Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1923-06-22 · 25 (22.6.1923) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
25 (22.6.1923)
Date
1923-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2629891-2629999-2630022--0998-2632726
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE PRESSE Sejtc 165 Nr. 25 benten Jahre ruhen zu lassen, ist in der Thora ausdrücklich ausgesprochen und wird von unseren anerkanntesten Gesetzeslehrern auch für unsere Zeit als vollkommen verbindlich erklärt. Sie gehört jedoch zu denjenigen Pflichten, die nur von Bodenbebauern des heiligen Landes, also nur von einem sehr kleinen Bruchteil der jüdischen Gesamtheit, erfüllt werden können. Wer ausserhalb des jüdischen Landes wohnt, wird nie in die Lage kommen, diese Mizwaus erfüllen zu können. Wer aber durch seinen Beitrag diejenigen unterstützt, denen die Erfüllung dieser Mizwaus obliegt, weil sie ohne unsere Mit- Wirkung zu schwach sind, ihr gerecht zu werden, dem ist damit Gelegenheit geboten, auch ausserhalb des heiligen Landes diese Mizwaus zu erfüllen. Erwägt man, wie die Vernachlässigung dieser einen Mizwo mit unserem ganzen Exil in innigem Zusammenhang steht (III. B. M. L. 26. V. 34, 35), wie das erste babylonische Exil genau so viele Jahre dauerte, als bis dahin Schmittojahre nicht vollkommen der Vorschrift gemäss innegehalten wurden, so geht einem eine Ahnung davon durch die Seele, was es bedeuten würde, wenn die ganze jüdische Diaspora Mizwaus Schmitto beobachtete, indem sie diejenigen unterstützte, die sie nach Vorschrift erfüllen möchten!!! Jerusalem, Siwan 5683. Rabbiner Horowitz. EÜ313 Vom Tage. UEigg Die Tierschutzverein und die Schechitafrage. Den aufmerksamen Lesern der Tagespresse und der jüdischen Wochenblätter ist es sicherlich nicht entgangen, dass zur Zeit die Schechtafrage in vielen Ländern teils in Pariamenten, teils in der breiten Oeffentlichkeit erörtert wird. Verschiedene Tierschutzvereine finden es unerträglich, dass noch im 20ten Jahrhundert Tiere durch die rituelle Schlachtung gemartert werden. Nicht nur ein Tierschutzverein denkt und empfindet so, sondern fast alle. Tierschutzvereine. Sowohl in den Siegesstaaten, wie in den besiegten Ländern. In Deutschland, wo Menschen und ganze Generationen einer unfassbaren Katastrophe entgegentaumeln, finden es die Tierschutzvereiine für nötig, das Damokles-Schwert der rituellen Schlachtung von den armen Tieren abzuwenden. Auch die Tierschutzvereine in England, wo die gewaltigen wirtschaftlichen Erschütterungen auf einen doppelt empfindsamen Resonanzboden stossen, sind merkwürdigerweise tief empört darüber, dass Tiere rituell geschlachtet werden. Füglich kann es uns nicht überraschen, dass die polnischen Tiersohutzvereine ihre menschlichen Gefühle auf die Tiere konzentrieren und ebenfalls für ein Schäohtverbot eintreten, und damit Oesterreich den internationalen Anschluss an die Tierschutzvereine nicht versäume, petitioniert unser hierländischer Tiersohutzverein ebenfalls für die Abschaffung der rituellen Schlachtung der Tiere. Eine merkwürdige Tatsache! Wir wollen an dieser Stelle nicht die Ansichten jener Sachverständigen anführen, welche die rituelle Schlachtung für ebenso human und nur so schmerzvoll halten, wie jede andere Art der Tötung. Hingegen möchten wir auf die Verkehrtheit hinweisen, die in der Propaganda der TJerschutzvereine gegen die rituelle Schlachtung liegt. Es ist unsinnig zu glauben, dass die Juden, die Menschen gegenüber so menschlich sind, sich Tieren gegenüber unmenschlich benehmen sollten, wogegen unsere Umwelt, die Tierschutzvereine nicht ausgenommen, von wohl organisierten Menschen bevölkert ist, die Menschen gegenüber, besonders wenn diese Menschen Juden sind, sich tierisch gebärden, und Tieren gegenüber besonders wenn selbe für Juden bestimmt sind, sich 1 menschlich benehmen. Die Entdeckung der Aguda. Nach soviel Wendungen und Wandlungen wurde auf einmal die Aguda von zionistischer Seite entdeckt. Dass sie existiert, das wussten sie schon lange. Sie existierte aber bloss als Verräterin, als Verderberin jener guten Sache, die von zionistischer Seite zum Heile des Judentums entdeckt wurde. Nun nachdem in erstaunlich kurzer Zeit so mancher zionistische Plan Schiffbruch erlitten hat, nachdem weder ihre politische Fähigkeit, noch ihr Scharfblick, sich bewährt haben; nachdem nun ernste Auseinandersetzungen innerhalb des zionistischen Aktionskomitees stattfanden über die Richtigkeit des Weges, den die Präsidenten Weitzmann und Sokolow beschritten haben; nachdem die europäische Demokratie vertreten durch Herrn Uschischkiin in Jerusalem und Herrn Grünbaum in Warschau gegen die Notabein-Wirtschaft des Herrn Weitzmann aufgeboten wurde; nachdem all diese Erschütterungen die zionistische Welt in Aufruhr gebracht haben, hat man nun entdeckt, dass Agudas Jisroel auch da ist, ja sogar als Organisation da ist, und noch mehr, als demokratische Organisation da ist. Und nachdem Entdeckungen nicht ohne Folgen bleiben, lesen wiir in der ״Jüdischen Rundschau Berlin“ einen längeren Aufsatz, der sogar der Aguda einen ehrlichen Willen zur Palästina-Arbeit zubilligt. Wir erblicken in diesen Aeusserungen Zeichen einer besseren Einsicht, und wir hoffen zuversichtlich, dass nach der Kenessio Gedaulo, die Hunderttausende von Agudisten vertreten wird, und nach der Auswirkung des ehrlichen Willens sich in Erez Jisroel zu betätigen, die zionistischen Entdecker sich mehren werden. Wir fürchten aber, dass wir ein objektives Urteil von zionistischer Seite nur dann erwarten können, wenn noch grössere Misserfolge und wirtschaftliche Erschütterungen den Star des Eigendiinkels von den zionistischen Augen entfernen werden. KM 83 Die Woche. SSSSSS ׳In Berlin ist ein neuer Einbruch verübt worden, diesmal in eine Synagoge, wo den Tätern reiche Beute in die Hände fiel. ln Klausenburg ist es jetzt Mode geworden, den Universitätsprofessoren, die judenfreundliche Gesinnung zeigen, anonyme Briefe mit Todesdrohungen zugehen zu lassen. Der Hamburger Kongress der Internationale nahm in seiner Sohlussitzung eine Resolution an, die sich scharf gegen den nationalchauvinistischen Fascismus und insbesondere gegen seine Form als Antisemitismus wendet. Da die Bombenattentate in Warschau andauern und immer gefährlichere Formen annahmen, hat sich •die Polizei endlich bewogen gefühlt,^ einzuschreiten und hat einige Verhaftungen vdrgenommen! Die "Universität wurde vorübergehend geschlossen. Auf Intervention der französischen Botschaft in Warschau wurden die Verfügungen •gegen gewisse Kategorien der jüd. Flüchtlinge erleichtert. Der jüdische Sejmklub in Polen hat sich der Regierung Witos gegenüber in oppositionelle Stellung erklärt. Unter Vorsitz des englischen Chiefrabbis Dr. Hertz wird in London eine Versammlung abgehalten werden, zu der die Parlamentsmitglieder eingeladen sind und in welcher die Humanität der jüdischen Schechita neuerlich bewiesen werden soll. 11t Tel-Awiw kam zwischen den Arabern und den jüdischen Kolonisten ein formeller ״Friedensschluss“ zustände, der nach den feierlichsten diplomatischen Vorbereitungen geschlossen wurde. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob dieser Frieden sich bewähren und nicht nur ein Fetzen Papier bleiben v.1ra. Zum \0rs1tzenden des Zentralen Kassationsgerichtes wurde Senator Ludovic Mortara, ein Jude, ernannt. Mortara wird damit der höchste italienisfche Richter. Anlässlich einer scharfen Polemik zwischen dem jüdischen Abgeordneten Dr. Ton und dem antisemitischen Pfarrer Lutoslawski im polnischen Sejm, erklärte der anwesende Kultusminister Glombinski, er sei persönlich überzeugter Anhänger des numerus clausus. Im Laufe des Monates Mai haben sich in Triest 175 Emigranten nach Palästina eingeschifft. (Davon 90 Männer, 85 Frauen), und zwar: 100 Polen, 19 palästinensische Reemigranten, 23 Litauer, 17 Russen, 9 Lettländer, 3 Deutsche, 4 aus verschiedenen anderen Ländern. Der Präsident des Joint Mr. Warburg wird in nächster Zeit Mitteleuropa bereisen, um die Verhälnisse persönlich zu studieren. An der italienischen Ausstellung in Padua, deren Eröffnung am 1. Juni stattfand, haben sich auch palästinenser Juden mit einem eigenen Pavillon beteiligt. In der letzten Sitzung der Verwaltungskommission des Sejm brachten die nationaldemokratischen Vertreter einen Antrag ein, die Schechita in Polen zu verbieten. In einer der letzten Sitzungen des Sejm wurde die Regierung vom jüdischen Sejmklub darüber interpelliert, dass polnische Eisenbahnbeamte den jüdischen Reisenden das Beten in den Coupes verbieten. Die Interpellation wurde infolge eines Vorfalles eingebracht, der sich kürzlich ereignete, als ein Eisenbahnbeamter einen jüdir sehen Reisenden, der Tefilin angelegt hatte, die weitere Beförderung verweigerte. Sir Herbert Samuel beabsichtigt eine Reise nach London zu unternehmen und wird daselbst für Ende Juni erwartet. In Zürich (Schweiz) wurde die Verfügung, wonach die jüdischen Schulkindern am Sabbat von dem manuellen Arbeiten nicht befreit werden sollten, auf Intervention der israelitischen Kultusgemeinde wieder aufgehoben. Westlich von Nazareth soll die erste österreichischjüdische Kolonie gegründet werden. Eine Delegation der rumänischen Studentenscha|t soll dem Universitätsminister ein! Memorandum überreicht haben, in dem der vorläufige Verzicht auf den. numerus clausus ausgesprochen wird. Der Joint hat 10.000 Dollar für den Bau eines jüdischen Spitals in Warschau bereitgestellt. In Tel-Awiw wurde ein jüdisches Sanatorium gegründet. In Tel-Awiw ist ein Strandbad mit allen modernen Einrichtungen, Restaurant und Kasino, in denen strenge Sabbathruhe beobachtet wird, eröffnet worden. Nach bewährten Wiener Muster werden jetzt auch in München massenhaft Geldnoten mit Hakenkreuzaufdruck in Umlauf gesetzt. Die Reichsbank erklärt sie für ungültig und warnt vor der Annahme. NACHRICHTEN. Mit Rücksicht auf die Wahlen zur Kenessio Gedaulo, die nächste Woche stattfinden, erscheint Montag״, den 25. Juni 1923 eine Sonderausgabe der ״Jüdischen Presse“, die auch aktuelle Beiträge und Berichte über die Kenessio Gedaulo enthalten wird. Hin ZtSTotsolxrel. Wir veröffentlichen nachstehenden Brief eines unserer treuesten Leser, indem wir uns als selbstverständlich bereit erklären, die in diesem Brief gegebene Anregung weitestgehend zu unterstützen. An die ״Jüdische Presse" Wien. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sie würden mich zu Dank verpflichten, wenn Sie der folgenden Anregung in Ihrem geschätzten Organe Raum gewähren. Vor etwa 74 Jahr las ich in Ihrem Blatte die Anregung des Hochwürdigen Herrn Rabbiners Dr. Kantor (Zwittau), dass angesichts der furchtbaren Notlage der Gemeinden und Kultusgemeinden in Deutschland die Juden des Auslandes zu verpflichten seien, dieser Notlage nach Kräften zu steuern. Ich komme öfters nach Deutschland und habe gerade in den jüngsten Tagen heilige Freude darüber empfund%n, wie es sich auf allen Seiten regt und wie unsere orthodoxen Gesinnungsgenossen alle Kräfte anstrengen, um die überkommenen Pflichten aufrecht zu erhalten und dem namentlich auf dem Gebiete von Limud Thora erwachenden neuen Bedarf Rechnung zu tragen. Ich lernte Rabbiner und Lehrer kennen, deren Einkommen kaum für den allernotwendigsten Lebensunterhalt hinreicht und die trotzdem auf ideal hoher Stufe ihren Beruf erfüllen. Mir graut es bei dem Gedanken, wie bei den jetzigen Verhältnissen in Deutschland die Institutionen und die Menschen Not leiden. Sie, geehrter Herr Redakteur, der Sie mit so wunderbarem Erfolg jetzt schon seit zwei Jahren für unsere hungernden Glaubensgenossen in Sowjet-Russland gearbeitet haben, versuchen Sie bitte, die Herzen Ihrer Leser zur Erfüllung unserer Pflicht zu entflammen, damit unsere Gesinnungsgenossen, die auf so exponierten Posten für unsere Sache wirken und kämpfen, von uns aus reichlichst unterstützt werden. In vorzüglicher Hochachtung R. H. D<ur$chöst«rr«ich. Die Generalversammlung des Kriegswaisenfonds. Sonntag den 17. d. M. fand um 11 Uhr vormittags unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten T h u m i m die Generalversammlung des Kriegswaisenfonds statt, die infolge des zahlreichen Besuches und der regen Anteilnahme einen überaus würdigen Verlauf nahm. Gleich bei der Begrüssung sprach der Präsident dem Herrn Direktor Grünstein (Baden) für einen Waggon Kohle, den er als Spende für die künftige Heizperiode dem Waisenhaus gratis zur Verfügung gestellt hatte, den wärmsten Dank aus. Nach dem Kassabericht und der Budgetdebatte für das kommende Vereinsjahr wurde dem Vorstand einstimmig das Absolutorium erteilt. Hernach wurden einige wesentliche Aenderungen des Statuts beschlossen. Die Wahl des neuen Vor- Standes, der aus 10 lebenslänglichen und 9 Vorstandsmitgliedern zusammengesetzt sein wird, wurde auf eine sofort nach Bewilligung des Statuts seitens der Behörde einzuberufende ausserordentliche General- Versammlung verschoben. Hierauf ging man an die Wahl der Verwaltung des ״Eisernen Fonds“, welche Körperschaft aus 6 Herren besteht. Nach einem überaus herzlichen Schlusswort des Präsidenten wurde die Generalversammlung, die jedem Teilnehmer einen neuen Impuls für die weitere Tätigkeit gab, geschlossen. Jk.JkI -A. Jk, ■A A A. ■4. ,fr, ,4, ,,ft, Ak A. ,A vfr. ,!fr ,,4 A A A A A, 4, ,A | ■fri dk Zeichnung der Völkerbundanleihe. Zweite Woche. Bel den Zeichenschaltern für den österreichischen Teil der Völkerbundanleihe hat sich auch in der zweiten Woche ein sehr reger Verkehr gezeigt. Sehr gross ist die Zahl der Parteien, die ihre mit 1. Juni fällig gewesenen Dollarschatzscheine zur Konventierung vorlegten und nur ein verschwindend kleiner Bruchteil ist es, der die Einlösung verlangte. Die Zahl der Neuzeichner steigt von lag zu Tag. Der Umstand, dass im Auslande die Nachfrage nach Völkerbundanleihe sich immer stärker geltend macht, ferner die Mitteilung, dass in London u*1d New York eine mehrfache Ueberzeichnung sich in wenigen Stunden vollzog, ist nicht ohne Rückwirkung auf die Iulandzeiclinungen geblieben. Erfahrungsgemäss zeigt sich die Beteiligung dps Publikums an den Zeichnungen immer mehr gegen Ende des Termins; wenn also din Anmeldungen im bisher kundgewordenen Masse anhalten, ist das Ziel, welches sich die Staatsfinanzverwaltung gestellt hat, sicher zu erhoffen. Der Sammeltag in Badem Sonntag^denTT’^d^AL fand unter dem Vorsitz des Herrn Affenkraut in der Badener Kultusgemeinde die konstituierende Sitzung des Komitees statt, das im kommenden Hoch- Schiff 5 En gros und Erzeugung I., Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Detailverkaufs•• Niederlage s |aa Graben 28 Filiale: Karlsbad, Alte Wiese. Pnlzanfbewahrnng gegen Vertlekervng über dl« SnnuBenMaate

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.