Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 24 (15.6.1923)
- Date
- 1923-06-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 154 JÜDISCHE PRESSE Nr. 24 schreibt, die bewusst im zionistischen Schulwesen in Palästina zu Tage trete. Der Historiker wird jedenfalls feststellen, dass bis zu dem Auftreten radikaler Strömungen in Palästina das Verhältnis der Araber zu den jüdischen Siedelungen und dem jüdischen Siedler ein ganz anderes war. Wir glauben, dass jedem, dem es Ernst ist um Erez Jisroel, die heilige Pflicht obliegt, genauest zu erwägen und zu prüfen, was in und um Palästina geschieht. Es liegt ausserhalb des Bereiches unseres Einflusses, wie der Allmächtige das Geschehen seines Landes bestimmt, auf dem ja nach einem gütigen Wort sein Auge ruht, von Beginn des Jahres bis zu seinem Ende; das ist ein Vorgang, dem wir atemlos lauschen. Was aber von Bedeutung ist, besteht darin, dass siGh jeder Jude und jede Organisation darüber Rechenschaft zu geben hat, wie weit nach menschlichem Ermessen und geprüft an der Hand unserer Religionsgesetze eine Schuld eines Juden, eines Teils der Juden, oder der Juden zu verzeichnen wäre. Wehe dem Einzelnen oder der Organsation, von welchen kommende Geschlechter sagen müssten, dass da Parteiinteresse überwuchert hat. Wehe denen, die besiegt sind und besiegt werden, auch in Bezug auf Palästina, von der Wahrheit des ewigen Wortes. Alle Kongresse und alle Konferenzen, die im Laufe des Sommers geplant sind, werden, das hoffen wir, den Ernst der Situation erwägen, ob es ist der zionistische Kongress in Karlsbad, ob es ist die Kenessio Gedaulo in Wien, jeder Entschluss und jeder Beschluss, der die geradlinige Zurückführung auf das Wort der Thora gestattet, wird eine gesunde Basis für die Verhandlungen mit den Arabern herbeiführen. Jedes Wort, dass von dieser Basis abweicht, wird eine Stärkung des arabischen Wollen bedeuten. Wir glauben, dass diese Erwägungen wichtiger sind, als Bericht über Einzelheiten und mögen diese auch an und für sich noch fröhlicher Natur sein. Der sittliche Ernst der Verantwortlichkeit für und in Palästina ist durch die jüngsten Ereignisse bis zur tragischen Höhe gesteigert. Die Erkenntnis hiefür dürfte auch den Stärksten verhindern, dieser unserer Worte zu spotten. Mehr ist da nicht zu sagen. S. N. Der Wahlsieg der Aguda bei den Lodzer Stadtratswahlen. In Lodz, einer grossen Industriestadt und einem der wichtigsten jüdischen Zentren, hat sich ein Ereignis vollzogen, welches, von eminenter Bedeutung für die dortige Orthodoxie, auch ausserhalb der polmischen Grenzen, gewürdigt zu werden verdient. Am 14. Mai fanden nämlich in Lodz die Wahlen zum Stadtrat statt, denen im politischen Leben der Stadt Lodz seit jeher ausschlaggebende Bedeutung zukommt. Das Ereignis wurde von allen Parteien seit Wochen mit grosser Propaganda eingeleitet, und wirbelte speziell in der jüdischen Gesellschaft sehr viel Staub auf. Es kam da nämlich auf eine Art Kraftprobe zwischen den verschiedenen jüdischen Parteien am, die fast alle separierte Listen aufstellten. Auch die Aguda, hinter der die gesamte Orthodoxie und, wie das Resultat der Wahlen zeigt, überhaupt die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung der Stadt steht, hat eine eigene Kandidatenliste (Nr. 17) aufgestellt, für die sich sofort regstes Interesse kundgab. Sowohl in der bürgerlichen wie in der Arbeiterpresse wurde die Liste aufs wärmste verteidigt, und dieser Umstand zeigt schon die grosse Popularität der Aguda. Der Erfolg übertraf nun alle Erwartungen. Der Aguda fielen rund 10.000 Stimmen zu, fünf Stadtin ihrem frommen Sinne bemeisterte des Sabbats willen ihren grenzenlosen Schmerz und bettete in dem anstossenden Zimmer die Leichname der geliebten Kinder, sie mit einem Tuche bedeckend. Als Rabbi Meir aus dem Lehrhause heimkehrte, fragte er gleich nach den Söhnen, und Beruria hatte die Kraft, mit ruhiger Stimme deren Fernsein mit einem Vorwand zu erklären. Ahnungslos nahm Rabbi Meir den Wein und die Wachskerzen zur Habdalah, um den Eintritt in die Woche zu segnen, und nahm von der Speise, die ihm die Gattin reichte. Als er wieder nach den Kindern fragte, unterbrach ihn Beruria mit der Bitte, er möge ihr mit seinem Rate beistehen. Ein Freund des Hauses habe ihr Juwelen für längere Zeit zur Aufbewahrung übergeben und nun verlange er sie unerwartet früh zurück. Sie wolle nun fragen, ob sie sie ihm zurückgeben solle. Verwundert meinte Rabbi Meir: ״Wie kannst du da noch fragen? Wer dir die Juwelen zur Aufbewahrung gab, kann sie zu jeder Stunde zurückzufordern.“ Da führte Beruria ihren Gattin in das Nebengemach und sagte, auf das Bett deutend: ״Da sind die Juwelen, die uns Gott anvertraut hat, unsere Kinder. Nun hat der Eigentümer sie unerwartet früh zurückgefordert!“ Weinend warfen sich Rabbi Meir und Beruria auf den Booden, riefen aber mit demütiger Ergebenheit in den Willen der Vorsehung: ״Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen, der Name Gottes sei gelobt!“ (Fortsetzung folgt.) -oo~- m 3*S Ohne 'sulSU und um 2 Prozent billiger erwirbt der Besitzer von Dollarschatzscheinen der österreichischen Goldanleihe 1922 durch deren Konvertierung und geniesst ־ Steuerfreiheit für Veräusserungsgewinne bis zur Höhe des durch Konvertierung erworbenen Anleihebetrages räte von ihrer Liste sind gewählt, und sie ist nun die führende jüdische Partei LodzV Die gewählten Herren Mendelsohn, Minzberg, Bermann, Bialer und Rogowy sind bekannte und allgemein beliebte Aguda-Führer, und werden in ihrem neuen Amt allgemein begrüsst. Die anderen jüdischen Parteien, wie Zionisten, Misrachisten, Handwerker und andere mussten sich mit weitaus geringeren Erfolgen begnügen und je zwei, beziehungsweise drei Vertreter in den Stadtrat entsenden. Man darf nun nicht etwa glauben, dass dieser Sieg nur durch die grosse Propaganda erzielt wurde. Keineswegs, denn die anderen Parteien arbeiteten nicht minder intensiv und erlitten dennoch ein Fiasko. Der Sieg ist nur auf die Anerkennung der ernsten und tüchtigen Arbeit der Aguda auf allen Gebieten des jüdischen gesellschaftlichen Lebens zurückzuführen. Und wenn der Aguda jetzt der erste Platz unter den jüdischen Parteien zuerkannt worden ist, so hat sie sich ihn durch ihre vorbildlichen Leistungen redlich verdient, und es ist zu erwarten, dass sie auch weiterhin das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen und dem jüdischen Leben in Lodz zur weiteren Blüte verhelfen wird. Die Sitzung des Geschäftsausschusses der Aguda. Der wichtigste Punkt der Tagung des G. A״ welche von Dienstag früh bis Donnerstag abends währte, war die Beratung der Vorlagen, welche an die Kenessio Gedaulo zur Sanktion unterbreitet werden sollen. Wir wollen aus der Geschäftsordnung das wichtigste, die beabsichtigte Gruppierung der Delegierten nach Landsmannschaften hervorheben. Den grössten Raum nahm die Beratung des neuen Satzungsentwurfes ein, welcher die Aufgabe zu lösen hat, in wenigen Worten eine ganze Weltanschauung so zum Ausdruck zu bringen, dass sie auf allgemeines Verständnis rechnen kann. Nach sehr, sehr langen Be- ,ratungen wurde eine Formulierung gefunden, für welche die Zustimmung der überwiegenden Majorität zu erhoffen ist, ebenso wurde die endgültige Konstituierung des Rabbinischen Rates in echt demokratisher Weise der Kenessio Gedaulo Vorbehalten. Der Wahlterministbis zum 14. Tamus hinausgeschoben. In Bezug auf die bereits in ihren Eigenheiten festgesetzte Tagesordnung wäre zu berichten, dass neben den unumgänglich notwendigen organisatorischen Punkten eine Reihe von Referaten sowohl über die Geschichte und Bedeutung der Aguda, als auch über die Lage der Juden in Palästina und in allen anderen Ländern, und über die sich aus dieser Lage ergebenden Notwendigkeiten vorgesehen sind. Die Referate sind bereits verteilt; das Erez-Jisroel- Referat, welches über die politischen, ökonomischen und kulturellen Fragen sich erstreckt, wird von Delegierten aus Palästina selbst erstattet werden. Grosser Erfolg der Aguda bei den Vorstandswahlen in Grosswardein. Die Jüdische Presse hat bereits gemeldet, dass das Präsidium und der Vorstand der orth. jüdischen Gemeinde in Grosswardein vor Ablauf seines Mandates abgedankt hat. Am 27. Mai hielt nun die Repräsentanz der Gemeinde ihre Generalversammlung ab, um den neuen Vorstand zu wählen. Zum Präses wurde Herr Mor. Ullmann, zu Vizepräsidenten David Kohn, Max W e i s s und Philipp Fried mann gewählt. Kassier: Samuel Fuchs, Kontrollor: Hermann Schwärt, Mitglieder des Vorstandes: I. Strasser, H. Kirsch, Dr. Löble, K. Markovits, K. Maringer, M. Feldmann, M. Leuchtmann, F. Morgenstern, A. Mezei, I. Moskovits, S. Kohn, Vorstandsräte: M. Kaufmann, J. Brüder, M. Kaufmann, L. Leitner, L. Diosi, D. Fallerstein. Die Wahl bedeutet einen imposanten Sieg der Aguda- Idee, deren Vorkämpfer die einstimmig gewählten Vorstände sind. Die einstimmige Wahl war eine grosse Ueberraschung, denn bei der heutigen Zusammenstellung der Repräsentanz hatte man nicht gerechnet, dass eine solche Liste durchgehen wird, und es wird in allen Kreisen die Nobilität des abgedankten Präses Herr Samuel Nussbaum mit Anerkennung betont, der, damit jede Dissonanz in der Gemeinde aufhöre, bewirkte, dass die Generalversammlung den obigen Vorstand einstimmig gewählt hat. Der neue Vorstand besteht grösstenteils aus solchen Männern, die Jahre hindurch — die älteren unter ihnen Jahrzehnte hindurch — an der Spitze der Gemeinde gestanden sind und als geeignete und erfahrene Ftihrer dieser grossen Gemeinde sich bewährt haben. Jeder Leser unseres Blattes bevorzugt bei Einkäufen die Firmen, die hier annoncieren, und beruft sich bei Bestellungen in seinem und unserem Interesse auf die ,Jüdische Presse6