Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-08-17 · Sonderausgabe 2. (17.8.1923) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
Sonderausgabe 2. (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630031--1094-2632831
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

* Seife 292 e) Schechita. Herr Oberrabblner Lewin-Sambor. d) Rellglonsverfolgungen in Russland. Herr Doktor Nathan Birnbaum, Hamburg. 2. Berichte aus einzelnen Lindem. Freitag nachmittags und Sabbath abend« bleibt für die Kommissionssitzungen firel. Sonntag, 7. Elul, vormittags 9 Uhr, 1. Die geistig-religiösen Aufgaben der gesetzestreuen Judenheit in Erez Jlsroel. Referenten Rabbiner Rubin aus Jerusalem und Rabbiner Dr. Moses Auerbach aus Berlin. 2. Die wirtschaftlichen Aufgaben der gesetzesfreuen Judenheit in Erez Jlsroel. Referent Herr J. Chagis aus Jerusalem. 3. Generaldebatte über die Referate. Sonntag, 7. Elnl, nachmittags und abends. Kommissionssitzungen. Montag, 8. Eiul, vormittags 9 Uhr. 1. Bericht der Kommission für Thora und Volkserziehung. 2. Debatte und Beschlussfassung. 3. Bericht der Finanzkommission und der Organisationskommission. 4. Debatte und Beschlussfassung. Dienstag, 9. Elul, vormittags 9 Uhr. 1. Bericht der Erez Jisroel-Kommissionen. a) Innenpolitische Angelegenheiten. b) Geistig-religiöse Angelegenheiten. c) Wirtschaffliche Angelegenheiten. 2. Debatte und Beschlussfassung. Dienstag, 9. Eint, nachmittag« 3 Uhr. 1. Bericht der politischen Kommission. 2. Debatte und Beschlussfassung. Dienstag, 9. Elul, abends 0 Uhr. 1. Bericht der Satzungskommission. 2. Debatte und Beschlussfassung. 3. Wahlen. Mittwooh, 10. Elul, vormittags 10 Uhr. Schluss-Sitzung. Fresse-Empfang. Am Vorabend des Weltkongresses der Agudas Jisroel fand im Kongressgebäude ein Presse-Empfang statt, an dem zahlreiche Vertreter der in- und ausländisehen Presse anwesend waren. Die Information der Presse gehört heute 2su dem selbstverständlichsten Rüstzeug aller Bewegungen und Ideen. Die Presse׳ Ist eine Grossmaoht. In der heutigen Zelt, vielleicht die einzige Grossmacht, die unbestrittene Weltgeltung hat. Ein Presse-Empfang bei der Leitung der Agudas ist aber eine merkwürdige־ und denkwürdige Erscheinung. Agudas Jisroel vertritt die Iiistorisolle Anschauung über das Wesen des jüdischen Volkes. Diese Anschauung ist historisch geworden auch in dem Sinne, dass sie im Widerspruch steht mit der modernen Auffassung über, das Wesen und die Bestimmung eines Volkes. Die moderne Presse, diie trotz ihrer Grossmacbt- Stellung der allgemeinen herrschenden Anschauung der Leser dienen muss, wusste und konnte über das wahre Wesen des jüdischen Volkes wenig oder nichts zu sagen.1 Tatsächlich lebt das jüdische Volk u»gekannt und deshalb so gehasst unter den Völkern trotz des zweijahrtausende langen Zusammenlebens. Herr Jakob Rosenheim, der grosse Theoretiker der Agudaidee hat sich nun mit gutem Erfolg der Aufgabe unterzogen, den Vertretern der Presse über das Wesen der Agudabewegung und über die Haupt- Probleme der Kenessio Aufklärung zu geben. Wir bringen au.s dem klaren und ausführlichen Referate des Herrn Rosenlieim folgenden Auszug: ״Agudas Jisroel“, dte Vercinigung der bewusst auf dem Boden der religiösen Traditionen des Judentums stehenden Juden, verdankt ihre Ent- Stellung dem Zusammenwirken der hervorragendsten, vermöge ihrer Gelehrsamkeit und ihrer sittlichen Eigenschäften allgemein als Führer anerkannten rabbinlsohen Grössen des Ostens mit westeuropäischen orthodoxen Männern aus allen bürgerlichen und akademischen Be« rufskreisen. Die Aufgabe der Organisation ist noch Innen in der durch die auflösenden Tendenzen der neuzeitlichen Kultur notwendig gewördenen systematischen Stärkung des religiösen Glaubens und der religiösen Lebensführung zu erblicken. In ihrer Auffassung des jüdischen Gemeinschaftsbegriffes unterscheidet sich Agudas Jisroel, von denjenigen, die der moderne politische Zionismus vertritt, sowie auch von denjenigen des jüdischen Liberalismus. Wir bejahen durchaus die geschichtlich gegebene unauflösbare,, Schilcksalsgemeinschaft des jüdischen Volkes, das vom Schöpfer des Weltalls durch die Thora zum Träger des G-ttesgedankens geweiht wurde. Aber wir periiorreazteren eben deswegen die von anderer Seite duohgefühte Angleichung dieses spezifisch religiösen Volksbegriffes an die Terminologie und Ideologie der mtematkmalen Politik. Was die praktische Arbeit des Kongresses bejrifft, wird es seine Aufgabe sein, das kulturelle und Wirtschaftliehe Niveau des über die ganze Erde zersplitterten Judentums zu heben. Einen breiten Raum in den Beratungen wird auch die Palästinafrage efnnehmen. Die Organisation hat naturgemäss ein vitales Interesse daran, dass die bedeutungsvolle Renaissance jüdischen Lebens in dem JÜDISCHE PRESSE Lande, das dem religiösen Juden der Inbegriff seiner messianlschen Sehnsucht ist, sich nicht im Geiste eines arreligiösen Europäertums, sondern auf wahrhaft traditionell jüdischer Grundlage vollzieht. Es geschieht zum erstenmal, dass das religiöse Judentum aus sich heraustritt und die politische Tribüne besteigt. Und dieses Hervortreten des historisdien Judentums findet seinen organisatorischen Ausdruck in der ersten ״Kenession Gedaulo“ (grosse Versammlung) der ״Agudas Jisroel“. An ihrer Spitze stehen die aus den verschiedensten Landern nach Wien gekommenen anerkannten Thoragrossen, die, wenn sie auch rednerisch naoh ihrer ganzen Art auf der Tagung Wold nur wenig hervortreten werden, ihr den geistigen Stempel aufdrücken. Genannt sei z, B. der (nach seinem Hauptwerk im Volksmunde ״Chofez Chaim“ genannte), mehr als achtzigjährige Rabbi Jisroel Meier Hakohen aus Radin, der Verfasser einer grossen Zahl moralphilosophischer und ethischer Werke» den man nur als eän ethisches Genie bezeichnen kann, ferner d«r ob seines Scharfsinns, Hilfsbereitschaft und seiner Gelehrsamkeit, weltberühmten Wilnaer Rabbiner Cbaim Grodzenski, der von Millionen Seelen wie heilige verehrten Chassidim Rabbis von Gora-Kalwarya und Czortkow, daneben zahlreiche Rabbinische Berühmtheiten Westeuropas, Amerikas und des Orients. Von den gewählten etwa 900 Delegierten haben 4 42 ihr Erscheinen angemeidet; davon stammt die Mehrzahl — 242 — aus Polen mit seinem Millionen Juden. Deutschland entsendet 45, die Tschecho-Slowakei 21, Rumänien 26 Delegierte, 8 Delegierte kommen aus Palästina, 1 aus Mesopotamien, 1 aus Aegypten, 14 aus Nordamerika — wo die Organisation erst langsam Fuss zu fassen beginnt — 11 aus England, 22 aus Litauen. Ausserdem sind Belgien, Dänemark, Norwegen, Italien, Lettland, Holland, Schweiz, Oesterreich und Ukraine vertreten. Zweite Sitzung- Donnerstag, 10.30 Vormittag. Die Sitzung beginnt mit einer Verspätung von eineinhalb Stunden wegen der Arbeiten zur Behebung der schlechten Akustik im Saale. Präsident Dr. Pinchas Kohn eröffnet die Sitzung lind schreitet zum 1. Punkt der Tagesordnung, der ״Wenn wir heute, nach langem Harren, als gewählte Mandatare der um die Thora sich sammelnden Massen des jüdischen Volkes zu einer wahrhaften Kenessio Gedaulo uns vereinigen, die dem Traum von Jahrzehnten die erste Verwirklichung bringen soll, so ist es natürlich, dass der Blick zurückschweift zu den Tagen von Kattowitz und zu den Männern, die damals die geistigen Mittelpunkte unserer Arbeit bildeten: dem grossen Brisker Raw, Rabbi Chajim S 010 w e i z 1 k, dessen strahlende Sonnenaugen einen verklärenden Schimmer über jene ersten Tage des Sinnens und Beratens werfen, und seinen Freund und Genossen Rabbi Izchak Eisik H a 1 e v y. Wie kein anderer hat dieser Mann, nicht umsonst ein begnadeter Historiker des jüdischen Volkes, aus tiefster Einsicht in den Sfnn der Zeiten die Glut seiner grossen Seele in die Sehnsucht nach dem Erstehen der ״Agudas Jisroel“ gesenkt, wie kein anderer seine ganze Tatkraft der Vollendung des Werkes angelöbt. Der Geist dieser Grossen und all der wackeren Führer und Mitarbeiter, Louis F e i s t s vor allen anderen, die mit uns die ersten Saaten der Aguda gestreut, grüsst uns segnend aus der Welt der Ewigkeit, und ihr Andenken wird uns als stärkendes Vorbild geleiten auf dem Wege zur einstigen Ernte. Aber der Hinblick auf Kattowitz und zugleich auf die Sommertage des Jahres 5674, die der ersten Kenessio Gedaulo geweiht sein sollten, birgt noch tieferen, über das Persönliche weit hinausreichenden Sinn in sich. Gleichwie in den Tagen der ersten iüdisehen Volkswerdung zwischen die Gesetzgebung am Sinai und dem Einzug der Schechina ins Heiligtum das ungeheure Erlebnis des מעשה עגל mit seinem יום חכפורים als ewiges Symbol sinnvollen geschiehtliehen Geschehens eingeschaltet Ist, so Hegt zwischen den tastenden Versuchen von Kattowitz und dem Augenblick, da wir uns nun als Boten der רבבות אלפי ישראל zusammenfinden לקבלת פגי חשכינת die furchtbarste Weltkatastrophe, die Körper und Seele der Menschheit, der Judenheit je erlebt: der grosse Krieg, Es bedürfte Prophetengeistes und Prophetenmundes , um aus dem ungeheuren Geschehen dieser Jahre die Fülle der geistigen und sittlichen Konsequenzen für alles, was Leben heisst, zu ziehen. Tiefer aber als irgend eine Beziehung menschlichen Seins wird die Idee und die Verwirklichung der ״Agudas Jisroel“ von diesem Geschehen berührt. ״Israels Gesamtkörper Im Ablauf der Zeiten wiederzuerbauen, Israels Gesamtkörper, e rfüllt und beherrscht von seiner תורת 1 - , _ 2. Sonderausgab>,] Wahl des Präsidiums der Tagung: Der Permanenzausschuss bringt folgende Liste zum Vorschlag? Präsident: Oberrabbiner Senator Zlrelsohn-Kischine-ff. Das Präsidium: Oberrabbiner Chaim Ojser Grodzenslri-Wilna. Oberrabbiner Mosclieh MordechaiEppsteln-Slobodka. Oberrabbiner Sejmdeputierter Schaplra-Sanok. Oberrabbiner Sejmdeputierter Lewin-Sambor. Rabbiner Katz-Nyitra. Rabbiner Dr. Löwensteln-Zürich. Herr J. J. Thumlm-Wien. Herr N. HoIIfinder-Fraifkfurt. Herr Leo Wrescher-Frankfurt. Sejmdeputierter Kirschbraun-Warschau. Herr Jakob Rosenheim-Frankfurt. Rabbiner Dr. Pinchas Kohn-Wien. Herr J. Meier Lewin-Warschau. Oberrabbiner Horowltz-Jerusalem. Als Schriftführer die Herren: Rabbiner Leo Jung-New York, Gottlieb Goldschmidt-HaÜberstatt, Harry Goodmann-London, Red. Kamlner- Warschau»‘ Rabbiner Rappaport-Czortkow, Red. Ch. J. Eis-Zürich, Tobia Horowltz-Warschau, Rabbiner Blau-Jerusalem. Das vorgeschlagene Präsidium wird per Akklamation gewählt und nimmt PJatz an der Präsidententribüne. Präsident Oberrabbiner Zirelsohn ergreift das Wort und dankt in bewegten Worten für die Wahl und das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Nicht nur eine Ehre sei cs, sondern eine Pflicht. Das Wort ergreift Rabbiner Dr. P. K 011 n, um den Geschäftsbericht der Kenessio Gedaulo zu übergeben. (Wir brachten denselben in unserer Festnummer.) Das Wort ergreift Herr Jacob R 0 s e 11h e i ni zu einem Referate: Agudas Jisroel als Aufgabe und Verwirklichung. (Den genauen Wortlaut bringen wir an anderer Stelle.) Mit dein mit grossem Beifall aufgeiiommenen Referate des Herrn Rosenheim endete die Vormittags- Sitzung. als organisierender Seele“, das habe ich in Kattowitz als den einfachen Inhalt der Aguda-Aufgäbe zu bezeichnen mir erlaubt, und ich möchte glauben, dass an dieser knappen Formel an sich auch heute nichts zu mindern oder hinzuzufügen wäre. Aber wie haben sich die Bedingungen und wie hat sich darum auch die Tragweite der ge- Schichthöhen Aufgabe verändert, die solchergestalt den Inbegriff der Agudas Jisroel-Bewegung bildet. Unter Blut und Tränen hat die. Menschheit und haben wir Juden vor allem das eine gelernt, dass der ganze Inhalt der Weltgeschichte nichts anderes ist, als die Lösung des Problems der wahrhaftigen Menschheit s-0 rganisation. Was scheidet den Organismus, den Typus alles Lebens — mag er nun Einzelzelle eines׳ Pflanzenkörpers, Tier- oder Menschenkörpers, Menschenindividuum unter Menschen, Volk unter Staaten und Völkern, Sonnensystem im Kosmos heissen — was scheidet ihn von der wahllos zusammengewür-; feiten Summe mechanischer Massenteile? Die Gliederung ist es, die Herrschaft der Einheit, des' zum beherrschenden Mittelpunkt sich erhebenden! seelischen Kraftzentrums über die Vielheit der Glieder, von denen ein jedes wiederum Organismus im Kleinen, Herr und Diener zugleich, Einheit und Mannigfaltigkeit ist. Dieser Gedanke, so modern er klingt, er ist ein urjüdischer- Der grosse Organismus des Weltalls, dessen Schöpfer und Mittelpunkt ח״ צבאות, der G-tt der Heerscharen ist, G-tt der zugleich קדוש» absolute Einheit, erhaben über alles Sinnliche und doch חארץ כבודו מלא כל in seiner ganzen Herr« lichkeit sich in der verwirrenden Fülle der Differenziertheit dieser צבאות offenbart, dieser grosse Organismus des Weltalls spiegelt sich in seiner grandiosen, gegensätzlichen Spannung wieder durch die ganze Stufenleiter der natürlichen und geschichtlichen Gebilde hinunter, die den Kosmos erfüllen. Ueberall konstituiert sich aus den sich ergänzenden Weltbegriffen, aus E4 n h e i t und M a n n i gia 11igkeit, höchster Seelenkraft und reichster Weltentfaltun g, aus קדוש und כמד, aus dem zentrierenden ״ אחדh und dem sich entfaltenden כבוד מלטתו der lebendige Organismus des Weltalls, der Menschheit, des Einzelvolkes, des Individuums, und der Inhalt der Weltgeschichte, der Menschheitsgeschichte, der nationalen Geschichte, ja des Einzellebens in seinen 70 Jahren, ist nichts anderes als das Ringen um die rechte Organisation. vv^nnrnri^iv^iv^ 1Pr*,1*r*• rr^i VYYחד^רזרry^דry‘^ wwtrrfy nAi>^Ai־vvvü1yvv¥y11xrv־w0uf10^v Referat für die Kenessio Gedaulo zu Wien, am 4. Elul 5683. Jakob Rosenhclm, Frankfurt am ,Main. »1 r» IM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.