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Jüdische Presse · 1923-06-15 · 24 (15.6.1923) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
24 (15.6.1923)
Date
1923-06-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 156 JÜDISCHE PRESSE Nr. 24 Vertrauensmänner!! Alle Blocks sind bis SONNTAG den 3. TAMUS (17. Juni) an jene Stellen abzuliefern, wo man sie behoben hat. werden, als Gäste in unserem Heim aufnehmen, erheben wir uns auch an ihrem Beispiele, stärken uns an ihrem Vorbilde, und durch die, wenn auch wenige Tage währende Fühlungnahme mit ihnen unter gleiehern Dache, werden wir künftighin Versuchungen des Lebens gegenüber wohl widerstandsfähiger gemacht werden. Wie sagen doch unsere Tannaim: .יהי ביתך בית ועד לחכמים והוי שותה בצמה את דבריהם ״Lass dein Haus ein Sammelplatz der Weisen sein und sauge ein ihre Worte mit brennendem Durste.“ Und so werden sie, unsere Gäste, wohl in Wirklichkeit unsere Spender werden. Wilhelm Eckfeld. Massenmeeting der orthodoxen Juden Wiens. Die knapp dreiwöchigen Vorbereitungsarbeiten für die Kenessio Gedaulo in Wien, über deren Erfolge wir von Zeit zu Zeit berichteten, wurden durch eine glänzend verlaufene Versammlung am Mittwoch gekrönt. Anlässlich der Sitzung des G. A. der Aguda berief die A g u d a, 0 r t s g r tt p p e W i e n, für Mittwoch den 22. Siwan eine Versammlung in den Festsälen des Hotel Continental ein, die einen überaus imposanten Verlauf nahm. Schon das äussere Bild war überwältigend. Die Nachricht, dass in der Ver- Sammlung der polnische Sejmabgeordnete Oberrabbiner S c 11 a p i r 0 das Hauptreferat halten wird, die durch Extraausgaben der JüdischenPresse in alle Bezirke Wiens getragen wurde, liess die Massen der orthodoxen Judenheit schon lang vor der angesetzten Zeit dem Versammlungslokale Zuströmen, so dass lange vor Beginn der Veranstaltung das von der Polizeidirektion entgegenkommend bereitgestellte Wachaufgebot und die im Dienst befindlichen Ordner vervielfacht werden mussten, um bloss die Ordnung aufrecht zu erhalten, worüber wir übrigens an anderer Stelle eingehend berichten. Lange vor der festgesetzten Zeit mussten die Eingänge gesperrt und den noch immer massenhaft herbeiströmenden Gästen der Eintritt verwehrt werden. Unter dem Beifall aller Anwesenden eröffnete Kommerzialrat Siegmund B o n d i die Versammlung, um Herrn Oberrabbiner S c h a p i r 0 das Wort zu seinem Referate zu erteilen. Von der Versammlung lebhaft begrüsst, erscheint Oberrabbiner S c h a p i r 0 am Rednerpult. Eine übermittelgrosse Erscheinung in ostgalizischer Tracht, das intelligente Gesicht, aus dem zwei lebhafte geistsprühende Augen blitzen, umrahmt von einem wallenden dunklen Bart. Ein Mann in den besten Jahren, leicht gebeugt von der Last der Pflichten, die auf diesen jungen Schultern ruhen. Unwillkürlich drängt sich der Gedanke auf, dass uns das Schicksal durch den Anblick dieses Mannes mit dem Verlust des unvergesslichen Raw H a 1 p e r n s. 1. versöhnen will. Ein befreiendes Gefühl ist der Anblick dieses Mannes für alle jene, die auch nur den leisesten Zweifel hegen, ob die Orthodoxie in ihrer Art Staatsmänner im modernsten Sinne liervorzubringen im- Stande ist. Diese Zweifel werden abgelöst durch das sichere Gefühl, dass nur solche Männer imstande sind, die historischen Rechte des Judentums, ohne inneren Widerspruch nach auSsenhin zu vertreten, wenn Raw S c h a p i r 0 zu sprechen beginnt. Eine metallene Stimme, die die meisterhaft beherrschte Sprache klangvoll zum Ausdruck bringt, vermittelt den von allem Anfang an gespannt lauschende^ Zuhörern eine Gedankenfülle, die nur wörtlich wiedergegeben werden dürfte, um den richtigen Eindruck wiederzuspiegeln. Ein sprühender Geist, eine unbeugsame Logik und der erhabene Ernst, die aus jedem der gesprochenen Worte sich ausdrticken, gestalteten die Rede zu einem Eindruck, der bei allen Anwesenden unauslöschlich nachwirken muss. Ausgehend von den Organisationsfragen der Orthodoxie, als deren grössten Erfolg der Redner die Tatsache bezeichnete, dass das gesetzestreue Judentum es heute nicht mehr notwendig habe, sich durch wesensfremde Elemente vertreten zu lassen, vielmehr überall seinen Mann selbst und mit Erfolg stellt, kam Redner auf die Tätigkeit unserer jungen Organisation zu sprechen. Wo vor einer ganz kurzen Zeit noch für die Bestrebungen der Orthodoxie nur ein verständnisloses Achselzucken vorhanden war, wird heute das Wort des gesetzes treuen Judentums nicht nur gehört, sondern respektiert. Nur so war es möglich, die Grundlage aller jüdischen Probleme — die C h i 11 u c h f rage — so erfolgreich zu behandeln. Ein für das glaubenstreue Judentum verloren geglaubtes Geschlecht wurde der religiösen Erziehung wiedergegeben, das C h e d e r als öffentliche Schule durchgesetzt und so die Zukunft auf sichere Fundamente gestellt. Zur Erez Jisroelfrage übergehend, zeigte sich Redner als begeisterter Anhänger der aktiven Palästina-Arbeit. Leidenschaftlich wird der Redner bei Besprechung der irreligiösen Strömungen, deren Bekämpfung in erster Reihe zu unseren unmittelbaren Aufgaben zählt. Mit bezwingender Logik zeigt Redner die Widerwärtigkeit unserer Gegner, die gerade von uns, die wir drei Jahrtausende um Erez Jisroel bangen und unser Recht auf dasselbe reklameren, ein Bekenntnis zur Palästina-Arbeit verlangen, an dem Beispiel, das seinerzeit der blutrünstige russische Zar einen Schwur von den durch das Religionsgesetz vom Genüsse des jeglichen Blutes abholden Rabbinen verlangte, dass dieselben zur Zubereitung der Mazzoth kein Blut brauchen. Der weitsichtige Politiker zeigte sich in der fol- I genden Besprechung der Arbeiterfrage. Ein | Problem, das von den konservativen Parteien aller I Völker nur mit der grössten Vorsicht behandelt wird, beherrscht und meistert der gefeierte Redner in einem Masse, das es erst erklärlich macht, dass es einer so jungen Partei, wie die Aguda in Polen, gelungen ist, trotz ihres erklärt konservativen Standpunktes eine eigene Arbeiterorganisation in ihrem Schosse zu schaffen. Zum Schlüsse besprach Redner noch die Jugendorganisation, um dann zur Besprechung der.Kenessio Gedaulo überzugehen. Wie nach einer Erzählung des Midrasch der Mensch in seinen Teilen aus Erde aller Länder zusammengesetzt wurde, und so wie das Riesenwerk jüdischer Kultur unser Talmud und seine Erklärungen, Geistesprodukte unserer Ahnen aller Länder ist, so kann und wird der Wiederaufbau unseres Volkes nur durch den in der Kenessio Gedaulo ausgedrückten Zusammenschluss aller Gleichgesinnten möglich sein. Unter nichtendenwollendem Beifall der faszinierten Zuhörer schloss Redner seine durch geistreiche Wendungen, klare Bilder und überraschende Kontraste beleben fast einunddreiviertelstündigen Ausführungen,Herr Jakob Rosenheim schloss sich in beredten Worten den Ausführungen des Vorredners an, worauf der Vorsitzende die glänzend verlaufene Versammlung schloss. Der litauische Aufruf. קול קורא מרבני ליטא Eine schwere Zeit lastet auf dem Volk Israel. Unser jüdisches Haus, das, erbaut auf der unerschütterlichen Grundlage der Thora, durch Jahrtausende allen Goluthstürmen getrotzt hat, droht durch einen inneren Riss zusammenzubrechen . . . Wir haben die grausame Inquisition des Mittelalters iiberstanden, doch nun stehen wir vor einer inneren Indluisition. Eigene Söhne werden ihrem Glauben, ihrem Volke abtrünnig; seinem wahren Geiste unendlich fern, müssen sie sich die absolute Oberherrschaft über das jüdische Volk qn.. Ihr Hauptaugenmerk ist auf die Untergrabung unserer Lehre gerichtet, auf das Abspenstigmaohen unserer Kinder von Thora und Mizwans. In ihren neuen Lehranstalten wächst eine Generation Unwissender und Gottesleugner heran. Unsere Geschichte überliefert uns die Erzählung von! den Müttern und Vätern, die ihre Kinder mit eigener Hand j töteten, um sie nicht der geistigen Verderbnis zu überj liefern — heute geben viele ihre Sprösslinge selbst dem; Moloch, der Israel auf einen falschen, gottverlassenen Weg führen will. | Ja, noch mehr. Auch unser heiliges Land wird bedroht. Erez Jisroel soll auf den Trümmern der Thora und Ueberlieferung gebaut werden. Und sie sehen nicht, die Verblendeten, dass sie damit Zerstörung und Vernichtung über das Volk Israel und Erez Jisroel bringen. Doch der Hüter Israels schläft und schlummert nicht — die Gründung der allweltlichen ״Agudas Jisroel“ war ein Lichtblick in dieser dunklen Zeit. Die vor elf Jahren in Kattowitz erfolgte Gründung war der erste Baustein zum Wiederaufbau unseres jüdischen Hauses. Agudas Jisroel ist keine neue Partei, ihre Aufgabe ist es, alle glaubenstreuen Juden in einer allweltlichen Körperschaft zu organisieren, zum Schutze und zur Kräftigung des jüdischen Volkes, materiell und geistig, in der Diaspora wie im heiligen Lande. Ohne politischen Einflüssen zu unterliegen, soll sie das jüdische Haus auf der Grundlage der Thora u. Ueberlieferung von ihren treuen Söhnen bauen lassen. Die grosse Weltkatastrophe hat auch der Ausführung des grossartigen Bauplanes der Aguda bedeutende Schwierigkeiten in den W'eg gelegt. Aus ihrer Heimat vertrieben, sind weite Teile des jüdischen Volkes in allen Erdteilen zerstreut, verloren viele den Kontakt mit der Allgemeinheit. Aus diesem Grunde konnte die Arbeit der Aguda nicht ersptiesslich genug sein. Deshalb beschloss die Breslauer Zentralratskonferenz für diesen Sommer einen Weltkongress — Kenessio Gedaulo — aller überlieferungstreuen Juden einberufen. Von keiner Seite irgendwie beeinflusst, werden die treuen Söhne des Volkes gemeinsam die Mittel und Wege beraten, die zur Rettung des Judentums aus der drohenden Gefahr führen sollen. Die Kenessio Gedaulo wird dem g c s a m t e n Judentum den Weg der Arbeit und des Wiederaufbaues vorzeichnen, sowohl in detf Goluthländern, wie auch in Erez Jisroel, dem Lande unserer ewigen, heiligen Hoffnungen, das zu allen Zeiten der Magnet für die Herzen der gläubigen Juden war. Zu diesem Zwecke müssen sich alle treuen Söhne | des Volkes Zusammenschlüssen. In jeder Stadt, in jedem Städtchen müssen Ortsgruppen der Agudas Jisroel gegründet werden, welche ausser an der Lösung der lokalen Aufgaben auch an den Vorbereitungen zum allweltlichen Kongress sich betätigen sollen. Kein Jude darf sich ausschliessen, keiner darf abseits stehen. Es!ist Pflicht eines jeden Juden, die ihm gebotene Möglichkeit der Mitarbeit am grossen Werke auszunützen. Und so rufen wir dem litauischen Judentum zu: מי לד" אלינו! Wer unserem Gotte, seiner Thora und seinem Volke Israel treu ist, komme und vereinige sich mit uns in einer Aguda. Gründet überall Ortsgruppen' der Agudas Jisroel. Kein Jude darf sich ausschliessen! Am 4. Ellui wird die Kenessio Gedaulo in Wien zusammentreten. Hunderttausende von Juden, die schon in der Agudas Jisroel vereingt-sind, werden dort vertreten sein. Möge das litauische Judentum auch jetzt wie immer in den ersten Reihen der Orthodoxie stehen. Gott wird uns seine Hilfe angedeihen lassen! Abraham Abo Hakohen Rabb. Olschat, Abraham Diamant Rabb. Jurburg, Eiichu Mejer Feiwelsohn, Rabb. Kufisch, Abraham Jehuda Piltenhof Rabb. Wiohtdnietz, Eliuhi Fein, Rabb. Karmalito, Awraham Jizohok Perlmann Rabb. Skudwill, Abraham Samuel Finkel, Rabb. Jezna, Efraim Ben Aharon Krawizki Rabb. Zitawian, Elieser Zwi Labo Rabb. Pazinel, Abraham Arje Ben Haggaon Rabb. Boruch s. A. Rabb. Schiwind, Abraham Dow Ternon, Rabb. Jaswen, Abraham Zwi Weinstein Rabb. Liskuba, Eliuhu Benzion Puhan, Rabb. Trisk, Eliuhu Halevi Loksan Rabb. Ligum, Aron Bende Hakohen Schmidt, Rabb. Visum, Elieser ,osua Schapiro Rabb. Suginat, Arje Leb Halvi Löw, Rabb. Wajgowa, Boruch Halevi Hurwitz, Rabb. Alexak, Gerschon Borisohmik Rabb. Dussat, David Oscher Zachkupski, Rabb. Pokroj, David Nachmann Kaliadizki Rabb Olita, Chain» Awrohom Schoss, Rabb. Sasly, Dawid Schlesinger Rabb. Erzwill, Josef Leb Bloch, Rabb. Tels, Josua Hakohen Kaplan, Rabb. Schiwimischok, Josef Sef Mamifa, Rabb. Misaiki, Jizchok Zwi Halevi Grün, Rabb. Zanizischki, Israel Süssl Dworesk Rabb. Kamhail, Jidiji Gorjanskii Rabb. Widukli, Josef Kahnmann, Rabb. Poniewes, Joel Chajkowitz, Rabb. Remigali, Israel Benjamin Ben Feiwelsohn, Rabb. Bes Hagala, Israel Benzion Goldmann Rabb. Rumschisch, Levi Zwi Spitz, Rabb. Worno, Mosche Samuel Schapiro Rabb. Ragowo, Mosche Jomtow Wachtvogel, Rabb. Kuli, Mosche MordcheEpstein, Rabb. Slobodka, Mosche Schapiro, Rabb. Sismir, Nachum Boruch Günsberg, Rabb. Wisson, Esra Altsohiiler Rabb. Weinnuta, Samuel Aviktor Feiwelsohn, Rabb. Plunian, Salomon Jakob Schön, Rabb. Blodzkowo, Samuel Jakob Rabbinowitsch, Rabb. Jellak, Salomon Halevi Feinsilber, Rabb. Wegschna, Salomon Nathan Kotier, Rabb. Luppnik, Samuel Henie Altmiener Rabb. Kidan, Samuel Fundiler, Rabb. Rittawo, Dawid Zwi Bielitzki, Rabb. Kowno, Mordche Dawid Hemkän, Rabb. Panimun, Salomon Salman Margulies, Rabb. Karmelita, Samuel Josef, Rabb. Willci usw. ——*—-—1—— •— r—w-rrOT-11-r1am-1j^v1—,ד—r<—■— S. Schein, Kulmann & Jäckel EIISJMHEUIERKEHR Wien, 11■ Tab0rstl*asse I* a vonWien nach Krakau, Warschau, Telephon 4VbOb41 Telephon Lemberg Waren Vorschüsse!

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