Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 31 (3.8.1923)
- Date
- 1923-08-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 31 JÜDISCHE PRESSE Seite 22$ Sonia Berkovlcs. Frau Dulitzkaja, Frau Frieda üroner, Präsidentin des Frauenvereines, Fra« Dr. Trieben Fräulein Alexandra Caesarsky und Fräulein Rita Trachtenberg. Schliesslich sei auch noch den zahlreichen Damen und Herren des Komitees gedankt, die in ,wahrhaft selbstloser und aufopferungsvoller Weise ihre ganze Kraft in den Dienst des Hilfswerkes stellten und den bedeutenden materiellen Erfolg des Sammeltages zu erringen verstanden. Nachmittags erfolgte eine Führung in das Waisenhaus Qemerg. 48, dessen musterhafte Leitung auf die zahlreichen Gäste einen tiefen Eindruck machte und laute Anerkennung hervorrief. Eine herrlich schöne Sommernacht vereinigte ־־־• man kann getrost sagen — die ganze Judenschaft Badens bei dem Gartenfeste im grossen Waisenhause in der Epsteing., wo dem Publikum wertvolle künstlerlsche Genüsse geboten wurden. Einleitend hielt Herr Oberrabbiner Reich eine packende Ansprache, in der er die besondere Bedeutimg dieses Festtages hervorhob und' fn rührenden Worten der Hoffnung Ausdruck gab, dass diese Werke der Menschenliebe an Grösse gewinnen und ein Wahrzeichen jüdischer Zusammengehörigkeit werden mögen. Nun folgten die Darbietungen des Burgschauspieilers Fritz B1 u m, der sieben Sonette des bedeutenden jüdischen Dichters Uriel Birnbaum mit dramatischer Lebendigkeit und erschütternder Wucht zum Vortag brachte. Die Vorführung des Filmes ״Opfer des Hasses“,; über dessen propagandistische und künstlerische Wertung wir bereits anlässlich der Pressevorstellung ausffihrlich berichteten, bildete den Abschuss des Festes und übte auf die Anwesenden tiefe Wirkung aus. Das Schicksal des unglücklichen russischen Juden griff allen ans Herz und jeder Einzelne pries wohl zuinnerst seinen Schöpfer, dass er im nicht so schwere, beinahe unerträgliche Prüfungen auferlegte. Aber noch eines erweckten diese Bilder des Grauens, in der Seele des Zuschauers: das nicht zurückzudrängende Gefühl freudiger Opferbereitschaft, den unwiderstehlichen moralichen Zwang, sich seinem gütigen G—tte dankbar zu zeigen durch werktätige Hilfe gegenüber den unglücklichen Waisenkindern, denen eine glücklichere Zukunft bereitet werden soll. Dieser Festtag brachte im kritischesten Augenblick Hilfe. Die Weiterführung des Waisenhauses Germergasse war Schon in Frage gestellt. Alle Geldquellen schienen versiegt, und mit Bangen sah man der nächsten Zukunft entgegen. Jetzt ist wenigstens für eine kurze Frist von vielleicht drei Monaten der Bestand dieser Heimstätte der Aermsten der Armen gesichert. Was soll aber weiter geschehen? Wie soll es bewerkstelligt werden, dass das zweite, viel grössere Waiisenhaus in der Epsteingasse den zahllosen, sehnsüchtig harrenden Kindern seine schützenden Pforten öffnet? Es darf keine Atempause eintreten! Mit steigendem Eifer muss fortgearbeitet werden . an dem Aufbau und der Ausgestaltung der Institutionen, rastlos müssen alle, denen das Schicksal dieser unschuldigen Oqfer der traurigen Verhältnisse am Herzen liegt, tätig sein, um die Mittel aufzubringen, das grosse Werk der Menschlichkeit einer Konsolidierung zuzuführen. Ihr alle, die Ihr treu zu unserem Glauben hält, Ihr alle, denen die eberlieferungen unserer Religion heilig sind, rafft Euch auf! Helfet aus eigenem, soweit es im Bereiche Eurer Verhältnisse liegt, werbet in den Kreisen Eurer Verwandten und Freunde, damit die Spenden reichlich fliessen und das blasse Gespenst der Sorge auf immer gebannt werde! Weiset den armen Kindern den Weg ins Freie, wo in Pracht und Wärme die Sonne von Gottes Himmel strahlt auf eine glücklich horamvachsende Jugend! Die Jahresversammlung des Rabbinerverbandes Amerikas u. Kanadas. New York. Vom 5. bis 7. Tamus tagte im Central Hotel die Jahresversammlung des Rabbinerverbandes Amerikas und Kanadas. Der Rabbinerverbindung gehören 150 Rabbiner der beiden Länder unter dem Präsidium Oberrabbiners Hagaon Welwele Margulis Schlita aus New York. Die Rabbinerversammlung war eine der imposantesten, die New York in den letzten Jahren gesehen hat. Von den entferntesten Städten und Gemeinden eilten die Rabbiner herbei, um an der Jahreskonferenz teilzunehmen. Der greise Oberrabbiner Hagaon R. Welwele Margulis eröffnete die Jahreskonferenz mit rührenden Worten der Mahnung und des Trostes. Nach der Wahl des Vorsitzenden Rabbiner Jurmann aus Watteburg, trat die Konferenz zur Tagesordnung zu. Den ersten Punkt bildeten die Erez Jisroel-Fragen. Mit Tränen in den Augen berichtete Rabbiner Jurmann von der Entweihung unseres heiligen Landes durch atheistische Chaluzim, und teilte die bekannten Geschehnisse in Tel Awiw mit. Rabbiner Glaser aus Kansas-City berichtete über die Situation, in der sich unsere Pioniere, die orthodoxen Juden unter Leitung des Oberrabbiners Chaim Sonnefeld, befinden. Schikanen seitens der zionistischen Organisation, Not lind Elend herrscht unter ihnen, währenddem die Keren Hajessod-Gellder, die bei armen frommen Juden gesammelt werden, zur Unterstützung, der Profanation auf Profanation begehenden Chaluzim, verwendet werden. Rabbiner Glaser erbrachte ferner den schriftlichen Beweis, dass er als einziger Schritte beim amerikanischen Präsidenten und den Senatoren unternommen hat, um eine Gutheissung des Palästinamandates seitens derselben zu erwirken. Nach einer längeren Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: ״Der Rabbinerverband Amerikas und Kanadas schliesst sich ganz der allweltlichen Organisation der Agudas Jisroel an und wird den Gedanken der Agudas Jisroel unter allen Schichten im ganzen Lande verbreiten. Der Rabbinerverband appelliert an alle Juden Amerikas, sich der Agudas Jisroel anzuschliessen und den Keren Erez Jisroel der Aguda zu unterstützen, da dieser Fond der einzige ist, der dem Aufbau des heiligen Landes im Geiste der Thora dient. Ferner wurden eine ganze Reihe von Resolt» tionen gefasst, die Organisationsfragen und die Non, niierung des religiösen jüdischen Lebens in Amerika betreffen. Mittwoch wurde die Jahreskonferenz ltof einem Bankett beschlossen. ZEXotel GHath Wien.!1״ Hollandstrasse t4 (frühere Stefaniestr. (Ecke Kleine Sperlg.) in der Nähe des Nord- und Franz Josefs-Bahnhofes empfiehlt den sehr geehrten Delegierten des Weltkongresses ״Kenessio Oedaulo“ sowie allen nach Wien kommenden p. t Glaubensgenossen seine 80 modernstu. elegantest eingerichteten Zimmer. Bäder im Hause. Bäder Im Hause. unseres Blattes bevorzugt bei Einkäufen die Firmen, die hier annoncieren, und beruft sich bei Bestellungen in seinem und unserem Interesse auf die kaufen Sie in der Kunstu. 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Der nicht uninteressante Briefschreiber, er zeichnet Dr. B. Suler (nicht Sudler), scheint auch den Grund dieses niedrigen Materialismus der Juden Hamburgs zu kennen. Sie sind ihm zu fromm. Ja noch mehr, sic sind Agudisten. Der Briefschreiber gibt folgende liebliche Charakteristik eines in Agudismus erstarrenden Frommen: Ware, ״Termin“, ״Devisen“ — das sind die Götter, welchen er von frühen Morgen bis spät in die Nacht dient. Der fromme Jude hat zu dein noch seinen G—tt, ״den alten G—tt Israels“, der hier aber zum Gotte ״Agudas Jisroel“ geworden ist und dessen Konto er mit peinlichster Genauigkeit; führt. Und das Gros der Hamburger Juden ist fromm, sogar sehr fromm. In keiner Stadt Deutschlands wird der Sabbat so streng gehalten, sind die Synagogen so stark besucht, ist der Ritus so patriarchalisch, wird soviel und so streng koscher gegessen, wie in Hamburg. Mag sein, dass die Spekulation, welche ja die Basis der meisten hiesigen Geschäfte bildet und deren Erfolge oder Misserfolge von der Laune unsichtbarer Gewalt abhängen, die hiesigen Juden in die Arme innerer Religiosität getrieben hat, dass sie aber zum grössten Teil auf einen hartnäckigen Konservatismus sich versteift haben, hat seine historische Ursache. Diese historische Ursache ist, dass der fromme Mittelstand sich gegen die reformistischen Bestrebungen der Hamburger Hochfinanz zur Wehr gesetzt hat. Zuerst war noch etwas moderne Kultur auch seitens der Orthodoxie unter der Führung von Rabbi Isaak Bernays und seinem Schüler Rabbi Samson Raphael Hirsch verwendet, aber danach kam die Erstarrung. Denn so meint der Briefschreiber: Die Orthodoxie hat sich hier seitdem ■auf Kosten der Aufklärung entwickelt und mit der Zeit eine vom ״agudistischen“ Geiste beherrschte, pedantisch-kleinliche Richtung genommen. Die Folge dieses historischen Vorganges vor hundert Jahren ist, dass das Hamburger Judentum noch bis auf den heutigen!Tag in zwei extrem entgegengesetzte und scharf von einander getrennte Lager geteilt ist. Von einer Seite die ״Tempeljuden“, welche dem Judentum ganz entfremdet sind und die Masse der Indifferenten, Täuflinge und derjenigen Juden abgeben, welche ihre höchsteigene Person gnädig dem Judentum überlassend, durch direkte Taufe des jungen Nachwuchses oder durch die müdere Form der Mischehe dafür sorgen, dass ihre Nachkommenschaft unter die Fittiche der immer noch vorteilhafteren anderen Kirche kommt; von der anderen Seite — eine festgefügte orthodoxe Mehrheit, freilich in gewissen Schattierungen, von fromm bis überfromm, vom ״Bomplatz-Synagogc“ bis zum ,,Klaus“-'Juden, die aber im grossen und ganzen im Fahrwasser der ״Agudas Jisroel“ segelt und indem sie sich in möglichst grosser Entfernung von den ״Poschim“ der Tempelgemeinde zu halten sucht, darauf bedacht ist, das überlieferte unter allen Umständen bis auf das I-Tüpfelchen zu verteidigen. Bei solch einer Geartung ist es nur allzusehr selbstverständlich, dass diese für Neonatiönalismus,. für moderne nationale Literatur, worunter der Brief- Schreiber die höheren Ziele und Aufgaben des modernen Judentums versteht, v/enig Sinn haben. Hat der fromme Jude sich und seine nächste Nachkommenschaft bei der Aguda gegen die Taufe versichert, so geht er satt den Lockungen des modernen NationaljudentuiÄs, wie es der geistreiche Brjefschreiber erwarten würde, ״einfach seinen Geschäften nach und ,verteilt seine Zeit zwischen Börse und Synagoge, indem er bestrebt ist, ein ebenso ehrbarer Jude zu sein, wie er ein ״ehrbarer Kaufmann“ ist.“ Und welch Jammer! Möchte so ein modern neonationalistisch orientierter geistreicher Briefschreiber, sagen wir in die jüdische Bibliothek gehen, so erlebt er erst recht herbe Enttäuschungen. Erstens gibt es eine richtige jüdische Bibliothek, die den Ansprüchen eines modernen Juden nur annähernd gerecht werden könnte, in Hamburg überhaupt nicht. Soweit eine da ist, ist sie in einem kleinen Zimmer des — Leser erschrecke nicht! — ״Agudaheimes“ untergebracht. Nach diesem Schlage kann mehr die Enttäuschung, dass die Bücher zur Hälfte religiösen Inhaltes sind, nicht mehr verderblich werden. All das sah und empfand ein Jude, der zwei Jahre lang in Hamburg, wie es scheint, unter derartigen Qualen leben musste. Scheinbar ist er nun durch die Veröffentlichung dieses Briefes seiner, Schmerzen, die er während zweier Jahre in Hamburg erdulden musste, losgeworden. Wir gönnen dem Briefschreiber vom Herzen diese Erleichterung, jedoch können wir ihm den Vorwurf nicht ersparen, dass er ein klein wenig egoistisch vorgegangen ist. Er hätte den antiagudistischen Lesern der ״W1*. Morgenzeitung“ nicht den Schmerz bereiten sollen, den sie sicherlich empfinden müssen, wenn sie die Schilderung von der Hochburg des Agudismus, die in Hambürg besonders feste Türme besitzt, lesen müssen. 1. :mm E1| gros und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ 9., (&pabera 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaufbewahrung gegen Versicherung über öle Sommermoafct•.׳