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Jüdische Presse · 1923-06-15 · 24 (15.6.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
24 (15.6.1923)
Date
1923-06-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b (״JÜDISCHE KORRESPONDENZ“) ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, IMalzgasse 12a. — Telephon 49.054. Tschecho-SIowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Oanzjährig: Für Oesterreich K 48.000, Ungarn u. K 5000, Tschecho-SIowakei Kö. 70, Deutschland Mk. 15.000, Schweiz Frcs. 10, Amerika 2 Dollar, Italien 20 Lire, England 7 Shilling, Rumänien 200 Lei, Jugoslawien 70 Dinar, Polen Mk. 40.0U0.—. Einzelnummer d.-ö. K 1500, Zahlungen für Oesterreich : Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. I90.40&; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-SIowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; fiir Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram ,Ko. N. 40.217; f. Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Floren* &C0,Bukarest;fürdieSchweiz: Postscheckk. LuzernVII. 1470. Np. 24 Wien-Bratislava, 15. Juni 1923 .בע״ה רנה־סרעססבורג א״ תמוז תיפ״ג 9. Jahrg. Der Zug des Todes. Wie ein verschleiertes Bild steht an der Pforte zu Koraclis Zelt die Mahnung unserer Weisen s. A.: Cs gibt Grenzen, die der Allmächtige in seiner Welt gesetzt hat. Da ist vor allen Dingen die Grenze zwisehen Tod und Leben, das Geheimnis des Lebens selbst. Dass wir am Ende unserer irdischen Tage Staub dem Staube vermählen, ist das feste Band, das uns an die Erde knüpft. Ernste Menschen wissen und verstehen aus diesem Gedanken einen besonderen Reiz für das Leben zu schöpfen und des Staubes Herr zu werden, indem sie angesichts der Vergänglichkeit unserer Tage durch ihr Dasein Ewigkeitswerte zu schaffen versuchen. Das sind die glücklichen Mensehen. Unglücklich aber und glücklos ist die unübersehbare Reihe jener Menschen, welche in blinder Angst vor der letzten Stunde ihr Leben, wie man es so nennt, voll ausleben und geniessen wollen. Ist es ja eine geschichtlich nachweisbare Tatsache, dass in Perioden grossen Sterbens die Genussucht sich bis ins unerträglich Unfassbare steigerte. Dies ist auch das Zeichen unserer Tage, die schlimmste Aeusserung der Nachkriegspsychose, eine Erklärung, aber natürlich niemals eine Entschuldigung. Solange nun dieses Hinabsinken zum Tier sich in ungeschminkten Formen vollzieht, ist es ohne weiteres erkennbar und daher leicht zu kennzeichnen und zu bekämpfen. Gefährlich wird die Lage erst dann, wenn das geistige Leben von der Höhe herabsteigt und ideale Forderungen gestellt werden, die letzten Endes nichts anderes sind, als die maskierte Sehnsucht nach dern ״Sich-Ausleben“, wenn wir nicht nur den Staub, sondern auch den Himmel dem Staub zu vermählen versuchen. So gross ist die Kraft des Todes, wenn man sich ihm und seinem Gedankenbereich hingibt. Dies aber war das Schicksal Korachs, ein warnendes und mahnendes Beispiel und deshalb mit solcher Ausfürhlichkeit in der heiligen Schrift behandelt. Da ist es ganz einerlei, wie man andere und sogar im besten Falle sich selbst täuscht und mit welchen Motiven man seine Forderungen, sein Verlangen verbrämt. Es steht sogar der Anschauung nichts im Wege, dass Ko rach sich anfänglich selbst glaubte, dass er nur dem Interesse des Ganzen diene, nur das Wohl des Volkes im Auge habe. Aber tatsächlieh war es nur eigenes Interesse, Ehrsucht und Selbstsucht, war es das Sehnen, all dasjenige, was man nun einmal als Güter des Lebens anzusprechen pflegt, in vollen Zügen auszukosten. Und darum ward ihm die Vergeltung, dass ihn, den Lebenden, die Erde zu sich herabzog, ihn, den Lebenden, in die Macht der Gruft zwang. Und seitdem ist es der Fluch der Menschen und der Völker, dass ihres Lebens Herr der Tod wird, sobald sie nur diejengen Werte anerkennen, die nichts sind als Staub und Moder, darum erreicht den vermeintlich Lebenden bei Reigenspiel und Lustgesang der Arm der Erde. Und seitdem ist es der Segensberuf Israels., das Leben so herrlich zu meistern, so herrlich zum wirkliehen Leben zu gestalten, dass es spotten darf und kann der einzelnen Stufen des Werdens und der Entfaltung, dass sein Stab blüht und zeitigt segenspende Frucht. Durch Aron ward Korach und der Tod überwunden. P. IC Palästina. Schon aus der Ueberschrift dieser Darstellung klingt das bittere Weh darüber, dass es nicht heisst Erez Jisroel. Man könnte an diesem kurzem Satz am allerbesten die Lage kennzeichnen, wie sie 4sich im Augenblick dem aufmerksamen Beobachter darbietet. Man mag diese Entwicklung in Palästina sehen, wie immer man will, es ist für jeden eine Stunde schwerer Sorge. Mit Ausnahme eines sehr engen Kreises weiss niemand in der Welt, was eigentlich in dem Vertrag steht, der zwischen den beiden Grossmächten England und Arabien geschlossen ist; denn das die Araber, und zwar als die zur Zeit stärkste Vertretung des Mohamedanismus, auf dem Wege sind, eine Grossmacht zu werden, kann heute niemand mehr bezweifeln. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, dass man es verstanden hat, in Asien zwei Figuren auf das Brett zu stellen, die man beliebig verschieben kann und mit denen ein so kluges Kabinett wie Downing Street in London rechnet. Dies ist auf der einen Seite die Verbindung aller Araber ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis, auf der anderen Seite die Verbindung aller Mohamedaner ohne Rücksicht auf Nation. Diese Figuren beherrschen die Welt in Asien und in einem grossen Teil Afrikas. Dass nach menschlichem Ermessen dieser Faktor auch in Bezug auf das politische Schicksal Palästinas die ausschlaggebende Rolle spielen wird, haben die Juden unserer Tage nicht zur rechten Zeit erkannt, während halbverschleierte Mitteilungen aus altersgrauen Zeiten von der Vorherrschaft Ismaels und seiner Nachkommen in Palästina dunkle Kunde erhalten. Man kann natürlich von dem Realpolitiker nicht verlangen, dass er sich und sein Wollen und sein Tun auf solche Nachrichten einstellt. Wohl aber kann man verlangen und erwarten, dass er die untrüglichen Zeichen der Zeit richtig erfasst und dann allen, die auf ihn lauschen und sich von ihm führen lassen, richtig deutet. Die Araber sind ein zähes Volk, schmiegsam und klug. Es ist Aufgabe der Juden in Palästina und aller, die für Palästina arbeiten, den Arabern keine Gelegenheit zu geben, um die Position der Juden zu schwächen. Ein Beispiel: In Rücksicht auf die Eigenart der jüdischen Siedelung und ihrer Beschäftigung hatten die Juden in Palästina ersucht, die offizielle Feier des Geburtstages des englischen Königs auf einen Tag zu verlegen, der ihnen die Teilnahme ermöglicht. In Rücksicht auf den im Vorjahre erfolgten Protest der Araber gegen die£b Massnahmen hatte Herbert Samuel das Ersuchen in diesem Jahre abgelehnt. Darüber natürlich Hohn und Jubel bei den Arabern. Ein weiteres Beispiel: Die sehr hellen Augen der Araber blicken auch in das Schulwesen Palästinas und wahrlich nicht aus Liebe zu unserer Religion erheben sie Vorwurf, dass in manchen Schulen Abkehr von der Religion gelehrt wird. Es wird aller Wahrscheinlichkeit noch Aufgabe des konservativen Willens der Judenheit sein, diesen Vorwurf zu entkräften. Wenn wir dieser Hoffnung Ausdruck geben, so ist das wahrlich keine einseitige Darstellung. Man lese nur, was der misrachistische hervorragende Schriftsteller Gedalje Bublik über die würdelose Entnationalisierung Gelehrte Jüdinnen. Unter den idealen Eigenschaften, die nach jüdischer Auffassung bei einer Frau gepriesen werden oder deren Erlangung empfohlen wird, finden wir die Gelehrsamkeit nicht. In dem hohen Lied, das der königliche Sänger von dem echten, biederen jüdischen Weibe gesungen, dessen Wert er höher als Perlen und kostbares Geschmeide schätzt, ist Güte, Liebe, Treue, Klugheit, Fleiss, Wohltätigkeit usw. angeführt, aber nicht Vertiefung in das Studium und hohe Gelehrsamkeit. Die Anforderungen, dje überhaupt an den Charakter einer edlen Frau gestellt wurden, haben unsrre Weisen schon aus der Art und Weise, in der die Heilige Schrift von ihrer Schöpfung berichtet, zu erklären und zu begründen gesucht: Sie wurde nicht vom Haupte des Mannes geschaffen, auf dass sie nicht stolz sei und auf geistigem Gebiete mit ihm wetteifere; nicht vom Auge und Ohr, damit sie nicht neugierig sei; nicht vom Munde des Mannes, damit sie nicht allzu geschwätzig sei; nicht von seinem Herzen, damit sie sich nicht von der Eifersucht beherrschen lasse; nicht von der Hand, damit sie nicht nach allem greife; nicht vom Fusse, damit sie nicht auf der Strasse ihre Zeit verbringej sondern sie wurde aus der Rippe Adams geschaffen, aus einem verborgenen Teile, damit sie sittsam und schamhaft sei. Im Talmud selbst wird von einzelnen Gesetzeslehrern geradezu in scharfer Weise dagegen Stellung genommen, dass den Frauen Gelegenheit gegeben werde, sieh dem Studium der Gotteslehre und der Wissenschaft überhaupt in einer den gewohnten Rahmen weit übersteigenden Weise zu widmen. Das war die allgemeine jüdische Auffassung. Das galt als Regel. Dass dadurch nicht auch die Ausnähme verpönt wurde, lehrt uns schon die heilige Schrift, die in einer Mirjam, einer Deborah, einer Hulda hochragende, durch Geistesgrösse sich auszeichnende, Frauen vorführt, die nicht allein den Stolz des weiblichen Geschlechtes bilden, sondern von ganz Israel gepriesen und gefeiert werden. Im Talmud selbst wird mit Bewunderung und hoher Achtung von einigen jüdischen Frauen erzählt, die durch ihre Kenntnis des jüdischen Schrifttumes, durch Geistesschärfe und Gelehrsamkeit die Schranken durchbrechen, die gemeinhin den Frauen gezogen waren. Da ist vor allem Beruria, die Tochter des Rabbi Chanina b. Theradjon, die in der Luft ihres Vaterhauses, in dem viele Gelehrte verkehrten, sozusagen Wissen einatmete und mit ihrer grossen Auffassungsfähigkeit aus den Diskussionen, die sie anhörte, spielend vieles sich aneignete. Sie verfügte über ein solch mächtiges Gedächtnis, dass sie imstande war, mehrere Jahre hindurch täglich 300 Gesetzesentscheidüngen auswendig zu lernen. Es ist nur begreiflich, dass eine Frau, die von der Natur schon verschwenderisch mit solch ausserordentlichen Fähigkeiten ausgestattet war, nicht mit dem gewöhnlichen Masse gemessen werden konnte, und dass auch ihr Gatte Rabbi Meir es nicht unternahm, ihr wissenschaftliches Streben zu hemmen. Beruria hat sogar durch zwei ihrer mitgeteilten halachischen Aussprüche, die sicli auf das schwierige Gebiet der ״Taharoth“ erstreckten und durch Rabbi Jehuda ben Baba und Rabbi Jösua sanktioniert wurden, eine besondere Autorität erhalten. Die gelehrte Frau hatte gelegentlich auch gelehrte Männer in witziger Weise darauf aufmerksam gemacht, dass sie schlagfertig jede krittelnde Bemerkung über Frauen zurückzuweisen vermöge. Als Rabbi Jose, der Galiläer, sie einmal fragte: ״Auf welchem Wege geht man nach Galiläa?“, antwortete sie schalkhaft: ״Kennst du nicht das Wort: Sprich nicht so viel mit dem Weib? Warum fragtest du nicht: Wohin nach Lydda?“ Aber auch ihrem Gatten selbst, dem grossen Rabbi Meir, konnte sie durch Geist und ideale Lebensauffassung imponieren. Als der fromme Mann, durch Beleidigungen und Verfolgungen böser Nachbarn erbittert, einst unmutig ausrief: ״Mögen doch die Sünden vertilgt werden!“;־ erinnerte sie ihn mit frommer Milde, es sei nicht geschrieben, die Sünder, sondern die Sünden mögen verschwinden! Der Talmud bewahrt uns aus dem Leben Berurias noch einen Zug, der sie uns für alle Zeiten als Muster leuchtender, schier Übermenschlicher Frömmigkeit und Gottergebenheit erscheinen lässt. An einem Sabbatnachmittag: wurden zwei blühende Söhne Rabbi Meirs, als dieser im Lehrhause weilte, die Opfer eines furchtbaren Unfalls. Beruria ‘ו *—ך!■“■« ******* ־*“* ,*•*,*•*־rר1־r^ד^ור^ד^^Arו^^^Jרוו^דJרJךAruרJוJV lind Perücken verschönern jede Frau Sie sind unkenntlich im Tragen, aus feinstem Naturhaar u. von hochwertiger Qualitätsarbeit Pessl, Wien, L, Kärntnerstr. 28

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