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Jüdische Presse · 1923-08-15 · 33 (15.8.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
33 (15.8.1923)
Date
1923-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seüe 238 JÜDISCHE PRESSE ־־ __ ' _«*fr.:3S - - .■ ■ -—'!״ו ■וחוזי ■■ - »■ - ׳'- ■ * erstattet der ersten Kenesaio Qedaulo von dem Gesch&ftsfdhrenden AuSichuss der Agttdas Jisroel. 1 . Jteferent 3 בD*w IE*. 2a&h3k. Wififn, 4. Clul 5683. Wenn ich mich anschicke, dem Aufträge des Geschäftsführenden Ausschusses nachzukommen und Ihnen den Geschäftsbericht über die Jahre 5672 bis 5683 zu erteilen, so könnte dies auf zweierlei Art utid ׳,Weise geschehen. Man könnte die still hingebende Arbeit in den Bureaus in poetischer Verklärung darstellen und dem grossen Zuge nachspüren, welcher da Zutage trat, wo die Agudas Jisroel nach aussen wirkte. Der zweite Weg besteht, darin, dass man die Tatsachen nüchtern registriert und einer kritischen Würdigung unterzieht; Ich wähle den letzteren Weg, well ich annehme, dass diese Stunde für sie alle und für den Geschäftsfährenden Ausschuss insbesondere ein Tag des השבץ מנפש ist, an dem man sich sorgfältig hüten muss, in der Hingabe und in der Beurteilung des Gebotenen von dem Wege der Wahrheit abzuweichen. Ueber die Vorbereitungszeiten ist Ihnen bereits in Kattowifz genauer Rechenschaftsbericht erstattet worden und ich verweise in dieser Beziehung auf den gedruckt vorliegenden Bericht über die Kattowitzer Tagung; ich knüpfe also naturgemäss an die Tagung von Kattowitz an, denn dort wurde beschlossen: ״Zweck der* Agudas Jisjofel ist die Lösung der jeweiligen jüdischen Gesamtheitsauf gaben im Geiste der Thora." Sie erstrebt demgemäss: a) die organisatorische Zusammenfassung und Innere Annäherung der zersprengten Teile der gesetzestreuen Judenheit, insbesondere der östlichen und westlichen Juden; b) die grosszügige Förderung des Thorastudiums und der jüdischen Erziehung überhaupt in den dieser Förderung bedürftigen Ländern; c) die Besserung der wirtschaftlichen Lebensbeäingungen für die jüdischen Massen in den Ländern der Not und in Palästina; d) die Organisierung und Förderung von Hilfskräften im Falle des Bedürfnisses; e) die Förderung einer von jüdischem Geiste erfüllten Presse und Literatur f) die Vertretung der thoratreuen jüdischen Gesamtheit nach aussen und; die Abwehr der gegen die Thora und ihre Bekenner als solche gerichteten 1Angriffe. Es wäre demgemäss Aufgabe des Geschäftsberichtes, festzustelleh, ob und wie weit die in Kattowitz gestellten Ziele erstrebt und erreicht sind. 1 ׳ .. ׳ . ' ' a) Die organisatorische Zusammenfassung und innere Annäherung der zersprengten Teile der gesetzestreuen Judenheit, insbesondere der östlichen und westlichen Juden. ■v Man dachte damals daran, die organisatorische Zusammenfassung, die in a) vorgeschrieben ist, wie im Sturm durch eine für tlul 56714 geplante Kenessio Gedaulo ,zu erreichen. Es kam anders. Der jäh ausgebröchene Krieg, wies der Lösung dieser Aufgabe unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen ganz andere Bahnen steiler und anstrengender Arbeit. Es, kam wirklich anders. Die Kenesdo Gedaulo, welche der Beginn der Arbeit sein sollte, äsi£iieute, nachdem der elfjährige Traum seiner Erfüllung naht, eine Art Krönuhg des Erstlingswerkes, denn wir können, dem Allmächtigen sei Dank, getrost behaupten: nicht ist die organisatorische Zusammenfassung die Vorbereitung der inneren Annäherung geworden, sondern die innere Annäherung bildet die Voraussetzung der Kenessio Gedaulo. Damit ist ausgesprochen, dass, ich zitiere ,wörtlich, die zersprengten Teile der orthodoxen Judenheit sich ineinander gefunden haben; dies konnte erreicht werden, weil sie einander gesucht haben, weil sic zu einander gedrängt wurden von bitterer Not,* weil sie aufeinander angewiesen waren in schweren Stunden. Die Ereignisse brachten flüchtige, arbeitheisctiende Menschen nach dem Westen, und überall geschah das Wunder, dass man einander zuvor kam, mit Brot und Wasser, mit dem Brot der Erde und mit dem Wasser der Thora. Wir wollen der Mahnung einer jüdischen Mutter lauschen und nicht zu viel und nicht .zu hoch sprechen und wir wollen deshalb schlicht und einfach sagen, die Aufgabe/ welche Kattowitz in dieser Hinsicht feststellte, ist in der ersten Etappe durchgeführt, insoferne, dass wir alle uns verstehen wollen. In diesem Willen liegt etwas Grosses, denn das zweite Ziel, dass wir tatsächlich, lückenlos und rückhaltslos einander wirklich verstehen, ist vielleicht ein Ziel, dessen volle Erfüllung der Vermittlung des Propheten Eiiahu Vorbehalten ist. Wir beginnen nun den Rechenschaftsbericht über den Weg, das heisst über die Propaganda und ich möchte die Frage zunächst nach allgemeinen Gesichtspunkten also stellen. Vorausgesetzt, dass die Konzeption des orthodoxen* Judentums, wiesle schon so oft geschildert wurde, sich spaltet in vier Zweige: 1. In die sogenannte litauische Art, welche das Studium unserer heiligen Lehre, das Lernen als den klar markierten Mittelpunkt des jüdischen Wollens stellt, nennen wir es die Schule des Wilnaer Gaon; 2. in den sogenannten polnischen chassidischen Zweig, welcher in der Gemütstiefe des betenden Menschen die Lehre'lebt und das Leben lehrt, Schule des Baal schem tov; 3. in den sogenannten ungarischen Zweig, welcher das orthodoxe Wollen im Gemeindeleben organisationsmässlg am klarsten erfasst und am deutlichsten ausgeprägt hat, Schule des Kesav Soter, und endlich 4. in den sogenannten westeuropäischen Zweig, welcher das Wort von der תורה נצחית im aktiven Erfassen aller Kulturelemente zu beweisen sucht, Schule von Hirsch und Hildesheimer. Wenn diese Voraussetzung richtig ist, so erhebt sich die Frage: Hat Agudas Jisroel zu diesen vier Quellen ihren Weg propagandistisch gesucht und gefunden? lfm die Antwort zu vereinfachen, knüpfe ich an diese Frage noch eine zweite, in bezug auf die Bedeutung des Exils und demgemäss auch auf die Stellung der jüdischen Gesamtheit innerhalb und zu ihrer Umwelt. Im Golus gibt es zwei Anschauungen, die früher wohl ineinander flössen, früher auch vielleicht in ihren Differenzierungen gar nicht erkannt waren, für die aber unsere Zeit die Notwendigkeit der Erkenntnis und des Bekenntnisses gebracht hat. Ich persönlich halte es für den Gipfelpunkt des Golus, für die tragische Konsequenz des חורבן ביחמ״יק תובב״יא, dass gerade unserer Zeit, aus materieller Not geboren, zwangsläufig eine Beantwortung dieser Fragen zugemutet wird. Man kann ja in dieser Hinsicht kaum ein Wort sprechen, kaum einen Ausdruck finden, der vor Missdeutungen schützt. Die gesamte Wissenschaft ist heute darüber einig, dass Nation und Volkstum nicht an Sprache und Land, nicht an Geburt und Abstammung, kaum noch an ein gemeinsames Erlebnis geknüpft sind, sondern vielmehr an das gemeinsame Wollen. Die Frage ist also, was müssen wir gemeinsam wollen, um unserer Aufgabe im □olus gerecht zu werden? Wenn man freilich die Aufgabe im Golus, wie ein wird, dann bricht die Goluspolitik” mit den Idealen der Vergangenheit und kennt für die Gesamtheit keine Ziele für die Zukunft. Es darf wohl hier in Klammern bemerkt werden, dass in diesem Individualismus sich geschichtlich immer die erste Spur eines Verfalls von Staat und Volk zeigt. Wir müssen also unsere Fragen dahin präzisieren. Hat die Agudas Jisroel den Weg zu denen gesucht und gefunden» welche das jüdische Volkstum rein und unverfälscht ausschliesslich als das Thoraleben der Gesamtheit begreifen und auch zu denen» weiche Volksbedeutung und Volksziele der Judenheit in eine lückenlose Parallele stellen zur Bedeutung und zum Ziele anderer Völker. Die Antwort in Bezug auf das Suchen lautet fast durchwegs: Ja! Das Finden blieb uns da versagt, wo es hätte mit einer Verleugnung unserer Grundsätze, mit einem Verrat an unserer Thora und an unserer Tradition, mit einem Spiel um suchende Seelen und um Menschenschicksale hätte erkauft werden müssen. Wir glauben freilich behaupten zu dürfen, dass Formulierung des Programms und Erstellung der Ideologie den Rahmen sehr weit gespannt haben, und dass wahrhafte Treue zu G-tt und G-ttes Wort bei uns sich heimisch fühlen könnte und müsste. Wir gingen zuerst, und zwar nicht nur in den vorbereitenden Stadien an die Grössen der Thora, und schon in dem allerersten Anfang wurde kein Zweifel darüber gelassen, dass das Wesen der Aguda die Betonung und Erringung der Selbständigkeit der Orthodoxie ist, welcher die Führung־ in allen jüdischen Dingen gebührt. Was bis zur Emanzipationszeit als selbstverständlich galt, was aber im vergangenen Jahrhundert umdunkelt worden war, sollte wieder an das helle Licht des Tages gebracht werden. Das ist die Tatsache, dass unsere Gründungsurkunde zugleich unsere Verfassung ist und dass diese Verfassung der Rahmen ist, in welchem allen, sowohl dem einzelnen Juden als auch der jüdischen, Gesamtheit Bewegungsfreiheit gestattet ist und dass; ferner über diese Verfassung als Wächter und Hüter die Lehrer der Thora gesetzt sind, denen in Konsequenz der Sinaistunde aus freiwilligem Entschluss in jeder Stunde, in jeder Epoche dieses Wächteramt aufs neue übertragen wird. Wir haben in jedem Stadium der Propaganda und der Tätigkeit betont, dass es nicht damit getan ist, wenn der statutarisch verankerte ״Rabbinische Rat“ von der Ortsgruppe angefangen, bis zu der Gesamtheitsorganisation hinauf ins Leben gerufen wird, sondern die gesetzmässige Forderung wurde stets und allenthalben in allen Punkten erfüllt. Wir können heute mit wahrer' innerer Befriedigung feststellen, dass unser Weg zu den Grössen mit reichem, Erfolg gekrönt war. Doch soll auch an dieser Stelle der Wahrheit die Ehre gegeben und festgestellt werden, dass es noch ragende Führer in der orthodoxen Judenheit gibt,*welche glauben, dass auch in Agudas Jisroel und ihrem Gedankenkreis Gefahren für die Integrität der in schwersten Kämpfen errungenen THoraeinheit geborgen sind. Wir haben im heissen Bemühen und ehrerbietigster; Demut zu ihnen den Weg gesucht und viele erwiderten, dass sie die Aguda im Ganzen begriissten und nur für ihren speziellen Kreis nicht für erspriesslich* nicht für notwendig hielten. Wir grüssen diese Heroen des Glaubens mit liebender Verehrung, mit unbegrenzter Ehrfurcht. Wir danken ihnen, dass sie mit der Aengstiichkeit fürsorgender Treue Wächter am Rande unseres Pfades sind. Wir glauben im Rahmen des Rechenschaftsberichtes der wohlbegründeten, sicheren Hoffnung Ausdruck geben zu dürfen, dass die nächste Kenessio Gedaulo diese Grössen als Führer in ihrer Mitte sehen wird. Wir suchten den Weg zu der Jugend, denn ihr vor allen Dingen gilt, unsere Sorge und unser Streben/ Viele Agudaländer gibt es, in denen der Schwerpunkt der Tätigkeit in der Jugendorganisation liegt. Während aber andere Organisationen mehr oder weniger die absolute Selbständigkeit der Jugend betonen, ist es unser Stolz, dass wir sagen können, es hat die orthodoxe Jugend fast überall die Annäherung an die Erfahrung des Alters gesucht und überall sich der Führung der heiligen Lehre rückhaltlos unterordnet. Auch in der organisatorisch nicht ganz einwandfreien Tatsache, dass die aus dem Osten stammende Jugend sich in den Westländern eigene Organisationen geschaffen hat, liegt ein wunderbares Zeugnis für die Beharrlichkeit und Treue, mit der diese jungen Menschenbiiiten das Erbe der Heimat hochhalten und! verteidigen. Wir haben bei der Propaganda die jeder Organisation innewohnende• Gefahr der Uebertreibung des Selbstbewusstseins glücklich vermieden. Unsere Zeiritn sind eine wunderbare Verheissung nach der Rjchtung, dass die starke religiöse Lebenskraft des Ostens allen Verführungen und allen Gefahren der׳ Umgebung siegreich wiederstehen wird. Wir versuchten es auch überall dort, wo die rabbinischen Autoritäten es erlauben, die Frauenwelt auf ihre Aufgabe aufmerksam zu machen, in ihren Kreisen bei der Erziehung der Mädchen die Ideale der Agudas Jisroel zu vertreten, und oft haben uns ernste Väter die Versicherung gegeben, dass jenes Mass von religiösem Wissen und religiöser Erziehung, weiches wir in■ dem vom Religionsgesetze gestalteten Rahmen ihren Töchtern vermittelt haben, Gegenwart und Zukunft ihres jüdischen Hauses gerettet hat. Am raschesten gelang das Werk im Westen, weil dort tatsächlich eine grosse, schmerzvolle Lücke vorhanden war und weil die gemeindemässig angestrebte Selbständigkeit der Orthodoxie an vielen Stellen das richtige Echo gefunden hatte. Dort war es wie die Erfüllung einer heissen Sehnsucht, mit dem Osten in nähere geistige Berührung zu kommen und die Zerstörung,, welcher der furchtbare Kampf der Mendelssohn-Periode und ihrer Nachfolgezeiten im Westen angerichtet hatte, durch den frischen Zustrom des Wissens aus dem Osten ausglelchen zu lassen. Es waren in der Vorkriegszeit fast alle Länder des Westens erfolgreich in die Propaganda einbezogen, wobei es uns sehr zu gute kam, dass die meisten Vertreter der Anschauung, die der unsrigen entgegengesetzt ist, anfangs gar nicht glaubte, dass die Orthodoxie sich organisatorisch lebensfähig erweisen könnte und deshalb höchstens mit einem milden Lächeln des überlegenen Spottes die Tätigkeit der Aguda zu bagatellisieren versuchte. Die während des Krieges in den Westländern, insbesonders in Amerika und England wieder verlorene Position, wurde nach 5678 durch persönliche Delegationen allmählich wieder gewonnen, und der Geschäftsbericht hat festzustellen, dass die Propaganda in diesen Ländern gerade unter dem Eindruck der Kenessio Gedaulo neue Impulse erfahren und erfreulichen Aufschwung genommen hat. Von Kattowitz bis zum Ausbruch des Krieges war wenig Zeit und Raum für die Propaganda in den Ländern des Ostens. Da wie Immer wiederholt werden muss, ein offenes Wort in diesem Bericht das erste Erfordernis ist, so mag an dieser Stelle festgestellt werden, dass diese Zeit mit der Erfüllung der Aufgabe ausgefüllt war, die hervorragenden ernsten Führer des Ostens davon zu überzeugen, dass die Aguda nie daran denken kann, die Kraft des religiösen Wissens, den Ernst des reli

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