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Jüdische Presse · 1923-08-15 · 33 (15.8.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
33 (15.8.1923)
Date
1923-08-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1n1^n CnJÜDlSONE KORIIiSFOniEia»} ORGAR FÜR DIE IRTERE88EN DES ORTHODOXER JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telephon 49.054. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich, Deutschland, Polen 08t. K 48.000, Tschecho-Slowakel KÖ. 70, Schweiz Frcs.10ז Amerika S Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Einzelnummer öst. K 1.500. Zahlungen für Oesterreich: PastsparkassenamtWicn, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. IDO.405; für Ungarn t Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 40.217: f. Rumänien: Banca Marmarosch Blanc 6t Co für rlorcM &C0, Bukarest; für die Schweiz: Postschecks Luzern VII. 147% »§«•■ 33 Wien-Bratislava, 15. August 1923 ,בע״ה דנה־־פרעססבורג ג• אלול תיפ״ג 9. Jahrg. Für alle. Für alle Juden tagt die Kenessio Oedaulo. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wollte man glauben, dass die thoratreuen Juden zusammentreten, ohne an die Gesamtheit zu denken. Sie sind sich bewusst, dass sie vom geschichtlichen Standpunkt aus, die einzig geradlinige Fortsetzung sind der Juden, die am Sinai standen, der Juden, die mit Esra nach Palästina zogen, der Juden, für welche Rabbi Jochanan Ben Sakai unter den berstenden Mauern Jerusalems von dem grausamen Zwingherrn Javne erbat und erhielt. Sie wissen aber auch, dass sie vor dem Allmächtigen und vor der Geschichte verantwortlich sind für die Gesamtheit Israels, und wenn es der Agudas Jisroel noch nicht gelungen ist, diejenige erzieherische Wirkung auszuüben, die es ermöglicht hat, dass alle jüdischen Kinder sich unter das Panier der Aguda scharen, so hat sie schon trotzdem etwas Grosses geleistet, wenn sie diese Möglichkeit als gegeben aufstellt und dadurch ein unendliches, heiliges Vertrauen zu allen Kindern jüdischer Mütter bekunden. So kann die Kenessio Gedaulo der Gesamtheit nicht besser dienen, als. wenn sie sich selbst erstellt zur selbstlosen und treuen Hüterin der Grundgedanken des Bestandes des jüdischen Volkes. Kann es einen heisseren Sehnsuchtsr^f, nach Einheit, geben, als die■ Bitte: »Kömmt*'zu ühsr Wir' schämen uns auch "gär nicht, es offen zu bekunden, dass wir der Helfer gar. viele brauchen, nicht der Helfer mit Geld, nicht der Helfer mit leeren Worten, sondern der Helfer mit Herz und Tat. Die Kenessio Gedaulo wird bei allen Be- Schlüssen im Auge zu behalten haben, dass sie ein Werk vollbringt für und an ganz Israel. Das Mandat hierzu erhielt sie in der Stunde, in der die Agudas Jisroel gegründet wurde, denn wahrlich, was damals unserer Führer bewogen hatte, das Banner der Agudas Jisroel zu entfalten, war nicht, kleinlich und ängstlich zu sorgen für den eigenen Kreis. Es ist nicht richtig wenn man behauptet hat, die einzige Sorge wäre der Gedanke gewesen, wie man dasjenige erhält, was noch vorhanden war als Rest aus dem furchtbaren Kampfe der Haskala, Reform und Nationalisierung; vielmehr war es den Gründem darum zu tun, wieder die abgesprengten Teile zu gewinnen, aufzuklären die Verführten und auch den Völkern der Welt Rechenschaft abzulegen über dasjenige, was der Lenker der Geschichte mit Israel wollte, und wie Israel diesem Ruf Folge leistet oder sich ihm versagte. Die Kenessio Gedaulo hat zu bekennen, ob sie diesen Intentionen ihrer Gründer entspricht. Es ist eines unserer kostbarsten Heilig-• tümer, dass wir von unseren alten Weisen die gesetzmässige Weisung haben, in jedem; Menschen das Beste zu suchen. Deshalb glauben wir uns auch nicht zu täuschen, wenn wir erwarten, dass alje Juden mit gespanntester Aufmerksamkeit den Ver- Handlungen der Kenessio ,Gedaulo folgen. Das hat gar nichts damit zu tun, dass! es Vielleicht kreise gibt, die in dem Irrtum befangen sind, als müssten sie uns parteimässig beffehäenv 'Ehrlichkeit des Wollens, EHrlichkeit des Wortes^״ TTette zur Idee :^zwlffgf auch den fförfisteri Ö^swSFjiirÄnöricennühgv' Und darum ergeht׳ unsere Bitte an jeden, der an der Kenessio Gedaulo das Wort ergreift, an das Plenum für die Augenblicke in denen es Beschlüsse fasst, die Fragen, die es würdigt, oder ablehnt: Man möge bedenken, es gilt für alle und an alle. P. IC --—00-0—-—- Programm der Eröffnungssitzung. Die feierliche Eröffnungssitzung der: ersten Kenessio Gedaulo findet Mittwooh nachmittags um 5 Uhr (Einlass für Gäste bis 1/25׳ Uhr) im Kenessio-Gebäude, II., Zirkusgasse 44, mit folgendem Programm statt: 1. Psalm 15 (Oberkantor Braun mit verstärktem Chor). 2. Begriissung durch den BabbI* nie chen Bat. 3. Eröffnung im Namep des Geschäfts« . führenden Ausschusses mit Gedenk« feier. (Rabbiner Dr. Pinohas Kohn). 4 Begrüssung seitens der Behörden• 5. Begrüssung der Österr, Landes•! Organisation. 6. Begrüssung der orth. Bethäuser Wiens (Kommerzialrat S. Bondi). 7. Begrüssung der polnisohen Landes- Organisation (Sejmdeputat, Oberrabbiner Sohapira, Sanok). 8. Begrüssung der ostgalisisohen Landesorganisation (Sejmdeputat Oberrabbiner Lewin; Sambor). 9. Begrüssung der amerikanischen; Landesorganisation (Rabb. Doktor ׳ löi!Beg^ssung der englischen Landes- Organisation. ׳ 11. Referat: Israel und der Völkerfriede (Oberrabbiner Dr. Löwen-j stein, Zürich). 12. Schlusswort (Jakob Rosenheün,! Frankfurt a Bl). Der gemeinsame Zug alter Bewegungen, die entweder während dier Kriegszeit und Nachkriegszeit entstanden sind, oder in diesen Perioden ihre Ausbreitung gefunden haben, ist die Hysterie. Sowohl bei der! Führern wie bei den Geführten. Vom Schwall der Sohlagworte erfasst und erhitzt, bekommen diese Bewegungen einen krankhaften Zug des Unberechenbaren, Irren. Was auf den ersten Blick Begeisterung scheint, erweist sich bei genauer Prüfung als bewusste oder unbewusste Mache und Aufpulverung. Viel Geschrei, leer tönende Phrase, hohler Wortreichtum, stigrnatisieren diesen verlogenen Eifer. An ehrlicher bewusster Begeisterung fehlt es zumeist. Draussen der alte müde Alltag. Eine brütende Hitze lahmt jeden Gedankenflug, tötet jede Energie. Die Menschen schleppen sich müde durch die Gassen, keuchen und schwitzen. In dieser steinernen Hölle, Stadt genannt, scheint alles Lebewesen nur ein Verlangen zu haben: Labende Kühle. Im Kongressgebäude in der Zirkusgasse hastende Bewegung. Menschen kommen,‘ gehen, reden, viel und kvut. Es sind alle die Mitläufer, die auch dabei sein wollen und nur dadurch denjenigen im Wege sind, die wirklich Wege zu machen haben. Ueberraschend viel Jugend. Doch in den Gängen und Korridoren viel ernste Männer. Auf ihrem Antlitz ruhige Besorgtheit. Die Gespräche besonnen und still, etwas weht von diesen : Männern, d׳as selten und fremd geworden ist. Sollte es Begeisterung sein? Stille ruhige aber produktive Begeäster ung. Aus vielen Katizleiräumen knattert das Schreibgiaschinenklappern. Es ist das Maschinengewehr aller grossen Redeschlachten. Unaufhörlich, beharrlich. Dazwischen tiefe, brummige diktierende Männerstimmen. Ein Blick in die Kanzleiräume bestärkt im früher enipfangenem Eindruck. Ehrliche, stille, produktive Begeisterung. Der Menschenapparat, der diesen Weltkongress vorbereitet, ist erstaunlich klein. Das Gross der arbeitenden Kräfte, selbstlos bis zur Rücksichtslosigkedt. Den ganzen Tag in den verschiedensten Berufen tätig, kamen sie seit Monaten, Abend für Abend in die engen Kanzleiräume in der Malzgasse und bis in die späte Nacht wurden die mühseligsten Arbeiten zu Ende geführt. Eben solche Kräfte schufen das grossartige ״Jüdische Hilfswerk“, das sich •langsam zu dem führendsten jüdischen phikintropischen. Institute entwickelt. Aber auch die wenigen, bezahlten Kräfte arbeiten ganz anders wie gewöhnlich. Es scheint, als ob die ruhige, aber keine Erschöpfung kennende Begeisterung der Führer und Leiter, sich auch auf diese Mitarbeiter fortpflanzen würde. Es wird gearbeitet mit einer Ausdauer und einem Feuer, die m׳an heutzutage selten bei bezahlten Arbeitern findet. Die Begeisterung für eine Idee ergreift auch diese Leute. Dabei muss man staunen, wie die Arbeit reibungslos und rasch vor sich geht. Man findet in diesn Räumen den Beweis, dass die beste Triebkraft einer Organisation Begeh sterung ist. In kühler schattiger Dämmerung liegt der grosse Kongressaal. Arbeiter sind mit den letzten. Vorbereitungen beschäftigt. Die Beleuchtung des Saales wird ausprobiert. Auch hier Ruhe, zielsichere Arbeit. Grosse Räume haben ein sonderliches Leben. Es scheint, als ob die hier gesprochenen Worte irgendwo in den Ecken und Winkeln haften geblieben wäTen. Zum letzten Mate wurde in diesem Saale während d hohen Feiertage gebetet. Hoch aufgerichtet beherrscht die Präsidententribüne den Saal. Der Kongress, bestehend aus Menschen, die an grosse parlamentarisehe Verhandlungen nicht gewöhnt sind, wird schwer zu leiten sein. Zu beiden Seiten der Präsidenten-, triibüne die Sitze für den Rabbinischen Rat, die Manner der jüdischen Autorität. Die Führer und Lenker des Volkes. Dann die Bänke für die Journalisten. ZeL tungen aus alter Welt entsenden ihre Berichterstatter.״; um Schilderungen der Tagung, die an so grosse Vorfahren in der jüdischen Geschichte zurückblickt, den Lesern biejen zu können. Die Herren sind an parlamentarische Verhandlungen gewöhnt. Neu wird für sie die Tatsache sein, dass jüdischer Geist alle Unbill der Zeit überstehend, so jung, so lebenskräftig seine; Schwingen entfaltet. In langgestreckten Reihen die Sitze für die DeJe-j gierten. Sie sind Vertreter des gläubigen Judentums. Jenes Teiles, der der Held der jüdischen Geschichte—! von den Uranfängen bis zu den Verfolgungen durch; eigene Brüder, die ״Jewsektionisten‘ in Russland —■ ist. Die Geister aller für den Glauben Gefallener• blicken auf diese Tagung herab. In diesen Bänken werden die Vertreter und Träger des unsterblichen! jüdischen Geistes sitzen. Bald wird der Saal von den feierlichen Worten, der. Eröffnungsreden wäederhallen. Auf der Strasse' brütende Hitze. Doch die Besichtigung der Räume, und das Kennenlernen der Menschen ist eine Lehre und ein Beweis, dass es noch Begeisterung gibt. Dass, es noch jüdische Menschen gibt, die in Demut auf sich, das grosse Joch stiller beharrlicher Arbeit, für! eine, grosse Idee nehmen wollen und auch nehmen.! Der Kongress der Orthodoxie wird keine laute, aberi begeisterte Veranstaltung sein. K״ ־5X5'־־ 5n « ו ■i.1 1 tv 1 verschönern. jede JJ'ra־u. Sie sind unkenntlich ira Tragen, aus feinstem Naturhaar u. von hochwertiger Qualitätsarbeit Pessl, Wien, I., Käratnerstr. 28 2־‘ *

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