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Jüdische Presse · 1923-06-15 · 24 (15.6.1923) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
24 (15.6.1923)
Date
1923-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 JÜDISCHE PRESSE Seite 155 :Die Kenessio G-edaulo Der erste Aguda-Weltkongress wird vom 16. bis 26. August in Wien tagen Die Vorarbeiten werden vom Zentralbureau der ״Kenessio Gedaulo“, Wien, 11., Malzgasse 12 a (Telephon 49-0-54), geführt Anfragen, Anregungen usw. sind an dieses Bureau zu richten. Wir empfehlen allen Agudisten sich ihren Sommerurlaub so einzuteilen, dass sie sich während der Kongresszeit ganz in dessen Dienst stellen können. Wir werden ungefähr 2000 unserer Gesinnungsgenossen aus der ganzen Welt als Gäste empfangen können und werden alle Hände voll zu tun haben, um ihnen den Wiener Aufenthalt als bleibende angenehme Errinnerung liebevoll zu gestalten. Die Delegiertenwahlen haben spätestens E n d e J u n 1 stattzufinden. Sichert Euch Euer Wahlrecht! Zahlet rechtzeitig: Mitgliedsbeitrag: und Kopfsteuer! Während der Kongresstagung erscheint eine Tageszeitung mit den offiziellen Kongressberichten und Sitzungsprotokollen, sowohl in deutscher, als auch in jiddischer Sprache. Die Abonnementsanmeldungen können nur bis zum 1. August entgegengenommen werden. Der Preis für die deutsche Auflage beträgt K 16.000 für die jiddische K 18.000. Dieser Preis versteht sich für die gesamte, nahezu durch drei Wochen erscheinende Ausgabe und wurde im Interesse der breiten jüdischen Massen tief unter den Oestehungs* kosten angesetzt. Alle unsere Gesinnungsgenossen, die während der Kongresszeit offiziellen Delegierten Wohnräume zur Verfügung stellen wollen, werden höflichst ersucht, die genauen Daten sofort bekannt zu geben. Kenessio Gedaulc der Agudas Jisroel. Von Wolf Pappenheim. Die Sitzung des G. A., an der auch die hervorragendsten Mitglieder desselben aus Frankfurt und Warschau teilnahmen, hat Satzung der Aguda und Tagesordnung der Kenessio Gedaulo festgelegt. Diese Versammlung wird seit dem Golus die erste sein, in der religiöse Juden der ganzen Welt vertreten sein vi.d zu Worte kommen werden dh* erste, i:1 der dw geistige und materielle Not der Judenschaft aller Länder zur Besprechung gelangen werden. Die K. G. wird den Grundstein legen zu einer Zusammenarbeit aller 1!יו »ai.'cuen Juden, um di- Ihor* den .);jJcii. di: Juden der Thora zu erhalten. Die aus der geistigen Not der Judenschaft im Osten erstandene Idee einer Organisation der Charedim hatte mit ungeheueren Schwierigkeiten zu kämpfen, sich durchzusetzen. Die Angst, dass Ost und West sich nicht verständigen können, dass die Orthodoxie für Organisationen nicht geschult, also nicht reif sei, hielt viele von der Mitarbeit zurück. Als es endlich im Jahre 5672 gelang, unter Mitwirkung der hervorragendsten Thoragrössen die Agudas Jisroel zu gründen, zeigte sich schon in Kattowitz, wo eine tausendköpfige Versammlung an den Beratungen teilnahm, ein solches Verständnis für die unbedingte Notwendigkeif der Zusammenfassung' aller יראים war die Begeisterung so gross, dass wir alle mit den besten Hoffnungen Kattowitz verliessen. Wir rechneten in ein, höchstens zwei Jahren die Kenessio Gedaulo zu begrüssen, die dem grossen Werke die feste Basis geben sollte. Aber der Mensch denkt und G—tt lenkt. Der furchtbare Weltkrieg kam und unser Werk musste vertagt werden. Gleich nach dem Umsturz gingen wir kräftig ans Werk und in den wenigen Jahren (die durch die Verkehrs- und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, durch die unruhige Lage jede Arbeit gar umständlich gestaltete) ist es der Provisorisehen Leitung der Aguda gelungen: Eine Organisation zu schaffen, die den Erdenrund umfasst. Für למוד התורה riesiges zu leisten. Flüchtlingen und Waisen Hilfe in grossem Masse zu bringen. Für die Förderung von ארץ ישראל wertvolle Vorarbeiten zu leisten. Ein Haupterfolg unserer Tätigkeit ist, der Agudas Jisroel eine Stellung errungen zu haben, die sie nach innen und aussen zu einem Faktor gestaltet, der Beachtung verdient und geniesst. Wir haben in Vertretung jüdischer Interessen Gehör bei allen Behörden der ganzen Welt und haben auch unseren Gegnern jene Beachtung abgezwungen, die uns gebührt als organisierte Vertreter der Prinzipien der grossen Mehrheit der Judenschait. Wenn wir heute noch nicht alle יראים in unserer Organisation haben, wenn noch heute unter unseren ״Sympathikern“ Bedenken nach rechts und links existieren, hat das seine einzige Ursache darin, dass die Zeit, seit wir arbeiten können, zu kurz war, um allenthalben gründlich aufklärend wirken zu können. Diese Aufgabe soll und wird die Kenessio Gedaulo voll und ganz lösen. Wenn sich unter Teilnähme unserer Führer, der anerkannten Thoragrossen, die Elite der orthodoxen Judenschaft aus der ganzen Welt zur Beratung und Beschlussfassung zusammenfindet, kann nur eine dauernde Basis für die Erhaltung des alten, einzigechten Judentums das Resultat sein. Diese Beratung wird erwägen: 1. Wie unser Lebensnerv, das Thorastudium, zu neuem Glanze erweckt werden kann. 2. Wie der jüdischen Jugend, unserer Zukunft, die richtige Leitung geboten werden soll, um sie dem alten Judentum zu erhalten. 3. Wie die jüdische materielle Not ausreichend gelindert werden kann, gelindert im Namen der orthodoxen Brüder, die keine bureaukratische, unwirsche Hilfe bietet, sondern berücksichtigt: Wer dem Armen gibt, hat sechsfachen Segen, wer ihn liebevoll behandelt, elffachen. 4. Wie man in Erez Jisroel in gewissenhafter Weise mit Berücksichtigung unserer ökonomischen Verhältnisse auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete Erspriessliches leisten, 5. wie man gegen Angriffe von aussen und innen Juden und תורה verteidigen kann. 6. Als wichtigste Vorbedingung für alle Arbeit, die Methoden der Organisation zu diskutieren, wie man die ganze Orthodoxie, zumindest drei Vierteile der ganzen Judenheit, in der Aguda vereinigen kann. Das orthodoxe Judentum, d. h. bis zur Aufklärungsperiode das gesamte Judentum, hat allen Stürmen von Aussen standgehalten. Es hat im Innern viele falsche Messiasse, es hat die Reform überdauert. Es wird auch den Ansturm des antireligiösen Nur-National-Judentums ohne allzu grossen Schaden überwinden. Aber die geistige Not, die materielle Not bekämpfen, unserer Liebe für Erez Jisroel praktische# Ausdruck zu geben, sind unter den schweren Nöten der Zeit so ungeheuere Aufgaben, dass gerade nur die Zusammenfassung aller Kräfte genügen kann, diesen Aufgaben gerecht zu werden. Ist einmal die Verbindung der orthodoxen Judenschaft hergestellt, so wird dies eine geistige Macht, die unüberwindlich wird und den Geist der Thora deren Ethik vor 4000 Jahren schon, die Ethik der zivilisiertesten Länder überragte, in der Judenschaft so stärken wird, dass das Prophetenwort ״und es werden einsehen alle Völker der Erde, dass der Name G—ttes Dir aufgeprägt ist“, in Erfüllung gehe. Ein objektives Presseurteil über die Agudas Jisroel. Ueber die Kattowitzer Tagung schrieb seiner Zeit Dr. Josef Bloch in der ״Wochenschrift*: ״Dr. Blochs Wochenschrift“ in Wien. ״Seit Dezennien schwebt die Frage einer Organisation der orthodoxen Judenschaft in der Luft. D i e O r t h 0 d 0 x i e, die auch heute noch, nach 100 jährigem Bestände der Reformrichtung, 85 Prozentder Judenschatl u m f a s s t, hat es verabsäumt, sich in einer ihrer Zahl und Bedeutung entsprechenden Weise zu repräsentieren. Nach aussen hin erscheinen die grossen Organisationen, die auf humanitärem und wirtschaftlichem Gebiete für das Wohl der Judenheit Grossartiges leisten, als die Vertreter der Judenheit. Da der3n Leistungen, inreligiöserBeziehung aber direkt destruktiv wirken, die Orthodoxie aber nie auf der Bild fläche erschien, verlor sie bei den Gleichgültigen und Schwankenden alles Gewicht. Die immer schwierigeren Erwerbsverhältnisse gestalten die Beobachtung der religionsgesetzlichen Vorschriften zu einem fortwährenden schweren Opfer; die Beschäftigung mit antireligiöser Lektüre trägt auch ihre Früchte, und es musste etwas geschehen, um den religiösen Sinn zu heben, die zersplitterten Kräfte zu vereinigen, zum Dienste Gottes und seiner Lehre. Die Thorakenntnis, diesen Lebensnerv des Judentums, verbreiten, die anti? religiöse Literatur und Presse durch gute positive Schriften zumindest in ihrer Wirkung zu paralysieren, die Lösung des Kulturproblems in streng jüdische Bahnen zu lenken, unsere emigrierenden Brüder im Geiste der Thora zu leiten, den wirtschaftlich Schwachen helfen und ihnen ihr Judentum erhalten, das sind die Aufgaben, die wir uns stellen müssen, wenn nicht in absehbarer Zeit die Zahl der gesetzestreuen Juden in erschreckender Weise abnehmen soll. Und dazu ist die Zusammenfassung aller Kräfte nötig, eine Vereinigung, in der der Ostjude seine Erfahrung im Thora- Studium, der Westjude seine Methode zur Bekämpfung des Apikorsus mitbringt; wo alle geistigen und materiellen Kräfte Zusammenwirken zu einem Ziele: Zur Ehre Gottes und seiner Lehre.“ Dr. Josef Bloch, der unerschrockene Bekärnpfer des Antisemitismus, gehört der Orthodoxie nicht an. Er hat sich aber während seiner viele Jahrzehnte umfasenden, erfolgreichen journalistischen und öffentlichen Tätigkeit stets ein feines Verständnis und volle Objektivität bewahrt für alles, was Juden und Judentum berührt. Die Kenessio Gedaulo und die Gastfreundschaft der Wiener Juden. Die Gastfreundschaft gehört zu den ältesten Tugenden der Juden. Schon in der Heiligen Schrift finden wir zahlreiche Stellen, in denen die Gastfreundschaft unserer Stammväter in anschaulicher Weise geschildert wird. Noch eine andere Tugend besitzen die Juden, die nicht genug hoch eingeschätzt werden kann, und die zum Unterschiede von der Gastfreundschaft, welche bei fast allen orientalischen Völkern stark entwickelt ist, eine speziell jüdische ist: die hohe Achtung vor der Gelehrsamkeit. Die Ehrfurcht vor jedem Talmud-Chochom hat sich bei uns von Geschlecht auf Geschlecht vererbt, ebenso wie die Geringschätzung des Amhorez, des Ignoranten. Und nun werden wir Wiener Juden heuer im August die erfreuliche Gelegenheit haben, diese beiden traditionellen jüdischen Eigenschaften b e i einem und dem selben Anlasse auszuüben: Wir werden Gastfreundschaft üben können an den der Ehre so wahrhaft würdigen ehrwürdigen Abgesandten zu dem Weltkongress Kenessio Gedaulo. Aus Nah und weitester Ferne werden unsere Brüder die gelehrtesten, besten und edelsten unter ihnen zu uns als ihre Vertreter entsenden. Wir wollen diese in jedem Sinne des Wortes auserwählten Männer, die zu uns kommen werden, in einer ihnen entsprechenden würdigen Weise empfangen. Als hohe Ehre, als Glück wird es jeder von uns betrachten, wenn es ihm vergönnt wird einen oder mehrere von diesen verehrten Lehrern und Führern in Israel als Gäste bei sich zu beherbergen. Geheiligt ist ja der Ort, den ein Frommer betritt. Mancher von uns Grosstadtmenschen hat in dem überaus harten aufreibenden Kampfe ums Dasein, in der Menge verirrt, taumelnd eine Zeitlang den Weg verloren, den ihm seine frommen Eltern einst blutenden Herzens und tränenden Auges als Weg des Lebens gewiesen haben. Indem wir nun diese frommen Männer, die nach Wien kommen . ■■ ■ rrrr——1—rrrrrrjrn.n.n.gn^1Aa-umnj1־j1־r1r-rnnLrjwL A A A A En gros UBd Erzeugung r AAS IW - ■ A Ä Ä Ä!.,Bauernmarkt 24 (Ecke Fleischmarkt) Tel. 67302־ Schur /elzwarenhaus ־-מי«הל־ Pelzaufbewahrung gegen Vereioherung über die Seramerneiiata

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