Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 31 (3.8.1923)
- Date
- 1923-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4' (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Universitätsbibliothek 1•י Franzensring Redaktion und Administration! Wien, II., Malzgasse 12 a. — Telepfion 49,054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 6000, Tschecho-Slowakei KS. 70, Deutschland Mk. 15.000, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 2C0 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 40.000.—. Einzelnummer d.־ö. K 1600. Zahlungen fBr Oesterreich! Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.405; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 40.217;!.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Floren! & Co, Bukarest;für die Schweiz! Postscheckk. Luzern VII. 1470. Np. 31 wien-Bpatisiava, 3. August 1923 .בעיה רנד־פרעםסבורג כ״א אב תרפ״ג 9. Jahrg. Vergleichspunkte. ln der grossen Abschiedsrede, die der Allmächtige in den Mund des Moses legte, steht geschrieben: ״Und nun Israel was verlangt der Allmächtige von dir, denn das du Ehrfurcht hegest gegen den Ewigen deinen G-ott." Seit Jahrtausenden schön fragt man, ist denn das so wenig, und von den Tausenden von Antworten lautet die Eine: ״Jawohl"! Wenn man einen Moses als Beispiel vor sich hat, ist es eine geringe Aufgabe. Wohl niemals ist das Problem der vollständigen Harmonie zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit so vollendet gelöst worden, wie es in dieser Erklärung zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig ist uns damit gestattet, zwischen uns und den allergrössten Menschen ein Vergleich zu ziehen. Und jedes Kind wird unter der Möglichkeit der vollkommenen sittlichen Vollendung seiner Lebensaufgabe geboren. Leider macht im allgemeinen die Welt von dieser Erlaubnis des Vergleiches wenig Gebrauch. Im Gegenteil, es ist eine solche Entartung eingetreten, dass man beinahe mit vollem Recht zu der Anschauung kommt, dass jeder Vergleich von Uebel ist. Dieser unrichtige Vergleichspunkt war das Unglück Korahs. Die äusseren Erscheinungsformen des Lebens, wie Reichtum und soziale Stellung gereichen, wenn sie zu Paralellen verwendet werden, stets ztjm inneren Unheil des Vergleichenden. Vielleicht ׳־liegt in dieser schiefen Stellungnahme einö Erklärungsmöglichkeit für all das Unglück, das heute durch die Welt geht. Was vielmehr unsere Weisen wünschen, das ist der Vergleich mit der sittlichen Grösse nach oben oder unten. Wenn nun das Volk Israel oder der einzelne jüdische Mensch auf Moses schaut, dann müsste ihm die Erkenntnis kommen, welcher Grösse der Mensch fähig ist, der gleich ihm von einer sterblichen Mutter geboren ist. Dass heutzutage der Gedanke der Autorität so sehr im Schwinden begriffen ist, liegt daran, dass die Sehnsucht nach derartigen Vergleichen aufgehört hat, oder wenn sie noch vorhanden ist, von dem Hohnlächeln der Umgebung erstickt wird, denn der Grundgedanke der Autorität beruht doch in der Erkenntnis, dass es grössere Menschen gibt, als wir selbst sind, an denen wir uns bilden, an denen wir uns emporheben können. Und der sogenannte Ruf nach dem starken Mann, der heute in so vielen von Not und Leid heimgesuchten Ländern laut wird, ist ja letzten Endes nicht anders, als der Ruf nach dem grossen Mann. Es gab nun schon Zeitläufte, die eben diesen grossen Mann vergebens gesucht haben; in solchen Zeiten aber tritt an Stelle des Einzelnen die Gesamtheit, das heisst im Sinne unserer obigen Ausführung die sittliche Aufgabe der Gesamtheit und die Ueberzeugung, dass im harmonischen Zusammenwirken aller Glieder der Gesamtheit diese Aufgabe gelöst werden kann. Wir hoffen, dass die Kenessio Gedaulo den Beweis hierfür liefern wird. P. K. Die Antwort auf eine Frage. 1. Neun Jahre sind verflossen, seitdem der Krieg seinen verhängnisvollen Anfang •nahm, fünf Jahre seitdem er am Papiere beendet wurde. Die fünf Kriegsjahre waren für das jüdische Volk bis an den Rand erfüllt von furchtbarem Leid. Bruder musste gegen Bruder die todbringende Waffe erheben, ungeheures Unglück wurde über die Hinterbliebenen gebracht. Das jüdische Volk. ,i$.. 0.sfen;.EußQJ^^^ÄR;Heimi Habe'tm^Gut’ithd^äieSö&öeidßer^öänn-es eine fluchtartige, rastlose Wanderung über die ganze Welt. Als der organisierte Mord aufhörte, begann der Taumel des Niederreissens zu herrschen. Alles schien über Nacht zusammenzustürzen. Glaube, Sitte, Ueberlieferung. Der Seelen bemächtigte sich Gier nach Besitz und Genuss — schrankenlos, rücksichtslos. Die alten äusseren Formen wurden gesprengt, der alte jnnere Gehalt auf den Haufen des Abgelebten geworfen. Stupide Geistlosigkeit maskierte sich mit neuklingendem leerem Schlagwort.. Bestialität triumphierte. Und inmitten dieses chaotischen Sturzes und wirrer Neubildung stand das jüdische Volk, wie in seiner langen Geschichte noch niemals, so führerlos, so ohne jedwede leitende Richtung, wie in den Jahren nach dem Kriege. Den alten Führern wurde der Gehorsam gekündigt und die neuen konnten weder kraft ihrer Persönlichkeit, noch dank des Gehaltes ihrer Führerschaft über das ganze Volk die Herrschaft gewinnen. Die Versuche, das Leben des jüdischen Volkes, nach der Schablone anderer Völker, mit Hilfe von Nationalismus, internationaler Politik, Völkerbund, Parteibündnis, Parlamente und Schutzbriefe, umzumodeln, zeitigten Erfolge des Augenblickes und des Augenscheines. Bald, überraschend bald für die Initiatoren zeigte sich, dass diese Experimente eben Experimente bleiben werden und dass papierene Verträge und geschriebene Formeln, Deklarationen und Ennunziationen durch jede stärkere Regung der Völker selbst, in das Nichts zurücksinken müssen, aus dem sie täuschend, durch eine künstlich erzeugte Energiewelle, emporgetaucht sind. Es fehlte all diesen guten Bestrebungen und schlechten Versuchen das entsprechende Saatfeld, in welches der Keim eingepflanzt, feste Wurzeln fassen könnte und zum Blühen und Wachstum, schliesslich zur reifen Frucht gehegt werden könnte. Denn da ewige, lebende, jüdische Volk lässt sich höchstens in Bruchteilen, höchstens für Augenblicke von der einzigen rechten Bahn, die es Jahrtausende wandelte, abbringen, um. nach kurzer Zeit auf den alten, von Leid und Qual, Verfolgung und Martyrium umzäumten Weg, zurückzukehren! Und diese Rückkehr, dieses Ermannen beginnt, wenn die Zeichen nicht trügen, sich in unseren Tagen zu 01״!ziehen. n. Als vor sechsundzwanzig Jahren seitens der zionisitschen Organisation der Ruf zur Mitarbeit erscholl, vermisste das jüdiche Volk im Rufe nach Volkstum und nationalem Heim, die Versicherung, dass diese Arbeit im Sinne des jüdischen Geistes, im Sinne der jüdischen Religion geleitet werden wird. Sechsund־ zwanzigjährige Arbeit wurde geleistet, ohne dass auf Historische Erzählung aus den Tagen Chmicluitzkis. Von J. Kreppei. (Fortsetzung.) Fünftes Kapitel. Als sich die Kosakenhorden Chmielnitzkis der befestigten Stadt Narol näherten, in welcher Rabbi Jakob, der Gatte Sarahs, seit zwei Jahren den Rabbinerposten bekleidete, drängten die Gemeindemitglieder auf ihn, rechtzeitig die Flucht zu ergreifen. Es war ja bekannt, dass der grausame Feind überall zuerst die Rabbiner und die anderen Führer der Gemeinde zu Opfern ausersehen pflegte, zuweilen um auf diese Weise Geld zu erpressen, zuweilen aber• auch aus blossem Hass, um die Wehrlosen noch stärker seine schwere Hand fühlen zu lassen. Die Gemeindemitglieder wiesen darauf hin, dass Rabbi Jakob noch jung sei und eine Frau habe, dass es also seine Pflicht ist, für sein Leben zu sorgen. Alte Leute, die bereits das Leben mit all seinen Leiden und Freuden kennen gelernt haben, eignen sich eher dafür, die Märtyrerkröne zu tragen. Obwohl die Flucht noch damals möglieh war, da die Stadt befestigt und der Feind mit seinen Umzingelungsvorbereitungen noch nicht fertig war, lehnte Raabbi Jakob jeden Gedanken ab, für sein Leben zu sorgen in dem Moment, da seine Gemeinde einer so grossen Gefahr ausgesetzt sei. ״Wir alle sind in Gottes Hand und können unserem Schicksal nicht entrinnen. Wird es Gott gefallen, mich am Leben zu lassen, dann wird mir auch hier Rettung zu Teil werden. Ist es aber im Ratschlüsse des Ewigen anders beschlossen, dann werde ich dem Tod nicht entgehen“. Rabbi Jakob wies auch jeden Plan zurück, rechtzeitig eine grössere Summe Geldes bereitzustellen, um damit sein Leben zu erkaufen. ״Jedes Lösegeld wird die Habgier des Feindes noch steigern, Je mehr Gold wir in• seinen Rachen stecken werden, desto mehr werden wir seine Gier erregen. Wird er einmal zur Erkenntnis gelangen, dass ihm alle seine Mordtaten keine Befriedigung seiner Geldgelüste bringen, dann wird er vielleicht eher seine Taktik ändern und sich das Leben abkaufen lassen“. So sprach Rabbi Jakob und sein Entschluss blieb unerschütterlich. Die Festungswerke widerstanden den Angriffen des Feindes nur kurze Zeit. Eines Tages wurden sie im Sturm genommen und die vom Sieg berauschten Horden bemächtigten sich der Stadt. Sie blieben ihren bisherigen Prinzipien treu und trieben zunächst alle Juden auf den Marktplatz zusammen. Es waren ihrer nicht viele, zumeist den ärmeren Schichten angehörend, Alte und Kranke, da die Wohlhabenden noch rechtzeitig geflohen waren. Kosakenhetman Chmielnitzki hielt persönlich über die von Todesangst gequälten und vor Schreck zitternden Juden Musterung ab, überschüttete sie mit einem Hohn, fragte, wo denn ihr Gott sei, um sie von seiner Macht zu retten, befahl ihnen, getrieben von den Peitschen seiner betrunkenen Soldateska zu tanzen und erklärte schliesslieh, diesmal ״Gnade vor Recht“ üben zu wollen und sich damit begnügen zu wollen, jeden Zehnten von ihnen hinrichten zu lassen. Er befahl ihnen nun, sich in Reih und Glied zu stellen und Hess jeden Zehnten ausheben und unter Bewachung stellen. Die so ״Ausgewählten“ wurden dann wieder in eine Reihe gestellt und in Gegenwart der ״Verschonten“ enthauptet. Nach dieser Heldentat wurden die am Leben gebliebenen mit Peitschenhieben auseinandergejagt, und sie durften die Leichen der Ermordeten erst drei Tage später beerdigen, nachdem diese zuvor den Hunden preisgegeben worden waren. Es waren nur noch Leichenreste, Knochen und unzusammenhängende Glieder, die zu ״Kower JisroeL‘ gebracht worden sind. Unter den zum Märtyrertode Auserwählten befand sich auch RabbiMakob. Es war ihm beschieden, in der Reihe der aufgestellten Glaubensbrüder einer der ״Zehnten“ zu sein. Wohl versuchte es, ein neben ihm stehender Greis, den Rabbi zu einem Platzwechsel zu bewegen. Dieser aber winkte energisch ab und sah seinen Henkern, die ihn aus der Reihe zerrten, ruhig in die vom Blutrausche wildgierigen Augen. Die Umstehenden mussten es mit eigenen Augen sehen, wie ihrem verehrten und geliebten Rabbi der Kopf abgeschlagen wurde und wie sein lebloser Körper niederstürzte. Es war ihnen bekannt, das des Rabbi Gattin bei ihren Eltern sich befand. Sie waren sich der Pflicht bewusst, der unglücklichen Agtina Gewissheit über das Schicksal ihres Gatten zu verschaffen. Als der Krieg zu Ende war und sich einige Verkehrsmöglichkeiten eröffnet hatten, wurden einige der Augenzeugen zum Schwiegervater de$ Märtyrers nach ja ft 1 •1 1 י״ מ ו verschönern jede H־Pra־u. 9 ** Sie sind unkenntlich im Tragen, aus feinstem Naturhaar u. von hochwertiger Qualitätsarbeit Kärntner sä, 21