Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 26 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b.b (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, 11., Malzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichte:» Montag. Abonnementspreise: Oanzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 5000, Tschecho-Slowakei Kö. 70, Deutschland Mk. 16.000, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 40.000,—. Einzelnummer d.־ö. K 1500, Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. I90.40&; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50 170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 40.217; f.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc Et Co für Florenz 8t Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII.1470. Nr. 26 | Wien-Bratislava, 29. Juni 1923 ,בע״ה רנה־פרעססבורג ט״ו תטו? תיפ״ג 9. Jahrg. Nachklänge. Nach einer sehr stürmischen Sitzung einigte sich das zionistische Aktionskomitee auf folgende Resolutionen: ״Nach Anhörung der Berichte der Exekutive und der Erklärung der Vorsitzenden der Exekutive stellt das Aktionskomitee als Riehtlinie für alle Verhandlungen, die in der Zeit bis zum Zionistenkongress mit Vertretern nichtzionistischer jüdischer Kreise über ihre Beteiligung an der Leitung des Palästinaaufbau- Werkes geführt werden, den Grundsatz auf, dass die leitende Körperschaft der Jewish Agency vor einer. Vertretungskörperschaft des jüdischen Volkes verantwortlich sein muss.“ ״Das Aktionskomitee beschliesst, aus seiner Mitte fünf Mitglieder zu wählen, welche zusammen mit den Vertretern der Exekutive eine Kommission zum Studium aller mit der Frage der Jewish Agency und anderen organisatorischen Fragen zusammenhängenden Probleme bilden soll. Die Kommission soll unverzüglich nach der Sitzung des Aktionskomitees zusammentreten. Das Resultat ihrer Beratungen soll der Exekutive und den Mitgliedern des Aktionskomitees mitgeteilt werden und als Material zur Prüfung der Frage der Jewish Agency bis zum Kongress dienen.״ In dieser Darstellung sollen einige Begleitgedanken zu obigen Beschlüssen zum Ausdruck kommen, denn aus den angenommenen Resolutionen geht nicht klar hervor, um was es sich in dem. Duell Sokolow und Ussischkin gehandelt hat. Es* ist nichts damit getan, dass man, wie wir es gelesen haben, Sokolow als den Optimisten und Ussischkin als den Pessimisten bezeichnet hat. Man könnte es höchstens so charakterisieren, dass man Ussischkin als den nüchternen und konsequenten Beobachter, Sokolow als denjenigen bezeichnet, der jedes Wort in bezug auf die ' Wirkung auf die Massen abwägt. Prophezeiungen in politischen Dingen sind immer ein übles Ding. Es ist nicht zu sagen, ob die Entwicklung Sokolow oder Ussischkin recht geben wird. Es ist auch bei einer sorgfältigen Früfung der zionistischen Organe nicht klar ersichtlich, welche Meinung den grösseren Beifall aus• löste. In einem jedoch scheint Einigkeit erzielt zu sein, das ist die Erkenntnis, dass die Weltkongressidee nicht durchführbar ist. Dafür sind massgebend gewesen die Erwägungen, dass es denn doch eine gewisse Unsicherheit mit sich bringt, wenn man von Organisationen und Persönlickkeiten der verschiedensten Anschauungen und Richtungen verlangt und erwartet, dass ihnen die zionistische Organisation zur Vertretung aller jüdischen Interessen berufen sei; die Erkenntnis dieser Unmöglichkeit zeigt von politischer Schulung und politischem Weitblick. Würde es nicht vermessen sein, so würden wir die Hoffnung aussprechen, dass dieser Vorzug sich auch geltend machen wird in Bezug auf die Behandlung der Frage der Jewish Agency. Bekanntlieh hat ja gerade dieser Punkt zur heftigen Diskussion Anlass gegeben, die bis zu einer Demissionsdrohung Sokoiows sich verdichtete. Man kann nun gerade nicht sagen, dass die schliesslich angenommene Resolution sich durch Klarheit auszeichnet. Da wäre zunächst festzustellen, dass die Verhandlungen wegen Teilnahme an der Jewish Agency nicht mit anderen interterritorialen jüdischenOrganisationen geführt werden sollen, sondern mit den anerkannten Vertretungen der Juden in ihren jeweiligen Heimatländern... Damit wäre zunächst einmal nach dem- Wortlaute der Resolution die Agüda ausgeschlossen. Der Clou für diese Resolution liegt aber darin, dass der Grundsatz aufgestellt worden ist, dass die leitenten Körperschaften der Jewish Agency vor einer ״Vertretungskörperschaft des jüdischen Volkes“ verantwortlich sein müssen. Es wird darin klar und deutlich ausgesprochen, dass die Jewish Agency in die zweite Reihe gerückt werden soll, während die tatsächliche Leitung der zionistischen Organisation zuerkannt wird. Denn nachdem der Weltkongressgedanke ausgeschaltet ist, nachdem ferner in absehbarer Zeit eine legitime ״Vertretungskörperschaft des jüdischen Volkes" nicht erstellt werden kann, so wird natürlich die ״Vertretungskörperschaft“ von der zionistischen Organisation reklamiert werden. Die Jewish Agency ist damit nicht mehr ein Organ der englischen Mandatarmacht, sondern eine von der zionistischen Organisation dem Oberkommissär in Jerusalem beigegebene Verwaltungskörperschaft. Ob damit den Grundgedanken des § 4 des Mandates entsprochen ist, möchten wir bezweifeln, und wir hielten es dann schon für richtig, wenn in ehrlicher Weise von rechts und links alle Versuche der Erweiterung der Jewish Agency aufgegeben würden. Zur dekorativen Stelle möchten wir die Jewish Agency nicht degradiert sehen. Es läuft eben, und dies ist begreiflich, letzten Endes auf die Unmöglichkeit hinaus, den Versuch, die ganze finanzielle, moralische und geistige Kraft aller Juden in den Dienst des Wiederaufbaues Palästinas zu stellen, erträglicherweise in Einklang zu bringen mit einseitigen Parteiinteressen. Auf wie schwachen Füssen dieser Versuch steht, wird erwiesen dadurch, dass schon jetzt nach der schlecht verhüllten sogenannten Neutralisierung des Keren Hajessod und nachdem tatsächlich einige nichtzionistische Kreise, so zum Beispiel in jüngster Zeit die Logen, für den Keren Hajessod eintreten, dass wir dem Bericht über die Sitzung des Aktionskomitees folgendes entnehmen: ״Dagegen fordert Dr. G. Halpern, dass in den Statuten des Keren Hajessod das uneingeschränkte Budgetrecht gesichert werden solle. Eine Reihe anderer Redner sprach sich gegen den Wiederaufbau des Keren Hajessod zu einer selbständigen Organisation und für dessen Verwandlung in einen zionistischen Fonds aus.“ Wir halten diese Klarheit für begrüssenswert. ‘ P. K. Kundmachung. Mit Rücksicht auf die Durchführung der Organisation der Bezirksgruppen wird die Wahl der Delegierten für die Kenessio Gedaulo in Wien auf Montag den 10. Ab (23. Juli) von 9—5 Uhr verschoben. Die Wahllokale bleiben dieselben, wie sie in der Extraausgabe der ,J&׳ dischen Presse״ (Kenessio Gedaulo Nr. II.) bekannt gegeben wurden. Für die österreichische Landeszentrale: gez. Wolf Pappenheim. Gelehrte Jüdinnen. (Fortsetzung.) Aber es ist zweifellos, dass der Dichter, nach Vollendung seines 50. Lebensjahres von einer glühenden Sehnsucht nach dem Lande der Väter getrieben, alles, auch die einzige geliebte, von ihm in seinen Gedichten verherrlichte Tochter verliess um nach Jerusalem zu ziehen. Die Dichtergrösse Rabbi Jehuda ha־Lewis, wird selbst von berufenen nichtjüdisehen Kritikern so hoch gefeiert, dass z. B. einer von ihnen die Behauptung aufstellt, die gesamte religiöse Poesie der Weltliteratur—Milton und Klopstock nicht ausgenommen — habe nichts aufzuweisen, was man höher stellen könne als das Zionslied dieses Dichters, das noch heute am Trauertage der Zerstörung Jerusalems in allen Synagogen Israels die Herzen der Frommen erschüttert und den Augen Thränen der Wehmut erpresst. Und dieser grosse Dichter, der die kritische Feile an jeden seiner Verse gelegt, hat manches hebräische Gedicht seiner Tochter würdig gefunden einen Platz unter seinen eigenen Dichtungen einzuräumen. In der Familie Raschis war, was nur natürlich ist, jüdisches Wissen heimisch, aber einzelne Mitglieder derselben haben sich geradezu auch als Gelehrte Namen und Rang gesichert. Da ist vor allem seine Tochter Rahel — als Französin auch Bellejeune genannt — deren jüdische Gesetzeskunde bekannt war. Raschis Enkelin Mirjam, (Tochter des Rabbi Jehuda ben Nathan) war bewandert in der talmudischen Literatur. Ja es wird sogar berichtet, dass Fragen, die sich auf Küchenangelegenheiten bezogen, wiederholt auch ihr vorgelegt wurden und dass dann die Entscheidungen, die sie getroffen, die Sanktion der rabbinischen Autoritäten fanden. Anna, eine andere Enkelin Raschis (Tochter des Rabbi Meir aus Rameru) war gleichfalls eine talmudisch gelehrte Frau, von der auch erwähnt wird, dass sie es als eine fromme Pflicht erachtete, jüdischen Frauen Unterricht über die, das weibliche Geschlecht betreffende Gesetzesbestimmungen zu erteilen. Eine selbst unter den Ausnahmen ihres Geschlechtes ganz ungewöhnliche Erscheinung bildet die Tochter des berühmten Rabbi Samuel ben Ali in Bagdad. Ihr Vater, eine der ersten Autoritäten seiner Zeit, Verfasser bedeutender Werke, hatte Tausende von Schülern. Aber auch seine Tochter, Bath-Halewi genannt, durfte von sich sagen, dass sich viele Jünger zu ihren Talmudvorträgen drängten und von ihr Belehrung empfingen. Das fromme, gelehrte Mädchen war aber dabei sorgsam darauf bedacht innerhalb der strengen Grenzen der Sittsamkeit zu bleiben und wehrte es ab, dass Männeraugen auch an ihren Lippen hangen. Sie sass bei ihren Vorlesungen hinter einem mit dunklen Glasscheiben versehenen Kasten. Da sie schön war und sie wäre kein Weib gewesen, wenn sie sich nicht ihrer Schönheit bewusst gewesen wäre —wollte sie nicht, dass ihre Zuhörer durch profane Gedanken vom Studium abgelenkt werden. Eine ähnliche fromme, keusche Vorsicht übte 100 Jahre später MirjamSchapira, die Tochter des gelehrten Salomon Schapira, welche später die Stammutter der in der rabbinischen Literatur durch bedeutende Werke vertretenen, berühmten Familie Luria wurde. Mirjam war bereits in früher Jugend eine grosse Talmudgelehrte und da es sie zum Lernen und Lehren mit unwiderstehlicher Gewalt drängte, wurde es ihr ermöglicht an der Spitze eines Lehrhauses zu stehen und talmudische Vorträge zu halten. Aber ihr schönes Antlitz war während des Vortrages von einem dichten, undurchdringlichen Schleier bedeckt. Eine durch Frömmigkeit, Güte, Sanftmut und Gelehrsamkeit ausgezeichnete Frau war Dolze, PESSL’S Scheitel and Perücken verschönern jede Frau 9i• sind unkenntlich im Trsfen, aus feinstem Naturhaar u. von hockwsrtif •r Qualitätsarbeit Pessl, Wien, I., Käfntnerstf. 28