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Jüdische Presse · 1923-08-15 · 33 (15.8.1923) · page 9

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
33 (15.8.1923)
Date
1923-08-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 83 JÜDISCHE PRESSE ר # Die bewährte Taktik. Die ״Wiener Morgenzeitung* hat sich in ihrer Nummer vom 14. August dieses Jahres wiederum in den Dienst jener skrupellosen׳ Gesellschaft gestellt, der keine Waffe zu schlecht ist, wenn sie mit ihnen die orthodoxe Judenheit zu treffen glaubt. Es ist noch״ in allgemeiner Erinnerung, wie die grosse russische Hilfsaktion der Aguda in Polen von ähnliehen Kreisen mit ähnlichen Beschuldigungen verleumdet wurde. Ein unparteiischer Gerichtshof hat selbstvertändlich vollkommene Satisfaktion für die Aguda verschafft. Den Prozess haben doch die Verleumder gewonnen. Ein unparteischer Gerichtshof arbeitet langsam, erst nach Wochen wird der Sachverhalt klargestellt, bis dahin kann die schöne Gesellschaft im Trüben fischen. Tatsächlich haben sie in Polen erreicht, dass die Gebefreudigkeit der Spender unter dem Eindruck dieser verleumderischen, aber mit grosser Aufmachung verbreiteten Nachrichten stark zurückgegangen ist. Nun sehen wir, was die ״Wiener Morgenzeitung“ mit ebenfalls grosser Aufmachung über die Verwendung der amerikanischjüdischen Hilfsgelder in der Slowakei zu berichten weiss. Dr. Heinrich Brody, der Oberrabbiner von Prag, gibt einem Pressevertreter des internationalen News Service in New York ein Interview, in welchem er die Führer der Orthodoxie in der Slowakei, die er seit jeher in der gehässigsten Weise bekämpft, verdächtigt. Es ist nicht unsere Sache, die bewährten Führer der slowakischen Orthodoxie zu verteidigen. Sie werden es sicherlich allein tun, falls sie auf die Verdächtigungen von Oberrabbiner Dr. Heinr. Brody in Prag zu antworten überhaupt für notwendig halten. Wir haben aber heute Gelegenheit gehabt, mit dem Finanzsekretär desAmerikan Zentral Jews Relief Comitee Herrn Morris Engelmann zu sprechen, der von seiner Inspektionsreise in der Slowakei gerade in Wien eingetroffen ist. Herr Engelmann gab unserem Vertreter gegenüber dem Schmerze Ausdruck, dass die Valuta der Moral so weit gesunken ist. Er betrachtet es als Nachwirkung der Kriegspsychose, dass solche Vermutungen und Verdächtigungen, in denen altehrwürdige und weltberühmte Rabbiner besudelt werden, ohne ge-!lügende Unterlagen in der grossen Oeffentlichkeit, ja sogar auf dem Wege der Presse verbreitet werden. Herr Moriss Engelmann ermächtigte unseren Mitarbeiter in seinem Namen nachdrücklichst zu erklären, dass, an der ganzen, sensationell aufgebauschten Meldung, so weit sie die Verwalter des amerikanischen Geldes in 'der Slowakei und der Podkarpatsko Russ betrifft, für die Thoralehranstalten kein Wort wahr ist. Stilles Heldentum. Die erste Kenessio Gedaulo wird sicherlich nicht nur der Ausgangspunkt vieler neuen Aufsahen werden, sie wird auch in die Vergangenheit eine Rückschau halten und der vielen Grossen gedenken, die für das thoratreue Judentum und Agudas Jisroel zur Zeit der grössten Schwierigkeiten des Anfanges, ihre Begeisteriuvg und Arbeitskraft hergegeben liaben und nicht mehr unter den Lebenden weilen. Sic sehen nicht mehr wie die kostbare Saat, die sie nach bester Fähigkeit gepflegt liaben, edle Firiichte ׳trägt. Nebst diesen verstorbenen Pionieren gibt' cs lebendige Bahnbrecher, die in den ersten Jahren voller Begeisterung ihr bestes geistiges und materielles Können in den Dienst der heiligen Sache gestellt liaben. Diese ersten Jahre haben eine furchtbare Anforderimg gestellt an jene, die gewillt waren, ihre Schultern als Tragpfeiler ״des neuen Baues hinzugeben. Viele sind so verbraucht worden und sie stehen heute nicht mehr in der ersten Reihe der Kämpfer. Als müde Zuschauer kommen sie jetzt, um durch den Anblick der ersten Kenessio Gedaulo sich zu vergewissern, dass ihre Arbeit, ihre Anstrengung, ihre Hingabe nicht umsonst war. Fs geschieht ihnen sicherlich Unrecht, wenn ma׳n sie nicht so wie die verstorbenen Pioniere feiert. Denn nicht nur der ist gestorben, hinter den man den Nagel in den Sarg schlägt. Auch die sind, infolge der Grösse der Anstrensangen und der Leistungen, die in den ,ersten Jahren an jeden gestellt werden mussten, die als Pioniere sich in den Dienst der Idee gestellt haben, gefallen, wenn sie auch G. s. D. nicht gestorben sind. Sie sind bloss müde geworden und aus der Reihe getreten. Es soll an diesem Tage der grossen Sammlung, auch ihrer Leistung in Ehre gedacht werden, wo wjr der Hoffnung Ausdruck geben können, dass ihnen jetzt, wo die Reihen geschlossener und die .Mitarbeiter zahlreicher geworden sind, möglich gemacht wird, die Früchte zu gemessen, für deren Saft und Süsse sie sich so hingebungsvoll bemüht haben. TTlSrBlE3X>XISrQ־T IZBSE3STI Infolge Anhäufung der Lagerbestände verkaufen wir für kurze Zeit komplette Küchen, und zwar: 1 Kredenz mit Ornamentverglasung, i Abwaschtisch mit 2 Zinkschaffein, 1 Kohlenkiste, 1 Mistkiste, 1 Stockerl, alles prima weiss emaillackiert, statt K 1,800.000 zum äusserst billigen Preis von K 1,390.000. Billigste Einkaufsquelle von: Vorzimmern, Schlaf- und Mädchenzimmern, Küchen, Bureau- und Geschäftseinrichtungen. Verkauf sämtl. Küchengeräte. Möbel-Spezialfabrik ״KöchenfeeK, Karl Klimberger & Co., XX. Engelsplatz 6, Goldene Medaille 1913. Filialen: 1. Spiegelgasse lß, IV. Margaretenstrasse 2, VI. Stumpergasse 51, VIII. Josefstädterstrasse 30, vVIiI. Währingerstrasse 115, XXI. Hauptstrasse 28, XXI, Kagran, Wagfamerstrasse 118mmm Die Woche. 03E8E8 Jerusalem. Die englische Regierung verhandelt mit der ägyptischen Regierang über den Ankauf der Militärbahn der Sinai-Halbtosel die von Kantara am Suezkanal durch die Wüste Sinai nach Jaffa führt Für den Ankauf werden 240.000 Pfund ׳benötigt. Berlin. Am 27. und 28. Juli fand in Berlin eine Konferenz aller ostjüdischen Studentenvereine in Deutschland statt Aleppo. In Aleppo starb vor kurzem der Chaolram Jomtoff J e j i d. Er galt als grosser Kabbalist und wurde hi Aleppo wie überall in Palästina, insbesondere in Jerusalem, wo er früher lange Jahre ein eigenes Beth Hamidrasch erhielt, wie ein Heiliger verehrt. An dör Lewajah beteiligte sich eine gewaltige Menschenmasse. Warschau. Die argentinische Regierung hat ihrem Konsul in Warschau angewiesen, nach Argentinien reisenden Flüchtlingen das Visum unentgeltlich zu erteilen. Warschau. Infolge der Einschränkungen der Aus- Schankkonzessionen, wodurch insbesondere jüdische WeingeSchäfte betroffen wurden, trat Maflgel an Koscher-Wein für rituelle Zwecke ein. Es gingen deshalb Klagen bei der Agudazentrale in Warschau ein. Senator Mcndelsolm konferierte mit den betreffenden Behörden und es wurde versprochen, durch Ausnahmsbedingungen dem Uebel abzuhelfen. Warschau. Die antisemitische Zeitung ״Dwa grosae“ konstatiert dass der Handel in Polen langsam entjudet wird. So ist z. B. der Eierexport bereits in mebtjüdisohen Händen. Lemberg. Die jüdische Gemeinde Raiwa Ruska wurde durch ein Feuer fast gänzlich zugrunde gerichtet. Jerusalem. Aus Haifa kommt die Nachricht, dass Mr. Joly, der Superintendent von Haifa, an der Meereskäste ermordet wurde. Die Polizei hat einige Araber als Täter verhaftet, andere konnten nach Transjordanien entkommen. Berlin. Der bekannte liberale Politiker, Geheimer Justizrat Dr. Oskar Cassel, ist nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben. Dr. Cassel war Ehrenbürger und langjähriger Stadtverordneter Berlins. Er war lange Jahre Vorstandsmitglied des Verbandes der deutschen Juden und auch Mitglied des Hilfsvereines der deutschen Juden, Moskau. Laut der neuen Statistik ist das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur Gesamtbevölkerung Russlands ein folgendes: Weissrussland 15,9 Prozent, Gouvernement Odessa 16,03 Prozent, Podalien 9,1 Prozent, Kiew 11,8 Prozent, Jekaterinoslaw 6,8 Prozent, Kfementschug 6 Prozent, Poltawa 3,75 Prozent, Tsohern'igow 2,9 Prozent, Dowietz 2,6 Prozent. New York. Ein Stein von der Klaigemauer wird in eine der Wände des zu errichtenden Synagogemhauses der Federated Central and Free Synagognes eingebaut werden. Der Stein ist ein Geschenk des früheren Zivilsekretäre der palästinensischen Verwaltung Sr. Wyndham Deedes, an Doktor Stephan Wise. Lemberg. Mittwoch den 1. August ist hier der Olesker Rabbi R. Mendel Eichenstein im 56. Lebensjahre verschieden. Kallsch. Im 79. Lebensjahre ist der Oberrabbiner von Kalisch, Hagaon R. Elia Singer, verschieden. Passende Hochzeitsgeschenke I sowie kompl. Silberkassetten, Leuchter, Giran- I dole und כלי קודש ZU billigsten Preisen. JUWELIER ABRAHAM SCHAPIRA Wien, II. Bezirk, Rotensterngasse 13 Mit einem Griff u. Transformationen in feinster u. modernster Ausführung! DAUERWELLEN (gekochtes Haar) WASSERONDULATION nach dem neuesten Verfahren von 250.000 Kronen aufwärts. Als besondere Spezialität: SCHEITELN AUF HAUT gearbeitet, gänzlich unkenntlich Im Tragen. Sämtliche Reparaturen wie auch . Wasserweltungen werden übermodernfrl51 ert nommen. Provinzversand wird prompt effektuiert Erste Wiener Werkstätte für moderne Haarkonfektion FR. JEREMIAS M.LIPPEL Wien, II., Stefanlestrasse 7 (jetzige Bo llaodst.) Brautpaare! Komplette Küchenausstattungen zu billigsten Fabrikspreisen. Gelegonheitskäufe in Porzellan״Speise׳, Kaffee*׳, Tee*׳ und Mokkan sowie in Glas״ Wein״, Bier״ und Likör-Servicen. 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