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Jüdische Presse · 1923-07-06 · 27 (6.7.1923) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
27 (6.7.1923)
Date
1923-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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lAi ■» ”” juüibcut, tHtbSJc. £2Z£a<Lmt ״nT9m/1 Er hebt hervor, dass bisher von der Gemeinde nur solche Schulen unterstützt werden, die fast gar keine jüdische Disziplin haben und in denen dem Kinde alle heiligen Gefühle aus dem Herzen gerissen werden, während die Chedarim und Jeschiwos, die die Lebensquellen des jüdischen Volkes bilden, von der Kehillo unbeachtet bleiben. Er bittet um Annullierung der Beschlüsse der Kulturkommission zu Gunsten der unjüdischen Schulen und Unterstützung der Chedarim. Die Jungzionisten und Vertreter der Linken opponieren mit scharfen Worten gegen den Cheder. Herr S. Schereschewski stellt au diese die Frage, %»b sie es mit ihrem nationalen Gewissen vereinbaren können, die Institutionen zu bekämpfen, die unsere Nation bisher am Leben erhalten haben? In den Schulen der Kulturliga würde zumeist der Sabbat dazu benützt, die Kinder ins Feld hinauszuführen und sie mit Gartenarbeiten zu beschäftigen. Seine Rede wird wiederholt von der linken Seite unterbrochen, ohne aber, dass seine Ausführungen bestritten oder gar widerlegt wurden. Auch ein Vertreter der zioni-' stischen Frakton, Herr Wolf, spricht sich im Namen seiner Fraktion gegen eine Unterstützung der Chedarim aus. .Darauf ergreift Oberrabbiner Schapiro das Wort für das System der Chedarim überhaupt, wie für die in Frage kommenden Chadarim insbesondere. Die Chederschule der Agudas Jisroel weise alle Vorzüge einer modernen Schule auf, zum Glücke aber nicht auch die Fehler derselben. Das Pensum Wir die profanen Fächer ist dort mehr wie genügend. Auch wird dort allen pädagogischen und hygienischen Anforderungen voll entsprochen. Ihr Vorgehen besteht höchstens darin, dass dort auch viel Chumisch, Tanach und Gemoro gelernt wird, wofür man sie mit einer Verweigerung der Unterstützung bestrafen will. Als jüdische Elementarschule könne nur der | Cheder gelten, nach aussen modern ausgestattet, in seiner inneren Struktur aber auf der alten bewährten Basis beruhend, die die innere Quelle unserer Kraft war und bleibt. Wenn wir in Kowno 350 Väter haben, die ihre Kinder gerade in diese Schule schicken, so ist es der beste Beweis, dass diese Schulen als die eigentlichen jüdischen Primarschulen von den Massen anerkannt sind, und die Kehilla als Repräsentanten dieser Massen hat dem unbedingt Rechnung zu tragen. ׳־-־ Unter dem starken Eindruck dieser Rede geht man an die Abstimmung. Die Linken Hessen sich aber nicht überzeugen. Der Antrag zur Unterstützung der Chedarim wurde angenommen, aber das Resultat Ist nichtsdestoweniger beschämend, denn 15 Stimmen sprachen dagegen, 16 dafür. So wurde der Cheder mit einier Stimme Mehrheit in Kowno gerettet. Aufnalmftt] konstohfiHo «11 v■ Folge'ye*TVag«n» ■ 1.-, יי;״. .,י» *c>״ef«5J^le<t)b5 ul ao YV1VJ nSi 1 i Reizende l Juwelen, Gold- und SHberwaren, Uhren, Silber-Essbestecke, Tempelgeräte etc. Brüder Goldmann, Wien, L, Körntnerslr. 53 vis-ä-vis der Oper. // Samstag geschlossen. Sr Spagogen-Ornate und Barette Chor- und Dionerbekleidung In den vornehmsten Ausführungen balpi Spezialisten Bnrinlf ünlüctain Sohneldermeleter, Wien, M«, Tabor« tlUuUlI uOlUölölH, Btranee 4ג. Femspreoher 45-6-29. Vorland nach allen Staaten wieder zuläulg. Vom Tage. Der Shirmlauf gegen den Cheder. Die Bekämpfer des überlieferten Judentums sind ungeduldig geworden. Sie fangen an, cinzusehen, dass sie die Vernichtung des Cheders nicht einfach der friedlichen Aufklärung und dem wilden Zeitgeist überlassen können. Trotz der massenhaften Verbreitung einer Literatur, die mit allen Waffen einer Scheinkultur die religiösen Grundlagen des jüdischen Volkes erschüttern wollte, trotz aller wirtschaftlichen Not, ist es doch nicht gelungen, aus der Seele des jüdischen Volkes das Bewusstsein herauszurcissen, dass es ohne Thora keine Zukunft habe. Die Haskala, die Aufklärung, moderner Nationalismus und Sozialismus, haben wohl viele Opfer verlangt, doch die jüdischen Massen sind intakt geblichen. Sie haben es ■instinktiv, vom Selbsterhaltungstricb geleitet, die Werkstätte, wo die jüdische Seele geschmiedet wird, den Cheder nicht aufgegeben. Nun über die Zähigkeit erbost, haben unsere inneren Feinde die Geduld verloren, im dunklen Gefühl ihrer Vergängliohkeit, können sie nicht mehr das Ende des Gheder- Systems erwarten, sie rüsten sich, um mit •drastischen Mitteln, die das so laus, ersehnte, aber nicht erreichte Ende, herbeizuftihren. Die von der berüchtigten Jew-Sektion beratenc russische Räteregierung kämpft bereits mit Waffen gegen .die kleinen Chederbcsucher. Aber auch in Polen, Litauen, im ersten Lande im Sejm, im letzteren in der. jüdischen Gmeindestube, haben Debatten stattgefunden, derer sich jeder Jude schämen muss. Herren, die sich nicht genug tun konnten in der Beschimpfung der Orthodoxie, da diese nach ihrer Meinung fanatisch, blindwütig und autokratisch sei, haben nach der Polizei und nach der Presse gerufen, um dem Cheder endlich einmal den Garaus zu machen. Merkwürdig, wie wenig diese Herrren aus der Geschichte lernen. Sic wissen, dass das von der Thora getragene jüdische Volk selbst dem mächtigsten Gegner Widerstand geleistet hat. um wieviel mehr wird diesen feindliehen Bestrebungen der’ Kolonien, daher ungeduldigen Zwecke, Herr werden. Herr Feuering und die ״Trennungsorthodoxie". Herr Feuering vertrat in seinem Referate an dem Dresdener Delegiertentag der deutschen Zionisten den Standpunkt des Prinzipienfesten. Er• sieht die Zukunft Palästinas als jüdisehe Heimstätte nur dann gesichert, wenn die zionistische, Organisation ihre Hegemonie weiter behält. Den Nicht- Zionisten soll'bloss nahegelcgt werden, für den Keren Hajesso'd zu spenden. Zur Begründung seines Standpunktes hat Herr Feuering eine Kritik der anderen jüdischen Organisalionen vorgenommen. Uebcr die Aguda, oder wie Herr Feuering bezeichnet’, die Trennungsorthodoxie, urteilt er folgcndermassen: ״Mit der Trennungsorthodoxie selbst gibt cs meiner Meinung nach kein Paktieren. Sie ist die wahre .Todfeind!» des nationalen Gedankens, die ihrem separatistischen Prinzip alles opfert, die vor keinen. Mitteln zurücksohreckt. Mit ihr ist keine Einigung möglich, solange dje zionistische Organisation nicht bereit ist, Opfer zu bringen, die sie bei ihrer demokratischen Verfassung, bei. ihrer nationalen Grundeinstellung, bei ihrer. Hochachtung vor aller persönlichen Freiheit einfach nicht bringen kann. Und selbst wenn theoretisch eine Einigung möglich schiene, so bin ich der tiefen Ueberzeugung, dass die praktische Zusammenarbeit Jrt Palästina, uns Innerhalb .14 Tagen wieder .auseinanderbringen würde.“ Man .muss bekennen, dies sind klare Worte. Wenn mqn das Primat der Thora verkündet, wenn man für die Souveränität der göttlichen Verfassung des jüdischen Volkes elintritt, ist man Totfeindin des .nationalen Gedankens, wie er im Herzen von Herrn Feuering und seiner Genossen lebt, und selbstverständlich kann die zionistische Organisation bei ihrer demokratischen und bei ihrer nationalen Einstellung, und hauptsächlich■ bei ihrer Hochachtung vor aller persönlichen Freiheit das Thoragesetz nicht anerkennen. Herr Feuering findet es ja überhaupt schwierig, die verschiedenen Pole der eigenen Organisation zusainmenzuhalten: ״Es bedarf fortwährender Verhandlungen und!?!’׳:!csichtnahme schon innerhalb der zionistischen Organisation, um gleichzeitig mit Misrachi und mit Paale Zion zu regieren, und wenn uns dies gelingt, so nur dank der Tatsache, dass die zentripetalen, nationalen Kräfte sich glückliioherweÜse immer wieder stärker erweisen, als die zentrifugalen der anderen Anschauung ל In unsere einfache Sprache übersetzt, bedeutet dies folgendes: Da ist die zentripetale, nationale Kraft im Mittelpunkt. Auf dem rechten Pol als zentrifugale Kraft Thoras Mosche, vertreten durch Misrachi, auf dem linken Pol die zentrifugale Kraft von Thoras Marx, vertreten durch die Poale Zion. Und dabei gelingt es der übergeschickteri Regierungskunst von Herrn Feuering, diese zentrifugalen Kräfte, da sich die zentripetalen, nationalen Kräfte stärker erweisen, zu überwinden. Eine Regienmgskunst, mit der man das jüdische Volk in Grund und Boden regieren kann. Glücklicherweise ist Herr Feuering an dem Dresdener Delegicrtentag in der Minderheit geblieben• Seine theoretisch klaren Anschauungen verdienen aber, zur Aufklärung des ahnungslos regierten׳ jüdischen Volkes festgehalten zu werden. >IV •sWaßü!«.־> Warschau. Die vom Jüdischen Klub eingebrachte Re- Solution, die Regierung möge mit aller Strenge die Agitation und die Aktionen, welche zu Ausschreitungen gegen Juden auffordern, unterdrücken, wurde abgelehnt. Warschau. Während der Begrüssungs- sowie Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren des rumänischen Königspaares in Warschau wurde kein einziger offizieller Vertreter der jüdisehen Bevölkerung sowie der jüdischen Presse eingeladen. Dies fällt umsomehr auf, als sogar während der zaristischen Zeiten bei ähnlichen Gelegenheiten die jüdische Gemeinde offiziell eingeladen Wurde. Warschau. Im polnischen Sejm wurde von den jüdisehen Abgeordneten der Antrag gestellt, in Lemberg eine höhere Rabbinatsschule zu errichten. Lodz. Als Antwort auf die Einführung des •Numerus clausus soüeu die Minoritäten eine dreisprachige Universität mit deutschen, jüdischen und russischen Vorträgen in Lodz errichten. New York. In New York starb im 61. Lebensjahre der bekannte jüdische Dichter Morri3 Rosenfeld. London* Am 25. Juni wurde in Anwesenheit des ,׳Lord Sweetling die renovierte Synagoge Schulom Weemes feierlich eröffnet. Charkow. Die greise Synagoge Charkows wurde in; einen Arbeiterklub verwandelt. Die feierliche Eröffnung mit einem speziellen Programm,fand bereits statt. Kowno. Nach einer. heftigen Debatte, im Gemeinderate in Kowno über die Subsidieiung ,des Cheders wurde dieselbe mit 16 gegen 15 Stimmen angenommen. Riga. Dank der Intervention des finnländisehen Präsidenteri wurde das Verbot der Schechita in Finnland abgelehnt. London. (J. P. 2.) Baron James de Rothschild hat einen Preis von 200 Pfund für den besten, von einem palä-1 stinensischen Schriftstellerkverfassten.Roman ausgesetzt, der• das Leben in Palästina schildert <• Jerusalem. (J. Z.) Ör. Lourie, der Vorsteher des Schulwerkes in Palästina hat erklärt, er werde von seinem Posten resignieren, falls' der zionistische Kongress das Schul-: budget auf 60.000 Pfund reduzieren sollte. Unter solchen׳ Umständen wäre nämlich die Fortführung der Arbeit unmöglich. London. (J. P. Z.) Die Föderation der zionistischen Frauen, Englands beschloss, die Forderung zu stellen, dass der internationalen Organisation der zionistischen Frauen eine direkte Vertretung am zionistischen Kongress! gewährt werde. London. (J. B. Z.) Dr. Weitzmann, der an Bord der ״Mauretania“ nach Europa abgereist ist, wird dieser Tage in London eintreffen. Da. er nach der überaus ansterengenden Arbeit in Amerika• erholungsbedürftig ist, wird er sich bis zum Kongress nach einem Kurort des Kontnents begeben. ' Berlin. In der Sitzung des zionistischen Aktions- Komitees kritisierte Ussischkln unter anderem die Leitung der zionistischen Exekutive, weil sie keine einheitliche Politik verfolge, auch nicht das entsprechende Interesse d politischen Fragen in Palästina entgegenbringe und mit den palästinischen Führern in zu schwachem Kontakt stehe. Er wies auf die Notwendigkeit hin, die Zentrale aus London nach Palästina zu verlegen. Den Vorgängen än Palästina müsse grössere Aufmerksamkeit geschenkt werden, um Ueberraschungen, wie sie in der letzten Zeit vorkamen, vorzubeugen. Tripolis. Hochbetagt, im Alter von 90 Jahren, Ist am 28. Mai der Präsident des rabbinfschen׳ Tribunals, Reb Abraham Habib, der hohe Kulturträger des iüdischen Ge sestzes gestorben. Das Leichenbegängnis fand unter ausserordentlich grosser Beteiligung der Bevölkerung und Behörden statt. ' '' '1 Die neuen Preise des »Lloyd Triestino“ nach Palästina sind folgende; Triest—Jaffa oder Haifa1 (bisher Pfund Sterling 4,2, bezw. 4,6). Pfund Sterling. 2,50. Die Expressliniie Alexandrien—Jaffa oder Hiaiifa kostet Pfund Sterling 3,12 (gegen 5,20,'bezw. 5,60), Dies ist das Er-• gebnis der Verhandlungen zwisohen den Palästinabureaus Berlin, Wien und Triest und. dem Triester Lloyd zugunsten jener. auswandernder Juden, welche die Karten in Oesterreich, Deutschland öder in einem zentralenropäissohen Lande besorgen. 'י' ■־■ 1••׳״■׳■■ •■;■ ■"•■■;" ׳ ־ י■•1■ ״־׳ Hotel Greith. Wien. II., Hollandstrasse 14 (früitere Stefaniestr, (Ecke Kleine Sperlg.) in der Nähe des Nord^ und Franz Josefs-Bahnhofes empfiehlt den sehr geehrten Delegierten des Weltkongresses ״Kenessio Gedaulo" sowie allen nach Wien kommenden p. t. Glaubensgenossen seine 80 modernstu. elegantest eingerlchtetenZimmer. Bäder im Hause. Bäder im Hause. 5s==SS mm Alle Damen, die vorteilhaft aussehon wollen, tragen Perücken, Transformationen, Naturscheitel und Teile aus feinstem daue1*geweliten Haare aus der Kunstwerkstätte für moderne Haarersazteil Wien! 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