gewoden, mit unverbrauchten frischen Kräften, die grosse Arbeit leisten könenn, die unbedingt notwendig ist, um das Judentum vor dem Untergange zu retten. Dann könnte die grosse Gefahr, die das ganze Judentum trifft, wenn sie den östlichen Teil dessclben bedroht, erfolgreich abgewelirt werden. — z. Aus den Berichten der Landsmannschäften. Die polnische Landesorganisation. Die polnische Landesorganisation ist, sowohl was Zahl, als auch Bedeutung betrifft, die grösste unter allen Landesorganisationen. Eine richtige Ent- Wicklung hat sie erst mit Kriegsschluss nehmen können und sie blickt heute auf eine vierjährige E n t w i ckilu'ng zurück. Die polnische Landesorganisation mufasst sowohl K0 ngres sp o 1 en wie Galizien Aus den Sprüchen des Chofez Chaim. Die Kenesslo Gedaulo. Du wirst es Dir zu Herzen nehmen unter allen Nationen, wohin der Ewige Dein G-tt Dich zerstreut hat. (V. 30. 1.) Wie ist es zu verstehen, dass gleichzeitig die Juden unter allen Völkern, unter denen sie zerstreut sind, Tesahttwo-Gedanken haben. Bei der Kcncssio Gedaulo, wo 1Abgesandte aus allen Ländern kamen und hier von aufrichtiger Tsahwwo geleitet, den Weg zu G-lt suche״. Die wahre Tschuwo. Du wirst zu dem Ewigen Deinen G-ttc zurückkehren und Du wirst auf seine Stimme hören so wie ich es Dir heute gebiete. Du und dein Sohn. (V. 30. 2.) Die wirkliche Tschuwo eines jüdischen Mannes muss auch seine Kinder erfassen. Man kann ein sehr frommer G-ttesfürohtiger Mann erfassen, Man kann ein sehr frommer g-ttesfürohtlger Mann wirklicher Jude, ein wirklicher Sprössling Abrahams ist man nur, wenn man auch dfe Kinder auf G־ttes Wege führt. Uober die Thora. Hütet euch, damit euer ,Herz euch nicht verleitet. Ihr könnet euch entfernen und fremden Göttern dienen. (V. 11. 16.) Entfernen, wovon? Von der Thora. Wenn man sich von der Thora entfernt, so muss die böse Folge kommen. Ohne Bindung der Thora wird man bald fremden Götzen ׳ dienen. Die Thora als Medizin. Es geschah einmal, dass ein Mensch durch einen Unfall schwer verletzt wurde. Kn Dutzend Aerzte eilten herbei, deren jeder ein anderes Gebrechen konstatierte und zu heilen suchte, der eine wollte die Bewegung der Füsse, der!Andere die der Hände heben, der dritte die Sehkraft des und auch das Wilnaer Gebiet. Die zwei letzteren Gruppen führen aber, gemäss ihrer historischen Entwicklung, ein ziemlich autonomes Leben. Die polnische Landesorganisation umfasst 600 Orts- und 150 Jugendgruppen mit rund 100.000 organisierten M i t g 1 i e d e r n, die ihre Jahresbeiträge pünktlich zahlen. Die Aktionssphäre der Aguda umschliesst aber noch weitere 400.000 sogenannte Sy m p athiker, die ohne feste organisatorische Angliederung, an allen Aktionen der Aguda sich beteiligen und der Bewegung sympathisch gegenüberstehen. Besonders stolz ist die polnische Landes- Organisation auf ihre jüngstes Glied; dies ist die unter dem Namen ״Poale Emunel Jisroel“ bekannte A rb eitergrupp e, die bisher schon in den verschiedenen Industriezentren Polens 25 Ortsgruppen zählt. Im Ramen der Landesorganisation besteht eine besondere ״Beth Jakob“ benannte Fraueno r g a n i s a t i 0 n, die ebenfalls mehrere Ortsgruppen besitzt. Die verschiedenen Ortsgruppen werden nicht nur durch das Parteiorgan ״Der Jud“ über die Vorgänge innerhalb der Aguda informiert, sie werden auch ziemlich häufig von Propagandarednern besucht und zur eifrigen Agudatätigkeit angefacht Presse. Die polnische Landesorganisation gibt eine Tageszeitung heraus, unter dem Namen ״Der Jud״ .״Der Jud“ hat sich vor vier Jahren als Wochenblatt eine geachtete Stellung errungen. Mit der Entwicklung der Organisation entwickelte sich auch ״Der Jud" zu einer Tageszeitung. Er nimmt dank seines gediegenen Inhaltes eine geachtete Stellung in der jüdischen Presse ein. Da die polnische Landesorganisation die einflussreichste und die grösste unter allen Landesörganisationen ist, gewinnt auch ihr Organ ״Der Jud“ eine immer grössere Bedeutung, die weit über den Rahmen der polnischen Landesorganisation hinaus die ganze Agudabewegung beeinflusst. Die ־Jugendgruppen der polnischen Landesorganisation geben eine hebräische Monatsschritt unter dem Namen ״Diglenu“ heraus mit gediegenem literarischen Inhalt. Das Organ der ״Poale Emune Jisroel״ ist ״Der jüdische Arbeite r". Unter dem Namen ״Orthodoxische Blättlech“ erscheint in Lodz, in jüdischer und polnischer Sprache eine agudistische Monatsschrift im Verlag ״Segulo". Dieser Verlag hat sich zur Aufgäbe gemacht, orthodoxe Werke zu verlegen und zu verbreiten. Erziehung. Den breitesten Raum in der Tätigkeit der polnischen Landesorganisation nahm das Erziehungswesen ein. Diese Arbeiten bewegten sich in drei Richtungen. I. Durch Weckung des jüdischen Empfindens und durch Propaganda für eine Erziehung im Geiste der Thora. II. Durch Mitarbeit in der Leitung der bereits bestehenden Thoralehranstalten und durch ihre finanzielle Unterstützung. III. Durch Gründung neuer Anstalten. Auges steigern. Ein Meister der Heilkunde aber, der dazukam, sagte: Was sollen die Teilheilungen, das Herz ist krank. Sorgen wir, dass das Herz gesundet, so wird von ihm aus allen Organen Kraft zufliessen. Das Herz, die Seele unseres Lebens ist die Thora und es ist müssig, sich hie und da init Tcilhcihmgcn, Teillösungen abzugeben, solange es mit dem דופק dem Lebensinpuls des Volkes, dem Thorastudium, nicht am besten bestellt ist. Der עץ חיים war בתוך חגן in die Mitte, des Gartens gestellt, damit man von allen Seiten gleich bequem zu ihm gelangen konnte. Heute noch muss unser Lobensbaum im Mittelpunkte, im Zentrum unseres Tuns und Wollens stellen. Die Thora wirksamer als jedes andere Medikament. Einst wurde einem Schwerkranken von einem sehr berühmten Professor eine ebenso teure, wie bittere Medizin verschrieben. Der Patient suchte den Professor mit der Meldung auf, dass er diese Medizin nicht nehmen könn'e. Er würde aber gerne den Preis doppelt bezahlen und ein Anderer solle die Medizin nehmen. Der Professor musste dem Patienten mitteilen, dass auf diese Art keine Heilung für ihn zu erwarten sei. Bei der Thora ist es anders. Wenn man dazu hilft, dass Andere diese kostbare Medizin nehmen können, so bringt dieses wunderbare Heilmittel die Genesung auch für jene, die bloss die Kosten tragen, aber nicht allein die Medizin nehmen können. Die Thora mehr als die Summe aller Mlzwoth Die Mfzwoh ist die Lampe. Die Thora ist das Licht. Selbst wenn 613 Kerzen Licht und Helle verbreiten, sie verbleichen alle, wenn die Sonne — die Thora — erscheint. Die Thora auf der Suche nach Heimstätten. Der Wilnaer Gaon wurde einst von seinen Schülern gefragt, wie es thoraiose Jaden überhaupt geben könne, I. Die Landesorganisation hat ihre Arbeit fü! die jüdische Erziehung der Jugend nach zwei Rieh■ tungen geführt. 1. Bei der Regierung, die eine allgemeine Schulpflicht eingeführt hat, wurde durchgesetzt, dass die Chadorim unter entsprechenden Bedingungen als öffentliche Schulen anerkannt wurden. 2. Nach Innen wurde ein Abwehrkampf gegen jene Richtungen geführt, welche die alte jüdische Schule in ihrem Wesen reformieren möchten. II. 240 Talmud Thoraschulen stehen heute in Polen unter einer Leitung, deren aktivste Mitglieder der Agudas Jisroel angehören. Die Schülerzahl dieser Anstalten beläuft sich auf 45.000. J eschiwos, die ausschliesslich in dem alten Geis' und nach der alten Methode geführt werden, gib* es 75 mit 10.000 Bachurim. III. Eigene Lehranstalten unter dem Namen ״Jessode Hathora" gründete Agudas Jisroel 140 mit 25.000 Zöglingen. Ferner wurden für die schulentwachsene Jugend, für Arbeiter und An• gestellte 40 Abendkurse organisiert mit 400G festen Besuchern. Für die Mädchenerziehung wurden 20 Schulen unter dem Namen ״Beth Jakob" gegründet mit 5000 Schülerinnen. Ferner wurde ir? Krakau versuchsweise eine Handwerkerschule für Mädchen gegründet, die 150 Besucherinnen zählt Für Erhaltung dieser Schulen entfaltet die polnische Landesorganisation eine ständige Propaganda und Sammeltätigkeit. Chlsuk Hcdass. Mit grosser Energie widmet sich die Landes» Organisation der wichtigen Aufgabe, die Uebelstände auf dem religiösen Gebiete des öffentlichen Lebens abzustelien und zur Stärkung der religiösen Gefühle beizutragen. Im Jahre 5679 hat die Leitung der Landesorganisation für den 20ten Siwan einen Fasttag verordnet, als Demonstration gegen die Pogrome. Diese Demonstration war eine imposante Kundgebung der polnischen Judenheit gegeln ci: barbarischen Gewaltakte gegen das jüdische Volk. Es wurden ferner Gruppen gegründet für Hei i ghaltung des Sabbats und der Reinheit der Familie. Der Rabbinische Rat hat vielfach in öffentlichen Kundgebungen auf Misstände auf dem Gebiet des öffentlichen Lebens aufmerksam gemacht durchaus mit durchschlagendem Erfolg. Die soziale Fürsorge. Von den verschiedenen grossen Wohlfahrts״ aktionen sind folgende zwei hervorzuheben. Im Jahre 5679 zugunsten der Pogromopfer. Es wurde damals über eine halbe Million Mark gesammelt. Im Jahre 5682 wurde eine grosse Aktion zugunsten der russischen Hungernden eingeleitet. Es wurden 275 Millionen Mark gesammelt, 2770 Speisepakete, 28 Kisten Kleider und 1454 Dollar im Baren nach Russland geschickt, abgesehen von der Unterstützung,' die man den russischen Flüchtlingen in Polen selbst in der Höhe von 1400 Dollar, 50 Kisten Kleider, die hauptsächlich aus Frankfurt a. M. und Zürich kamen. nachdem wir doch Abkömmlinge so grosser Väter sind und ein talmudischer Grundsatz lautet: חתוה־ן מחזרת על אבסני׳ שללו• Der Gaon antwortete ungefähr: Wenn jemand um die Mitternacht an einen Gasthof׳, pocht, aber keinen Einlass findet, so nützt es nichts, sich darauf zu berufen, dass man schon immer hier eingekehrt sei, dass schon die Väter und Vaters Väter hier ihr Domizil gefunden hätten. Deffnen sich die Tore nicht, so wird man sich wohl am besten eine andere Unterkunft suchen. Die Thora sucht ihre Herberge. Wenn ihr aber diese verweigert wird, was bliebe ihr anderes übrig, als ihren Wohnsitz anderswo aufzuschlagen? So wandert die Thora von dahin dorthin. Nun suchen wir sie alle, jung und alt, Ost und West, und sie wird ihr altes Domizil wieder aufsuchen. Unsere Aufgabe. Im Himmelreiche, sagte der Talmud, ergehe es ähnlich wie in der Organisation des irdischen Staates. In der Hauptstadt wird der König von seinen ersten Ministern begleitet, in der Provinz von den Beamten niederen Grades, kommt er ins Dorf, so ist es Aufgabe des letzten Polizisten über ihn zu wachen. Früher waren es die Führer, die Grössten, die über G-ttes Herrlichkeit zu wachen hatten, Moses und Josua, später war es Aufgabe der Grossen minderen Ranges, der Neviim, Tanaim usw. usw., G-ttes Ehre zu wahren. Wenn wir in unserer Zeit auch nicht diese Grossen haben, so dürfen wir uns doch nicht der Pflicht entziehen, gleich jen'em Dorfpolizisten die Ehre G-ttes zu verbreiten. G-ttes Herrlichkeit zeht durch unseren Bezirk. Und auf diesem Platze sind wir die Verantwortliehen, ohne uns einbilden zu wollen, an jene Grossen heranzureiahen. Die Kenesslo hat den Willen Tausender aus allen Ländern zur Thora gezeigt, wir suchen G-tt und E; wird uns nahe sein. ן^^^ו1^vvv,<ןו•^1י«וA«י«<v^V¥VV¥vvwv^vwy¥v«חו^וvז^חרr,v^דורrד«דY^^ו*רו^ז^^^**וA*^ו<* Perücken aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Rudolf SCHIFF Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstrasse 8 (nächst dem Stefansplatz, um die Ecke)

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