Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- Sonderausgabe 2. (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2S1 | 3. Sonderausgabe. Jüdische presse Sejmöeputierter Oberrabbiner Lewln* 'Satnibor, spricht im Namen der ostgalizischen Landsmannschaft. Die erste Schöpfung des Ewigen war das Licht. Dieser Kraft verdankt jedes Lebewesn sein Dasein. Doch weil das jüdische Volk ein auserwähltes Volk ist, bedarf es des Liehtes eines unsterblichen Ideales. Und dieses ist die!Thora. Wir wollen kernen Kampf, nur soll der friedliehe Ruf nach Schaarung um die Fahne der Thora das gesamte Volk einen. 1 Senator Oberrabbiner Zirelsohn- :K Ische •new begrüsst die Kenessio Gedaulo im 1Namen der rumänischen Landsmannschaft. Oberrabbiner Zirelsohn gibt einen kurzen geschichtlichen Ueberblick über die zwei feindlichen Mächte im geschichtlichen Leben des jüdischen Volkes. Das JEjsch Sara und sein fortwährender Besieger, der j ü d i s c h e G e m e i n s c h a f t s s i n n die ״A g udasM Jisroel“. In unserer Zeit, als es schien, dass der geistige Pöbel die Obermacht über das Volk ge- ,Winnen wird, trat ein grosses Wunder ein und unsere!Gelehrten und Rabbunim bauten die feste Mauer, an [der die Stürme dieser Volksfeinde zerschellen werden. Mosche/ Rabejnu , der das Volk Jisroel schuf, schuf ׳auch die erste Agudas Jisroel. Die Kenessio Gedaulo!der Jetztzeit ist ein Symbo 1 des Sieges der!ewigen Wahrheit über das Ejscli Sara. Das Wort ergreift Rabbiner A r j e K a t z aus Nyitra, um im Namen der t s c h e c 11 o - s 10 w a k isehen Landsmannschaft die Kenessio Gedaulo zu begrüssen und der Höhlung Ausdruck zu geben, dass die Kenessio Gedaulo sämtliche schwebende ■Fragen im Schosse des Judentums lösen wird. Rabbiner Dr. Leo Jung, N e w - Y 0 r k bringt die Grüsse der a m e r i k a n i s c •h e n L a n d s m a n n_ schaft und verliest das Begrüssungstelegramm der!Leitung der amerikanischen Agudas Jisroel. Redner konstatiert mit Genugtuung das Anwachsen der JAgudabewegung in Amerika und hofft, dass die Arbeiten der Kenessio Gedaulo zur weiteren Verbreitung des orthodoxen Gedankens in Amerika vieles beitragen werden. Sejmabgeordneter Dubin aus Riga gedenkt der unterdrückten Brüder in Russland und überbringt;die Grüsse der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Lettland. Delegierter Schiff begrüsst die Kenessio 'Gedaulo im Namen der englischen . Landeso r ganisatlon und übermittelt die Glückwünsche dar Exekutive in London. Delegierter Nassim Nah um, J3agdad, bringt die Grüsse des Judentums in Mesopotam i e il und Jemen. In diesen beiden Ländern hat Mer Gedanke der Agudas Jisroel* festen Fuss gefasst *und die Anhänger der Agudas Jisroel in diesen Län- 'dem erhoffen sich von der Kenessio Gedaulo die Er-;Stärkung des thoratreuen Judentums und der raschen Hilfe für die notleidende Bevölkerung dieser Länder. Im Namen der schweizerischen Landes-!Organisation spricht Delegierter Sternbruch, Basel. Redner erwähnt die grossen philantropischen Leistungen der Agudas Jisroel in der Schweiz, mit 'deren Hilfe auch das Jüdische Hilfswerk in Wien so grosse Erfolge erzielen konnte. Redner erwähnt ferner die Friedensverhandlungen mit den anderen Pariteien, die jedoch zu keinem Resultat führen konnten*!weil bei denselben kein ernster Wille zum Frieden {vorhanden gewesen ist. Redner protestiert gegen die!Verleumdung e n, die über die Agudas Jisroel ausgebreitet werden und sieht in der Kenessio Gedauk> die beste Antwort auf alt diese Insinuationen. Im Namen des Präsidiums teilt Jakob Rosenheim mit, dass infolge der Uebermüdung und damit die praktischen Arbeiten der Kenessio Gedaulo keinen Schaden erleiden, die noch vorgemerkten 21 Redner, die die Begrüssungen verschiedener Institutionen aus Amerika, Polen und Russland übermitteln wollen, in der heutigen Sitzung nicht mehr zu Worte gelangen können. Doch behält sich das Präsidium das Recht yor, bei sich bietenden Gelegenheiten die Vertreter dieser Institutionen dem Plenum vorzustellen. Naohdem Präsident Dr. Pinclias Kohn die Sitzung des Permanentausschusses und des Geschäftsführenden Ausschusses einberuft, wird die Sitzung geschlossen. Die Eröffnungssitzung der ersten Kenessio Ge- «daulo machte auf allen Anwesenden einen gewaltigen Eindruck und wird jedem, der das Glück gehabt hat, sie ■rmtzuerleben, die schönste Erinnerung bleiben. —z. .TALES FABRIK. Telephon 69כ1לית,ים (£א^ףיק 23*1־ Telephon 69-1*23 Knisbacber & Wlndscbauer, 1)1180, 1״ Mrgaste 6 ערצייגט וואלל־ אונד זיידענטליתים Export nach allen Staaten Die Rede des Mitgliedes des Zentralrates Jakob Rosenheim. Verehrte Kenessio Gedaulo! Wir stehen heute vor dem Beginn unserer Arbeit. Wir sind noch ganz eingesponnen in dem Bedürfnis, unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen und der Ueberschwang des Gefühles, der in jüdischen Herzen all zu oft wohnt, mag den Aussenstehenden vielleicht fremdartig erscheinen. Ich habe nun die bescheidene Aufgabe, Ihnen, bevor nach einer Pause die Begrüssungen weitergehen, einen ganz kurzen Ueberblick über die bevorstehende Tagung zu geben. Es wird eine Tagung ernster Arbeit sein. Es gilt, das Werk der Agudas Jisroel zu vervollständigen. Was hier vor Ihnen steht, ist noch nichts Vollendetes, sondern erst ein Anfang. Eine Gruppe von Menschen, die durch die Jahrhunderte, man kann sagen durch die Jahrtausende im Schatten der Geschichte geweilt hat, glaubt, in dieser Zeitenwende hervortreten zu sollen in das Licht der Oeffentllchkeit. Sie glaubt, es den Ideen schuldig zu sein, die sie vertritt, einen organisierten Körper zu schaffen und die geschiehtliehe Mission, die sie in sich zu tragen glaubt, in aller Demut und Bescheidenheit endlich in aller Offenheit vor den Augen der Menschheit zu entfalten. Dazu bedarf es aber eines gewaltigen Er- Ziehungswerkes nach innen. Unsere Grossen, unsere geistigen Führer, in deren Seele eine innerlich tiefe Welt, eine Grösse wohnt um die die ganze Menschheit sie beneiden kann, sind noch nicht gewohnt, auf die Tribüne der Oeffentlickheit zu treten. Aber auch unsere Massen sind noch nicht organisiert. Es gilt also, in einem rührseligen Erziehungswerke die Führer zu erziehen und dann die Massen zu organisieren. Der erste Schritt nun zu die- S’-em Werke ist die Kenessio Gedaulo. Die zweite Aufgabe ist die Arbeit nach Innen, wie der verehrte Vertreter aus Sanok schon vorgetragen hat, die Fürsorge für die Erziehung der Jugend. Dann die Abwehr der auflösenden Kultureinflüsse, die von überallher aus dem Geistesleben der Zeit hineindringen in die jüdische Seele und die doppelt zerstörend wirken, da auch die jüdische Lebensführung gewaltige Opfer wirtschaftlicher, physischer und seelischer Art erfordert. Da gilt nur ein starker Zusammenschluss aller Kräfte in Treue zum G-ttideal. Da nun einmal das jüdische Volk nach dem Willen der Geschichte auf die politische Tribüne gezerrt ist, gilt es, wenn auch nicht ganz nach dem Wunsche all derer, die ihr Leben in der Stille verbringen wollten, auf dem heiligen Boden Palästinas ein neues jüdisches Geseilschaftsieben welcher Art immer zu entfalten. Die Kreise des altüberlieferten Judentums haben ein glühendes Interesse daran, dass sich ein wahrhaft heiliges Leben auf dem Böden Palästinas entfaltet. (Lebhafte Zustimmung). G-tt dienen, G-tt Treue bewahren ist unsere Pflicht in jedem verlorenem Winkel der Erde, aber G-tt höhnen in seinem Heiligtum, O-tt höhnen auf dem Boden, von dem der Menschheit seit Jahrtausenden die Kunde von G-tt erklang, wäre die furchtbare Kata- Strophe, die das Judentum und die Menschheit seit Jahrtausenden hätte treffen können. Der Inhalt unserer Tagung wird daher sein Organisation nach aussen und Organisation nach innen, Volkserziehung im Einzelnen und im Grossen, wirschaftlicjie Fürsorge, damit nicht unter den Bedürfnissen des Wirtschaftslebens das religiöse Leben zugrundegeht und endlich Fürsorge dafür, das auf dem heiligen Boden des heiligen Landes ein heiliges Leben erblühe. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Gebe G-tt der Allmächtige, der die jüdische Gemeinschaft, das jüdische Volk durch Jahrtausende unter bitteren Leiden durch die Schrecken der Zer- Störung durch Blut und Tränen erhalten hat, der es aufrecht erhalten hat, unter Leiden und unter einem Druck, der jeden anderen Menschenkreis den Untergang überliefert haben würde, gebe G-tt der Allmächtige, dass auf dieser Tagung der Sammlung und gemeinschaftlicher Arbeit sein Segen ruhe. Gebe G-tt, dass der Friede bei uns einziehe. Bundeskanzler Seipel begrüsst den Kongress. An den Zentralrat der Agudas Jisroel, Wien. Indem ich für die liebenswürdige Einladung zu der für den 15. d. M. angesetzten Eröffnungs- Sitzung des ersten Kongresses der Agudas Jisroel meinen verbindlichsten Dank sage, bitte ich zur (enntnis nehmen zu wollen, dass ich an diesem Tage noch nicht in Wien sein werde und daher ausserstande bin, dieser Ihrer Einladung Folge zu eisten. ich möchte aber nicht unterlassen, Ihre Vereinigung wenigstens auf dem schriftlichen Wege bestens zu begrüssen und Ihren Verhandlungen einen gedeihlichen Verlauf zu wünschen. In einer Zeit, die den aufbauenden Wert de# Göttesglaubens und der Treue zur angestammter Religion weiten Volkskreisen neuerdings vor Augen geführt hat, begrüsse ich es als katholischer Priester aufrichtig, wenn die Agudas Jisroel, diese Organisation des rein religiös orientierten Teiles der Juaenschaft, sich ihrerseits mit Ueberzeugungstreue für diese ewigen Ideen einsetzt. Ich danke Ihnen auch für die freundlichen Worte, die Sie in Ihrem Einladungsschreiben für das Sanierungswerk Oesterreichs fanden, dessen Regierung sich bewusst ist, den jüdischen Bürgern ihres Landes die von der Verfassung verbürgter Rechte gewahrt zü haben. Gerne pflichte ich Ihren schönen Worten bef, dass das Beispiel Oesterreichs, welches sich aus der Tiefe des Elends schnell zur freudigen, hoffnungsvollen Betätigung seiner Kräfte emporrafft, Krafj und Trost für den Sieg jeder reinen Idee gibt, Kallwang, am 6. August 1923. Gez. Seipel. Die Friedensresolution der Kenessio Gedaulo. Ein überwältigender Moment während de! Eröffnungssitzung der Kenessio Gedaulo trat ein, als Oberrabbiner Dr. Löwenstein-Zürich das Wort ergriff um im Namen des geschäftsführenden Aus- Schusses der Agudas Jisroel, den Gruss der Kenessio Gedaule an den Völkerbund auszusprechen. Die Vertreter des am meisten unterdrückten, geknechteten Volkes streckten den verhetzten, sich gegenseitig zugrunde richtenden Völkern der Welt, die Friedenshand entgegen und richteten den aus dem bewegten Herzen kommenden Willkotnmgruss des Friedens. Die Ansprache Oberrabbiners Dr. Löwenstein wurde mit Begeisterung und Enthusiasmus zur Kenntnis genommen, der sich nach dem Anhören der Resolution, zu einem der schönsten Momente der Eröffnungssitzung gestaltete. Die Friedensresolution hat folgenden Wortlaut; ״In dem geschichtlichen Augenblick, da zum ersten Male seit Beginn des Exils der Judenheit, die gewählten Vertreter der thoratreuen Juden zu ihrer grossen Versammlung (Kenessio Gedaulo) auf den Ruf der Agudas Jisroel aus nahen und fernen Ländern zusammengekommen sind, entbieten sie allen Völkern und Staaten einen Gruss des Friedens und einen Gruss der Versöhnung. Die Kenessio Gedaulo denkt mit tiefem Schmerze der furchtbaren Verwirrungen und Leiden, unter denen die Menschheit zusammenzubrechen droht. Sie erblickt in diesem Leide einen wirksamen Mahnruf der Rückkehr zum Vater der Menschheit, der über alle Nationen in unerschöpflicher Liebe die Hütte seines Friedens spannt. Die Kenessio Gedaulo begrüsst die Organisation des Völkerbundes in der heiligen Hoffnung, dass der Völkerbund Recht und Gerechtigkeit zur Grundlage der Beziehungen der Völker zu einander gestalten wird. Die Kenessio Gedaulo spricht die Erwartung aus, dass im Laufe der Entwicklung, die das Leben der Völker beeinflussenden und bestimmenden religiösen Weltanschauungen innerhalb des Völkerbundes zur Geltung kommen, damit aus dem Völkerbund Versöhnung und Friede erwachse.“ Der Permanenzansschuss. Der Permanenzausschuss konstituierte sich in der Nachtsitzung von 4. EIul. Er besteht aus fölgenden Mitgliedern: Sejmdeputat Oberrabbiner L e w i n (Sambor), Sejmdeputat Oberrabbiner Schapira (Sanok). J. M. Lewin, Senator Mendelsohn die Sejmdeputierten Kirschbraun, Redakteur Kaminer und Senator Minzberg (Warschau), Rosenzweig (Zürich), Schiff (London), Dr. Jung (New York), Katzenellenbogen (Jerusalem), Senator Oberrabbiner Zire 1 son (Kischeneff), Abelman (Benderi), Hirschel (Amsterdam), Rabbiner Lewitan (Christiania), Dr. P, Kohn, Wolf Pappenheim, B. Friedmann, Rabbiner Baumgarten, Hornstein, S. Nüssenbaum (Wien). Jaköb Rosenheim, Dr. J. Breuer, Dr. Ehrmann, Wreschner (Frankfurt) Rabbiner Dr. Auerbach (Halberstadt), Sejmdeputat D ubi n (Riga). _ Tagesordnung. Vom Freitag 5. bis 10. Elul. Freitag, 5. Elul, vormittags 9 Uhr. I. Resolutionen des G. A. zu! Lage der Judenheit in der Diaspora. Einzelreferate hiezu: a) Erziehungswesen und religiöses Leben in Polen. Herr Oberrabbiner Schapira-Sanok. b) Sabbat. Herr Rabbiner Dr. Leojung, New York.