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Jüdische Presse · 1923-08-15 · 33 (15.8.1923) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
33 (15.8.1923)
Date
1923-08-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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jum^tggpwESsg ft*» *Der Rabblnische Rat der Aguda und seine Bedeutung. An* eine» Gespräch mit Sejmdeputaten Obmabbtaer Meier Schapira. fti agudistlscheti Kreisen legt man dem Rabbinischen Rate —,Moezes Oedole Hathora Wehajiro — die grösste Bedeutung zu. Schon Rabbi Chaim Solowejczik der weltberühmte Brisker Raw מנ״ל wollte seinen Namen nur dann mit Agudas Jisroel verknüpft wissen, wenn ein Rabbinischer Rat ge* bildet wird, der als letztentscheidende Autorität an der Spitze aer Organisation‘ steht. Es sind selbstverj ständlich mit der Bildung einer solchen Körperschaft \ ungeheuere Schwierigkeiten innerer und äusserer י Natur verbunden. Was soll die Kompetenz dieses Rabbinischen Rates sein? Wie seine Zusammen* setzung? Wer wählt ihn? Um Über all diese Fragen eine Aufklärung zu bekommen, haben wir uns an Herrn Oberrabb. Sejmdeputierten S c h ap I r a gewendet, der in der letzten Zeit die schwierigen Verhandlungen, welche der Konstitujerung des Rabbinischert Rates vorangegangen j sind, geleitet hat. Auf unsere Frage nach der Be- [ deutung des Rabbinischen Rates antwortete Oberj rabbinerSchapira mit.einer kleinen kulturhistorischen! Exkursion. Er zieht einen scharfen Strich zwischen!der Neuzeit und früheren Perioden. Früher war es j bei der Masse der Judenheit selbstverständlich, dass J jede üdische Handlung im Sinne der Tradition ge- | schellen müsste, und Wächter dieser Tradition waren Idle Rabbiner, deren Entscheidung für immer auto* ritativ war. Die moderne Zeit hingegen kann von; diesem Standpunkte aus am besten mit der trauri-!gen Tatsache charakterisiert werden, dass.es heute schon so manche jüdische Kreise gibt, die selbst in jüdischen Angelegenheiten die Autorität der Thora nicht mehr anerkennen. Es ist daher vom Stand* pünkte der Autorität der Thora unschätzbar, dass Agudas Jisroel in dieser modernen Zeit sich freiwillig ein Organ gibt, die für die, in Agudas Jisroe! organisierten thoratreuen Massen die Autorität der Thora repräsentiert. Sie knüpft da an die edelsten :Traditionen des jüdischen Volkes, die bereits ln der! Institution der Vierländersynode, Waad-Arba-Arazoth, sich eine autoritative Körperschaft geschaffen hat. Wir hoffen, dass durch die Wiederbelebung und Aus* jgestaltung dieser Institution dem Chaos und der Ver*; wilderung gesteuert wird, die auf jüdischem Gebiete 'in den letzten Jahrzehnten eine traurige Tatsache geworden ist. Der Rabbinische Rat ist, betont Oberrabbiner Schapira, durchaus keine parteiische Körperschaft, wenn sie auch von Agudas Jisroel ins Leben ge- ־ rufen worden ist. Agudas Jisroel ist bloss die Grganisation, die offen den Standpunkt vertritt, dass das jüdische Volk unzertrennlich an die Thora gebunden ist und daher ein Organ besitzen muss, das autoritativ im Namen der Thora und somit des jüdischen Volkes sprechen kann. Als Ideal, als Endziel schwebt aber vor jedem Thoragelehrten und vor einer rabbinischen Körperschaft dieses Ranges erst recht, der :Zustand, wo da!s ganze jüdische Volk der Verpflich-!tung bewusst wird, die es als ewiges einziges Volk an die Thora O-ttes knüpft. Welche Prinzipien waren bei der Zusammen* setzung des Rabbinischen Rates massgebend? Es wäre irrtümlich zu glauben, erwiderte Ober* ׳ rabiriner Schapira, dass jemand zu einer autoritativen Thoragrösse gewählt, oder ernannt werden kann. Massgebend bei der Zusammensetzung waren einzig und allein die moralischen und geistigen Qualitäten der einzelnen Mitglieder, die bereits als Thoragrössen in jüdischen Kreisen bekannt sind. Bestimmend war hernach die Anschauung der einzelnen Thoragrössen, die einstimmig dahinging, dass man heutzutag dem jüdischen Volksganzen nur dann förderlich sein kann, wenn man vor allem die thoratreue Judenheit organisatorisch zusammen* :fasst lind so der Geltung des Thoragesetzes den Weg bahnt. Diese Anschauung findet in der Forderung Ausdruck, dass die Mitglieder des Rab*!binischen Rates sich?u den Grundprinzipien der Aguda bekennen müssen. Dies bedeutet demnach nicht etwa eine parteimässige Zugehörigkeit, sondern bloss eine Uebereinstimmung mit den früher ge- 1nannten Grundprinzipien. Ist es nicht zu befürchten, dass der Rabj binische Rat in die Kompetenz der Ortsrabbiner 1eingreifen wird? , Oberrabbiner Schapira verneint energisch diese Möglichkeit. Die Hauptaufgabe des Rabbini- Ischen Rates ist ja eben die Stärkung der Autorität I der Thora, die nur durch die Förderung und Unter-!• Stützung des Ortsrabbiners erreicht werden kann. Der Rabbinische Rat würde den Ast unter de!\ eigenen Füssen absägen, falls er die Autorität des Ortsrabbiners nicht im vollen Masse respektieren würde. Es ist überhaupt irrtümlich au glauben, dass der Rabbinische Rat irgend jemandem seine Entscheidung oder seine Autorität aufoktroyteren möchte. Aus diesem Grunde wird ängstlich ge* mieden, irgendwie die Rolle eines Sanhedrin zu usurpieren. Schon bei der Zahl und bei der AH der Zusammensetzung war man bedacht! dieabezüg• lieh keinen Zweifel aufkomtiten zu lassen« Das afft» zige, worauf man bei der Zusammensetzung Rücksicht genommen hat, war die anerkannte Thoragrosse, zweitens das Vertrauen der breiten thonttreuen Schichten zu den grossen Chassldimrabbis. ich lege darauf Wert hervorzuheben, setzte Oberrabbiner Schapira in seiner lebhaften Art fort, dass in dem Rabbinischen Rat unter anderem auch die grossen Qhassidim Rabbis Platz nehmen. Dies hat nebst dem moralischen Wert auch eine höhere Bedeutung zu der grossen Talmudsgelehrsam« keit, die den Din Thora vertritt, wie er In den Gesetzesbüchern niedergelegt ist, bringen die Chassidim Rabbis das lebendige Vertrauen der Massen zum Geist der Thora — Daas Thora — hinzu. Mit Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte und Grundsetze wurde der Rabbinische Rat, der ungefähr 50 Mitglieder zählen wird, von den grossen Rabbinern zusammengesetzt, die seit der Gründung der Aguda bestrebt waren, das Prinzip der Souveränität der Thora aut dem Wege der Aguda durchzusetzen. Alle jene Grossen Israels, die der Berufung in den Rabbinischen Rat, der von der ersten Kenessio Gedaulo feierlich anerkannt werden soll, Folge gegeben haben, sind tief überzeugt, dass sie Mitschöpfer eines historischen Aktes sind, der auf das gesamte jüdische Volk von segensreicher Wirkung sein wird. ' P. Hauptprobleme der Kenessio Gedaulo. Folgende Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Originalität: Sie will bloss einen allgemein fassliehen Ueberblick über die Hauptprobleme der Kenessio Qedaulö. Die Kenessio Gedaulo Ist die erste Hauptversammlung der Agudas Jisroel, die aus allgemeinen Wahlen der Mitglieder hervorgeht. Dass sie die erste ist, das ist Ihr Vorzug und auch gleichzeitig ihre Schwäche. Als erste Versammlung besitzt sie den Reiz der Neuheit, aber gleichzeitig wird sie nicht so formvollendet, gut vorbereitet und geordnet sein, wie etwa die dritte oder vierte. Als erste Hauptversammlung׳ wird sie sich vor allem mit Organisationsiragen zu beschäftigen haben. Die Idee der Aguda keimte ■yor 12, 13 Jahren auf einmal in verschiedenen Ländern, in Ost und West. In Kattowitz im Jahre 5672 (1912) fanden sich die ersten Pioniere der Idee zu einer imposanten Konferenz zusammen. Kaum hatte die Idee die erste Gestaltung in der Form von Laiidesorganisafionen gewonnen, da brach der Weltkrieg aus, der sowohl jeden einzelnen wie jede Organisation vor ungeheure Aufgaben gestellt hat. Auch Agudas Jisroel mit ihrer schwachen, in den. ersten Anfängen sich befindlichen Organisation, hat sich an die Lösung von Aufgaben herangewagt, der sie sich im Bewusstsein des jüdischen Klalgefühls nicht entziehen zu dürfen glaubte. Grosse Aufgaben, mit denen dank der hingebungsvollen Opferbereitschaft einzelner führender Agudisten auch die Organisation wuchs, aber es wäre ein gefährliche Täuschung, zu glauben, dass Agudas Jisroel heute bereits eine festgefügte Weltorganisation besitzt. In den Nöten der letzten 10 Jahre hat die Idee der Aguda überall in der ganzen Welt Anhänger gefunden. Nicht eine wohlgeleitete Propaganda hat Menschen für die Idee gewonnen, sondern ein innerer Drang trieb jene, denen um die Zukunft der thoratreuen Judenheit bange war, zusammen, um durch den Zusammenschluss neue Kräfte zur Lösung der grossen Aufgaben zu gewinnen. Diese Gruppen von' Mensehen bildeten und bilden noch heute den gesunden Kern unserer noch auszubauenden Organisation, die all jene erlassen soll, die die Aufgabe des jüdischen Menschen und des jüdischen Volkes in der praktischen Verwirklichung der Thoragesetze erblicken. "Die Kraft dieser Organisation soll hinter einer zentraten Leitung stehen und sie praktisch in die Möglichkeit versetzen, für die Verwirklichung der Ideale der thoratreuen Masse ftiit Erfolg arbeiten zu könneu. Die Voraussetzungen dieser wirklich arbeitsfähigen Organisation muss erst die Kenessio Gedaulo schaffen. Deshalb blicken auf diese erste Kenessio nicht nur alle Mitglieder der Aguda-Organisation, sondern auch jene von rechts, die bisher noch nicht glauben konnten an die Möglichkeit dass auch eine moderne Organisation sich restlos in den Dienst der alten Ideale des jüdischen Volkes stellen kann; daher blicken auch jene von links neugierig auf die erste Kenessio der Aguda, die nicht mehr Schiff5 Felzwarenhans dar») glaube« konnten, dass dfc affeü tftotttaMtei Ideale die Fähigkeit haben, eine nach modernen M& thoden arbeitende Weltorganisation zu schaffen. Aal diesem Grande wird die erste Kenessio Gedaulo hf der Lösung der Organlsatioöspfoblem« nicht nur für die Agudisten, sondern für die Gesamt* judenheit einen bedeutungsvollen Marketein dar« stellen. Gölasprobleme. Agudas Jisroel muss sich gemäss ihres Programmes, die Gegenwartsaufgaben im Geiste de! Thora zu lös&r^ hauptsächlich mit Golusproblemen beschäftigen. Der überwiegend grösste Teil des jüdischen Volkes lebt in Golusländera. Diese Lände! müssen ln bezug auf die Aufgaben, die sie an die Aguda stellen, in zwei Gruppen geteilt werden. Die Länder des europäischen Osten, wo die wirf- Schaftliche und soziale Not drückend auf den thoratreuen Massen lasten. Krieg und Pogrom* Verheerungen, wie die ständig zunehmende anti* semitische Hetze schufen eine Situation, der nu! die Gesamtheit der thoratreuen Judenheit Herr wer* den kann. Die Versorgung der unglücklichen Waisenkinder, die sowohl dem physischen Verderben, wie einer seelischen Vernichtung preisgegeben sind, kann nur durch grosSzügige Hilfsaktionen in richtige Bahnen gelenkt werden. Die Kriegswaisenfonde der einzelnen Landesorganisationen wie das ״Jüdische Hüfswerk“ in Wien, haben bereits beachtenswerte Stützpunkte für eine erfolgreiche Fürsorgetätigkeit geschaffen. Das Problem gilt dem grosszügigem Ausbau dieser Anfänge, Die Tendenz der europäischen Staaten, teilweise aus sozialen« noch mehr aber aus antisemitischen Gründen eine ,vollkommene Sonntagsruhe einzuführeti* trifft die thoratreuen Massen an ihrem Lebensnerv. Sie stehen vor der Schicksalsfrage, entweder die Heiligkeit des Sabbathtages, oder die Grundlage ihrer Existenz preiszügeben* Es ist dies ein Problem, das die thoratreue Judenheit überall trifft und das nur durch internationale Massnahmen gelöst werden könnte. Es wird bei den Lösungsversucheft all dieser Probleme immer vorausgesetzt, dass der grösste Teil der osteuropäischen Judenheit noch ein unschätzbares moralisches Kapital besitzt, nämlich das Festhalten an der Religion der Väter. Es darf ja selbstverständlich nicht ausser Acht gelassen werden, dass ein beträchtlicher Teil der Jugend in das Lager der Sozialisten und Nationallsten verschiedener Färbung übergegangeit Ist. ]Diese Weltanschauungsunterschiede spiegeln sich am klarsten in der inneren Verfassung der jüdischen Schulen. Jedoch muss Agudas Jisroel auf diesem Gebiete sich eine Zurückhaltung gebieten. Kultur- Probleme sind so heikel und so weit differenziert selbst unter den thoratreuen Juden der verschiedenen Länder, dass Agudas Jisroel sich zum Prinzip gemacht hat, auf dem Gebiete der Kalturfragen jeder Landesorganisation die vollkommenste Freiheit zu gewähren. Dasselbe trifft zu bei allen staatspolitischen Fragen. So wie bei den kulturellen Fragen bloss die Methoden verschiedenartig sind, aber das allgemeine Haupt- Prinzip, dass die Schule*’ Thora wissen und praktisches Thoraleb-en de*r heranwachsenden Jugend b erbringen soll, bei allen thoratreuen Juden in allen Ländern das Gleiche ist, so verbindet sie auch auf s taatspolitischem Gebiete trotz aller Unterschiede ein oberster Grundsatz, nämlich der religiösen .Vorschrift zu gehorchen und überall das WohJ des Staate׳«, dessen Bürger man ist, zu fördern. So in den meisten europäischen Ländern. In Amerika harrt Agudas Jisroel vielleicht noch eine grandiosere Aufgäbe. Das amerikanische Wirtschaftsleben hat es den Emigranten verhindert, ihre religiösen Grundsätze, die sie aus der alten Heimat mitgebracht haben, praktisch zu verwirklichen. Es gehört zur Natur der Emigranten, die nicht in geschlossenen Massen angesiedelt werden, sich an die bestehenden Verhältnisse zu assimilieren. Dieses Bestreben hat bis zum heutigen Tage nicht möglich gemacht, in Amerika die Voraussetzungen zu schaffet, die erst ein wahrlich thoratreues Leben ermöglichen. Zur Ehre der amerikanischen thoratreuen Judenheit soll gesagt werden, dass sie mindestens das ehrliche Streben hat, dem religiösen Abfallprozess zu steuern und mindestens Ihren Kindern das zu bieten, was die Väter von ihren ,Grosseltern übemoraen, aber bis zum heutigen Tage der jüngeren Generation vorenthalten mussten. Auf diesem Gebiete trifft die europäische thoratreue Judenheit eine schwere Schuld. Man hat sich mit dieser lebenswichtigen Frage für die gesamte thoratreue Judenheit sich nicht ernst genug beschäftigt. Fast jeder, der sich bis zum heutigen Tage über Amerika und die Amerikaner sich Gedanken machte, hat den einzigen Wunsch gehabt, sich je tiefer in den amerikanischen Goldstrom zu senken. .Leider sind in diesem Strom fast aile Ideale, die religiösen voran, in gro* und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Flelschnf|prkt) Tel. 67-302 Detailvarkaufs - Niederlage r l.y Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaafbewahrung gegen Versicherung Ober die Sommermonate d \

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