Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- Sonderausgabe 3 (20.8.1923)
- Date
- 1923-08-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«eite 258 JÜDISCHE PRESSE Wenn aber denn so ist, dann kann sich Agudas Jisroel nicht mehr mit einer bescheidenen Vereins- Satzung begnügen, die, nach Kennzeichnung des Zweckes rein verwaltungstechnisch das agudistische Leben regelt, indem sie die einzelnen Lebensfunk- Dionen an bestimmte Organe erteilt; dann bedarf vielmehr Agitdas Jisroel einer Verfassungsurkunde, die lediglich einen kurzen Abriss der agudistischen Willensentstebung und Willens verwirklichung enthält, deren inhaltlicher Schwerpunkt aber darin zu erblicken ist, dass sie Agudas Jisroel in unmittelbarste Beziehung zur jüdischen Gesamtheit bringt und in dem von ihr als wahr erkannten Wesen des jüdischen Volkes, und in dem von ihr als unverriickbar erkannten Ziel des jüdischen Volkes Wesen und Ziel der agudistischen Organisation aulweist und damit allererst die Organisation selber als im Dienste des jüdischen Volkes stehend ein für allemal rechtfertigt. Nicht als Satzung im üblichen Sinne des Wortes, sondern als V e r f a s s u n g s u r k u 11 d e der Agudisten und damit zugleich als Verfassungsurkunde der jüdischen Gesamtheit im Golus, meine Herren, wollen Sie den Ihnen vom Geschäftsaussohuss vorgelegten Entwurf lesen und werten. Das jüdische Volk ist eine unmittelbare Schöpfung G-ttes. Darum steht das jüdische Volk völlig ausserhalb des Rahmens der politischen Völker und ist ihnen wesenungleich. G־tt ist der Souverän des jüdischen Volkes. G־ttes Thora ist das lierrsehende Recht des jüdischen Volkes und G־ttes Land das für alle Zeiten verheissene Land des jüdischen Volkes. G־ttes Schöpfung besteht, solange O-ttes Schöpferwille wirkt. Die Macht der Menschen konnte unseren Staat zertrümmern und das Land uns nehmen, weil es G־tt zuliess. Aber die Macht der Menschen konnte uns als Volk nicht vernichten, weil G־ttes Schöpferwille Vernichtung nicht verhängt hatte. Als das Volk G־ttes, als das Volk der Thora G״ttes leben wir im Golus. Was aber ist das Ziel des jüdischen Volkes im Golus und damit auch das Ziel der G 01 u s 0 r g a n is a t i 0 n des jüdischen Volkes, der agudistischen Organisation? Das jüdische Volk als Gesamtheit hat im Golus kein anderes Ziel, als sich der Beendigung des Golus in den Augen G־ttes würdig zu erweisen. Nicht das Spiel zusammenwirkender politischer Momente, sondem Untreue zu G־tt und G-ttes Thora hat uns das’ Golus gebracht. Und nicht das Spiel Zusammenwirkender Momente, sondern Rückkehr Zu G-tt Und zu G-ttes Thora, Treue zu G־tt und zu G-ttes' Thora kann das Ende des Golus bringen. Nicht mit ״erhöbener Hand“ bringen wir das Ende des Golus, so wenig uns ״erhobene Hand“ den Golus verhängt hat• Uns des Golus Endes würdig zu machen: das allein steht bei uns. Auf dieses Hochziel des Golus lenkt Agudas Jisroel die Augen des jüdischen Volkes. Aus dem aktualisierten Insaugefassen dieses Hochziels will Agudas Jisroel Mut und Kraft in die Herzen des jüdisehen Volkes giessen, Kraft zur Treue, Mut zur Tat, In Sehnsucht nach diesem Hochziel will Agudas Jisroel die Jugend erziehen. Denn wie kann das Ende kommen, wenn sich nicht alle Herzen taglieh, ja stündlich danach sehnen. Dieses aktualisierte Insaugefassen des verheissenen Hochziels verleiht endlich auch Erez Jisroel die richtige Stellung im agudistischen Programm. Denn nicht nur das jüdische Volk ist im Golus, sondern auch das jüdische Land. Nicht nur G-ttes Volk harrt der Erlösung, sondern auch G-ttes Land. Hier kann die Golusorganisation des jüdischen Volkes für die von Gott verheissene Zukunft tätig sein ,ohne zugleich das heilige Land mit in den Mittelpunkt ihrer Bestrebungen zu stellen! ״Die Juden in Golus geistig und physisch zu stützen, das jüdische Volk und das heilige Land auf den Wegen der Thora der von G-tt verheissenen, der einstigen Wiedervereinigung würdig zu machen“, das ist die Golusaufgabe der Agudas Jisroel, denn es ist die Golusaufgabe des jüdisehen Volkes! Meine Herren! Das Wesen des jüdischen Volkes und die Aufgabe des jüdischen Volkes sind die grundlegenden Bestimmungen des ihnen vorgelegten Verfassungsentwurfes; aus beiden Voraus- Setzungen lassen sich alle arideren Vorschläge des Entwurfes, soweit sie nicht rein technischer Art sind und daher am besten in der Kommissionsberatung erörtert werden, geradezu logisch abfolgern. Herrscher von Agudas Jisroel ist, wie im jüdisehen Volke, die Thauroh. Nicht Parteisache ist Thauroh innerhalb des jüdischen Volkes, und auch nicht Parteisache ist sie innerhalb einer neutralen jüdischen Organisation. Das jüdische Volk und daher auch die Organisation des jüdischen Volkes kann der Thauroh gegenüber nicht neutral sein. Nicht geduldet ist die Thauroh in Israel, sondern Herrscher ist sie. Und wo sie nicht herrschen kann, da spricht sie, in ihrer g-ttliclien Majestät .verletzt, das Edikt der Verwerfung aus. Für alle Betätigungen der Agudas Jisroel ist daher die Thora massgebend. Und wer die Verbindlichkeit der Thora für das jüdische Volk nicht anerkennt, zerstört die ausschliesslich durch die Thora konstituierte Einheit des jüdisehen Volkes, und kann daher auch in Agudas Jisroel keine Aufnahme finden. Die Herrscherstellung der Thora gelangt aber zu organisatorisch wirksamem Ausdruck im Rabbintsehen Rat. Die Kenessio Gedaulo, nach den Grundsitzen der Demokratie auf dem Wege allgemeiner, gleicher, direkter und geheimer Wahlen, gebildet, vertritt das thoratreue jüdische Volk, ist selber Symbol der durch die Thora gestifteten Einheit des jüdisehen Volkes. Aber die Kenessio Gedaulo ist nicht souverain, so wenig das jüdische Volk souverain ist. Das jüdische Volk wird von der Thora beherrscht; darum ist der Rabbinische Rat die oberste Autorität der Agudas Jisroel. Er übt keine Willkürherrschaft aus. Aber seine im Namen der Thora erlassenen Ent- Scheidungen sind für die agudistische Organisation bindend. Den Landesorganisationcn stehen für die Angelegenheiten der Länder die Rabbinischen Räte der Landesorganisationen zur Seite. Es ist Sorge getragen, dass im Rahmen der Landesorganisation die b es 0 ndere n Verhältnisse der einzelnen Länder weitgellendste Berücksichtigung finden können- Während die Kenessio Gedaulo regelmässig alle fünf Jahre Zusammentritt, soll in der Zwischenzeit der von der Kenessio Gedaulo gewählte hundertköpfige Zentralrat tunlichst jährlich zur Beratung und Beschlussfassung über wichtige Angelegenheiten einberufen werden. Die Exekutive konzentriert sich im Geschäftsausschuss, dessen Mitglieder an der Kenessio Gedaulo gewählt werden. Er erteilt dem vom Zcntralrat gewählten politischen Exekutivkomitee die 110twendigen Instruktionen zur Führung von Verband- ]Di© dritte Site־o.n.g״- Donnerstag 4. Elul. — Beginn 4 Uhr nachmittag. Nach Eröffnung der Sitzung durch Senator Z i r e I s o h n werden die eingelangten Begrüssungstelegramme und Begrüssungsschreiben vorgelesen, ßegrüssungen sind eingelangt von: Gemeinden in Skin, Kamen! ec — Podolski, Tals, Nürnberg, Delchear, Berlin. Von den Rabbinaten in: Saf et, J erusalem,•Christi ania; Ferner vom Kamerer und Tischnitzer Rebbe. Vom Rabbiner Arensohn in Berlin, Rabbiner Klein in ISew-Vork, Rabbiner Onderwijzer von der Orts-und Jugendgruppe in Breslau und der Litauischen Aguda, von den Chaluzim in Dünaburg. Begrüssungsschreiben sind eingelangt von der französischen Legation in Wien von Bürgermeister Reumann und der Ortsgruppe in London. Das Wort, ergreift Del. S e I z e r zu einer Begrüssung der Kenessio Gedaulo im Namen der Aguda in Amerika. Redner ist sich bewusst der Schwierigkeiten die in Amerika zu bewältigen sind, doch die bereits erzielten Erfolge sind ein Beweis, dass in Amerika vieles zu erreichen ist. Unter den drei Punkten aus denen die Hauptaufgäbe besteht, ist das Problem der Lösung der andauernden apathischen Gleichgiltigkeit der jüdischen Massen in Amerika das schwierigste. Hierauf ergreift, mit stürmischem Beifall begrösst, der greise Rabbiner Perlmutter (Warschau) das Wort. Redner fasst alle Probleme zusammen die die Kenessio Gedaulo zu beraten hat und entwirft ein Bild der Tätigkeit der Agudas Jisroel. Die Ansprache wurde oft durch Beifall unterbrochen. Zu Punkt 5 der Tagesordnung, die Vorlage des Satzungsentwurfes, ergreift das Wort Rechtsanwalt J. Breuer aus Frankfurt a. M. um in einem längerem glänzenden Referate die einzelnen, Punkte der Satzungen zu interpretieren und das Wesen des Satzungsentwurfes zu beleuchten. (Wir bringen das glänzende Refefat, das mit starkem Beifall aufgenommen wurde, an anderer Stelle.) Delegierter Jakob Rosenheim ergreift hierauf das Wort um einige Mitteilungen über die Arbeitsmethode der Kenessio Gedaulo zu machen. Entsprechend der Geschäftsordnung schlägt Redner dem Plenum eine Reihe von Arbeitsorganisationen vor. Die einzelnen Landesorganisationen würden vom Permanenzauschuss von der Bildung dieser Kommissionen verständigt und es wurden von diesen bereits die Mitglieder gewählt. Ebenso hat der geschäftsführende Ausschuss für diese Kommissionen seine Delegierten gewählt, I, Komission für die Grundlegunng der Satzungen. Da ein grosses Plenum nicht die einzelnen Punkte der vorgelegten Satzungen einzeln diskutieren kann, sollen nur gewählte Sprecher der Landesorganisationen in der Generaldebatte das Wort ergreifen. Ferner sollen folgende Kommissionen gebildet werden; 1. Eine aussen pol tisch e Kommission die sich mit den Fragen zu beschäftigen haben wird, die sich an das Projekt der söge- _3. Sonderausgabe lungen mit den politischen Mächten im Interesse der• Gesamtaguda. Er ist an die Beschlüsse des Rabbinlsehen Rates, der Kenessio Gedaulo und des Zentralrates gebunden. Ueber wichtigere Angelegenheiten innerhalb seiner laufenden Tätigkeit hat er sowohl dem Rabbinischen Rat wie auch den Zentralrat regelmassig in Kenntnis zu setzen. Meine Herren! Ich habe versucht, Ihnen den gedanklichen Inhalt des Ihnen vorgelegten Entwurfes möglichst kurz vorzutragen• In technische Einzelheiten werden sie sich gewiss nicht verlieren, dass der Entwurf noch der Abänderung und Ergänzung bedarf, ergibt sich von sich selbst. An der raumhaften Dürftigkeit des Entwurfes werden Sie keinen Anstoss nehmen. Jede eingehendere statutarische Festlegung könnte sich leicht zu einer H e mm u n g der reiferen Entwicklung gestalten. Um eine solche Hemmung zu vermeiden, schlagen wir Ihnen vor, den Entwurf zunächst nur bis zur nächsten Kenessio Gedaulo Gesetzeskraft zu verleihen, i Denn nochmals: Nicht um eine Vereinssatzung handelt es sich hier. Wir wirken und weben an nichts Geringerem, als an dein organisatorischem Kleid für das durch die Thora geeinte G-ttesvolk. In vollendeter organisatorischer Schutzlosigkeit hat das G-ttesvolk, allein durch die Kraft der Thora — wahrlich ein Bild von überwältigender Grösse! — Jahrtausende standgehalten. Entfernen wir von dem G-ttesvolk — wie einst dem Propheten Secliario gezeigt — alle unreinen Gewänder. Geben wir ihm mit reinen Händen ein reines Gewand. Dann wird auch der allmächtige seinem Volke solche Hände geben, unter denen, die annocli stehen• ונתתי לך מהלכים בין העמדים האלה♦ nannten internationationalen Palästinakonferenz an״ knüpfen, ferner mit den Beziehungen der einzelnen Landesorganisationen zu ihrer inneren Staatspolitik soweit diese Landesorganisationen eine Aussprache darüber wünschen. 2. Innenpolitische Kommission, de! eine Reihe von äusserst wichtigen Problemen überwiesen wird die ein Hauptinteresse bilden. Vor allem die Beziehungen der Agudas Isroe! zu an- »deren jüdischen Organisationen,‘ insbesondere zu Misrachi. Diese Kommission wird auch die Gelegenheit haben, die Wünsche der Delegation des amerikanischen Rabinerverbandes entgegenzunehmen und zu beraten. Die innenpolitische Kommission wird weiter die Aufgabe haben, mit verschiedenen Vertretungen von Ländern und Organisationen die der Agudas Isroel nöch nicht angehören, jedoch mit der Aguda sympatisieren, den Anschluss derselben an die Aguda zu vollziehen, beziehungsweise die Vorverhandlungen zu pflegen. Die Palestinazentralen beschlossen im Rahmen dieser Kommission eine Sonderkommission zu bilden, welcher sämtliche innenpolitische Fragen die siel; auf Erez Isroel beziehen, zugewiesen werden, 3. Der Finanzkommission wird zur Aufgäbe gestellt: die Berichte der Vergangenheit 7.11 prüfen und einen Voranschlag aufzustellen, damit endlich eine Finanzgebarung geschaffen werden kann, die jedoch nicht darauf beruht, dass einzelne Menschen ihr Vermögen der Organisation opfern, wogegen die Gesamtheit Weniges beiträgt. Es muss das Prinzip der allgemeinen T r agung allgemeiner Lasten nicht nur zum Gesetz sondern auch zur Wirklichkei-t werden. (Lebhafter Beifall). 4. Die Organ! sations kom mission wird wichtige Fragen der Organisation und P ropaganda, die Verteilung der Kompe• tentienund alle damit in Zusammenhang stehenden weiteren Fragen zu beraten und zu lösen haben. 5. Die Kommission für Thaurö wird gebildet werden, deren wichtige Aufgaben jeder• mann bekannt sind und nicht näher erörtert zu werden brauchen- Da man, wie in jedem Paria* mente, die Arbeit nicht im Plenum, sondern in den Kommissionen absolviert, so wird gebetet! alle Anregungen uud Wünsche für diese besonders wichtige Kommission derselben direkt zu über• weisen. Selbstverständlich werden die Resolutionen und Anträge dieser, sowie jeder anderen Kommis sion dem Plenum vorgelegt werden. , 6. Die Erez-Israel Kommission glie• deti sich in eine Kommission für geistige und religiöse und eine für wirtschaftliche Am• gelegenheiten. Die wichtigen Referate zu dieser Fragen werden in Plenum gehalten werden. 7. Soziale Kommission. 8. Der Wahlprüfungsausschuss. Ausser diesen Kommissionen wurden Vö!* schlage zur Bildung noch einiger gemacht, die dann der Kenessio Gedaulo bekanntgegeben werden Delegierter Eisen mann teilt die Zusammen* setzung. und Sitzort der einzelnen Kommissionen mit, die per Acclamation angenommen werden.