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Jüdische Presse · 1923-07-13 · 28 (13.7.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
28 (13.7.1923)
Date
1923-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE Nr..» Erinnerungen an Kättowitz. Von J. K r e p p c I. HI. Am kweftfcn Tage, 12. Siwan, fanden die eigen{* lichten Beratungen statt. Der Vorsitzende Dr. Hirsch (tffclberstädt) begrüsste die Konferenz und wies darauf hin, dass* die ״Aguöas Jisroel“ keine Partei innerhalb des Judentums sein will, sondern das Judentum selbst. Wir Wollen unser ganzes Leben auf dem Boden ddr/ThOfa, die unser Lebensnerv fst, stellen.!,Wif sprechen im Namen der Millionen orthodoxer Juden aller Länder, und dies gibt uns den Mut, unsere Arbeit in Angriff zu nehmen. Stadtrat Wiener begriisstc die Konferenz int Namen der jüdischen Kehiüo in KattowltZ, Rabbiner Dr, Kohn im Namen des Kattowitzer Rabblnats, Stadtrat Quttman im Namen der Nachbarkchillo Beuthen. Hierauf ergriff Rabbiner Dr. S. Breuer (Frankfuft) das Wort zur Programmrede. Bereits vor 15 Jahren — erklärte der Redner — habe er gelegehtlieh einer jüdischen Konferenz in Frankfurt die Schaffung ein# solchen Organisation wie die geplante ״Aguda“ angeregt. Als die ״Allianz“ vor 5Ö Jahren gegründet wurde, habe sein Schwiegervater, R. Samson Rafael Hirsch s. Z. 1. dieselbe als eine Gefahr für das Judentum bezeichnet. Dies hat sich auch bestätigt. Nachher ist der Zionismus. auf den Plan getreten. Die massgebendsten Rabbiner haben ihn als dem religiösen Judentum schädlich bekämpft. Selbst die ״Misrachi“, die formell Zum Zionismus schwören^ sahen die Gefahr desselben * für das tmverfälschte Judentum ein, denn sie fanden sich veranlasst, eine eigene Organisation zu schaffen, um den schädlichen Rückwirkungen des modernen Zionisnius entgegenzuwirken. Seither sind auch noch andere Jüdische Organisationen entstanden. Doch keine einzige aus den Kreisen der Orthodoxie. Die orthodoxen Juden sind zu allen möglichen Aktionen materiell herangezogen worden, doch hatten sie dabei nichts mitzureden. Selbst dann nicht, wenn diese Aktionen gegen den Geist unserer Thora geführt wurden, Nun taucht die Frage auf: Sollen wir ferner-; hin untätig bleiben? Sollen wir auch weiterhin dieienigen als die ״Führer“ und ״Retter“ des Judentums gölten lassen, die sehr oft zum Schaden desselben handeln? Ich verkenne nicht die Schwierigkeiten — erklärt Rabbiner Breuer weiter — die sich uns ehtgegensteilen werden. Aber “kol Kenessio schein leächem Schomaim, saufo lehiskajem!“ Jede Gründüng, die gottgefällige Ziele verfolgt, hat einen Bestand, Kaum werden wir den ersten Stein legen, wird das Haus gar bald aufrecht stehen. Wir wollen kein zionistisches Surrogat ins Leben rufen. Wir wollen auch keine zionistische Orthodoxie sein. Wir wollen eine wirkliche jüdische Orthodoxie sein. Nach dieser, mit grosser Begeisterung aufgcnommenen Rede begrüsst Rektor Dr. Hoffmann im Namen des orthodoxen Rabbinerseminars in Berlin. Hierauf ergreift Herr Jakob Rosenheim (Frankfurt) das Wort Das Werk, das wir in Angriff nehmen, ist noch nicht fertig,י— führte er aus — aber es ist schon ein feierlicher Anblick, wenn die glaubenstreiien Juden zusammentreten, um über die zur Währung der religiösen Interessen in unserer ״Kulturzeit“ nötigen Massnahmen zu beraten. Es wird von der göttlichen Häschgocho abhängen, ob wir unser Ziel ganz oder teilweise erreichen werden können, ob es 1ms ver- ׳gönnt sein Werde, die Früchte unserer Arbeit zu ,erleben, oder ob unser Werk erst in dort künftigen ^Generationen zur Reife gelangen würde. Als die 'Juden aus dem heiligen Lande in die Diaspora vertrieben wurden, waren die Bedingungen für das religiöse Leben nicht ungünstig, Einerseits lebten die Juden damals in einer im allgemeinen religiösen Umgebung. Anderseits waren sie in Massen zusammen- ,gedrängt, und dies stärkte den religiösen Geist. Die in unserer Zeit allgemein aufsteigende Entwicklung der sogenannten Ktiltur maoht aber die Schaffung einer Orthodoxen Weltorganisation, der : ,,Agudas Jisroel“, zu einer Notwendigkeit. Insolarige• wir unter uns geblieben waren, konnten wir der Thora treu bleiben; heute aber stehen alle Länder unter dem Einfluss einer modernen Kultur, da reichen die gewohnlichen Mittel nicht mehr aus. Heute müssen wir zur Wahrung der religiösen Interessen, eine spezielle Organisation schaffen. Die ״Agudas Jisröel“ ist notwendig, um das. religiöse Leben zu realisieren. Unsere westeuropäische Jugend hat den geistigen Zusammhang mit den breiten jüdischen Massen des Ostens nötig, um dem Judentum, nicht entfremdet zu werden. Die ״Agudas Jisroel“ ist zunächst eine Notwendigkeit für die Juden des Westens. Diese haben Begeisterung, religiöses Gefühl, einen Zustrom von Thora und Emuna nötig, sie sollten von den Fehlern, denen wir verfielen, lernen und verstehen, sich gegen diese zu schützen. Sie sollet! den W e s t j 11 d e n etwas positives geben. Wir aber lehr e 11 sie, was sie nicht tun sollen. (Fortsetzung folgt) Kenessio Gedaulo-Gedanken. von Pfoni Ahnen(. Fast keine jüdische Zeitung hat es bis heute v&rsäumt sich Gedanken zu machen über die demnächst stattfindende Weltkonferenz der Agudas JirSfoel״ die eine der bedeutendsten seit Jahrhunderten werden soll. Es ist vielmehr das Auge der ganzen jüdischen M e n s c h h 0 i t, das die Konferenz auf sich leuchten •sieht, es ist das Herz des jüdischen Volkes, das . auf einen Labetrunk zu seiner Erquickung wertet. Demi 110dl! nie war die. 8Mttmnt!»g des |ödls0he!! Volkes so stark, noch nie seine Töne so hefzzerredfcsend. Wohl hat das •Jüdische Volk von Beginn {*hier Qoluss- Wanderung an, unter Tyrannen und ,Despoten traurige Jahre verlebt, wohl hat cs deh Zotn des Fürsten, die Hand des Henkers lind den glühenden Griffel der Märtet- Werkzeuge gefühlt. Es hat aber immer gewusst wer diese Schläge gibt, es konnte immer sagen, Von w e tti der Befehl zur Ausrottung gekommen ist und vielleicht gär noch, wer der Urheber dazu geweseh ist. Ganz anders dagegen in der heutigen Zeit. Wir wissen zwar auch dass wir im Exil sind, und spüren wir es Gott sei Dank nicht am eigenen Leibe, so sehen wirs art deh Pögröfflen in Russland und der ganzen Ukraine. Wir ahnen aber' nicht den ganz merklichen Unterschied gegenüber früheren Zelten, dass nämlich heute die Ursache eihe im Innern des jüdischen Volkes seiende ist, wir vermuten nicht, dass nur das eigene, vom lüdlschfen Besitzer getragene Schwert solche Schläge zu geben vermag- und. wir wollen uns nicht einmal eingestehen, dass wir auch Schuld haben und dass Sünden altch auf unser Konto zu buchen sind. Und dieses Bewusstsein der Schuld' haben nicht nur andere Organisationen, die trotz Verkennung' echt jüdischer Pflichten im Ge&amtjudenhim eingereiht . sind und dort ihren Platz beanspruchen, sondern auch die Orthodoxie!tllt anderen Worten, auch Agudas-Jlsroel. Wenn 'wir von einer .Schuld der Orthodoxie sprechen, so sei voräusgfeschickt. dass es sich ■hier nicht um ein bewusstes .Vergehen handelt,, sondern nur um eine ״Vernacldässigungsschuld“׳, weil die Notwendigkeit ,vetsebiedener Pflichterfüllungen uns erst jetzt •klar zu Verständnis gekommen ist.' All dies hat man heute erkannt, und deshalb ist die Kenessio Godau loh eine Notwendigkeit geworden ohne - die mau sich fast die naheliegendste ״Zukunft‘' Hi'ciit denken; könnte. Dieses Erfordernis entspring;* nicht mir einer physischen .Gebrochenheit, spttderh Vor. aHem.'tIcr seelischen und geistigen Zerrüttung^ Man kann ZWar'der Orthodoxie nicht den Vorwurf von zu geringer Konzentrierung auf diejenigen Vorschriften, die• zum Judentum an und für sich heraiibllden, machen. Ein anderes Moment tritt aber hier ln den VOMfergrund. Die Ursache geistiger Erkrankung Wird viel zu Wellig in körperlicher Erkrankung gesucht. Man vergisst alizuoft, dass nur in einem gesunden Körper auch ' eitle gesunde Seele leben kann. Soll auch letztere über ersteren herrschen, so kann immerhin von einem gcV .'׳hnlichen, Menschen nicht verlangt werdeh, dass er an. die Grösst unserer Zadikim lieranreicheh muss. Nur 'd a ist der wahre Grund, warum viele Juden in fremdes Lager übergehen, und nur dem ist es zUzüschf elbfett, däsS;;Missionäre, Ift Gegenden wo die Juden Verarmt sind, grossen Erfolg ZU Verzeichnen haben. Da konstatieren Wir ,also eine Vernachlässigung und da will die Konferenz wirksam eimgreifen, Vorerwähnte, Aufgabe ist nicht nur für das Gölus akut geworden. Mehr als je Wird es Pflicht des Kongresses sein, auch, auf jene ihr Augenmerk zu richten, die scheinbar nicht im Golus sind, auf unsere Glaubensbriider in Ercz-Jlstoel. Jene physische Gebrochenheit, von der wir gesprochen, Not und Mängel an Allem, bringen es mit sieh, dass nichtjüdisCliö Einflüsse atrf indischem Boden Platz gewinnen und fremde Saaten auf jüdischer Erde aufzugehen drohen. Jeflef' Vemichtuttgskattipf von Seiten unserer Fqlnde ist in Eröz-Jisroel gefährlicher als ln igend einem anderen. La'nde, denn er wütet $1n einem Orte, wo man sich vor Gegnern und Anfeindungen geschützt und sicher glaubt. Mit dieser Erkenntnis würde die Konferenz Ursache unserer •seelischen . Zerissenheit iind Zerfahrenheit und auch die Mittel zu ihrer Abwehr erkennen. Nun gilt es auch zu untersuchen, warum denn bis jetzt dieses Unheil in seiner Folgenschwere nicht erkannt worden ist, Da müssen wir nun ein trauriges Symptom Von ständig zunehmendem Organisationsgeiste konstatieren: Will man nämlich . heute die Betätigung ®hier Organisation untersuchen und prüfen, was in Wirklichkeit der und jener Verein während der langen Zeit seines Bestehens schafft und leistet, so kann man kurz und bündig sagen: Er macht Versammlungen. Hat man einen Vortrag zu veranstalten, einen Delegierten tag, Konferenzen und Kongresse abzu* halten, so• ist die Opferwiliigkeit unserer Glaubensbrüder eine geradezu erstaunliche, ln wenigem Tagen gönnen Schwierigkeiten gehoben und Jedes finanzielle Hindernis beseitigt werden. Gilt es aber den Beschluss des Deleglertentages, das eigentliche Ergebnis der Kotiferenz, den wahren Zweck eines Jeden Kongresses, ln Wirklichkeit ...iimzuselzen, das Theoretische und Abstrakte in Praxis und Konkretes umzuw^mdeln, so kann .von einerbedauerlichen Willenlosigkeit . gesprochen werden, ,die sfäft damit begnügt, den scheinbaren Glanz nach aussen zu ver grossem, und somit sein Inneres ständig zu verkleinern. Wir brauchen :noch -nicht neue Probleme und Fragen aufztistellen um •anzuerkennen, dass dieses Uebel auch der AgudaorganfsaMon anhaftet. Begnügen wir uns mit der Fesstellung dieser Tatsache und trachten wfr nach Abhilfe. Damit hätten wir bereits einen Anfang gemacht,. die finanziellen Mittel, .dei wir von der Gesamtheit bedin• gungslos erhalten, produktiv anzulegen. Das wäre ein Weg zur Heilung des Körpers. Nun krankt •derselbe näher ntfoht dermassen, das* män von einem völligen Versaget! sprechen könnte. Gewiss kottmteh grosse Leistungen zustande, die Produkte der einzelnen Mittlrerer sind, und die A'guda verfehlt es ■ natürlich nicht, sie rasch als eigene Schöpfung zu kenn* : zeichnen. Keineswegs hat aber die Organisation׳ damit Ihre Pflicht erfüllt. Sie hat nicht das Privilegium' ihrer Mitglieder, Lestdngen derselben auf OrganIsatfons-' kOrtto zu buchet!. Sie muss 'von eigenen Mitteln «Me• ״Gesamtproduktion“ zustältde bringen können, die zeigt, dass der Bestand der Organisation ein Erfordernis ist, ohne die viele und allgemeine Institutionen gefährdet würden. Sind diese, Bedingungen, von denen eine erspriessliche Tätigkeit abhängt, erfüllt, sowäre damit die Wirtschaftliehe Stärkung und Gesundung des Körpers" gegeben. Die Glieder hätten nicht nur Macht der-Selbstwehr,׳ sondern sie könnten׳• auch auf iandersgesinnte.Einfluss gewinnen, der Veranlassung sein könnte, solche in unser. Lager zu bringen.‘־ < ■■■>,;.. ־ . . ....;. Diese genügend• aiigcdeutete Erez-Jisroel*• Aufgabe,: die Aiigemblickspflicht ׳ ist, södass wir bet׳ Verna’chläsSf- . gung Schuld auf uns laden würden, lst: heute so dringlich geworden, dass die Äugten׳ a 11 er auf' die Kenessio Ge*׳ ■d-auloh gerichtet sind, die als Repräsentanz allein Imstande1 ist, die GesaimtiieitsatifgäiBen ilti Sinne des־ jüdischen;Ge*״ setzes ZU lösfett.’ Öa ist es :kein Wunder,. Wenn wir 'utts . ־ zum voraus Gedatikfen ääriibef machen und׳ dem-Ausgang .:. .der Konferenz mit Spannung ׳fentgegefisefien. ••ד• Haben Wir 'tlafnn radikale’• Mlttdl zu ־ wahren Gestirn .düng gefunden, •so Ist 'Cs ndtWiferidfg, beben -einer ifttenstvfeh Päl äs tiiiräarbe׳!t< unser Hauptziel ־'.und' ' -ideal nicht ausser AchKätt lassen oder gär gänzlich-•zu vergfes§en. Als sploHeS .betrachten "wir von jetter, dutch• .unser festes Zusammenhalten *he Thaiurö gegen'' äüssfere' Einflüsse zu schützen. Auch hierin gilt es sürenge .J80’־j\ beachten, dass.־ allein;mit• der Abwehrzur Erstarkung , und ' Maplfestförtrag •unseres-1 Glaubens: nicht alles־ ׳get!an ist, . . , Wesehflidi'j׳fet Of‘'äib * tffähaftf etjen Lehr-«'׳ .׳ änstaljejri,‘ •ffpctoSclkileni Wa$״b'ki; ׳ ■'•׳'•־ allen heutigen Aufgaben überall :.entscheideifidejs . Moment - ..wird,• spripgt auch ,hier •glelich in die -Augen..,Der .finapzip^c ■Punkt ist zum ׳ Ku׳I:mS:׳öaPJo n s p.unkt -geworden, um: ׳. den sich die Erfüllung' all unserer grossen Hoffnungen und - Ope'mtlortSpläne dreht. Die Konferenz hat also umsichtige Verordnungen und Bestimmungen, die als Tendenzen. der ,־ Agudä festgelegt werden, zil : treffen.. . . . stfifaniestr, Wien. II., Hollandstrasse 14 (friißefa stafaiiiastr. (Ecke Klein e $ per4 lg.) In der Nähe des Nord- und Franz Josef S-Bahnhofes empfiehlt den seht־ geehrten Delegierten des Weltkongresses ״Kenessio Oedaulö״ sowie allen nach Wien kommenden p.,t. 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