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Jüdische Presse · 1923-08-03 · 31 (3.8.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
31 (3.8.1923)
Date
1923-08-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 222 JÜDISCHE PRESSE Nr. 31 dlitii vitalste Interesse des jüdischen Volkes Rück* •teilt genommen wurde. SeTs denn! Keine Klage ob der Vergangenheit soll tum erhoben werden. Nur eine Antwort muss erteilt werden auf eine Frage, die die ganze Welt vernommen und die an das jüdische Volk gerichtet, geeignet ist, dasselbe in eigenen und fremden Augen su diskreditieren. Die Frage lautet: ״Jüdisches Volk, was hast du getan?“ 0, dass man nicht alle Toten des jüdischen Volkes und in den Tod von Hass, Not, Krieg und Pogrom Gehetzten auferstehen lassen kann! O, dass man nicht den Tränenozean Jüdischer Augen zu stürmischer Flut aufpeitschen kann! 0, dass man nicht die zerrissenen Herzen, erniedrigte Seelen, in Qual verkommene Geister, in einen ungeheuren welterfüllenden Raum sammeln kann! Vielleicht wäre es Antwort genug den Fragern naöh der Tat des jüdischen Volkes. Und sollte sich die schmachvolle Frage aus dem Winkelchen technisierten Hirnes, nach praktischer materieller Tat drtJpörwagen, so möge sie im Keim ersticken, im Angesicht der Wenigen Missachteten und höhnisch Verlachten, die um das Teuerste und Grösste, das einzig das Volk am Leben erhaltende — den ewigen Glaubet! — zäh gegen eine Uebermacht einer von Zerstörungswut ergriffenen Welt kämpften, kämpfen müssen und kämpfen werden. Einen Kampf nach Aussen gegen die Welt der hasserfüllten Fremden und einen Kampf nach Innen gegen die verblendeten Brüder in Volke. Diejenigen, die heute mit einer Verzweiflungsgeste das jüdische Volk fragen, was es getan hat, wissen es gut: Gelitten und gekämpft, gestorben und geblutet für die Idee: Jüdisches Volk und dreimal im Tage die flehentliche Bitte zu ihrem Himmel emporgesandt, um das Volk Israel, um das Land Israel und um seine Krone, JeruschalaJlm! Und fragen heute nicht jene Frager, was sie selbst getan haben und würgen still an den Tränen der enttäuschten Hoffnung und an der Bitternis bewusster Hilfslosigkeit. Es fiel heute schon einmal das Wort: Sci‘s denn! Und also falle es noch einmal: Sei’s denn! Der XIII. Kongress der zionistischen Organisation kann neu beginnen dort, wo er vor sechsundzwanzig Jahren begann. Reicher an Erfahrung, wissen heute die Leiter der Zionistischen Partei, dass das jüdische Volk ihnen nicht folgen wird, wenn diese Gefolgsöhaft mit einer Sünde wider den jüdischen Geist erkauft werden muss. Leitend muss auch bei ihnen werden, die. Flammensäule des*jüdischer! Glaubens. — z< Jüdisches Hilfswerk der Aguda. (J. P. Z.) Der Kurator des jüdischen Hilfswerkes der Agudas Jisroel, Herr Heinrich Kalman Pappenheim aus Wien, hatte dem Herausgeber der ״Jüdisehen Presszentrale Zürich“ nachstehende Informa-, tlonen über das jüdische Hilfswerk der Agudas Jisroel gegeben: Eine der Hauptaufgaben der Aguda ist die Hebung des geistigen und materiellen Wohles der Juden. Hierfür sorgten in der Regel bisher lokale Institutionen. Durch den Krieg und seine Folgen sind in Wilnö entsendet, die dort vor dem Rabbinat protoköllariseh ihre Aussagen machten. De grösste rabbinische Autorität der damaligen Generation war der Krakauer Rabbiner, Rabbi He- SChel. Dieser unterbreitete Rabbi Efraini die Angelegenheit und Rabbi Heschel fällte auf Grund des Zeugenprotököll8 die Entscheidung, dass Rabbi Jakob Aschkenasy als tot zu betrachten und seine Gattin Witwe Sei. Hundert der bekanntesten Rabbiner wurden berufen, die Frage• zu behandeln und sie stimmten dieser Entscheidung zu. Sechstes Kapitel. Es fiel Rabbi Efraim ungemein schwer, seiner Tochter die furchtbare Trauerbotschaft zu überbrin- Sfcfi. ÖbzWar bereits länger als zwei Jahre vorüber waren, seit Rabbi Jakob seiner Frau zum letzten Male ein Lebenszeichen gab, und obwohl die Nachrichten Über das wilde, grausame Vorgehen der Horden Chmleinltzkls den Juden gegenüber keine Zweifel über das Schicksal der Juden von Narol und ihres Rabbi aUfkommen Hess, hat Sarah keinen Moment die Hoffnung verloren, ihren Gatten wiederzufinden. Sie glaubte an ein Wunder Gottes und ihr Herz sagte Ihr, es Werde noch ein freudiges Wedersehen geben. Mit der grössten Ungeduld erwartete sic die Wiedereröffnung der Verkehrsmöglichkeiten im Lande, in der Zuversicht, der erste Bote aus Narol werde ihr einen Brief ihres Gatten oder zumindest sichere Nachrichten über sein Schicksal bringen. Und nun ist die Botschaft eingetroflen, aber so ganz anders, als Sarah es *ich gedacht hatte. vielen Ländern die Juden nicht mehr in der Lage, den Verfall der jüdischen Jugend aufzuhalten und wurde in Wien, als dem Zentralsitz der Aguda, ״D a S j ü d isehe Hilfswerk der Aguda“ ins Leben gerufen, der die Aufgabe hat, Kinder bis zu deren voller Erwerbstätgkeit zu versorgen und in streng religlösem Geiste zu erziehen. Dies wird auf verschiedene Weise ausgeftihrt. in erster Reihe durch Unterstützung und Ausgestaltung bereits bestehender, traditionell geführter Institutionen, wie des Kriegswaisenfonds, welcher in Baden bei Wien Waisen 11 äus er unterhält, des Talmud Thora- Vereines in Wien, welcher eine öffentliche Volks- und Bürgerschule unterhält und unbemlttelte Schü^r auch ausspeist und kleidet, der vielen C h a d 0 r 1 m und Jeschivoth usw. 1Weiteres durch Unterstützung Jüdischer Institutionen, welche sich bereit erklären, dieselben fürderhin in streng jüdischem Sinne zu führen. So sind die Vertreter der Aguda eingetreten in die Verwaltung des Elisabethheims, in welchem 150 Mädchen irn Alter von 6 bis 18 Jahren Unterkunft und volle Verpflegung finden und welches im nächsten Wintersemester eine Schule für Schneiderinnen, Modistinnen usw. eröffnet, ferner des Taubstummeninstitutes, Blindeninstitutes, diverse Ferienheime usw. Das Jüdische Hilfswerk errichtet aber ganz besonders eigene Anstalten für die Erreichung ihrer Ziele. So wurde in Wien, III. Schimmelgasse 6, ein Heim errichtet, zur Aufnahme verlassener jüdischer Kinder, weclhe bisher seitens der jüdischen und nichtjüdischen Behörden, nichfjüdischen Pflegeeltern oder Heimen übergeben wurden und dem Jundentume immer, oft aber auch der Menschheit, verloren gingen. Viele dieser ehemaligen Pfleglinge sind bereits brave jüdische Handwerker und K a u f I e u t e geworden, ja manche, die Lust und Befähigung hierzu zeigten, befinden sich in Jeschi woth. In Wien, XII. Edclsinngasse, wurden in einem von Agudisten gestifteten Fabriksobjekte Lehrw e r k s t ä 11 e n eingerichtet, in welchen bis 200 Knaben von ersten Meistern und Lehrern praktisch und theoretisch in allen möglichen Handwerken unterrichtet werden, wobei noch genügend Zeit dem Religionsunterricht gewidmet wird. Elternlose und arme Kinder erhalten hier unentgeltlich volle Verpflegung. Vorläufig ist die HaupUätigkeit des Aguda-Hilfs- Werkes grösstenteils in Oesterreich konzentriert, obwohl über neun Zehntel der Pfleglinge aus den Kriegs- und Pogromgebieten stammen. Dies hatte seinen Grund darin, 'dass seit Kriegsausbruch der Hauptstrom der Flüchtlinge sich nach Wien ergossen hat und weil in Wien freiwillige Hilfskräfte vorhanden sind, welche eine billige und tadellose Verwaltung gewährleisten, andererseits die Erhaltung dieser Institutionen in Oesterreich billiger als in den Valutastarken Ländern und gesicherter als in den välütarisch noch schwächeren Ländern, wie Polen und Russland, ist. Dies hat auch die Juden anderer Länder veran-, lasst, die von ihnen gesammelten Gelder ln Oesterreich zu verwenden. So wurde für Rechnung des S c h w e i z e r i s c h en Kriegs waisenfönds in Baden bei Wien, Eppensleingasse, ein grosses Haus erworben und eingerichtet, in welchem 180 Kriegs- und P o g r 0 m w a i s e n Unterkunft finden werden. Dieses grosszügige Hilfswerk der schweizerischen Juden wird noch im Laufe dieses Monates seiner Be- Stimmung zugeführt werden. Ein holländisches Komitee» welches von Universitätsprofessor Dr. Max Eisler gegründet wurde, stellt seine reichlichen Mitteln speziell den Lehrwerkstätten zur Verfügung und־ein französisches Komitee Ist eben jetzt in Konstituierung begriffen, welches seine Mittel ganz besonders der Unterbringung der jetzt noch ln nichtjüdischen Helmen befindlichen Kinder widmen wird. Einen besonderen Zweig des jüdischen Hills•״ Werkes der Aguda bietet auch die Unterstützung kapitalschwacher Gewerbetreibender und Kaiifleute durch z 1 n s e n f r e 1 e K r e d i t g e v/ä h 1־ u n g, wo, durch in den allerletzten Wochen 21 Geschäfte, die wegen des schweren F.xikte1!zkampfes gezwungen worden wären, den^Sabbath zu entweihen, in die Lage versetzt wurden, ihre Betriebe am Sabbath wieder geschlossen zu halten. Das jüdische Hilfswerk der Aguda hofft in allernächster Zeit seine Tätigkeit auch ausserhalb Oesterreichs erweitern zu können und dürften als erstes ln allernächster Zeit Lehrwerkstätten in Erez Jisroel und zwar in Jaffa, ferner in Jugoslawien, und zwar ״in Subotica, eröffnet werden, für welche die Vorbereitungen schon ziemlich weit gediehen sind. Der Sammeltag des ״Jüdischen Hilfswerk". Unter günstigstem Wetter wurde am 29. Juli der grosse Hilfstag für die beiden Waisenhäuser in Baden abgehalten. Die Sammlungen erstreckten sich nicht nur auf die Stadt Baden, sondern auch auf Vöslau und Sauerbrunn, und wiesen ein stattliches Ergebnis aus. Ein grosses Heer von freiwilligen Mitarbeitern war mit bewunderungswürdiger Aufopferung vom frühen Morgen bis zürn späten Abend in voller Tätigkeit, um der edlen Sache zu dienen. Eine glänzende Organisation erwirkte de restlose Ausnützung aller Hilfskräfte, so dass auch nicht eine Minute unbenutzt blieb. Besonders war es das engere Badner Exekutivkomitee mit den Herren Affenkraut, Perlstein und Dr. Spitzer in erster Reihe, die sich keinen Augenblick Ruhe gönnten, um die Sammlungen im Laufenden zu erhalten. Allerdings hätte der Erfolg niemals ein so gewaltiger sein können, wenn nicht die Gemeindevertreter, insbesondere die Herreh Nationalrat K 011 m a n n und Bürgermeister Brusatti in wahrhaft hochherziger Weise alle Erleichterungen zubilligten, die nur irgend eine Lokalbehörde gewähren kann. Das Hilfswerk muss sich den Stadtvätern ausserordentlich verpflichtet fühlen und wird sicherlich mit freudig bewegtem Herzen die Gelegenheit wahrnehmen, diesen so selten human denkenden Herren den aufrichtigsten Dank des Gesamtkomitees und Vornehmlich der armen Waisenkinder auszusprechen, deren Existenz durch dieses freundliche Entgegenkommen für geraume Zeit gcsichert erscheint. Auch den verschiedenen Restaurants und Pensionen gebührt dankbare Anerkennung für die Erlaubnis, in ihren Etablissements Sammlungen durchzuführen. Grosses Entgegenkommen bekundete der Chef des Sanatoriums Guttenbrunn, Herr. D1*. v. A u fschneiter, der seinen Hoteldirektor beauftragte, die Sammlung in den Speisesälen mit einer Komiteedarne durchzufiihren. Aus der Reihe der Damen, die sich zur Verfügung gestellt hatten, seien besonders genannt: Frau Präsidentin Brau n, Frau Dr. K r a u s, Einige Tage zögerte Rabbi Efraim, Sarah über | das Eintreffen der Zeugen aus Narol Mitteilung zu machen. Er dachte zunächst, ihre Abreise abzuwarten, damit es Sarah erspart bleibe, die erschütternden Einzelheten über den grausamen Tod ihres Gatten zu hören. Später aber sagte er sich, sie würde vielleicht gerade darin einen Trost finden, den Bericht über die Gottergeberthelt, mit der Rabbi Jakob seinen: Schicksal entgegengeseheu, zu vernehmen und so enthüllte er ihr schrittweise sein schreckliches Geheimnis. Im ersten Moment gebärdete sich Sarah wie eine Rasende und ihr Vater zitterte um ihren Verstand. Bald aber verfiel sie in ein stilles Nachdenken und erklärte klipp und klar, es müsste da ein Irrtum vorliegen, sie glaube den Zeugen gar nicht. Ihr Jakob lebe und werde schon wiederkehren. Sie legte auch kein Gewicht darauf, die Einzelheiten, mit welchen die Augenzeugen aufwarten wollten, zu hören. Was diese erzählen, sei furchtbar und schrecklich, berühre sie ebenso schwer wie jeden Juden, hat aber keine direkte persönliche Note für sie. Diese ihre Haltung wirkte auf ihren Vater zunächst einigcrmasseti beruhigend. Es sei vielleicht besser, sagte er sieh, sie finde sich erst nach und nach־ mit Ihrem Los ab. Als aber Wochen und Monate ins Land gegangen waren, ohne dass Sarah ihre Hoffnung auf die Rückkehr ihres Gatten aufgegeben hätte, sah er sich genötigt, ihr zu Gemüte zu führen, dass sie einem Phantom nachjage, da das kompetente Forum, das Rabbinat, den Tod ihres gewesenen Gatten zweifellos festgestellt hat, duss sie sich nicht mehr als ״Aguna“, sondern als Witwe zu betrachten habe und ihr Verhalten danach einrichten müsse. Schliesslich sei sie als jüdische Tochter ihren religiösen Pflichten und ihrer Jugend schuldig, nicht allein ihr Leben zu verbringen, sondern einen neuen Gatten zu folgen, an dessen Seite sie ihre Gottergebenheit und ihre Seelenruhe wieder finden würde. Sie müsse bedenken, dass das Los einer ״Aguna“, einer an einen Mann gebtindenen, dessen Aufenthalt sic nicht keimt und der die Gewissheit über sein Schicksal fehlt, viel bedauernswerter als dasjenige einer Witwe sei, weshalb auch' die Rabbiner besonders in einer Kriegsperlode sich speziell mit dem Schicksal der ״Agunot“ befassen und nach eingehenden Beratungen spezielle, zeitweilige Beschlüsse fassen, um deren Los möglichst leichter! zu gestalten. Auch während des Clunienitzki-Krieges hat die Vier-Länder-Syuode, der rabbinische Gerichtshof in Polen, der von Zeit zu Zeit zusammentreteu pflegte, um über die neuen, aus Zeitereignissen aufgetauchten Fragen zu entscheiden, eine Reihe neuer Be- Stimmungen in Angelegenheit der ״Agunot" gefasst. Der Fall Sarahs sei übrigens besonders klar, da ja beglaublgte Augenzeugen vorhanden sind. Es dauerte lange genug, bis sich Sarah bereit findeli konnte, diesen Mahnungen und diesem Drängen ihres Vaters Fo.’gc zu leisten. Als gute jüdische Tochter hat sie sich aber, nachdem sie einmal nach• gegeben hatte, nach und nach mit ihrer Lage abgs* funden, sie gebot den Regungen ihres )־׳!־rze113 Schweigen und ihrer zweiten Hochzeit st.md nicht! mehr im Wege. (Fortsetzung folgt.) Pen aus dauergewelltem Naturhaar, garantiert unsichtbar im Tragen, liefert kurzfristig Wr.iT.* <\י. .1L ־. rifcTk , i. B©ais»k, K2a»1rtae1־s41?ass© 8 (nächst ,demJStefansplatz, um die Ecke)

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