Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-07-27 · 30 (27.7.1923) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
30 (27.7.1923)
Date
1923-07-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630027--1055-2632788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

t <_ULÄ ■<..־. -. t Warschau. (A. J. P. B.) In der letzten Sitzung des üentralrates in Polen wurde beschlossen, sofort eine Aktion zugunsten unserer Brüder Erdbesitzer und Erdarbeiter in Erez Jisroel, die im kommenden Schmittohiahr ״ דBl ת ruhen, zu organisieren. Es wäre dringend notwendig, dass sich in allen Städten eine spezielle Kommission bilden soll, die die Werbearbeit für das Schmittohjahr übernehmen würde. Dr. Witold v. Korytowski. Aus Posen kommt die Nachricht, dass dort der ehemalige österreichische Finanzminister und Statthalter von Galizien, Dr..Witold v. Korytowski, im 73. Lebensjahrs verschieden ist. Dr. Korytowski war unstreitig einer der ״Chasaide Umot haolam“ und er verdient es, dass ihm in einem jüäl« sehen Blatte einige Zeilen gewidmet werden. In allen seinen amtlichen Stellungen, als Vizepräsident der galizischen Finanzlandesdirektion, als Finanzminister, als Reichsratsabgeordneter und zuletzt als Statthalter bat er sich immer überaus judenfreundlich betätigt. Er pflegte mit jüdischen Petenten reinjüdisch sprechen und selbst dem einfachsten Manne aus dem Volke die grösste Freundlichkeit erweisen. Ein besonderes Wohlwollen pflegte Korytowski den religiösen Wünschen der orthodoxen Juden entgegenzubringen. Die österreichische Gemeinde in Jerusalem hat ihm bei einer Gelegenheit in einer tiefempfundenen Adresse den Dank für das der Orthodoxie stets erwiesene Entgegenkommen ausgesprochen. Als Abgeordneter des Wahlkreises Podgor2e-Bochnia-Wielictka hat er für seine jüdischen Wähler den grössten Eifer an den Tag gelegt und ihre Interessen mit dem grössten Erfolg vertreten. Die antijüdische Bewegung in Polen nach der Wiederaufrichtung dieses Staates hat Korytowski mit dem grössten Schmerz erfüllt. Er bedauerte es tief, dass das einstige gute Verhältnis zwischen Polen und Juden im alten polnischen Staat nicht wieder hergestellt wurde. Im Herbst 1919, als sich die Gemüter in Polen ein wenig beruhigten, lud er mich zu einer Besprechung ein, um die Frage zu erörtern, wie es möglich wäre, einen polnisch-jüdischen Ausgleich herbeizuführen. In rührenden Worten erzählte er mir damals, wie seine Vorfahren die Juden zu behandeln pflegten. Sie waren im Posenschen Besitzer eines Gü :erkomplex, in welchem zahlreiche Juden wohnten. Allen waren die Besitzer väterlich gesinnt Für alle jüdischen Feiertage pflegte die Gemeinde reichliche Natwalienspenden zu erhalten, so oft unter de» Juden für irgendeinen Zweck Sammlungen veranstaltet wurdet^ durften die■ Gutsherren nicht übergangen werden. ZU Köl׳ Nidre pflegte sein Vater seinen Wagen anspannen lassen un4 eine Rundreise durch alle jüdischen Bethftuser unternehmen, um zu kontrollieren, ob nur überall ein Nichtjude an 0^ und Stelle ist, um für den Fall einer Feuerbrunst, die bei dieser Gelegenheit infolge der vielen Kerzen und dei deit Fussboden bedeckenden Strohs nicht selten war, die Lösch arbeit zu besorgen. »Was wäie zu tun“, fragte er schliesslich ״Um ein solches Verhältnis zwischen Polen und Juden wiedei hersteilen zu können?״ Leider waren damals in Polen ander« Menschen als Korytowski am Ruder, die über die Judenfrag» andera dachten und leider Hessen sich damals die Führer der Juden, die Herren Grünbaum und Genossen, dazu verleiten, das Heil der Juden in Polen in der Aufstellung »nationaler* Forderungen zu erblicken, so dass von einem Ausgleich kein* Rede sein konnte und leider ist bis heute scheinbar dej psychologische Moment für eine solche Aktion noch immer nicht gekommen. Immerhin verdient das ehrliche Streben dieses Mannes, die Gegensätze zwischen Polen und Juden auszugleichen, ehrenvoll verzeichnet zu werden. J. K. TSCHECHOSLOWAKEI. * Orthodoxe Volksschule in Bratislawa. Die mit Ende des Schuljahres vorgenommene Schlussprüfung in den Religionsfächern an der hiesigen Volksschule fand auch in diesem Jahre in Anwesenhet Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiners Schreiber, der Eitern uid zahlreiche Freunde der Schule statt. Das Resultat war in jeder Beziehung äusserst zufriedenstellend. Die Leitung und die Lehrkräfte leisteten Hervorragendes in der Aufarbeitung des Stoffes. Die Schüler gaben in allen Klassen präzise Antworten und zeigten vollständige Beherrschung des durchgenommenen Lehrstoffes. Se. Ehrwürden der Herr Oberrabbiner sowohl als auch der' Gemeindevorstand und die Gäste gaben ihrer Anerkennung für die erfolgreiche religiöse Lehrtätigkeit der Schule begeisterten Ausdruck. Altersversorgung in der Ostslowakei. In Kosice ist eine neue Institution von grosser Be« deutung für zahlreiche in Arbeit und Ehren ergraute jüdische Männer unseres Landes im Entstehen begriffen. Ein Komitee hervorragender Persönlichkeiten unserer Gemeinde hat sich mit dem Ziele gebildet, ein orthodox-jüdisches Altersheim in Kosice zü errichten. Die Vorarbeiten sind schon beinahe ' abgeschlossen und man schickt sich bereits^an, den Plan auf realer Basis durchzuführeiL Das Vorbereitungskomitee er- _lässt nun einen Aufruf an alle Menschenfreunde, ׳ an der Vollendung des Unternehmens durch Spenden und Stiftungen mitzuwirken. Wir bringen, hier den Appell des Komitees zum Abdruck und empfehlen ihn der aufmerksamsten Beachtung unserer Leser. Vorbereitungskomitee für der Mosav Sekenim (Alter3asyl) Kosice. An alle Menschenfreunde und Wohltäter! In Kosice (Kaschau) organisierte stell ein Verein mit der humanen Idee, ein Aitersasyl (Mosav-Sekenim) zu gründen, wo alleinstehende, erwerbsunfähige alte Leute untergebracht und verpflegt werden sollen. Es wird geplant, diese Anstalt mit allem Komfort auszustatten, es soll einem modernen Pensionat gleichgestellt werden, damit es auch für wohlhabendere, alleinstehende alte Leute, welche ihren Unterhalt bezahlen werden, vollkommen entspricht. Die Küche soll streng Al-pl Sulchan Aruch geführt werden. Mittel und Legate zur Erhaltung dieses Institutes sind zur Genüge in Aussicht. Es fehlt nur noch das tyfezu erforderliche, entsprechende. G ebäude, welches nur durch Spenden und Keren Kajemes anzuschaffen wäre. Wie sehr ein derartiges Institut in Kaschau mlt1 der Bestimmung für die Ostslowakei) notwendig ist, ist ganz überflüssig zu betonen. Es bietet sich also eine seltene Gelegenheit für wohlhabende Gesinnungsgenossen, sich auf dem Gebiete der Humanität mistorblich zu machen. Jeder Bar-J.isroel wird gebeten, die Angelegenheit ideell und materiell nach Möglichkeit zu unterstützen, damit wir ehestens zum Ziele gelangen. Kosice (Kaschau), 16. Juli 1923. Die VorbercKungskommission: 1 Bayern Beni, Simon Scharniamn, Abraham Hartstein,;!ermann Schweid, Goldstein Lipot,.. Liebermann Mör, Weiss Ernö. Krauss Menyhdrt, Hochhäuser Salomon, Kannengiesser Zsigrnond, Friedmann S. ׳ Geldsendungen übernimmt und vermittelt: Orth. fsr. Kuitu. gemeinde Kosice, Zvonarska u. 5. י —י™—* ••Statt Kultussteuer“. Eines der Hauptziele der der Zionisten bildet bekanntlich die ״E r 0 b e r ti'n g“~ d e r Kultusgemeinden. Was man darunter; zu ־ versteh«□ hat, darüber belehrt uns ein ganz unscheinbarer Sp&Ufdeaausweis in der jüngsten Nummer der offiziellen .auf dso /m , te*** u»Me Aufmerksamkeit lenkt. Dort findet sich eine Spende aus BeneschaU für einen, der tausendundein zionistischen Sammelzwecke mit dern Vermerk ..statt Kultus^ I Steuer“ ausgewiesen. Eine Spende für den Zionismus enthebt demnach den Spender von der Pflicht, zu der Erhaltung der jüdischen Gemeinde beizutragen. Nicht ausgeschlossen ist freilich, dass es sich auch liier wiederum um einen jener bis ins ,äusserste konsequenten Zionisten, den ״katholischen Nationaljuden“, handelt, denen ,.Zlonismus“ in der Tat der bequemste Weg Ist, sich .mit stolzen Gebärden von a 11 e 51 jüdischen Verpflichtungen zu befreien. Volke Topolcany. Sr. Elirw. flcrr Rabbiner Schenk aus Wien, der hier zu Gaste weilt, hielt amp'^in der hiesigen Jugendgruppc eine דרשה die mit besonderem Beifall von allen Zuhörern aufgenommen wurde. Nach מנחה hielt Herr Rabbiner Schenk itn Lokale der חכרה שומרי תורה eine zweite דרשה die mit herzlichen דברי תירה und מוסר gewürzt war. Es sei dem Herrn Rabbiner der herzlichste Dank ausgesprochen. Jüdisches Leben ln Hlohovcc, Ucberall und zu jeder Zelt befinden sich Leute, die cs gerne mit jedem gut haben möchten. So gibt cs Menschen, weiche sich im Schosse einer, orth. Gemeinde mit dem strenggläubigen und auch mit dem sich nicht streng jüdisch führenden Leuten verhalten •woiten. Es sind dies Leute, die mit dem orthodoxen und mit den neolog,gesinnten׳, mit den Ägudisten und mit den Zionisten in inniger Freundschaft leben wollen, das heisst, sie, wolle/» von dieser mrd von jener Seite geehrt und geachtet und hauptsächlich zu einer Wilrderistelle in der Gemeinde gewählt werden; Wir haben hier vor 14 Tagen ein סיום Feier gehalten, über welche unser Lehrer; Herr Glübk, so begeistert referiert hat. An derselben hat er, der Direktor, der Gemeinde- Präses aktiven Teil genommen. Mit einer noch grösseren Begeisterung nehmen dieselben Herren aktiv Teil an den Vorstellungen des Zionistischen M ä d c!1 c n Vereines. Sie verkünden mit grossem Selbsbewusstsein, dass sic das ׳Judentum'in der Gemeinde gerettot, denn sie haben einen 'jüdischen Turn- und Sportverein ins Leben gerufen. Worüber sich die Herren ' so sehr freuen, über das ,.jüdsclic" oedr über din Sport, daran kam! niemand zweifeln. Als einfacher .,Balbos" unserer Gemeinde kenne ich mich nicht aus. Wann niuss ich unseren Vorgesetzten folgen, wenn sie mich In den בית המדרש oder wenn sie mich in den zionistischen Mädclichvcreiu oder in den jüdischen Sportklub führen wollen? Und wann soll ich unserem Herrn Glück, dem Herrn Direktor upd den anderen Herren glauben, wenn sie Ihre Freude und Au* fcrkennurtg über das gelungene חרישות des Rabbiners ausdriieken oder wenn sie am Tceabeiul der zionistischen Mädchen den teilnehmenden Herrn applaudieren? (B. B.) — Soweit die Zuschrift. Im Interesse einer klaren Wegrichtung des öffentlichen Lebens in unseren orthodoxen Gemeinden sind wir gerbe bereit, einer Kurzen und präzisen Antwort in unserem Blatte ׳ ebenfalls Raum :;11 geben. Red. Aguda-Markcn in der Slowake!. Gleich anderen Ländern hat nun auch der ״Landesverband der Agtidas Jisroel-Jugendgruppen in der Slowakei“ eine Serie geschmackvoller Aguda-Marken hersteilen lassen' und dieser Tage in Verkehr gebracht. Die Marken zeigen ln Anlehnung an eine Stelle aus der צואה des הכם סופר die aus der Lebensquclie der חוה״ ק Labsal schöpfende jüdische Gemeinschaft in der Symbolik des grünenden Baumes und der Quelle in künstlerischer Ausführung. Sie werden in den' weitesten Kreisen freudig begrüsst und auch als willkommenes populäres Propagandamittcl für die Aguda-Idee gern benützt werden. Vorläufig wurden sie in fünf Farben,' fünf Werten entsprechend (tscli. K 2.—, 1.—, —.50, —.20 •und —.10) ausgegeben. Ein ״Merkblatt“ des Landesverbandes macht mit Einzelheiten über dis Verwendung* der Marken bekannt. Wir heben besonders die Zweckmässigkeit der Verwendung solcher Aguda- Marken bei Glückwünschen, zu Hochzeiten, bei Vcrlobun* gen und sonstigen freudigen Anlässen hervor. Der Landes* verband gibt zu diesem Zwecke auch Blankette heraus, die er den Abnehmern von Margen gratis zur Verfügung stellt. Wir verweisen auf dieses Merkblatt, das ebenso wie die Marken bei allen Jttg^ndgruppen der Aguda» Jisroel und. an den vbn ihnen errichteten Verkaufssteuer erhältlich ist. 1' ■ •**«■ '.I, .fh?״ \1, ,1!tיז \iPk /V.,•n ,i״ .101 ■1*1.tFk׳ ,<־! f s ״ ז■ h ■I.N״־. 1*11•. jf:. .A .11• .f.iK vfV /V. .,־t.. .•!״.■״ 4 יי 4 * mm Btatltuwa (Prmbw1־a), Ctefcr Erstklassige diagnostische, dlätatl■* sehe u. piiysikotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe. Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Ohren-, Kehlköpfu, Hautkrankheiten, Röntgenbehandlung. Chemische u. baktcrio- //. logische Laboratorien. // Täglicher Pauschalpreis v. öK 55 atHw. Pauschalpreis für Entbindung: v. cK 11Ö0 bis 8K 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige öK 15 FREIE ARZTEWAHL. Rituelle כע\ר Verpflegung unter Aufsicht des Propsburger orthodoxen Rabbinates. Eigentümer und Herausgeber: ״Jüdischer Verlag G. m.b. H.“ IL, MalZgassc Nr. 12 a. — Verantwortlicher Redakteur; Jakob Deutsch, Wien, 1״ Kölnerhofgasse Nr. 2. Für die Tschccho-Slowakei: Heinrich Schwarz♦ Bratislava. — Druck. Druckerei und Verlags«A.*G. Ig. Steinmann, Wien, IX, . Uniyersitütsstrasse 6. KALENDÄRIU «aas«*-!*•SS» ■»BganaBKgaeagg■ ÜHB-Ü5JS0•» Tag Sonntag Montag Juli 29. SO. Ab 16. 17. Notizen Tod des Sowa Semochaua 6591. Juden erobern Antonia von den Römern 3426. — TocTRPSamson Wiener, Wien 6468,!. — Tod R. Oscher fMajlr Adlrlm), Wilna oööö.! Dienstag 31. Das W'estiicht erlischt unter Asciias. — Cremieux interveniert für Juden in Damasku« 1864. Mittwoch I A״?ust I 1• 10. Donnerstag Freitag 2. 20. 3. 21. Samstag i 4. Tod R. Abraham (Sera Awrohora) 6481. — Massaker von Juden ln Frankreich. 616.9. j — Tod Rabbi Zwi-Wengraw, Lublin 559L Römer greifen die von Johannes von Gischala und Bar Oiora verteidigte Unterstadt! an, 382!). — Tod R. Schmuei, Lemberg 6i72. ׳ Massaker in Frankreich 5169. — Tod R. Meir, Lublin 5515. Hkew. — Haftoro - Tod R toro: Watomer Zion. — 4. Perek. — Judenverfolgung Alexander Sender Komarno (Ujhely). in Barcelona 5131•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.