Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-09-07 · 36-37 (7.9.1923) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
36-37 (7.9.1923)
Date
1923-09-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630036--1144-2632864
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 36/37 JÜDISCHE PRESSE Seite 297 Neuschöpfungen der Perückenu. Scheitel- Kunstwerkstätte Othmar Schiff, Wien, I. Kärntnerring Nr. 6 (gegenüber dem Hotel Bristol) V.. '• ’ ife I^IRÄ SS / / >4/TREf<lJT־.Z. A/Yretnit^ T«,c:Nnr'21m₪m liÜ׳ *wx,'S& ג' י׳/^ i*s A7TRENIT2- N)TZjg#t■ ״l .V'","'* •t* ,<3 \\ytv; Ap nwiirrat» &SL3S iiö?mix rs#8-׳ Wenn die frommen jüdischen Bräute sich heute leichten, ja geradezu freudigen Herzens entschlossen, sich ihr eigenes Haar abschneiden zu lassen, so verdanken wir dies nicht zum geringen Teile der Kirnstierschaft des berühmten Wiener Perückenmachers Othmar Schiff,.der für das eigene Haar nicht nur vollwertigen Ersatz schafft, sondern dieses durch seine Meisterschöpfimgen in den meisten Fällen sogar noch übertrifft. Othmar Schiff, der am 29. Juni d. J. sein dreissigjähriges Jubiläum als Perückenmacher vielgeehrt gefeiert hat, ^rauchen wir wohl! nicht erst unseren geschätzten Leserinnen vorzustellen. Die bekanntesten Namen der Damen der jüdisch-orthodoxen Kreise buchstäblich aller Länder und Weltteile gehören ja bereits seit Jahren zu seinen treuesten Kunden. Er, der von Pike auf Perückenmacher ist, betrachtet die Perücke vom Standpunkte der Individualität. Er arbeitet wie ein Bildh a u e r und gibt jedem Gesichte nur die speziell dazu passende Perücke. Erinnern wir uns nur an die ׳unförmigen, verunstaltenden Scheitel, die noch vor ungefähr zwanzig Jahren gang und gäbe waren, und vergleichen wir mit ihnen die entzückenden Perüakenfrisuren Othmar Schiffs, die von zahlreichen Frauen unserer Kreise jetzt getragen werden. Sein Künstlerauge haben die schablonenhaften plumpen Scheitel gestört, und er hat es sich zum Ziele gesetzt, bei jedem Brautscheitel die Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nachzumachen. Kein Wunder, dass die Damen aus jüdisch-orthodoxen Kreisen sich mit vollem Vertrauen an ihn wenden und ihn bei allen Angelegenheiten der Frisur zu Rate ziehen. Ueberhaupt ist es höchst interessant, den grossen Geschäftsbetrieb bei Othmar Schiff zu beobachten. Ein ansehnlicher Stab von Mädchen und Gehilfen ist hier^eifrig beschäftigt und alle blicken sie mit’ wahrer Verehrung zu ihrem von echt menschlichem Wohlwollen beseelten Meister empor. Und trotz der zahlreichen Aufträge verlässt ohne Ausnahme keine Arbeit die Werkstatt, ohne die Künstlerhand Othmar Schiffs passiert zu haben. Aber ungeachtet seiner sorgfältigen Arbeit und vollendeten Künstlerschaft hat er es dennoch wiederholt bewiesen, dass er Damen gegenüber, die finanziell nicht in entsprechender Lage waren, im Preise entgegengekommen ist. Die vorstehenden Modelle sind nur ein kleiner Teil seiner Schöpfungen auf dem Gebiete der Perückenmode. Um alle seine Modelle zu bringen, wäre ein ganzes Buch notwendig. Othmar Schiff, der geniale Perückenmacher, ist, obgleich er mit den in jeder Hinsicht erzielten Erfolgen vollauf zufrieden sein könnte, dennoch rastlos im Arbeiten und Vorwärtsstreben, und fortwährend bemüht, Neues zu schaffen. So trifft er gerade jetzt auch Vorbereitungen zu einer Studienreise nach Paris, welche dem Perückenfache gewidmet sein wird. (Entgeltlich.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.