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Jüdische Presse · 1923-09-07 · 36-37 (7.9.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
36-37 (7.9.1923)
Date
1923-09-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 36/37 JÜDISCHE PRESSE Seite 293 Redner aufgezählt (wobei bemerkt wurde, dass einige Redner zu lange sprachen) und die üblichen Phrasen über die Schädlichkeit der ״Trennungsorthodoxie“ verzapft. Das Begrüssungsschreiben des Bundeskanzlers wurde zugleich mit den Kommillitonen vom ״Abend“ und der ״Arbeiter- Zeitung“ als ״Wahlmanöver“ dargestellt, wobei jedoch die zionistische Zeitung einen taktischen Fehler beging, indem sie bn Rausche der Berichterstattung vergass, dass die Wahlen bevorstehen und man doch selbst vielleicht zu ״Wahlmanövern“ Zuflucht ergreifen müssen wird. Die Tatsache, dass zweimal von der Tribüne der Kenessto Gedaulo dieses Treiben zurechtgewiesen wurde, beleuchtet am besten den tiefen Stand der zionistischen Berichterstattung. Die Wiener Presse brachte, mit Ausnahme der früher erwähnten Zeitungen, täglich ausführliche sachliche Berichte über die Tagung. Längere Artikel brachten die ״Neue Freie Presse“, ״Neues Wiener Journal“, ״Reichspost“, ״Neues Wiene Tagblatt“, ״Die Stunde“ usw. Es ist selbstverständlich hier nicht möglich, auf die Einzelheiten einzugehen. Im allgemeinen kann jedoch festgestellt werden, dass der Kongress der jüdischen Orthodoxie von der Wiener Presse freundlichst aufgenommen wurde und dass das bekundete Interesse ein Beweis dafür ist, dass auch bei den anderen Verständnis und Anerkennung für die Bestrebungen der jüdischen Orthodoxie vorhanden ist. ka. (Wegen Raumangel bringen wir den B׳ericht über die Auslandspresse in unserer nächsten Nummer.) SensatioBieSle Umwälzung in der dauergewellten Perücken- und ScheiteBmode durch die Neuschaffungen der Firma , I., Kärntnarring 6 (gegenüber dem Hotel Bristol) welche den Damen kostenlos :: vorgeführt werden :: En gros En detail Die grösste internationale. Kunstwerkstätte für Perücken, Scheitel und Transformationen Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialist in Braut-Scheiteln. Diese werden der Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacht. Um vor Irreführung zu schützen, bitte den Vornamen Othmar und die Adresse genau zu beachten I Schul- und Erziehungsfragen. Fortschritt war die Fanfare, die alles Alte wie die Mauern von Jericho niederstürzte und dem abgelaufenen Halbjahrhundert seine Prägung gab. Der Fortschritt beherrschte Gemeinde und Gemeinschaft, Schule und Haus. Und alle die, die am Alten hingen, der Uebcrlieferung Treue und Anhänglichkeit bewahrten, wurden als unzeitgemässe Rückschrittler gescholten und versohrieen. Es gab im Judentume so viele Schattierungen, bis es allmählich ganz farblos wurde. Die einen sahen in der Assimilierung das Heil, die anderen im Bekenntnis zur blauweissen, nationalen Fahne. Die Religion und infolgedessen auch der Religionsunterricht, war nur die Reliquie, der mehr Altertumswert wie Gegenwartswert beigemessen wurde. — Die öffentliche Schule und d!er staatliche Schulzwang verbannte die Religion ins Familienhaus. Nichts verband Schule und Haus. Statt harmonischer Ergänzung fühlte die empfängliche Kinderseele die Kluft zwischen Schule und Haus, die zu überbrücken kaum versucht wurde. Erst diesle traurigen Erfahrungen, die manchen Krankheitskeim in die gesunde Kinderseele verpflanzte, erzwangen sich die Aufmerksamkeit auf die konfessionelle Schule, die das ernste Gebot der Stunde bleibt. Wir werben nicht mit Versprechungen und neuen Programmen, nicht ■mit Zusagen an die neue Zeit und neuen Richtungen, sondern wir bekennen uns zur orthodoxen Schule, die modern sein darf in Unterrichtsmethoden und hygienischen Einrichtungen, die aber nur ein Ziel kennt, Volljuden heramzuziehen, erhaben über Raum, Zeit und relativen Begriffen. Das Erziehungs- Problem ist zu schwer geworden, als dass es jeder allein erfassen und lösen konnte. Der Aufbau und der Ausbau des Schulwerkes ist Aufgabe der orthodoxen Gesamtheit. Es ist die bedeutungsvollste Gegenwartsaufgabe, gegen die stolze, verklärte Vergangenheit für eine bewusste, glaubensstarke Zukunft. Der festgefügte Unterbau ist befeits gelegt. Die fiinfklassLge Volksschule f ü r K n a b e n an der T. T. in Wien ist bereits reorganisiert und der Lehrplan so gegliedert, dass den Mittel- Punkt das Thorastudilim bildet, um das sich die profanen Fächer gruppieren. Schon in diesen ersten fünf Jahren wird ein Stoff in den jüdischen Fächern bewältigt, der es ermöglicht, dass zum Unterschied von den öffentliehen Schulen, wo die Schüler noch kaum fehlerfrei ׳hebräisch lesen können, unsere Schüler schon in den Talmud eingeführt werden. Auch die Bürgerschule, die nach dem österreichischen Unterrichtsplane, in drei Klassen gegliedert ist, hat die Unterrichtsstunden so eingeteilt, dass das Hauptfach — das Talmudstudium — genügend gepflegt werden kann, ohne die profanen Gegenstände zu vernachlässigen: So wirkt die Schule auch in der Weise erzieherisch, dass dem jungen. Juden gezeigt wird, dass bei voller Wahrung des RfcligSonsgesetzes auch, den Gesetzen des Staates vollauf Rechnung getragen werden kann. Dieses Erziehungsprogramm Mässt sich zusammenfassen, dass die Frequentanten unserer Schule mit den Gaben des Geistes und Herzens ausgestattet wterden, um sich Gott und den Nebenmenschen־ nützlich und angenehm zu machen. Welche Wege auch immer dann der sohulentwachsene Jüngling einsohlägen mag, ob ins Lehrhaus oder ins Berufsleben, er wird ausgerüstet stein mit allen Waffen, um Sieger zu bleiben im Kampfe des Daseins und der Meinungen. Die Erfüllung dieses feststehenden Zieles wird vom Vorstand der T. T. mit allter Macht angestrebt und auch der gesamte Lehrkörper hält dieses hochgesteckte Ziel unentwegt im Auge. Um es zu erreichen, bedarf es jedoch der Mitarbeit aller derer, die gewillt sind, opferfreudig einzugreifen, um diesem Schulwerk die Bedeutung zu geben, das es in seinem eifervollen Streben zu fordlern berechtigt erscheint. Es wäre jedoch nur halbe Arbeit getan, wenn wtr nur der Knabenerziehung Beachtung schenken wollten. Von zumindest gleicher Wichtigkeit erscheint uns die jüdische Mädchenerziehung, ein Gebiet, welches bisher fast ganz unbeachtet blieb. — Die jüdische Volksschule für Mädchen ist der erste erfolgversprechende Weg: zur Beseitigung eiher Lücke, die in orthodoxen Kreisen schon lange schmerzlich empfunden wurde. — Der Vorstand der T. T. hat den Versuch gewagt und die rege Beteiligung zeigt, dass mächtiger als die Propaganda des Wortes, die Propaganda der Tat wirkt. Dfe führenden Frauen der Wiener orthodoxen Gemeinde, haben sich zusammengeschlossen, um diesem neuen Unternehmen mit Rat und Tat beizustchen. Die fünfklassige Mädchen- Volksschule darf als eine Errungenschaft der bewussten und ge'einigten Wiener Orthodoxie gelten, die umso höher anzuschlaigen ist, weil trotz der Ungunst der Verhältnisse die Schule zu einem Zeitpunkte erweitert werden konnte, wo andere langjährige Privatschulen schliessen mussten, weil die Mitt'el aus den Kreisen der Elternschaft nicht aufgebracht wurden. Auch dies bedeutet erst den Anfang unseres Schulprogrammes für Mädchen. Der festeste Grundstein wird gelockert, wenn sich nicht das ganze Gebäude d'er Welt- und Lebensanschauung darauf aufbaut. — Nicht geiehrte Frauen heranzuziehen, die um Gleichbereohtigung streben, ist unsere Absicht, sondern Frauen, bei denen sich zum Glauben auch das Wissen gesellt. Die wissende Jüdin wird auch die bewusste Jüdin sein, die nur dann das Gebet ihrer Lippen zum Gebet ihres Herzens erheben kann, wenn sie den Geist und Inhalt erfasst und versteht. — So darf unser junges Schulwerk stolz und dankbar auf das abgelaufen'e Schulwerk zuriiokblicken. Wir sind vorwärtsgekommen auf dem Weg, den wir gehen müssen. 'Es ist ein Leidensweg über die Abgründe der niederdriiekenden Zeit, doch er wird verschönt durch die Blumen, die uns am Wege blühen, durch anspornend'e Förderung und durch weiteren Erfolg. Unsere Arbeit gilt ja dem Menschenfrühling. Mögen diese uns anvertrauten Sprösslinge heranreifen zur Ehre unseres Glaubens und Volkes. Habet Dank, Pfadfinder und Weggenossen für Saat und Ernte. (Aus dem Luach der Talmud Thora.) Pie schönstes Geschenke kaufen Sie in der Kunstu. Antiquitätenhandlung Adele Hi1*scl11e1״j Wien, I., Fleischmarkt 18 senswert, jedoch darf dieser Prozess nicht die gewaltsame Vernichtung der inneren Gliederung bedeuten. Diese Gliederung ist ja nicht willkürlich. Sie ist auf der historischen Entwicklung und auf Prinzipien aufgebaut, die man nicht verwischen kann. Die Verkennung dieser Tatsache hat auch innerhalb der thoratreuen Judenheit Kämpfe gebracht, die zumindest die Zersplitterung ihrer Kräfte •verursacht hat. Immerhin hat dieser Kampf dazu beigetragen, dass die rechtsstehende Orthodoxie, unter der Fahne von Agudas Jisroel organisiert, politischen Einfluss im öffentlichen Leben gewann und durch praktische Leistungen •auf allen Gebieten des Lebens Achtung auch vor dem Gegner errang. In Z e n t r a 1 e u r 0 p a hat die deutsche Judenheit in diesem Jahre am härtesten gelitten. Durch die völlige Entwertung der deutschen Mark sind alle Gcmeindeinstitutionen ins Wanken geraten. Rabbiner, Lehrer und Gemeindeangestellte, diese für eine thoratreue Gemeinde unentbehrliche Organe, hungern oder ergreifen die Flucht in einen besseren •Beruf. In der Slowakei war wohl die wirtschaftliche Lage sehr drückend, doch hat die Orthodoxie durch Zusammenschluss der slowakischen orthodoxen Gemeinden mit jenen von Russinsko in einer Organisation, wesentlich zur Stärkung der thoratreuen Judenheit beigetragen. In Rumänien hat die innere Konsolidierung wenig Fortschritte gemacht. Das Schicksal der jüdischen Schulen ist noch immer ungeklärt. Die Einführung der allgemeinen Sonntagsruhe, hat den sabbathhaltenden Juden viel Schwierigkeiten bereitet. Als Führer der thoratreuen Judenheit kämpft Oberrabbiner Zirelsohn (Kischinew) im rumänischen •Parlament mit Löwenmut für die Rechte der Juden. Seinem politischen Takt und seiner unermüdlichen Energie sind manche Erfolge beschieden worden. Er steht in innigem Kontakt mit den Führern der transylvanischen Orthodoxie. Hoffentlich wird diese Zusammenarbeit für dfe thoratreue Judenheit gute Früchte bringen. In Ungarn hat sich die Zentralverwaltung der orthodoxen Gemeinden nach zehn Jahren neu konstituiert. Die Energie der ungarischen Orthodoxie zeigte sich hauptsächlich in der Förderung der allberühmten Thoralehranstalten. Zuletzt, aber nicht als Letztes, erwähnen wir in den Reihen der Länder Oesterreich. Trotz der Wirtschaftskrise, die als natürliche Folge der Sanierung die Barmittel sehr knapp werten Hess, haben die Institutionen der thoratreuen Judenheit ein kraftvolles Leben gezeigt. Die grossen Wohlfahrtswerke der Aguda wie ״die jüdischen Werkstätten“ und die verschiedenen Waisenanstalten, das Blinden- und Taubstummeninstitut haben ihre s'egensreiche Tätigkeit in diesem Jahre noch gesteigert. •Die Thoralehranstalten sind ausgebaut und in einem neuen Organ unter dem Namen ״thoratreuer Erziehungsrat“ zusammengefasst worden. Diese intensive und erfolgreiche Arbeit der österreichischen und speziell der Wieder thoratreuen Judenheit, hat ihre Krönung in der Kenessio Gedaulo erfahren, in der grossen Ver- Sammlung der Weltorganisation Agudas Jisroel, die aus allen Weltteilen die Führer der thoratreuen Judenheit nach Wien gebracht hat. Männer wie der Chofez Chaim, wie der Czortkower, Qerer, Sokolower, Ponjawischer, Kischinewer, Frankfurter und Koretzer Rabbiner, um nur einig'e aus dem hervorragendem Kreis der Rabbiner zu nennen, haben mit den bewährten weltlichen Führern der Orthodoxie aus allen Ländern, vom 4. bis 12. El ul über die Probleme sich ausgesprochen, dfe das thoratreue Judentum beschäftigen. Dieses Ereignis am Schlüsse des Jahres 5683 wird für die Zukunft sicherlich segensreiche Früchte bringen und das Jahr 5683 für ein bedeutsames in der jüdischen Geschichte machen. P. Rabbi Akiba Eger. (Fortsetzung.) Märkisch-Friedland in Westpreussen ist heute eine kleine, etwa 40 Mitglieder zählende Gemeinde, war zu jener Zeit eine ansehnliche 700 Seelen umfassende Gemeinde. Ihren höchsten Aufschwung während der ein Vierteljahrhundert umspannenden Amtswirksamkeit Rabbi Akiba Egers. Elf Rabbiner, darunter wegen ihrer Gelehrsamkeit anerkannte hervorragende Männer, hatten sich um die wahrlieh nur dürftig dotierte Stelle beworben. Die Wahl fiel auf Rabbiner Akiba Eger. Sein Monatsgehalt betrug 10 Taler; ausserdem war ihm eine freie Amtswohnung und Beleuchtung, nebst den üblichen bescheidenen Emolumenten zugesichert, also ein Einkommen, das für einen. Familienvater, der vier kleine Kinder zu erhalten hatte, wohl kümmerlich genannt werden muss. Die Gemeinde bewilligte ihrem Rabbiner auch die Führung einer Jeschiba von — vier Bachurim, denen für den. Bedarfsfall auch Freitische zugesichert wurden. Aber nicht lange dauerte es und Märkisch-Friedland, das bis dahin in der talmudisch gelehrten Welt kaum gekannt war, wurde durch die Geistesgrösse ihres Rabbiners, dessen Ruf allmählich begabte Schüler selbst aus weiter Ferne herbeilockte, ein vielgenannter, berühmter Sitz der Thorakennlnis. Wenn auch nicht an Zahl der Jünger, so doch, was Achtung und Bedeutung anbelangt, wurde die Jeschiba Rabbi Akiba Egers mit der altberühmten Jeschiba des gefeierten Rabbiner Ezechiel Landau verglichen. Viele seiner Schüler, die sich an der Lehrmethode Rabbi Akibas herangebildet, als hervorragende Talmudisten den Ruhm ihres Meisters in die Welt hinaustrugen, haben später in wertvollen Werken die jüdische Literatur bereichert und wurden selbst Autoritäten auf talmudischem Gebiete. Rabbiner Akiba Eger war ein noch Verhältnismässig sehr jünger Mann, als schon angesehene Rabbiner grosser Gemeinden Deutschlands, Oesterreichs, Polens, Russlands sich in schwierigen Fragen an ihn um Rat und Entscheidung wandten. Ja selbst berühmte Rabbiner, die in Studium des nahm sie, dank verschiedenen günstigen Umständen, rüTLTLruvuvv\r>rf13xrLriArxnr1)^^*nrT*1-*^^;k-*‘^n‘V>r1*1^n‘*־ -i‘‘^^•**^**^***^*** **********.. En gros und Erzeugung l., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Detailvepkaufs-Niederlage: I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaufbewahrung gegen Versicherung Uber dle^Sommernonate Pelzwarenhaus

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