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Jüdische Presse · 1923-06-29 · 26 (29.6.1923) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
26 (29.6.1923)
Date
1923-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 26 Seite 172 Erinnerungen an Kattowitz. Von J. K r e p p e 1. Die ״Agudas Jisroel“ hat in den letzten Jahren derartige Fortschritte gemacht, die Zahl ihrer Mitglieder und Anhänger ist derart gewachsen, dass diesen gegenüber die ersten Pioniere des Aguda- Gedankens, die am 11. bis 12. Siwan 5672 (27. bis 28. Mai 1912) in Kattowitz gewissermassen an der Wiege desselben gestanden sind, als ein verschwindend kleines Häuflein erscheinen. Freilich bloss quantitativ. Qualitativ kommt diesen Männern sicherlieh der höchste Wert und die weitgehendste Bedeutung zu. Immerhin werden sich wenige am Tage der ״Kenessio Gedaulo“ persönlich an Kattowitz erinnern. Und doch sollte man gerade da an Kattowitz denken. Wäre kein Kattowitz gewesen, es gäbe heute kaum eine ״Kenessio Gedaulo“. Gar manche, die vor 11 Jahren dem aus Frankfurt ergehenden Rufe nach Kattowitz gefolgt sind, weilen nicht mehr unter uns. Gar manche sind seither andere Wege gegangen. Diejenigen aber, die noch zur Fahne halten und denen es vergönnt ist, die Kenessio zu erleben, werden jetzt den weiten Weg überblicken können, der in diesen 11 Jahren zurückgelegt worden ist, den Jahren, von welchen ein beträchtlicher Teil anderen ״Idealen“ gewidmet war. Dieser Weg hatte seine Beschwerlichkeiten, gar manche äussere und innere Hindernisse mussten überschritten und überwunden werden. Desto grösser allerdings der Erfolg und desto grösser die Genugtuung derjenigen, die die ersten Zehn waren. Es war im Frühjahre 1912, als die jüdische Presse (natürlich nur diejenigen Blätter, die keine Gegner a priori waren) einen Aufruf veröffentlichte, in welchem ein provisorisches Komitee in Frankfurt Mitteilung über eine bereits seit Jahr und Tag eingeleitete Aktion zur Schaffung einer interländischen orthodoxen Organisation machte, mit der Ankündigung einer demnächst in Kattowitz abzuhaltenden Konferenz. Die bisherigen Beratungen und Verband- Jungen waren vertraulich, diesmal sollte die Aktion urbi et orbi gesichert werden. Diese Ankündigung wirkte Wunder. Einige Blätter, die ohne eine ausgesprochene orthodoxe Marke zu tragen, die Interessen des strenggläubigen Judentums vertraten (wie die jiddischen Tageszeitungen ״Der Tag“ in Krakau, Organ des Schreibers dieser Zeilen, und ״Jüdisches Tagblatt“ in, New York, dessen Chefredakteur G. Bublik eine Serie begeisterter Artikel für den Agudagedanken veröffentlichte, usw.), stellten sich Spontan in den Dienst der neuen Idee und gar bald wusste man ״mi Don we-ad Beer-Schaba“, in der ganzen jüdischen Diaspora, dass das glaubenstreue Judentum nun daran geht, sich zu organisieren und ein neues Haus für Thora und Awoda aufzurichten. Um diese Begeisterung richtig verstehen zu können, muss an die desolate Lage der Orthodoxie in jenen uns noch nicht so fernen Jahren erinnert werden. Bloss in Deutschland und in Ungarn verfügte die Ortodoxie über eine feste Organisation, war Herr ihres eigenen Schicksals. In Polen, in Galizien, in Russland, in Litauen und anderwärts hatten einerseits die Assimilanten, anderseits die Nationalisten die Herrschaft in Kehillo, Institution, Land und Staat an sich gerissen. Sie, die a-, beziehungsweise antireligiös waren, gebärdeten sich als die Wortführer der Juden. Und die Vertretung war auch darnach. Die überwiegende, oft geradezu erdrückende Majorität orthodoxer Juden war Leuten ausgeliefert, die alles andere im Auge hatten, als das, was dieser Majorität teuer und heilig war. Es war ein doppeltes Golus, die Glaubenstreuen waren ״Awodim le-Awodim“, Sklaven bei Sklaven. Da kam der Ruf: .,Glaubenstreue Juden ralliiert euch!“ Werdet Herren eueres Schicksals!“ ״,Wirft ab das euch aufgedrängte Joch!“ ״Organisiert euch und werdet stark!“ Einen solchen Ruf hatten diese Juden schon lange nicht vernommen, Es war eine neue Sprache und ein neuer Ton. Und sie stimmten begeistert zu. Selbst gar manche, die schon damals anderen Ideologien huldigten, konnten sich dem Einfluss der Begeisterung nicht entziehen und legten mit Hand an. Dieser Stand der Dinge war das Geheimnis des Erfolges, den Kattowitz der orthodoxen Sache gebracht hat. Diese Mentalität Hess die Glaubenstreuen nach dem Echo aus Kattowitz aufhorchen und *dieser Mentalität ist es zuzuschreiben, dass mau in den Tagen 11. bis 12. Siwan 5672 den Grundstein für die ״Agudas Jisroel“ legen konnte. Diese zwei Worte sind seither zum Programm geworden, zum Signal, zur Parole. Diejenigen, die an der Kattowitzer Konferenz teilgenommen hatten, sind Pioniere der Aguda geworden. (Fortsetzung folgt.) Berichte aus dem Ausland. Rüstungsarbeiten in London. Eine Generalversammlung der Aguda fand Sonntag den 27. Juni unter zahlreicher Beteiligung statt. Präsident der Sitzung war Herr Wolf Schiff, welcher bei der Eröffnung der Sitzung der Hoffnung Ausdruck gab, dass dies der Beginn einer neuen Aera der Agudatätigkeit in London sein möge. Rabbi Baumberg berichtete über die Tätigkeit der Aguda auf dem Kontinent und über die Breslauer Konferenz, welcher er als Delegierter aus London beiwohnte. Rabbi Zimmermann richtete einen Appell an die orthodoxe Judenheit in London in der grossen Weltorganisation Agudas Jisroel mitzuarbeiten, die jetzt vor ihrem wichtigen geschichtlichen Ereignis iteht, der Kenesio Gedaulo. Es sei Pflicht der Londoner Judenheit, durch ihre Mitarbeit diese Kenesio Gedaulo zu einem vollen Erfolg auszugestalten. Rabbi Rabbinowitsch beklagte sich, dass die englische Judenheit apathisch geblieben sei, während auf dem Kontinent, Palästina und Amerika eine geradezu begeisternde Tätigkeit für die Aguda herrscht. Harry Goddmann brachte folgende Resolution ein: Die Versammlung verpflichtet sich, die Agudas Jisroel zu unterstützen und begrüsst die Kenesio Gedaulo als eine Lösung der vielen Probleme, welche das orthodoxe Judentum berühren. Er führt zur Begründung seines Antrages aus, dass die englische Judenheit sich selbst aus dem Zusammenhänge der orthodoxen Judenheit löst, wenn sie nicht lebendigen Anteil an dem allgemeinen׳ Agudawerke nehme. Die Kenesio Gedaulo eröffnet eine neue Epoche für Jahrhunderte. Sie wird uns die Frage lösen, sowohl in Paläslina, als auch in den Golusländern, welche eine unmittelbare Erledigung verlangt und es wäre geradezu eine heilige Pflicht der englischen Judenheit, ihren Brüdern zu Hilfe zu kommen und die Agud°s Jisroel zu einer umfassenden Re- Präsentationsorganisation der Millionen von orthodoxen Juden der Welt zu bestellen. Pinchas Landau unterstützte diesen Antrag, indem er ausführte, es wäre höchste Zeit für die Londoner Judenheit zu handeln. Die Kenesio Gedaulo und die Agudas Jisroel wäre für die Londoner Judenheit mindestens dieselbe Lebensnotwendigkeit wie für die anderen Juden der Welt. Er erinnerte nur an die Schechita- Frage und an andere Angelegenheiten, welche der Londoner Orthodoxie Sorge bereiten. Die Resolution ward einstimmig angenommen und eine weitere Versammlung für den 28 Juni beschlossen. Die Rüstungsarbeiten in Erez Jisroel. ״Kol Jisroel" das Organ der Aguda in Erez Jisroel berichtet über den günstigen Fortschritt der Vorbereitungsarbeiten für die Kenessio Gedaulo. Herr Rabbiner Benzion Jadler, der die Propagandaarbeit für die HTsaktion für russischen Hungernde mit grossem Erfolge geleitet hat, stellte seine wertvolle Kraft in den Dienst der Vorarbeiten zur Kenessio Gedaulo. Donnerstag vorige Woche hat er in Jaffa in der Synagoge ״Schare Thora" eine grosse Rede über die Bedeutung der Aguda und Kenessto Gedaulo gehalten. Am Samstag hat er in fast allen Synagogen von Jaffa undTei-Awiw überallzu gunsten der Kenessio Gedaulo gesprochen. Seine Vorträge haben überall einen warmen Anklang gefunden. Von Jaffa aus setzte er seine Reise nach PessachTikwa fort, wo er ebenfalls mit grossem Erfolge gesprochen hat. Bagdad. (Telegramm.) Da wir eine Ortsgruppe gegründet haben, deren Zahl zur Entsendung eines Delegierten berechtigt, werden auch wir an der Kenessio Gedaulo der Aguda vertreten sein. Rüstungsarbeiten in Lettland. Die Vorbereitungsarbeiten zur Kenessio Gedaulo in Lettland sind in vollem Gange. Die Zentralwahlleitung hat an alle Ortsgruppen der Agudas Jisroel und Zeiire Agudas Jisroel Zirkulare versandt, welche dazu dienen sollen, diese Gruppen über die nötigen Arbeiten zu informieren. Ueberhaupt zeigt sich im Zusammenhänge mit dem bevorstehenden Kongress in dea Ägudistischen Kreisen Rigas wie in denen der Provinz eine lebhafte Bewegung, So wurde ,in Libau am 29, vorigen Monats eine Versammlung einberufen, für die sich lebhaftes Interesse kundgab. Auch in Dwinsk, in Kreuzburg und vielen anderen Städten Lettlands fanden massenhaft besuchte Ver- Sammlungen statt. Wie aus diesen Berichen, die wir dem vortrefflichen Rigaer orthodoxem Organ ״Das jüdische Wort“ entnehmen, hervorgeht, scheinen auch die lettischen orthodoxen Kreise sich intensiv mit den allweltlichen Angelegenheiten des thoratreuen Judentums zu befassen. Neuerliche Versammlung in Jaffa. Samstag den 26, Mai besuchte der Jerusalemer Rabbi Abram Chaim Noah Jaffa, wo er vor einem grossen Auditorium eine zweistündige Rede über die Kenessio Gedaulo und ihre Bedeutung hielt. Die Rede machte auf die Zuhörer einen mächtigen Eindruck. Ueberhaupt ist die Tätigkeit der Aguda, voran der Zeirei Emunei, eine überaus intensive, und es ist zu hoffen, dass durch die wiederholten Propagandavorträge in Jaffa die Position der Aguda dort bedeutend befestigt wird. die Gattin des vielseitig gelehrten Rabbiners Eleasar Worms. Sie unterrichtete die jüdischen Frauen der Gemeinde in der Gebetordnung, richtete im Gotteshause die Lichter für den Sabbat und die Festtage her und hielt am Sabbat öffentliche Vorträge. Ausserordentlich geschäftstüchtig, machte sie es ihrem Gatten möglich ganz ungestört durch wirtschaftliche Sorgen dem Studium der Gotteslehre sich zu widmen. Sie war sehr wohltätig und von einer grossen Sanftmut, so dass ihr Gatte in der ihrem Andenken gewidmeten Elegie bekennt, dass sie ihn niemals auch nur im geringsten betrübt hatte. Diese fromme, edle Frau fand, gemeinsam mitihrenTöchtern Bellette und Anna, den Märtyrertod. Sie wurden in Erfurt von Kreuzrittern, die nach Jerusalem zogen, ermordet. Von einer Frau, die der Nachwelt nur unter detn Namen L e a h bekannt wurde, verzeichnet der Mainzer Rabbiner Jakob ben Moses Hakohen (Maharil) eine an ihn schriftlich gerichtete gelehrte Frage. Nach Mitteilungen dieses berühmten Gelehrten gab es zu seiner Zeit (1400) in Süddeutschland viele im rabbinischen Schrifttum gele >rte Frauen. Hiezu rechnet er seine eigene Schwester, die für ihren Gatten, Rabbi Samuel ben Moses, dessen rabbinisches Werk eigenhändig kopierte. Von Hendel Cohen, der Witwe eines bekannten Gelehrten ist es bekannt, dass sie mit dem Rabbiner Israel Isserlein über eine Erbschaftsangelegenheit hebräisch korrespondierte. Er antwortete ihr in sehr achtungsvoller Weise. ד£• Sehr gelehrt war D i n a W a 111, genannt ״ Dina, die grosse Frau", eine Enkelin Saul Wahls, der nach einer historischen Sage, eine Stunde König von Polen gewesen sein soll. Sie hatte eine sehr schöne Tante, um deren Hand •einst der berühmte Rabbiner H e s c h e 1 anhalten hatte lassen und abgewiesen worden war. Mehrere Jahre später ergab es sich, dass Rabbi Heschels Gattin starb und auch Dina verwitwet wurde. Dina wäre gerne die Gattin des grossen Gelehrten geworden, aber mehrere ihrer Bekannten, die sie um Vermittlung in dieser Sache ersuchte, lehnten in Erinnerung an die verletzende Zurückweisung, die Rabbi Heschel von der Familie Wahl erfahren, die Intervention ab. Kurz entschlossen schrieb Dina selbst einen Brief an Rabbi Heschel, in welchem sie ihn um eine Unterredung bat. Er Iiess ihr sagen, dass er sie erwarte. Der Rabbi hatte sein Lehrhaus im ersten Stock und war nicht wenig überrascht, als die Witwe ihn bitten Hess, er möge zu ihr herabkommen. Er willfahrte ihrem Wunsche, fragte sie aber, weshalb sie ihn herabbemüht habe. Sie antwortete ihm mit dem talmudischen Worte: ״Steige eine Stufe herab und nimm Dir ein Weib!" Der Rabbi verstand die Anspielung und Dina wurde bald darauf seine Gattin. Die Gattin des sehr gelehrten Don Vidai Jom- Tob aus Tolosa war gleichfalls eine durch ihre talmudischen Kenntnisse, wie nicht minder durch ihren Witz bekannte Frau. Viel zitiert wird die geistreiche Wendung, mit der sie als Witwe den Heiratsantrag ablehme. den ihr von einem Gelehrten gestellt wurde, der einst ein Freund ihres Gatten gewesen und zufällig auch den Namen Jom-Tob trug. Sie erinnerte ihn an den talmudischen Spruch: ״Der zweite Jom-Tob ist im Vergleiche zum ersten nur gleich einen Werktag geachtet“. Sie blieb Witwe. Fiorella, Gattin des gelehrten Salon! Modena aus Bologna, war im Talmud belesen. Ihr Herz war von früher Jugend an von •dem glühenden Verlangen in Jerusalem zu leben und zu sterben erfüllt. Als Witwe zog sie nach dem Lande der Väter, wo sie im Jahre 1585 starb. Eva Bacharach erblickte in demselben Jahre, in welchem Fiorella starb, in Prag das Licht der Weh. Ihr Vater war der Rabbiner Isak Samson Cohen. Ihre Mutter Vögele war die Tochter des ״hohen Rabbi Löb“, die selbst ein bei Frauen nicht gewöhnliches Wissen hatte. Eva aber war eine wahre Gelehrte, die namentlich die Literatur des Midrasch beherrschte. (Schluss folgte A A a En gros und Erzeugung mm m fff m m!.,Bauernmarkt 24 (ecke Fleischmarkt) Tel. 67-302 Sfniff5 rPl7\JJ1rPt1n3IlS JLI(I| I M fL Mf 111 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. wW v 9 W Ww —»W Pelzaufbewahreng gegen Vereinbarung iibtr de 8.n>meruonate

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