Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 26 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 176 JÜDISCHE PRESSE Nr. 26 Amerika. Die erste Gemeinde in Argentinien. Das jüdische gesellschaftliche Leben unserer Stadt konzentrierte sich bisher um die verschiedenen sozialen und humanitären Vereine. Eine eigentliche Gemeinde gab es nicht. Nunmehr traten 42 Delegierte der grössten Vereine zur Gründung einer Kehilloh zusammen. Das Statut stellt alle öffentliche und Wohltätigkeitsarbeit unter den Schutz der Gemeinde, besonders auch die Erziehungsanstalten. Die auf demokratischer Grundläge zusammengesetzte Verwaltung vertritt die Gemeinde gegenüber der Regierung. Entwicklung der Orthodoxie ln Tennessee. Ein starker Mittelpunkt des orthodoxen Lebens ist Memphis im Staate Tennesse geworden, seitdem Dr. Baccarat dort mit erstaunlicher Ausdauer und Hingabe für die Orthodoxic in traditionellem Sinne arbeitet. Dr. Bacoarat ist Agudist und arbeitet auch publizistisch für unsere Sache. Vertretung der Aguda im Central-Rellef-Committee. Eine Deputation der Agudas Isroel in Amerika, bestehend aus den Herren Präses Abraham Qoldstein, Rabbi Gorfinkel, Rabbi Kascher-Warschau, Dr. Simon und S. Bettelheim sprach beim Präses des Central-Relief-Comittees Mr. Leon Kamaika vor. Die Deputation führte Beschwerde über die Ungerechtigkeiten, welche den orthodoxen Institutionen in Europa bei der Verteilung des C. R. C. mangels hinreichend informierter Vertreter im C. R. C. erdulden müssten, die Leitung der Agudas Isroel sehe sich daher veranlasst, um eine entsprechende Vertretung im Central- Relief-Comittee zu ersuchen. Mr. Kamaika versicherte, dass das C. R. C. keine Partei im Judentum bevorzuge und auch nicht aus Parteien zusammengestellt sei. Nach längerer Besprechung wurde vereinbart, dass Vertreter der Aguda an jeder Sitzung des Central-Relief-Comittees teilnehmen werden. Passende Hochzeitsgeschenke sowie komplette Silberkassetten, Leuchter, Girandole und כלי קודש ZU billigsten Preisen. JUWELIER ABRAHAM SCHAPIRA Wien, II. Bezirk, Rotensterngasse 13 Palästina. Eine Delegation der Agudas Jisroel bei Sir Gilbert Clayton. Unter Führung von Rabbi Sonnenfeld, Rabbi Horowitz und Prof, de Haan, begab sich eine Delegation der Agudas Jisroel zu Sir Clayton, dem sie die Forderungen des ״Waad-Hair Haaschkenasi“ von Jerusalem bezüglich dessen Unabhängigkeit klarlegten. Sie orientierten sodann Sir Clayton über die Bestrebungen der Agudas Jisrooel Welt- Organisation, der die Ausführungen mit lebhaftem Interesse entgegennahm und den Wunsch aussprach, mit den Vertretern der Agudas Jisroel in regem Kontakt zu bleiben. ״Gemilath Chassudim“ in Jerusalem. Die von Oberrabbiner Sonnenfeld, Präsident der palästinensischen Landesorganisation der Agudas Jisroel gegründete ״Geinilath Chassudim״-Gesellschaft, die bereits in Jerusalem die Strasse ״Schaare Chesed“ mit über 100 Häusern erstellen liess, hat nunmehr mit dem Bau von weiteren 7 Häusern und einer Synagoge begonnen. Interessant ist zu bemerken, dass die ״Gemilath-Chassudim“-Gesellschaft ihren Mitgliedern zur Erstellung von Häusern einen Kredit bis 175 Pfund zinsfrei auf die Dauer von 14 Jahren zur Verfügung stellt. Transjordanien selbständig. Die palästinensische Regierung verlautbart eben folgende Kundmachung: ״Die britische Regierung ist mit der Errichtung einer selbständigen Regierung in Transjordanien unter der Bedingung einverstanden, dass der Völkerbund seine Zustimmung hiezu erteilt, die neue Regierung eine konstitutionelle sei und Grossbritannien die Möglichkeit gegeben wird, die mit Bezug auf dieses Land übernommenen internationalen Verpflichtungen zu erfüllen.“ Der Beschluss ist auf den Besuch Emir Abdullahs bei Sir Clayton dem neuen Zivilvertreter der Regierung, zurückzuführen. Es ist dies mit der Erklärung der Wahlanullierung der zweite Schlag, der in kurzer Zeit gegen die jüdische Politik in Palästina geführt wird. Die Folgen sind noch nicht ab- Zusehen. Verleumdungskampagne arabischer Zeitungen. Die nationale Araberpresse wird in ihren Hetzereien und Wühlereien gegen die Juden nicht müde. Das Blatt ״El Karmel“ in Haifa behauptet jetzt, die Regierung hätte auf Drängen der Juden hin den Verwalter des Emigrationsbureaus in Haifa, Lustig, seines Amtes entsetzt. Er sei den Juden unangenehm geworden, weil er sich kürzlich geweigert hatte, ״drei bolschewistischen Führern“ die Einreise zu gestatten. Nun soll ein Jude auf diesen Posten ernannt werden, damit die Juden ihre Wünsche durchsetzen können. In einer anderen Nummer beschuldigt der ״El Karmel“ den Sekretär des Gouverneurs von Haifa, der Jude ist, er setze verschiedene Quertreibereien gegen die arabische Bevölkerung ins Werk und bereite Schwierigkeiten den arabischen Emigranten, die in ihr Land zurückkehren wollen. Wie haltlos und verlogen all diese Anwürfe sind, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden. Die Selbstmordepidemie. In Tel-Awiw hat wieder ein Chaluz aus ״unbekannten Gründen“ Selbstmord begangen. Diese in letzter Zeit sich häufenden Fälle von Selbstmord unter den jungen Immigranten sind charakteristisch für die Lage im Lande. Die jungen Leute, die voll Begeisterung und Hoffnung herüberkommen und arbeitsfreudig ans Werk gehen, um sich eine neue Existenz zu schaffen, werden durch die fortgesetzten Schwierigkeiten und Hemmnisse allmählich müde und mutlos gemacht. Sie sehen, dass die Lage keineswegs so rosig ist, wie sie von gewissenlosen Demagogen geschildert wird; ungeahnte Hindernisse türmen sich riesenhoch und verbittern ihnen das Leben. Besonders in den letzten Monaten ist die Lage in Palästina sehr prekär. Eine Arbeitslosigkeit, die sich über immer weitere Gebiete ausdehnt, hat Platz gegriffen, und die finanziellen Hilfsinstitutionen, Kreditbanken und dergleichen, auf die sich die grosse Hoffnung der Immigranten gestützt hatte, haben versagt. Es ist nicht weiter wunderzunehmen, dass schwächere Naturen dieses Leben nicht mehr ertragen können. Die Verantwortung aber bleibt jenen, die leichtsinnig und gewissenlos die Jugend nach Palästina ziehen Hessen, und nun, da es auf ihre Hilfe ankommt, schmählich versagen. Moskau und Jerusalem. Wir lesen in dem in! Jerusalem erscheinenden. ״Kol Isroel“ u. a.: Er-: schütternd sind die Berichte über die Religionsunterdrückung in Russland, aber was soll man erst sagen, wenn man die Vorgänge in Erez Jisroel beobachtet?! in ״Emek Isroel“ wurden drei neue Ansiedlungspunkte gebildet, die mehrere hundert jüdischer Familien umfassen. Und diese leben ohne Schochet und ohne Mikwoh, ohne Beachtung der Speise- und Reinheitsgesetze. Und auch die Miloh kommt hier in Vergessenheit, ganz wie im Lande Trotzkis. Und sieht es in der einzigen ״jüdischen“ Stadt Tel Awiw viel besser aus, wo die Sabbatentweihung und Zuchtlosigkeit unter den Jüngern Mossinsohns immer mehr zunimmt? Auch in Jerusalem, der heiligen Stadt, begegnet man am Sabbat Chaluzim mit brennenden Zigarren im Munde, und eine Arbeiterküche versorgt täglich 500 Gäste mit unritueller Kost, reicht ihnen wie zum Hohne in den Pessachtagen Mazzoh und Brot zugleich, all dieses in Jerusalem, der Stadt unserer Hoffnung. Gross ist der Schmerz über die Vorgänge in Russland, aber noch weit grösser über das, was von Keren hajessod und Nationalfonds unterstützter Sowjetgeist auf dem heiligen Boden Palästinas und Jerusalems angerichtet hat!...“ Schabbes-Rufte ln TeLAwiw. Das jüdische Stadtkomitee in Tel-Awiw hat eine Resolution angenommen, wonach der offizielle Ruhetag Samstag ist. An diesem Tage werden in Tel-Awiw alle Geschäfte, Läden, Fabriken, Werkstäten u. dergl. gesperrt bleiben. Am Schabbes darf keinerlei Handel, weder am Markt noch in den Strassen geführt werden. Am Ruhetag werden keine Wechsel ausgezahlt und keine Forderungen eingetrieben, überhaupt unterbleibt jeder Handelsverkehr. Diese Resolution soll ln die Stadtgesetzgebung aufgenommen werden. Beduinen Ueberfall auf die Begleitung von Sir Herbert Samuel. Sir Herbert Samuel, der auf einer Rundreise durch Palästina sich befand, geriet in einen Hinterhalt, der ihm von beduinischen Räuberbanden gestellt wurde. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass der Hochkommissionär mit dem Leben davon gekommen ist. Hingegen wurden drei seiner Begleiter erschossen. Es scheint sich um eine wohlorganisierte Verschwörung gegen die Person Sir Herbert Samuels gehandelt zu haben. P. C. F. O. So nennt sich (Palestine-Centraleuropienne Fomarding-Office) eine ln Gründung befindliche neue Handelsgesellschaft, die als Export-, Import- sowie Transportversicherungs- und Propagandahaus arbeiten wird. Von der Voraussetzung ausgehend, dass in den nächsten Jahren ein rapideres und intensiveres Anwachsen der Handels- und Verkehrsmöglichkeiten in Palästina zu erwarten ist und besonders England sein politisches und wirtschaftliches Augenmerk auf dieses Land richten dürfte, will die Gesellschaft sich rechtzeitig einen Platz sichern, um an der dankbaren und lukrativen Arbeit teilzunehmen. Es ist erstens eine Abtellung für den kommissionsweisen Zwischenhandel vorgesehen, der Konsignationslager zugeteilt werden sollen. Zweitens eine kommerzielle E״i׳tenzhaitung und Informatfonsstelle, wo den Interessenten aller Branchen aus allen Ländern Auskünfte über Handelsbedingungen und Marktlage geboten werden und wird auch eh e ständige Warenmusterausstellung dem Unternehmen angegliedert werden. Im Anschluss an den Warensoll auch ein Personentransport durchgeführt werden und daran anschliessend eine Touristenabteilung, die Gesellschafisausilüge und Massenbesuche Palästinas arrangieren wird, wobei auf streng koschere Verpflegung grösstes Gewicht gelegt werden soiJ. Die Zentrale soll in Jaffa, Filialen ln allen grösseren Orten Palästinas und des Orients eingerichtet werden. So soll die Gesellschaft in allen Zweigen des Handels und Verkehrs eine hervorragende Stellung einnehmen. Das Haus, in dessen Direktion auch Wiener Juden sich befinden, su«ht Verbindung mit grösseren Handelsgeselischaften Mitteleuropas zwecks geschäftlichen Zusammenarbeitens. A phfilן»ן* f Wir ersuchen alle Wiener AÜlil Uliy 1 Gesinnungsfreunde unserem ־ Bureau sofort bekanntzugeben, wieviele und was für Wohnräume sie während der Kongresszeit den Delegierten zur Verfügung stellen werden. Das ökonomische Komitee der Kenessio Gedaulo. 3«m«n. Furchtbare Berichte liegen aus Jemen vor. Die dortige mohammedanische Behörde und Bevölkerung zwingen die Juden, insbesondere die Waisen (als solche werden alle minderjährigen Kinder, die ihren Vater verloren haben, angesehen) ihren Glauben abzuschwören und zum Islam überzugehen, anderenfalls ihnen die Todesstrafe bevorsteht. Viele konnten dieser furchtbaren Drohung nicht widerstehen und sind vom Judentum, öffentlich wenigstens, abgefallen, viele andere sind den Tod für Kidusch Haschern gestorben. Die jüdische Bevölkerung Jemens, die zirka 100.000 Seelen zählt, ist in furchtbarer Panik, Tausende sind geflüchtet und wandern von einer Stadt in die andere. Die Gemeinde versendet eine herzergreifende Botschaft um die andere an die jüdischen Institutionen im Heiligen Lande, worin um schleunigste Abhilfe gebeten wird, die nur durch Erleichterung der Einwanderung nach Palästina möglieh ist. Es wird jetzt bei der britischen Regierung darauf hingearbeitet, die Einschränkung der Immigration für jemenitische Juden fallen zu lassen, da sonst man vor der schrecklichen Perspektive steht, die ganze Gemeinde zu Grunde gehen zu sehen. ID i e enessio G edaulo Der erste Ag'uda-Weltkongress wird vom 16. bis 26. August in Wien tagen. Die Vorarbeiten werden vom Zentralbureau der ״Kenessio Gedaulo“, Wien, II., Malzgasse 12 a (Telephon 49-0-54), geführt. Anfragen, Anregungen usw. sind an dieses Bureau zu richten. Wir empfehlen allen Agudisten sich ihren Somnierurlaub so einzuteilen, dass sie sich während der Kongresszeit ganz in dessen Dienst stellen können. Wir werden ungefähr 2000 unserer Gesinnungsgenossen aus der ganzen Welt als Gäste empfangen können und werden alle Hände voll zu tun haben, um ihnen den Wiener Aufenthalt als bleibende angenehme Errinnerung liebevoll zu gestalten. Die Delegiertenwahlen haben spätestens E n d e J u n t stattzufinden. *•» Sichert Euch Euer Wahlrecht! Zahlet rechtzeitig Mitglfedsbeitrag und Kopfsteuer! . Während der Kongresstagung erscheint eine Tageszeitung mit den offiziellen Kongressberichten und Sitzungsprotokollen, sowohl in deutscher, als auch in jiddischer Sprache. Die Abonnementsanmeldungen können nur bis zum 1. August entgegengenommen werden. Der Preis für die deutsche Auflage beträgt K 15.000 für die jiddische K 18.000. Dieser Preis versteht sich für die gesamte, nahezu durch drei Wochen erscheinende Ausgabe und wurde im Interesse der breiten jüdischen Massen tief unter den Gestehungskosten angesetzt. Alle unsere Gesinnungsgenossen, die während der Kongresszeit offiziellen Delegierten Wohnräume zur Verfügung stellen wollen, werden höflichst ersucht, die genauen Daten sofort bekannt zu geben.