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Jüdische Presse · 1923-07-13 · 28 (13.7.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
28 (13.7.1923)
Date
1923-07-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 JÜDISCHE PRESSE S&ite losgelöst von seinen jüdischen, g-ttfichen Anfängen, sein Dasein im zwanzigsten Jahrhundert fristet. Ein Ruhetag ist er nöch wie der aKe Sabbat. Jedoch wird heute dieser, einst g־ttliche Tag, dazu benützt um Leidenschaften und Vergnügen nacbzugehen, die eine moderne Kultur erfunden und im Gemüte des modernen Menschen grossgezogen hat. Eine moderne Kultur, die vielleicht das Lehen bequemer, aber durchaus nicht jüdischer gemacht hat. Diese moderne Kultur, die den jüdischen Sabbat zu einem Zerrbild gemacht hat, will sich auch auf dem heiligen Boden Erez Israels breitmachen. Die Produkte dieser modernen europäischen Kultur des jüngsten Jahrhundertes, wollen mit der nationalen, jüdischnationalen Marke verdeckt im Lande der Väter Bürgerrecht erlangen. Der jüdische . Sabbat ist für uns, die die Merkmale des jüdischen Nationalismus nicht nach den Begriffen des zwanzigsten Jahrhunderis bilden, das charakteristische Zeichen unseres Nationalismus. Ein einzigartiges, konstitutives Merkmal unseres einzigartigen Volkstums. Wir wollen ihm mit keiner noch so lockender Vergänglichkeit vertauschen. Daher lehnen wir entschieden ab dass diese schönste Perle des ewigen jüdischen Lebens, der jüdische Sabbat, mit irgendeinem schimmernden Olasscherben der m oder-nenJCuftamveFwechselt werde. P. Die neue Taktik. Von Sch. Scftönfeld, I. Wir Juden kennen diese Taktik bereits von jeher, seit wir den Antisemitismus kennen. Der Antisemitismus hat während seiner ganzen Tätigkeit, die jüdische AHgemeinheit beschimpft und beschmutzt. Doch bei den öfteren sich bietenden Gelegenheiten, bei denen die nichtjüdische Welt des jüdischen Kapitals bedurfte, haben sogar unsere verbissendsten Gegner ihre gewöhnliche Taktik geändert und Ausnahmen zu machen begonnen. ״Dieser und dieser jüdische Bankier ist ein ״guter Jude“. — Gegen diesen und diesen Juden haben wir nichts“. — So wird bei solchen Gelegenheiten gesprochen, um beim Schlüsse den ständigen Kehrreim erklingen zu lassen: ״nur leider sind nicht alle Juden so wie,dieser“... Diese Behandlung hatte sicher die Tatsache zum Resultate, dass Tausende von Juden sich durch diese nicht jüdische .Freundschaft geschmeichelt und glücklich gefühlt haben und sich vollständig zu den Nichtjuden zuwandten, im Glauben, dass nicht sie gemeint werden unter dem Namen ״Jud“, woraus im weiteren Verlaufe dass hässliche Tier — Assimilation genannt — hervorwuchs. Doch nicht lange dauerte es, bis diese einzelnen Juden sich überzeugten, dass die Komplimente der Nichtjuden, bloss ein Kombinationsmittel sind, die Juden auszunützen und für eigene, nichtjüdische Zwecke zu gewinnen. Dieses Bild kam mir in Erinnerung, als ich taglieh unsere gegnerische Presse lesend, konstatieren konnte, wie man hier den einen, dort den anderen Teil der Aguda mit Komplimenten überschüttet und wie zum Schlüsse immer der alte Kehrreim zum Vorschein kommt: ״Nur leider sind nicht alle so wie dieser oder jener Teil“. Es gab einmal eine Zeit, wo das gegnerische Lager überhaupt die ganze Orthodoxie ignorierte und sie nie mit in die Rechnung einbezog. Sie glaubten, dass es ihnen gelingen wird, die grossen jüdischen Massen von der Agudas Jisroei abzulenken. Letztens aber 1 hatten sie Gelegenheit, sich zu überzeugen, dass die jüdischen Massen, Dank ihres gesunden Sinnes, die Orientierung nicht verloren haben und trotz der Fabeln und Frechheiten, mit denen die Orthodoxie überschüttet wurde, die Agudas Jisroei an Einfluss gewann und zum entscheidenden Faktor in der jüdischen Gasse wurde. Dann einsehend, dass man mit der Agudas Jisroei rechnen muss und von ihr Nutzen und Gewinn für eigene Interessen ziehen kann, wechselten sie die Front und nahmen die neue Taktik an. Das erste Mal konstatierten wir diesen Weohsel, bei unserer Lalldesorganisation Schlome Emune Isroel in Polen, als diese den bekannten gemeinsamen Block für die Sejmwahlen gebildet hat. Damals versuchten sie die gesamte Aguda dadurch zu erniedrigen, dass sie unserer Landesorganisation eiuzureden versuchten, sie nur allein wäre die richtige Aguda und hätte mit der Wiener Zentrale nichts Gemeinsames. Ihre Hoffnung war, dass die Landesorganisation auf diese schmeichlerischen Phrasen emgehen werde und so die Entzweiung Fortschritte machen würde. Jetzt versucht die gegnerische Presse unsere Landesorganisation in Erez Jisroei zu beschmutzen. Sie beginnt mit dem Lobe der ganzen Agudas Jisroei, mit Schmeicheleien für die Aguda-Weltorganisation, behauptet, dass mau mit ihr sehr gut zusammen gehen könne (?) nur leider passe die Agudas Jisroei in Erez Jisroei, welche sehr hässliche Dünge Jm eigenen Namen tätige, nicht za ihrer Zentrale. So lesen wir im ״Hator“ (Nr28 #״) dem offiziellen Organe der Miisracfff-Zentrafe in Jerusalem!, In dem Artikel mit dem Titel ״Anadtnu Weschatom“ folgende Worte: ״Wir glauben, dass die Weltorganisation der Agudas Jisroei mit ihrer Anerkennung des Nationalen sowie in ihrer moralischen Aufführung, ebensoweit von ihrer Filiale in Jerusalem entfernt ist, wie der Osten vom. Westen. Die Zentrale ist auch nicht verantwortlich zu machen für die fortwährenden impertinenten Taten der Jerusalemer Aguda . . . Die Agudas Jisroei schaute zur Seite zu jener Zeit, als sie für richtig eingesehen hatte mit den anderen jüdischen Parteien gemeinsam vorzugehen, um die jüdischen Rechte zu wahren und die jüdisehe Ehre, die von den Nichtjuden angetastet wurde, zu behüten . . . Die Agudas Jisroei in der Diaspora steht unter der Leitung der ״Moezes Gedaule Hatauro“, deren Direktiven fiir sie massgebend s!in׳d. Dagegen hört die Agudas Jisroei in Jerusalem nicht auf, diie Gedaule Jisroei (?) und alle Heiligtümer des jüdischen Volkes auf unverschämte Weise zu erniedrigen... Trotz diesem grossen Unterschiede, welcher zwischen Welt-Agudas Jisroei — die das Judentum und die Thora stärken will — und der Agudas Jisroei in Jerusalem die — die Ehre der Thora und des Judentums antastet — liegt, wird — glauben wir — sich ein Weg finden lassen für eine gemeinsame Arbeit der Mäsrachi und der Welt-Agudas Jisroei . . .“ Wir sind dessen sicher, dass jeder bewusste Leser leicht erkennen wird, was mit solchen Worten bezweckt wird; Sie wollen nicht mehr und nicht weniger, als einen Streit und ein Missverständnis zwischen verschiedenen Teilen der Weltorganisation hervorrufen und so die grosse Kraft der Agudas Jisroei zu schwächen. Charakteristisch ist, dass sie gerade in denselben Artikel in welchem sie nach den Frieden rufen, einen Streit zwischen uns erregen wollen — was iiinen bestimmt nicht gelingen wird — was aber genügt, um zu zeigen, wie weit ihr Wille zum ״Frieden“ geht. Wir unsererseits können bestätigen, dass unsere ׳Laudesorganisationen in Polen sowie in Erez Jisroei im ständigen Einvernehmen mit der Weltzentrale der Agudas Jiisroel handelt und dass für derer Taten, die Weltzentralc und die Landesorganisation selbst, verantwortlich ist. Wir hoffen, dass die Agudas Jisroei, mit ihren grossen Massen in allen Weltteilen, sich von diesen Kornplimenten unserer Gegner nicht blenden lassen wird, sondern mit reinen offenen Augen in unsere sichere Zukunft schalen wrd; — Wen c zach Jsroel 10 jeschaker. — Chor- und Dlenerbeklaldung In den vornehmsten Ausführungen beim Spezialisten Dniinlf ßnltlcfoin Schneidermeister, Wien, SS«, Tabor. uUUuli uvIDoIgIu) sttrasse 54. Fornspreohor 45-6-29. Versand nach allen Staaten wloder zulässig. UND DIE GRÖSSTEN UND SCHNELLSTEN SCHIFFE DER WELT! ״JSSSssa».«-«״״• Sturmzeichen. (Brief aas London.) London den 17. Tainus 5608. . Sehr geehrte Redaktion! Indem ich ihnen noch verbinlichen Dank sage für die freundlichen Zeilen, die sie jüngst unseren Gemeindeverhäitnissen dahier gewidmet haben, möchte ich meinen Dank an Sie in einer Mitteilung über die neuesten Vorgänge kleiden. Wir lebten vergangene Woche zwischen Sturm und Sonnenschein. Zuerst herrschte hier eitel Freude über dife Tatsache, dass der Herzog von Devonshire, der Nachfolger Churchills' im Kolonialamte, in einer Erwiderung auf die Anfrage des bekannten Lord Eslington sich nur auf das Mandat selbst und auf die Balfour-ErklärUng bezog, hingegen die sogenannte Feststellung (White Papen) seines Amtsvorgängers Churchill mit Stillschweigen überging. Man glaubte daraus auf eine Aenderung der englischen Politik in Bezug auf Palästina Schlüsse ziehen zu dürfen. Doch wurde uns diese Freude sehr bald vergällt durch die Affäre des Lord Beaverbroock. Ich will ihnen die Geschichte kurz erzählen. Vor einiger Zeit hat dieser Lord .veröffentlicht, dass angesehene englische Juden bei ihm gewesen wären, um eine Stellungnahme gegen den Zionismus zu erzielen. Lord Beaverbrdjck war damals, wie man in Oesterreich sagen würde, im Ministerium Chef der Presseabteilung. Als er aufgefordert wurde, die Namen zu nennen, weigerte er sich, weil er die Erfahrung gemacht hatte, dass Leute dieser Anschauung von der zionistischen Presse sehr schlecht behandelt werden, und er seine Gewährsmänner einer derartigen Behandlung nicht aussetzen wollte. Später nannte er Sir Alfred Mond als einen solchen, der von den Vorgängen Bescheid wisse. Alfred Mond jedoch dementierte. Merkwürdigerweise , gab auch Lionel de Rothschild, dessen Name vorher nicht genannt wurde, öffentlich kund, dass er keinen Anteil an diesen Vorgängen habe. Daraufhin sieht sich nun Lord Beaverbroock veranlasst, folgendes zu erklären. (Ich übersetze nun wörtlich): Als Chef des Presseamtes fand ich eine Abteilung, die ausschliesslieh der zionistischen Propaganda gewidmet war. Das verstorbene Parlamentmitglied Sr. Charles Henry schrieb mir, ob ich eine Deputation der ״Liga der britischem Juden“ empfangen wollte, welche protestieren sollte gegen den Gebrauch öffentlicher Gelder für die zionistische Propaganda und für eine von ihnen gemissbilligte Politik. Der Anfrage lag eine Liste des Komitees bei. Meine Antwort war ״ja“. Die Deputation bestand aus Sir Charles Henry und Herrn Lionel de Rothschild. Diese überzeugten mich mit ihren Argumenten, und ich beschloss, die ,zionistische Abteilung äufzulösen und sie durch ein neues Komitee zu ersetzen, zusammengesetzt aus einigen Antizionisten und zwei Zionisten. Daraufhin erhielt ich einen geschriebenen Protest von dem Earl oi Balfour, Minister des Auswärtigen. Dann erklärte Lord' Beaverbroock weiter, dass er zwar* Sir Alfred Mond nicht ganz begreife, dass er aber darauf weiter nicht eingehe, weil er nun allerdings glaubt, dass er einen Irrtum begangen habe, indem er bei Sir Alfred Mond eine ausgesprochene antizionistische Haltung voraussetzte. Was jedoch Herrn Rothschild betraf, der dementiert habe, ohne dass ihn jemand angriff, so sei dies wohl seiner Gedächtnisschwäche zuzuschreiben. Er habe ihm gemeinsam mit Sr. Charles Henry zwei Besuche gemacht. Beaverbrook bespricht dann weiter die Beziehung des Jewish Guardian des Organes der ״Liga der britischen Juden“ zu dieser Angelegenheit, und beliauptet, dass Mr. Laurie Maquus, der Herausgeber dieser Zeitung, bereit gewesen wäre, an die Spitze dieser obgenannten gemischten Kommission zu treten, wenigstens sei dies aus einem Brief seines ,Vaters an Charles Henry hervorgegangen. Soweit die Affäre in dem Umfange, wie sie Ihre Leser interessieren dürfte. Wir haben noch eine andere trübe Erfahrung fast gleichzeitig gemacht. Die Rede eines Mitgliedes der Arbeiterpartei im fUnterhaus wurde durch ein Mitglied der. konservativen Partei plötzlich mit dem Wort ״Jude“ unterbrochen. Es gab dann sehr stür- ־ mische Szenen im Parlament, bis endlich der Zuruf•' zurückgenommen wurde. Der Angreifer, Abgeordneter Mr. Shinwell, benahm sich dabei sehr tapfer , und würdig. Auch die Schechita-Frage wurde in sehr hässlicher Weise aufgegriffen. Ich hoffe, sie werden von unseren Delegierten genaue Informationen über diese Verhältnisse empfangen. In vorzüglicher Hochachtung Ihr E. Lia. Möbelfabrik J. Spira Fei» «11(11,mijls&enslenigasse 1-3 Wohnungseinrichtungen. (Ecke Karl Schweighofergasse) En gros und Erzeugung!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Flefschmarkt) Tel. 67-302 Def ailverkaufs <*> Niederlage 5 I., Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Peteaufbewahru&g gegen Versicherung Uber die Sommermonute

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