Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 30 (27.7.1923)
- Date
- 1923-07-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 30 Seite 213 \ JODISCHE PRESSE 16. August :? 1923. :: ד׳ אלול t תרפ״ג. ן Ein Problem der Kenessio Oedaulo. Der Sabbat des Trustes ist wohl der geeignetste Zeitpunkt, um einige der wichtigsten Probleme der Kenessio Gedaulo zu besprechen. Denn die Hauptaufgabe dieser Versammlung besteht doch darin, in diesen trüben Zeiten der Gesamtheit Israels einen Aufschwung, eine Hebung ihrer Seelenstim־ mung zu geben. Wir sagen ausdrücklich: ״Der Gesamtheit“. Denn es ist und bleibt Aufgabe der Agudas Jisroel, in der Gesamtheit Israels die verloren gegangene Führung für die Thora wieder zu erobern, wohl verstanden für die Thora, nicht aber für eine Person, denn wir sind überzeugt, dass in demselben Augenblick, in welchen die Sicherheit gegeben wäre, dass dieser Gedanke sieghaft sich bei den Vertretern anderer Anschauung durchgesetzt hat, dass irUdemselben Augenblick sämtliche leitende Persönlichkeiten der Agudas Jisroel sehr gerne ihr schweres Amt in andere Hände legen würden. Allein es ist ganz merkwürdig, wie' wenig das vergangene Jahrhundert die Menschen unserer Zeiten gelehrt hat. Nur ein kleiner Unterschied besteht darin, dass, während man in der Periode Mendelsphns und Friedländers die Thora gewaltsam entthront hat, unter zum Teilerbärmlicher Zuhilfenahme der staatlichen Mächte, verlangt man jetzt von den Rest der Thoratreuen nicht mehr und nicht weniger, als dass sic sich selbst verleugnen, denn schliesslich läuft ja die ganze Sehnsucht nach der sogenannten Einheitsfront, die sich teils in ernster Bitte, teils imspöttischen Hohn, teils in schmachvoller Selbsterniedrigung äussert, immer wieder darauf hinaus, dass man den störenden Anspruch der Thora auf Allherrschaft zurückstellt. Alle Begriffsbildungen, alle Schlagworte der jüngsten Jahrzehnte erstreben das- selbe Ziel. Es ist das gewaltigste Problem der Kenessio Gedaulo, dass ihr die Aufgabe zugewiesen ist, cs mit der Thoratreue ernst zu nehmen, und, . wenn es ihr nicht gelingt, die Gesamtheit Israels jetzt, schon für dieses Ideal zu gewinnen, wenigstens die Treue zu ihrem Ideal in ihren Kreisen aufrechtzuerhalten. Auch uns sind die Zeichen der Zeit nicht verborgen geblieben, auch wir können die werbenden x Stimmen von Aussen und die zweifelnden Stimmen . von Innen. Auch wir wissen, %dass es unter unseren Geisnnungsgenossen gar manchen gibt, der in krank-! hafter Selbsterniedrigung alles das glauben möchte, was die Gegner über uns lügen. Auch wir wissen, dass es gar manchen Mutlosen,gäbt, der angesichts des Sturmes der Zeiten vom Allmächtigen und von seiner Thora eine Art Moratorium verlangt und in der Agu-da die Stelle . sieht, welche dieses Moratorium zu beantragen hat. Wir wiederholen, . es ist ein gewaltiges Problem, hier den Mut zum richtigen Wort und auch das Wort zu finden, das diesen Mut erzeugt. Wir. glauben und hoffen, dass alle Delegierte den tiefen Ernst dieser Lage erkennen und demgemäss auch handeln ,werden; Damit ist aber auch der. Gesamtheit gedient, denn wenn nun gar noch die Agudas Jisroel die Einzigkeit der Thoraführung auch nur eines Augenblickes Hauch verleugnen würde, ■um irgend ein Kompromiss zu schliessen, dessen Folgen unabsehbar wären, so wäre aus dem Exil eine Wüste geworden und die Thoratreue, die allen Feinden zum Trotz, sich 2000 Jahre erhalten hat, wäre verraten und verkauft von schwachen Menschen; dann wäre es wirklich, sowie es schon einmaLwar, als der Allmächtige eine Thora den Völkern der Welt anbot und diese sie zurückwiesen, weil dem einen dies, dem anderen jenes für das Privatleben und für die Betätigung der Gesamtheit störend erschien. Die Lösung des Problems ist, dass die Kenessio Gedaulo die einmütige Antwort gibt: Ja wir kennen eine Einheitsfront und wir wollen sie und das soll die Front der vollkommenen Harmonie des jüdischen Wollens mit dem Wollen der Thora sein. Eine andere Einheitsfront gibt es nicht und darf es nicht geben. _ P. K. Mitteilungen aus dem Kenessio Gedinilo-Bureau. Empfang. An äen Hauptbahnhöfen und an den Schiffsladungssstelen 'sind Empfangsbureaus eiligerichtet und wird jeder Delegierte und Gast gebeten, an dem Bahnhof, an dem er eintrifft, an das dort befindliche Empfangsbureau sich zwecks weiterer 111formation zu wenden. Auf den Sonderschiffen werden für die Delegierten und Gäste Empfangs- und Wohnungsnachweisbureau mitfahren, von denen alle weiteren Informatonen zu erhalten sind. Verkehrssektion. Falls sich genügende Teilnehmet: melden, werden ermässigte Sonderzüge yon Passaü und Lundenburg eingelegt. Vlsuip: Die österreiehischen Auslandsstellen werden erleichterte und teilweise ermässigte Visum erteilen. Ausserdem ,wurde bereits veranlasst, dass die hiesige •Vertretung Wegen erleichterter Passbeschaffung bei ihren Heimatlande interveniert. Saal-Sektion. Im Saalgebäude wird sich ein eigenes Kenessio Gedaulo-Postamt befinden und können sämtliche Delegierte und Gäste ihre Post an das Kenessio Gedaulo-Postamt, II., Zirkusgasse 42, richten lassen. Es wird nochmals daran erinnert, dass Wohnungs- und Verköstigungswünsche im Laufe dieser Woche an das Kenessio Gedaaulo-Bureau gelangen müssen, wenn sie auf Erfüllung rechnen. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dass nicht bis zum 15. Ab angemeldete Delegierte oder Gäste in Massenquartieren־ untergebracht werden müssen. Privatquatiere stehen nur in beschränkter Zahl zur Verfügung. Füjr rechtzeitige Anmeldungen stehen desgleichen Massenquartiere für die Jugendgruppen zur Verfügung. Es wird eine Erez Jisroel-Sektion, für die speziellen Erez Jisroel-Tagungsangelegenheiten gegründet. Alle Zuschriften sind an diese Sektion erbeten.!Berichte. ־ Wien. Die Wahlen zur Kenessio Gedaulo in Wien fanden Montag nachmittags an ganz Wien statt. Das Wahlresultat wird erst nach Festsetzung durch die Wahlkommission bekanntgegeben werden. Wien. Das Bureau der Kenessio Gedaulo hat bereits die Räume des Kongressgebäudes, II., Zirkus- Sasse 42, bezogen. Wien. (A. J. P. B.) Den neuesten Nachrichten zufolge wird Rabbi Chaim Sonnenfeld höchstwahrscheinlich zur ’ Kenessio Gedaulo nach Wien kommen. . « Wien. (A. J. P. B.) Während der Kenessio Gedaulo findet im Gebäude der K. G. eine Buch- und Kunstausstellung, unter besonderer Berücksichtigung J. ■ J■■ , .-!1L■.■■■ I":1 ..L.1 .. , "wr .'■ Der Zug der Zeit. Es ist mit ein Wunder des modernen Eisenbahnbahnverkehres, cüle Verwandlung der ,vielgestaltigen Menschheit zu Reisenden und Mitreisenden, Ich bin kein Freund von Reisebekanntschaften. Ich ziehe es!vor, mich in eine Ecke zu drücken: und innere Einkehr zu halten. Das hastende Gegenwartsleben kennt so wenige Haltestellen, die zur Selbstbesinnming einladen. So verfliegen die ersten Stunden, in denen, ich nur mir gehöre. Die Vergangenheit wird wieder lebendig, Kindheitserinnerungen erwachen, Jugendein'drücke nehmen mich wieder gefangen und diese Wachträume gehen über in die Traumwelt, in die mich das Gleichmass der Räder gewiegt haben. Je schneller der Zug dahinrast, utnso lebhafter werde ich wieder ־wachgerüttelt. Man kann nicht mehr lesen, nicht schlummern, nicht träumen, es erwacht die psychologische Neugierde des Reisenden. Man sitzt mit Menschen zusarnmen, am engen Kupee eingepfercht, von denen man nichts weis. Nicht woher sie kommen und nicht wohin sie gehen. Nur aus ihrem Benehmen, aus; aufgefangenen Worten, aus der Zeitung, die" sie kaufen, aus dem Einband der Reiselektüre, zieht man Schlüsse, Folgerungen und Urteile.; Menschenkenner werden auf diese Welse zu den' inter- : essantesten Eindrücken kommen und können in der Seele des Mitreisenden lesen, ohne nur seine persönliche Bekanntschaft zir machen. So fuhr ich jüngst im Schnellzuge nach einem der böhmischen Bäder. Meine Mitreisenden nehmen meine psychologischen Neugierde gefangen’ und es wurde mir nicht leicht, mich zurechtzufinden. Mein Gegeenüber war ein elegant gekleideter Herr, mit kurzem graumelierten .Vollbart, die Wangen glatt rasiert, mit süddeutschem Akzent sprechend, neben ihm ein ungefähr 20jäl1rlger Jüngling, dem man den Osten in Geste und Aussehen unverkennbar anmerkte. Mein Nachbar zur Rechten war ein älterer Jude im Kaftan, der richtige Ostjude, wie man ihn in Gruppen so häufig in Badeplätzen antrifft. Sein ganzes Wesen zeigt Wü^de, Selbstbewusstsein und Wissen. Das unterscheidet den Ostjuden im Osten von dem nach dem Westen Verschlagenen, den die Not heimatlos und flüchtig macht, und der doch noch stark genug bleibt, seine Eigenart zu bewahren. Neben diesen achtungsgebietenden Mitreisenden, dessen weisses Haupt mit einem schwarzen, runden Käppchen gekrönt ist, sitzt eine junger Mann, dem man die deutsche Schule und Schulung in jeder Weise anmerkt. Seine Kleidung zeigt den guten Schneider, sein Gesicht glatt rasiert, sein Haar glatt gescheitelt, modern in jeder Linie. Anfangs glaubte ich, dass diese beiden jungen Leute nur die Plätze vertauscht haben, doch mein Erstaunen wuchs, als ich aus der Unterhaltung merkte, dass der deutsche Jüngling der Sohn des Ostjuden, der junge, jüdische Gelehrte, der Sohn des deutschen Reiseteilnehmers sei. So verschieden das Aussehen der beiden jungen Leute war, so verschieden der orthodoxen Verlage und orthodoxen Literat«!־, statt. Wien. (A. J. P. B.) Auf Veranlassung der Frankfurter Palästinazentrale findet am Dienstag vor der Kenessio Gedaulo eine geschlossene Aussprache der Vertreter der einzelnen Palästina-Zentralen der Landesorganisationen statt. Litauen, Ostgalizien, Deutschland und Erez Jisroel haben bereits ihre Vertreter nominiert. . Wien. (A. J. P. B.) Im Gebäude der Kenessio Gedaulo wird mit Bewilligung der Postdirektion ein eigenes Kenession Gedaulo-Postamt, mit einem eigenen Kenessio Gedaulo-Poststempel, eingerichtet. Delegiertenwahl. Am 15. Juli hat die Landeszentrale der Agudas Jisroel in Grosswnrdein ihre Generalversamrmlung abgehalten, um zur Kenessio Gedaulo ihre Delegierten zu wählen. Nachdem Präsident Ludwig Freund auf die Leistungen der Aguda hingewiiesen, die Wuchtigkeit der Kenessio Gedaulo betont und die in grosser Zahl anwesenden Mitglieder zur intensiven Arbeit aufgefordert hat, referierte Herr Obprrabbiner Schlesinger aus Zlate- Moravcc über die allgemeine Lage der Wcttaguda. Nach einer Ansprache des Herrn!Benjamin Bauer, der ebenfalls^auf die Wichtigkeit der Kenessio Gedaulo hinwies, wählte die Generalversammlung den Herrn Oberrabbiner Benjamin Fuchs, ferner die Herren David Kohn, Ludwig Freund, Max W e i s s, Filipp F r i e.d m a n n, Abraham Glanzer und Jakob Ehrerifeid aly Delegierte. Oradeä-Marc. Unter grosser Begeisterung und lebhafter Teilnahme hat die Wählcrversammlun der Agudas Jisroel-Jugendgruppen in Transsylvanien für die Kenessio Gedaulo stattgefunden. Als Delegierte der Landeszentrale wurden einstimmig die Herren Eugen Ul I mann, WH-■ heim Fuchs und Stephan U 11 m a 11 n und als Ersatzdelegierter Herr Bezalel Fuchs gewählt. Warschau (A. J. P. B.). Als Delegierte der Agudas Harabunim in Polen werden Rabbiner: Jecheskiel Lipschitz-Kalisch und Rabbiner Fein aus Slonim an ddr Kenessio Gedaulo teilnehmen. Sensationelle Umwäüsung in der dauergewellten durch die Neuschaffuhgen der Firma ®ט» 9! (gegenüber dem Hotel Bristol) welche den Damen kostenlos :: vorgeführt werden :: En gros En detail Die grösste internationale Kunstwerkstätte für Perücken, Scheitel und Transformationen Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialist in Braut-Scheiteln. Diese werden der Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacht. Um vor Irreführung zu schützen, bitte den Vornamen Othmar und die Adresse genau zu beachten I schienen ihre Interessen. Der Sohn des Ostjuden las die neuesten deutschen' Zeitungen und Zeitschriften, der Sohn des Deutschen, hebräische Zeitungen und Broschüren.; — Jetzt erst verstand ich dieses Geheimnis. Es war kein: Spiel der Natur, es war die Frucht der Erziehung. Der eine kam von der Jeschibah, der andere aus der Lehre aus Deutschland. Endlich langten wir in der Bestimmungsstation ein. Die: Türen werden aufgerissen, Träger herbeigerufen, und alles' will dem Ausga'ng zu: Zwei Damen mustern mit ihren Kindern den Haufen der Ankommenden. Die eine, eine schlanke Blondine ohne Hut, nach letzter Modevorschrift gekleidet, Hals und Arme entblösst, in nächster Nähe eine vornehme, schwarzgekleidete Dame, die trotz aller Würde unverkennbar durch den schwarzen Scheitel unter dem; Kapothut ihre Volkszugehörigkeit erkennen lässt. Meine: Kupeegenossen eilen auf diese Damen zu und es besteht: für mich kein Zweifel, die Modedame ist die Gattin des Westlers, die Scheiteljüdin, die würdige Gefährtin des Ostjuden. Um dies zu erraten, braucht man nicht erst Psychologie zu betreiben. Und wieder die Ueberraschung, Schon begriisst der im schwarzen Kaftan gekleidete Ost«», jude die schlanke Blondine, die unverkennbare Scheitel-, jüdin eilt zu dem Gatten, der durch sein schmetterndes Idiom sich als der bewusste Vertreter Deutschlands fühlt. — Jetzt gebe ich bald meine psychologischen Studien auf! ־ O. N. SK En gros und Erzeugung I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Detailverkauf s - iSUederBage 5 fi., 6raken 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pelzaufbewahrung gegen Versicherung Uber die Sommermonate