Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 26 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 JÜDISCHE PRESSE Seite 175 Cetila«! Lettland. Das in Riga erscheinende ״J ü d isehe Wort“ tritt sehr tapfer und offen für die religiösen Interessen, insbesondere für die der jüdischen Erziehung ein. Schlimm genug ist es leider hier in diesem Behufe bestellt. Die jüdischen Grundschulen, die überall das Erbe der Cheder antreten, sind fast so geartet, dass die Bolschewisten drüben mit ihnen zufrieden sein könnten. Und damit ist wohl alles gesagt. Hoffentlich verhallt der Weckruf der ״Jüdisehen Stimme“, eigene gutjüdische Schulen zu gründen, nicht wirkungslos. Es ist unter diesen Umständen doppelt erfreulich, von einer Jeschiwoh in Riga zu berichten, die über 50 Schüler zählt. Die nicht unansehnlichen Kosten werden in Riga selbst aufgebracht. In Riga wie in anderen Städten Lettlands werden Vereine שמירת שבת ins Leben gerufen, die der leider überhandnehmenden öffentlichen Sabbatentweihung entgegentreten und die Schaffung von Hilfe und Stellenvermittlung für sabbathaltende Kaufleute ermöglichen wollen. Kaufet nur ßollingers Eiskasten Fabrik: Wien, XY. Staglgasse 10, Telephon 38.419 Filiale: Wien, VII. Burggasse 17, Telephon 33.572 ^*׳־־ .*?־־-*> IDenti. Die Rechte der Juden In Memel. Um die Rechte der in anderen Ländern Europas wohnenden jüdischen Staatsbürger Memels vor Willkür der Behörden zu schützen, weilt zurzeit in Paris eine Delegation aus Memel, die bereits mehrere Konferenzen mit den massgebenden Kreisen abgehalten und alle strittigen Punkte befriedigend erledigt hat. jjie schönsten Geschettiie kaufen Sie in der Kunstu. Antiquitätenhandlung Adele Uirsclilerj Wien, I., Fleischmarkt 18 Trankrdcb. Zahl der Juden Im Eisass und Lothrlnigen. Nach einer Statistik aus dem Jahre 1920 zählte man in dem früheren Reichsland Elsass-Lothringen, den jetzigen Departements Oberrhein, Niederrhein und Lothringen (Haut-Rhin, Bas- Rhin et Lorraine) ungefähr 6200 jüdische Familien. Davon entfielen auf die jüdischen Gemeinden mit mehr als 100 Familien die Hälfte; die andere Hälfte verteilt sich auf die kleineren Gemeinden und das Land. Von den Grossgemeinden zählten Strassburg rund 1500, Mühlhausen 600, Metz 450, Colmar 330, Hagenau 150, Saarburg und Saargemünd je 100 jüdische Familien. Die übrigen 300 Familien verteilten sich auf 130 Landgemeinden. In den letzten drei Jahren hat sich aber das Verhältnis der Grosszu den Kleingemeinden noch weiter zuungunsten der letzteren verschoben; es mögen heute die sieben erwähnten Städte zusammen 4000, die 130 anderen Gemeinden dagegen nur 2000 Familien zählen. Die meisten Gemeinden mit 20 Familien und weniger werden schon in wenigen Jahren aufgehört haben zu existieren. Die Zahl der Rabbinate wird andauernd zurückgehen und die Anzahl der bis zum Kriege auf 180 elsässisch-lothringische Gemeinden verteilten Juden wird in Bälde kaum in einem Drittel der Ortschaften anzutreffen sein. C—n. Compagnie Generale Transatlantique. Französische Linie, Wien, IV., Wiednergürtel 24. Nächste Abfahrten anch New York ab Havre: 10. Juli ״Roussillon“; 14. Juli ״France“; 19. Juli ״Suffren“; 21. Juli ״Lafayette“; 24. Juli ״Rochambeau“; nach Südamerika ab Hamburg, Bordeaux, Marsaille und Genua: 9., 10., 13., 1929 ״28 ״20 ״. und 30. Juli. Reizende Juwelen, Gold- und Silberwaren, Uhren, Silber-Essbestecke, Tempeigeräte etc. Brüder Goldmonn, Wien, I., KBrntnersfr. 53 vis־21־vis der Oper. // Samstag geschlossen. Italien. Die feierliche Einsetzung des Grabsteines für die Kriegsgefallenen. Vorigen Sonntag fand im Beisein aller Zivil- und Militärautoritäten und vor einem gewählten Publikum im Ober-Tempel die Enthüllung des Grabsteines der gefallen Juden statt, wie auch der Gründer der O. P. Maasse u zedako. Der Oberrabbiner Dr. O. Rosenberg sprach nach einer kurzen Rede ein Gebet. Herr Murgi zelebrierte den Aschawa. Nachdem hat der Ing. Ritter Giacom Beer zwischen andächtigem Stillschweigen der Zuhörer eine rührende Rede gehalten, in welcher er» die Namen und die Taten der Gefallenen nannte. Die schöne Rede wurde mit Beifall aufgenommen und mit Hasacbaruch begrüsst. Dann fand die Enthüllung statt, der noch eine Rede des Präsidenten der jüdischen Gemeinde, Herrn Dr. Padovano folgte. Möbelfabrik J. Spira Feine Wien, Uli Jlebenslerngasse 1-3 Wohnungseinrichtungen. 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Auf der Tagesordnung stand eine Debatte über einen beabsichtigten Zusatzantrag zum Sohechitagesetze, wonach dem dem Gesetz eine Klausel zugefügt werden soll, welche besagt, dass es den mit einer Vollmacht des Chief Rabbi ausgestatteten Schochtim unbenommen bleibt, das Schlachten der Tiere auoh weiterhin im ritüellen Sinne durohzufiihren. Einige ,Redner opponierten dagegen, dass das Aussteller! einer solchen Vollmacht nur dem Chiefrabbi zustehen soll, was eine Hintansetzung der anderen Gemeinderabbiner bedeutet. Es entspann sich eine heftige Debatte, die sehr erregte Auseinandersetzung berachte. Sohliesslioh wurde das Amendement zurückgezogen, und die Beratung einem zu ernennenden Ausschuss überwiesen. Als zweiter Punkt wurde die Frage der russischen Religionsverfolgungen behandelt. Der Abgeordnete Dr. Daiches stellte die Frage, was bisher zum Schutze der jüdischen Religion in Russland unternommen worden sei. Er macht darauf aufmerksam, dass auch in Littauen die Lage!der Juden nicht weniger als rosig sei und die Regierung ihre schönen Versprechen nicht gehalten!hat. Er verlangt ein energisches Auftreten gegen die bolschewistische antireligiöse Politik. Hierauf ergriff Mr. B. Jakobs das Wort, um auszuführen, dass eine solche Politik den Interessen der russischen Juden keineswegs förderlich wäre, sondern im Gegenteil die Bolschewiken nur zu Repressalien aufhetzen würde. Ferner macht er auf die ungeheuere Gefahr aufmerksam, die den Juden drohe, wenn das jetzige Regime gestürzt würde. Seinen Ausführungen schloss sich auueh Mr. Spyers an, der darlegen wollte, dass die Religions- Verfolgungen eine rein innerpolitische Angelegenheit der russischen Regierung seien, in die einzugreifen es weder klug, noch aussichtsreich sei. Die Ausführungen der beiden Redner stiessen auf lebhafteste Opposition. Vor allem nahm Mr. Moris Mayer eine energische Stellung gegen die Resolution Jakobs ein und behauptete, sie sei gleichbedeutend mit einem Verrat an den schwer leidenden Brüdern in Russland, die einen übermenschlichen und doch aussichtslosen Kampf gegen die antireligiöse Regierutig führen und die ganz verzagen müssten, wenn ihre ausländischen Glaubensgenossen sie im Stiche lassen würden. Da sich der grösste Teil der Abgeordneten dieser Ansicht anschloss, zog Mr. Jakobs seine Resolution mit dem Bemerken zurück, er sei von den besten Absichten geleitet worden. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Anfragen im Unterhaus. Der Abgeordnete Becker fragte den Unterstaatssekretär Ormsby-Gore. ob England, das soviel zum Aufschwung Palästinas beigetragen hat, sich die Meistbegünstigung bei der Verteilung der Arbeiten bei der Rutenberg-Konzession gesichert habe. Der Unter- Staatssekretär erklärt, dass es sich um ein Privatunternehmen handle und England kein Vorrecht anderen Mitgliedern des Völkerbundes gegenüber habe. — Ob England verpflichtet sei, ein Mandat zu übernehmen, das zwar vom Völkerbund, nicht aber vom englischen Parlament bestätigt worden sei? Ormsby-G. antwortet, es bedürfe keiner solchen Bestätigung. — Als Zahl der seit der Be- Setzung Palästinas durch England eingewanderten Juden gibt der Unterstaatssekretär für Kolonialwesen 27.000 an. ״Jewisfi Chronlcle“ schreibt über den Vertrag \ zwischen England und König Hussein folgendes: In Palästina ist -jetzt der Vertrag offiziell veröffentlicht. Was da ans Licht kommt, 1s nicht ermutigend. Die Art und Weise, in der Irak und Transjordanien mit Palästina I als arabische Gegenden verzeichnet sind, zeigt Palästina : in Zukunft vom Standpunkte dieses Dokuments als arabisches Land; da ist viel mehr als ein Arangement für eine Art von Zollverein zwischen Palästina und den arabischen Juden. Die Tendenz all der Klauseln geht zweifellos ln der Richtung aus Palästina eine arabische Gegend zu machen . . . Die Araber haben ihren Beschluss, dem Vertrag nicht zuzustimmen und boykotieren jetzt die englische Regierung, genau so, wie sie die Juden boykotiert haben; ihre Handlungsweise ist lächerlich, obwohl Ihr Streben darin besteht, allen Juden in Palästina den Garaus zu machen, und die Tür Palästinas vor den Juden zu versohliessen. Kann irgend jemand annehmen, dass England derartiges erlauben wird, oder dass der Völkerbund es ruhig gestatten wird, dass auf der von Chuchill versprochenen jüdischen Heimstätte in Palästina der Scheiterhaufen errichtet wird? . . . Die vertrauensselige ״Morning Post“. Die Londoner ״Morning Post“, das berüchtigste Antisemitenorgan, leistet sich in einer der letzten Nummern die Behauptung, dass alle ״Gerüchte“ über Verfolgungen der jüdischen Religion in Russland Erfindungen von Juden seien, in deren Interesse es läge, zu beweisen, dass die Juden in Sowjetrussland keinerlei Vorzugsstellung geniessen. Sie beruft sich dabei auf einen Bericht der Sowjetregierung in ihrem Berliner Organ ״Nakanunie”, in dem efl heisst, die jüdische Religion geniesse in Russland vollständige Freiheit. Zu rührend, diese Gutgläubigkeit der ״Morning Post“, einem bolschewistischen Kommuique gegenüber! Nun hat Mr. Lucien Wolf an die Redaktion einen Brief gerichtet, in dem er eben diese plötzliche Vertrauensseligkeit der Zeitung kritisiert und ihr vorhält, dass die Sowjetregierung es schon zahllose Male geleugnet hat, gegen die Religion über- 11 a u p t aufzutreten. Bringt ihr die ״Morning Post“ dort, wo es sich um katholische Geistliche handelt auch so unbedlngten Glauben entgegen? ▼▼TrrfrrTTv▼▼▼ Aufnalnnd loiislabßWfl MISs|5|UuS1C| tolae d«s lVc1a«ns Ledet'ttb*tiUo m m * iiSli» Mmmmtesa W3VJ VQiilrthii be» Yws'towmäwngj vul *fl!■* (lun111d'i1l)s»b.en h.y^\ »mutiso Schweiz. s Delegiertenversammlung des schweizerischen Landeskomitees. In Zürich fand Ende April eine Delegierten- Versammlung des schweizerischen Landeskomitees der Agudas Jisroel statt, welche in Vertretung des leider durch Krankheit verhinderten Präsidenten A. W. Rosenzweig vom Zentralkassier Rohtschild-Zürich geleitet wurde. Nach Erledigung allgemeiner Geschäfte wurde zur Wahl von drei Delegierten für die Kenessio Gedauloh geschritten, und zwar wurden in geheimer Abstimmung gewählt die Herren: Chajim Jisroel Eiss, Zürich: Naftuli Sternbuch, Basel; Josef Erlanger, Luzern. Es wurde festgestellt, dass die Beiträge der verschiedenen Gruppen rechtzeitig, das heisst, vor dem Rausch Chaudesch Ijar an die Landeskasse gezahlt worden sind und ergab sich eine Mitgliederzahl, welche den verschiedenen Gruppen noch total drei Delegierte für die Kenessio Gedaulo zu wählen gestattet. Die Wahlkreise wurden derart eingeteilt, dass Zürich und Basel je einen, Luzern mit Einschluss der Gruppe Baden und der Einzelmitglieder den dritten Delegierten wählen können. Ferner wurden Beschlüsse gefasst, dass die Gruppen für die Dauer der Vorbereitung zur Kenessio Gedauloh an ihre Mitglieder die ״J ü d i c h e Presse“ ,Wien und ״Der Jud“, Warschau, je nach Bedürfnis zum Versand bringen sollen. Jede Gruppe hat durch die anwesenden Vertreter die Verpflichtung übernommen, dem Wiener Zentralbureau der Agudas Jisroel Gelder für die Bureau- und Kenessio Gedauloh- Kosten zu beschaffen. Nun ist zu hoffen, dass die Worte Eingang finden mögen, wenn die Vertreter an ihren Ortschäften über den Verlauf der Tagung berichten zum Nutzen und Frommen der Weiterentwicklung der Aguda- Idee. _J—de—A— Gedenket der Waisenkinder! Spendet für die Waisenhäuser der Aguda Jisroel Sekretariat: Wien, II. Malzgasse Nr. 12a. Thoratreue Juden sichert euer Wahlrecht zur Kenessio Gedaulo g Tretet der Agudas Jisroel als Mitglieder bei