Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 26 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630023--1011-2632740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 26 JÜDISCHE PRESSE Seite 177 03 03 03 □0 03 □0 □ס □0 TSCHECHO-SLOWAKEI. ■u■ R3 fYj R3 RCJ Rq Rq Rq R9 Tagungen orthodoxer Körperschaften in Bratislawa. Die Sitzung der orth. Landesrepräsentanz. Bratislawa oder wie es in jüdischen Kreisen besser bekannt ist, Pressburg schickt sich an, um im jüdischen Leben wiederum die alte glanzvolle Rolle zu spielen wie einst. Der auswärtige Besucher, der gewohnt ist, aus allen Ländern nur über jüdisches Elend zu hören, ist überrascht, wie in dieser alten Stadt neue Kräfte sich regen, um die ehrwürdigen Traditionen dieser jüdischen Metropole im neuen Glanze erstarken zu lassen. Bald wird die fromme Gemeinde durch eine Siumfeier auf ganz Schass in der Schasschewra versammelt, bald geht man in die alte Schaurstube, um an dem grossen Verhör (c eschiw teilzunehmen. Dieses Pressburg ist •di־e würdige Stätte zu Beratungen, an welcher das ganze Land interessiert ist und die über die Grenz־ pfähle der Slowakei hinaus überall, wo die Ortho־ doxie um ihre Existenz und um Geltung in der jüdischen Welt ringt, Aufmerksamkeiten bean- Sprüchen könne. Montag hat die Agudatagung stattgefunden, die bereits schon sehr viele aus- -wärtige Delegierte nach Bratislawa berufen hat, aber erst Dienstag vormittags bei der Eröffnung der Plenarsitzung der Landesrepräsentanz der ortho־ doxen Gemeinden hat sich erst die Fülle der geistigen und moralischen Kräfte gezeigt, über welche die slowakische Orthodoxie verfügt. Am Präsidialtisch, die Herren Oberrabbiner von Press־ burgBeregsasz,Dunaiska־Streda, Nowy־ Zamky, Stropkow und der Präsident Oberrabbiner Weber und Vizepräsident Oberrabbiner Hirsch ler, die heute der Landesrepräsentanz Rechenschaft über anderthalbjährige Tätigkeit geben sollen, repräsentieren sowohl nach Alter, wie nach Wissen, wie auch an Fähigkeit, die mit dem Russinsko vereinte slowakische Orthodoxie. Aber .auch von hervorragenden Balebatim ist eine sehr grosse Anzahl in dem Saale zu bemerken, vor allem die Vertreter des Pressburger Gemeinde- Vorstandes Herr Dawid Krauss, Josef Kaltm arm und Herr Isidor Pappenheim. Die für .״die Gäste reservierten Plätze waren ebenfalls dicht besetzt, ein Zeichen des wachen Interesses, mit dem man die Arbeit der orthodoxen Landeskanzlei -nicht nur von gegnerischer Seite verfolgt Unter den Gästen befand sich der alte Vorkämpfer der Orthodoxie Herr Wolf Pappenheim aus Wien, dem der Vorsitzende wie das Publikum herzliche Ovationen bereiteten. Präses Oberrabbiner Weber «röffnete um 1/4II Uhr die Sitzung und nach einer kurzen Eröffnungsansprache gedachte er in feierlicher Stille des verstorbenen Mitgliedes des Rabbinerkomittees Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jungreis, Kosice. Nachdem das Protokoll der jüngsten Plenarsitzung, die im März vorigen Jahres seitens des Sekretärs Schwarz verlesen und -von der Versammlung richtig befunden wurde, ergreift Präses Oberrabbiner Weber das Wort zu :seinem grossangelegten Berichte, den wir in unserer;nächsten Nummer bringen. Präsenzliste: Die Herren Oberrabbiner von: Pressburg, ©eregsasz, Dunaiska-Streda, Nowy-Zamky, Strop-;kow, Stupawa, Miawa, Bilke, Brezowica, Verbo, Kaszony, Voljove, Bardiow, Svaljawa, Sp. Podkradu, Jassin, Trnava, Torna, Sallo, Galanta, Uzhorod, Rabbiner Grünwald, Munkacsevo; Rabbiner Berger, Harszfolvo. Ferner die Herren: Eichner, Sp. Podkradi; Kraus, D. Pressburg; Rosenbäum, Pressburg; Ullmann, Zaboboy; Ehrlich, Kosice; Weber, Stupava; Kohn, Nitra; Bernfeld, j Topolcsany; Ehrenfeld, Surany; Bineth, Nowy- .Zamky; Preis, Presov; Rothmann, Uzhorad; Klein, Kr. Chlumec; Fürst, Pressburg; Schwerd Goldstein, Kosice; Kalisch, Galanta; Gutman, Hust; Berger, Srodjova; Wiesenberg, Kosice; Weiss, Batzu; Fischgrund, Uzhorad; Kaltmann, Pressburg; Willner, Plavnica; M. Basch, Felso-Sallo; Pappenbeim, Wien-Pressburg; Friedmann, Vereke; Löwy, öendow; Kraus, Sabinor; Bleyer, Munkacs; Hülle Trnava; Tabak, Slatina; Fleischmann, Kosice. Die Aguda-Tagung in Bratislawa. Am 11. Tamus fand im Sitzungssaale der orthodoxen Gemeinde in Bratislawa die Tagung der slowakischen Landesorgani§ation statt. Sowohl die Rabbiner als auch die Vertreter der Orts- und Jugendgruppen waren zahlreich vertreten. In der .ganzen Versammlung herrschte כנסייה נדולה-Stimmung. In Abwesenheit, des wegen eines Familienfestes verhinderten Präses der Landesorganisation Rabbiner Kat z־Nitra eröffnet Oberrabbiner H i r s c h 1 e r die Tagung und begrüsst die erschienenen Rabbiner, Delegierte und Gäste. Herr Wolf Pappenheim bringt «die Grüsse des Zentralrates, des G. A. und der österreichischen Landesorganisation. Oberrabbiner Schreiber, Bratislawa, begrüsst die Versammlung und wünscht, dass die Tagung den Delegierten aus der Slowakei die Direktive erteile, auf der Kenessio Oedaulo für die auf der Pressburger Konferenz seinerzeit gefassten Beschlüsse einzntreten. Oberrabbiner Weber, Piestany, weisst auf die Bedeutung der Kenessio Gedaulo für die gesamte Orthodoxie der Welt hin. Hierauf erstattet General- Sekretär Braun den Tätigkeitsbericht der Leitung. Die Vertreter verschiedener Ortsgruppen ergänzen den Bericht durch Mitteilungen über den Stand und die Tätigkeit der einzelnen Gruppen. In der anregenden Debatte, die hierauf folgte, tritt eine allgemeine Begeisterung für die Ziele der Organisation zu Tage. In das Tagespräsidiuui werden Oberrabbiner Ungar, Trnava, Oberrabbiner Herzog, Stupawa und Herr B. Donnebaum, Bratislawa, znm Protokollführer Herr Lipe Kohn, Nitra, gewählt. In der Nachmittagssitzung richtet der inzwischen angelangte Vizepräses der Landesorganisation Oberrabbiner Ungar, Trnawa, eine zündende und alle Anwesenden aufs tiefste bewegende Anspräche in der er besonders die bevorstehende כנסיה גדולה als ein Ereignis von weittragender Wirkung hervorhob und den Ortsgruppen nahelegte, die grösten Anstrengungen zu machen, um auf ihr würdig vertreten zu sein. In der Debatte beteiligten sich die Oberrabbiner Fürst, Cuz, Müller, Nädas, H e r z o g, Stupawa, Hirsch ler, Bratislawa, und die Herren Sussmann, Galanta, Donnebaum, W. Kohn, Braun, Rabbiner Unsdorfer, Bratislawa, Stern, Szerdahely, L. Kohn, Nitra, Weinberger, Piestany. Es wurden Beschlüsse gefasst, die eine Erstarkung der weiteren Propaganda und der Organisation herbeiführen sollen. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden eingehend beraten und im bestem Einvernehmen zum Wohle der Agudas Jisroel und der orthodoxen כלל ישראל erledigt. Unter Danksagung an das Präsidium die Leitung und die Mitarbeiter schloss die Versammlung um 7 Uhr abends. Ausführlicher Bericht folgt. ♦ ♦ Grand Sanatorium (Wasserheilanstaltj : Bratislava (Prmburö), Derer lUea : Erstklassige diagnostische, diätetisehe u. physikotherapische Anstalt für Nerven- und innere Krankheiten. Chirurgie, Geburtshilfe. Orthopädie. Abteilungen für Augen-, Ohren-, Kehlköpfu, Hautkrankheiten, Röntgenbehandlung. Chemische u. bakterio- // logische Laboratorien. // Täglicher Pauschalpreis v. cK 55 aufw. Pauschalpreis für Entbindung v. cK 1100 bis cK 1800 (8 Tage). Wasserkur auch für Auswärtige öK 15 FREIE ÄRZTEWAHL. Rituelle כשר Verpflegung unter Aufsicht des Pressburger orthodoxen Rabbinates. Schulchan Aruch und — Neologie. Wie erinnerlich, haben vor zirka einem Jahre 62 slowakische Ne 0 logen- und statusquo-Gemeinden in einer Vesammlung den Beschluss gefasst, sich zu gemeinsamer Vertretung ihrer Interessen zusammenzusöhMessen. Da ׳aber programmässige Neologie seit dem Umsturz an Reiz viel eingebüsst hat, erschien es der Versammlung ratsamer (wenn auch nicht — ehrlicher!), ihren längst vollzogenen und praktisch in den Gemeindeinstitutionen durchgeführten Abfall vom traditionellen Judentum zu überkleästern und die neologe Gemeindeorganisation unter irgend einer neutralen Flagge segeln zu lassen. Man schämt sich schon ein wenig, offen herauszusagen, dass man n e o 1 0 g oder nichtorthodox ist. Ein neologer Rabbiner hatte sogar den famosen Einfall, den Antrag zu stellen, dass die in der Organisation vereinigten Gemeinden den Schulchan Aruch als Basis anerkennen. Einen ähnliehen Scherz hatte sich früher einmal schon der bekannte Redakteur des ״Egyenlösög“, Max S z a b 01 c s i in Budapest geleistet. Während aber die Neologen-Gemeinden in Ungarn in ihrer Mitte noch Männer zählten, die von der Jugend her noch wussten, was das bedeutet und natiirlicherweise darauf nicht eingingen, wurde der Vorschlag von den slowakischen Neologen in rührender Ahnungslosigkeit — glatt angenommen. Aehnlich erging es auch einem weiteren Antrag, wonach sich die neologen Gemeinden dem (ebenfalls mit neutralem Namen bekannten) zionistischen ״Volksverband der slowakisehen Juden“ anschlossen. So kam die Slowakei zum Gaudium der gesamten Judenheit in den glücklichen Besitz einer organisierten zionistischen Schulchan Aruch-Neologle. Man war gespannt, w׳ie diese ״Neologie auf Basis des orthodoxen Judentums“ sich gestalten werde. Ein ganzes Jahr hörte man weiter nichts. Wie zu erwarten, fiel es diesen Gemeinden nicht ein, ihre entgegen dem Schulchan Aruch wirkenden Rabbiner und Schochtum zu entlassen, die Orgel aus Ihren Bethäusern zu entfernen oder gar die Schulen und die anderen Gemein׳de-Institutionen im Sinne der Schulchan Aruch gebrauchsfähig zu machen. Die Neologen-R a b b i n e r hatten erst recht nicht das geringste Bedürfnis, ihre Gemeinden darüber aufzuklären, dass sie nun auf Grund der als Basis akzeptierten Schulchan Aruch eigentlich — sich a u f I ö s e n und die orthodoxe Gemeinde ihres Ortes als einziges jüdisches צבור anerkennen und fördern müssten. Die löblichen nunmehr auf Zionismus und Schulchan Aruch basierten neologen Gemeinden waren in arger Verlegenheit. Sie wussten einfach nicht, was mit sich, was mit ihren auf Grund eben dieses Schulchan Aruch geasserten Rabbinern und Schochtim, was mit ihrem Zionismus und gar erst was mit diesem dickleibigen, so furchtbar orthodox gehaltenen Schulchan Aruch anfangen. Ein glücklicher Zufall half ganz unerwarteter Weise. Der Kaschauer, ebenfalls auf den Schulchan Aruch eingeschworene, neologe Rabbiner Dr. Enten schrieb im ״Szombat“ einen Artikel voller bitterer Wahrheiten über den Verfall und die geistige und religiöse Oede in den neologen Gemeinden. Einen Rettungsanker aus dieser verwüstenden Flut sieht er einzig und allein Ln der schleunigen Hebung des Ansehens der neologen Rabbiner in ihren Gemeinden. Dazu sei vor allen Dingen erforderlich, dass die neologen Rabbiner (wie er meint: gleich den orthodoxen und status-quo-Rabbinern) ex offo Mitglieder des Gemeindevorstandes und der Gemeinde-Repräsentanz werden. ״Der neologe Rabbiner gehört an den grünen Tisch der Gemeindestube“ ruft er fordernd aus. Aeltere Leute wissen sich noch genau zu erinnern, dass seinerzeit auf dein berühmten ״Kongress“ im Jahre 1868 die ״Neologie“ gerade unter Sturmblasen gegen den Einfluss der Rabbiner gegründet wurde und dass eben dieses Verhaltlen der ״fortschrittlichen“ Gemeindeführer mit zu den wichtigsten Ursachen der Separation der traditionellen Kreise von den Neologen gehört hatte. Heut% fordert ein neologer Rabbiner, dass diese ״Sünde“ korrigiert wird. .,Heute weiss es ein jeder“ so schreibt der dankbare Nachfahre, ״ dass eine der Hauptursachen für die in den ״neologen“ Gemeinden herrschenden verwahrlosten Zustände darin liegt, dass man den Rabbiner vom grünen Tisch entfern hat. Heute weiß ein jeder r.uch, dass das nicht ideale, erhabene Gesichtspunkte, sondern sehr gewöhnliche, niedrige Gefühle d!ie Majorität des Kongresses von 1868-1869 geleitet haben, als sie den Be- Schluss zur Ausschliessung der Rabbiner aus dem Beratungssaale der Gemeinde Gesetzeskraft verliehe n.“ ״Meine feste Ueberzeugung ist es, dass der Friedensaltar in ״neologen“ Ver- Sammlungen glänzender erstrahlen würde, dass die Religiosität, das Interesse für die kulturellen Angelegenheiten der Gemeinde, des Judentums, für die Anliegen der jiidisehen Gesamtheit grösser wäre, wenn der Geist des Kongresses von 1868-1869 seine Kraft einbüssen und wenn man die ,,neologen“ Rabbiner den orthodoxen und status-quo- Rabbinern und den Seele n.sorgern der christlichen Kirchen gleich stellen wür.de.“ Diese Gleichstellung sollte jetzt nach dem Wunsche Dr. Entens die neue Organisation für die ihr angesohlossenen Gemeinden statutarisch festlegen. In der jüngsten Nummer des ״Szombat“ erteilt ihm hierauf der provisorische Präses der Organisation, Dr. Jenö Guth-Novö Zamky, eine Antwort, die er sicher niemals erträumt hätte. Dr Guth billigt nämlich die Forderung, lehnt jedoch eine statutarisehe Festlegung u. a. mit der Begründung ab, dass nunmehr ein solches Statut überflüssig sei. Man stände doch auf der Basis desSchulchan Aruch und der Schulchan Aruch regte auch das Verhältnis der Gemeinde zu ihrem Rabbiner, So spielt jetzt die Schulchan Aruch-Neologie den Schulchan Aruch gegen — ihre Rabbiner aus. Wir sind nun darauf gespannt, wer in der nächsten Versammlung den Antrag auf Wiederabschaffung des Schulchan Aruch- Paragraphen stellen wird, die Gemeinden oder die — Rabbiner. •;mt •;*י**?m*. -;׳psifc Gedenket bei allen Anlässen der Armen in Erez Jisroel! In keinem Hause fehle die מאיר בעל הנם Büchse! Auf Verlangen gratis zugestellt von Herrn IGNAZ KLEIN, II., Schiffamtsgasse 17, oder von B. SCHlkF & SÖHNE, Neutorgasse ö. Zionistische Kulturkonferenz. Vor kurzem hielten die tscheoho-slowakischen Zionisten in Brünn eine sogenannte ״Kulturkonferenz“ ab. Diese Konferenz zeigte abermals aufs deutlichste, wieviel Mühe von seiten der Zionisten — wir meinen diesmal die wirklich ernsten unter ihnen — angewandt, wieviel Gest nutzlos verbraucht wird, nur um dem wahren Judentum —• ausweichen zu können. Da hielten einige Professoren mit scharfem Geist ersonnene Referate über ein werkwürdiges Etwas, das sie als ״Judentum“ der Welt aufschwatzen möchten, da werden recht feinsinnige Diskussionen gehalten, die immer darauf hinauslaufen, wie schwer wie furchtbar schwer es sei, den Juden beizubringen, dass sie die elementarsten Begriffe vom Judentum gründlich ״umlernen“ müssten, um für die neue zionistische ״Kultur“, für die nationalistisehe ״Erziehung , für die thoralose hebraistische ״Schule“ empfänglich zu werden. Da sprach man natürlich auch von der ״Bibel“, ja sogar von der ״Religion“, die man irgendwie doch im neujüdischen Kulturgebäude unterbringen müsste. Aber wie fremd, seelenlos und lebensleer tönen diese Worte im Munde von Kulturreformern, die alles in der Welt als ״jüdisch“ zu akzeptieren bereit sind, nur nicht das, was bis zur Entdeckung der zionistischen Kultur einzig und allein als ״Judentum“ bekannt war“, nämlich die gedankliche Erfassung und praktische Uebung vonn^D) תורה durch alle Glieder des Jüdischen Volkes. Referate, Dis-