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Jüdische Presse · 1923-08-24 · 34 (24.8.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
9 (1923)
Issue
34 (24.8.1923)
Date
1923-08-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 JÜDISCHE PRESSE S£feffl., in Litauen int voller Stärke und Unabftängikeit zu erhalten. Die Agudas Jisroel wird gewiss nichts unterlassen, im Rahmen der politischen Zurückhaltung, die im Interesse der Juden geboten ist, den litauischen Juden im Kampfe um die Selbständigkeit zu Seite zu stehen. (Lebh. Beifall.) Delegierter Gerstenkorn aus Warschau stellt den Antrag, zur Schaffung einer Lotterie, wie eine solche in Bessarabien bereits besteht, deren Haupttreffer in Form eines Bodenanteiles gezogen werden kann. Dr P1 a 10 (Hamburg) stellt Antrag, das gesamte Pressewesen zu zentra- Iisieren. Nachdem Rabbiner Moses Blau den Bericht über die Tätigkeit der Agudas Jisroel in Jerusalem erstattet hatte und Delegierter Friedenssohn einen Fond zur Unterstützung der orthodoxen Chaluzim vorschlägt, ergreift Referent Dr. Elirmann das Wort, um die Resolutionen vorzulesen. (Wir bringen den Wortlaut der Resolutionen an anderer Stelle.) Hierauf wird die Sitzung geschlossen. JD±& במכב2©3ג.±© S±t3־u1:m.g\ Dienstag den 9. Elul 4 Uhr nachmittags. Vorsitz Delegierter Holländer. Das Wort wird erteilt dem Referenten der Aussenpoiitischen Kommission zum Bericht. Delegierter Rosen heim führt aus: Der Bericht den ich Ihnen vorzutragen habe, erfolgt nicht nur im Namen der aussenpoiitischen Kommission, die sich nur mit einem Teil der in Betracht kommenden Gegenstände zu befassen hatte, sondern auch im Namen der Geschäftsführenden Ausschusses. Wir glauben, dass in einem Augenblick wie der heutige, wo sich Vertreter des orthodoxen Judentums aus der ganzen Welt zusammenfinden, ufn hier ihre heiligsten Anliegen zu beraten, es unsere Pflicht ist, nicht vorüber zu gehen an der Flut des Hasses, die das jüdische Volk gerade in diesem Tage, in den Tagen des Krieges umtost. Es ist nicht die Art, gerade des thoratreuen Judentums der Abwehr des Antisimitismus sehr viel Kraft und Zeit zu widmen. Wir wissen, dass es einmal unser Geschick ist, durch die Zeiten als der Prügelknabe der Menschheit zu wandeln. Wir wissen, dass die Juden verantwortlich gemacht werden für alles Leid und für alles Unglück, das die Völker bedrückt, wir wissen, dass alles was an Leidenschaft inmitten der Völker tost, sich in allen Jahrhunderten zumeist über das Haupt des wehrlosesten und schwächsten Volkes, des jüdischen Volkes, entladen hat Im Inneren unserer Häuser haben wir Trost und Kraft gefunden, wenn die ganze Welt von Hass und Lieblosigkeit gegen den Juden starrte. Es ist mehr noch als unser eigenes Interesse, das Interesse der Menschheit, wenn wir heute unsere Stimme feierlich gegen den Judenhass erheben, der überall neu aufgepflanzt ist. Wir beantragen der Kenessio Gedaulö folgende Resolution zu beschliessen: ״Die mit dem grossen Kriege über die Welt hereingebrochene Katastrophe, hat den Nährboden zu einem neuen Aufflammen des Judenhasses geschaffen, der unendliches Leid über Millionen Unschuldiger bringt. Die Kenessio Gedaulo appelliert im Namen G־ttes, des Vaters der Menschheit, an den in der Brust der Menschen schlummernden g-ttlichen Funken der Liebe und Gerechtigkeit, appelliert an alle Edeldenkenden unter den Nationen der Erde, dass sie den Instinkten des Hasses unter ihren Volksgenossen offen entgegentreten und der Schmach des Judenhasses, endlich ein Ziel setzen." .r Durch feierliches Aufstehen von den Sitzen und durch stürmischen Beifall, bekundete das Plenum die Annahme dieser Resolution. Der Referent fährt fort .* Wir haben uns für verpflichtet gehalten, noch eine weitere kurze Resolution vorzuschlagen, die gerade in unseren Tagen besonders aktuell ist. Wenn ein Volk, in dessen Inneren intellektuelle und sittliche Triebkräfte lebendig sind, wie selten — das geben auch unsere Feinde zu — in einem Menschenkreis auf Erden, wenn ein solches Volk Jahrhunderte, ja Jahrtausende lang, in der Umwelt nichts findet als Unterdrückung, dann ist es natürlich, das sich nicht der Unbegabt׳.- ste und nicht der Schlechteste aufbäumt gegen den Trug und in diesem Aufbäumen gegen diesen Trug, auch manchmal über das Ziel hinausschiesst. Man wirft uns mit Unrecht vor, dass das jüdische Volk der Vertreter des Radikalismus und der Träger des Bolschewismus und der Aüflösung aller sittliehen Bindungen sei. Das ist eine Unwahrheit, die die Statistik unzählige Male schon bewiesen hat. Es liegt uns fern, hier zu urteilen über die einzelnen Individuen, aber es ist eine historische Ungerechtigkeit, so etwas in Bezug auf das jüdische Volk zu behaupten, dessen Söhne und Töchter sich für das Kleinste aufopfern und die ursprüngliehen Typen des Konservatismus sind. Gegen den Vorwurf der Auflösung aller sittlichen Bindungen, muss dieses Forum protestieren und es wird daher folgende Resolution vorgeschlagen: ״Die Juden sind seit Jahrtausenden die Träger des alle sittliche Bindung bedingenden G:ttesgedankens. Wann und wo jüdische Mensehen als Führer antireligiöser Bewegungen hervortreten, geschieht es im Gegensätze zur jüdischen Tradition und im Gegensätze zur Grundstimmung der religiösen jüdischen Massen.״ Diese Resolution wird einhellig angenommen. Im Anschluss an die Referate Rabb. Dr. Jung's aus New-York, über die Frage des Sabbats und die Sonntagsruhe, sowie des Referates des Sejmdelegierten Oberrabb. Lewin Sambor, über die Schechita, werden diesbezüglich zwei folgende Re- Solutionen vorgeschlagen: ״Die Grundlage des thoratreuen Judentums bildet die Heiligung des Sabbates durch völlige Arbeitseinstellung. Der Sabbath der Bibel den man der Urmenschheit als kostbares Gut des wöchentlichen Ruhetages geschenkt hat, ist für das jüdische Volk der geistige Gesundbrunnen, der allein den Fortbestand der für die Menschheit wertvollsten Charakterzüge des Juden gewährleistet. Die Kenessio Gedaulo richtet in diesem Sinne an die Staaten in denen Juden leben, die Bitte, die Sabbathheiligung durch gesetzgeberische Massnahmen nicht derart zu erschweren, dass die den Sabbath heiligenden Juden ein zweiter voller Ruhetag auferlegt und damit das wirtschaftliche Opfer der Sabbathheiligung für die jüdischen Bürger bis zur Unerträglichkeit gesteigert wird. Die gesetzliche Berücksichtigung des Sabbaths in der Sonntagsruhe-Gesetzgebung, wofür Vorbilder bereits vorliegen, ist eine Forderung der Gerechtigkeit. Der Antrag wird unter lebhaftem Beifall angenommen. Gegenüber den antisemitischen Angriffen stellt die Kenessio Gedaulo fest, dass nach biblischen Vorschriften die Tötung der Tiere durch den Schächter, für die thoratreuen Juden eine unerlässliehe Voraussetzung jeden Fleischgenusses bildet. Die Kenessio Gedaulö bittet die Staaten und Völker, die gegen diese Schechita gerichtete, ungerechtfertigte antisemitische Propaganda, nicht durch die Erschwerung des Schächtens, oder Erlassung von Schächtverboten Folge gegeben wird. Und dass, wo ein derartiges Verbot, das für den thoratreuen Juden einen unerträglichen Gewissenszwang herbeiführt, bereits erlassen ist, dasselbe wieder aufgehoben wird. Ferner wird die Annahme folgender Resolution vorgeschlagen: ״Die Kenessio Gedaulo spricht den Verfolgten ihr tiefstes Mitgefühl aus und protestiert gegen diese Verfolgung, Sie spricht die Ueberzeugung aus, dass von allen Ideen, wohl am wenigsten die Höchste, die Idee G־ttes und des G־tt dienenden Lebens, durch irgendwelche Machtanmassung unterdrückt werden kann und appelliert an die Sovvjetregierung dafür Sorge zu tragen, dass den, für den menschlichen Geist und die menschliche Würde so überaus beschämenden Vorgängen ein Ende gemacht wird.“ Die, seit langer Zeit ohne Beispiel währenden Verfolgungen, die sich gegenwärtig in Sowjetrussland, gegen die religiöse Betätigung, namentlich auch gegen das jüdische religiöse Leben, also gegen alle Juden richten, die den Geboten der Thqra und der Tradition gemäss leben, lehren und lernen verursachten diese Entschliessung. Die Annahme beider Resolutionen gestaltet sich zu einer lebhaften Manifestation. Nachdem wieder Ruhe im Saale hergestellt wird, fährt Delegierter Rosenheim in seinen Ausführungen fort. In das Gebiet der aussenpoiitischen Resolutionen gehört endlich noch eine letzte, die sich auf Vorgänge bezieht, die in den letzten Jahren einen breiten Raum im jüdisehen Leben eingenommen haben. Die jüdische Gemeinde ist die lebendige innerste Zelle des jüdisehen Volksorganismus. Dass diese Zelle gesund bleibe, ist die Vorbedingung für die Gesundung des ganzen jüdischen Volkes. Wenn versucht worden ist, das jüdische Volk von der jüdischen Gemeinde loszureissen und die jüdische Gemeinde zu neutralisieren, so dürfen wir an dieser Erscheinung nicht Vorbeigehen, ohne unsere Stimme in kurzen aber kräftigen Worten dagegen zu erheben. In Uebereinstimmung mit dem Rabbinischen Rat schlägt ihnen der geschäftsführende Ausschuss vor, folgender Resolution ihre Zustimmung zu erteilen: ״Die Kenessio Gedaulo erklärt die Bildung rein weltlicher Gemeinden, sogenannter Volksgemeinden, als in Widerspruch stehend mit der tausendjährigen Tradition des Judentums und fordert den Aüfbau der füdischen Gemeinschaft auf der Grundlage des Thoragesetzes, das alle Zweige des religiösen, kultureilen und sozialen Lebens umfasst und ordnet." Ich habe Ihnen weiter einige Resolutionen vorzulegen, die sich in unserem Sinne auf das Gebiet der äusseren Politik, nämlich auf das Gebiet beziehen, das zwischen der jüdischen Gemeinschaft, dem jüdischen Volke und den Völkern der Erde liegt. Der ersten Resolution werden Sie gewiss ohne näherem Kommentar Ihre Zustimmung erteilen. Wir beantragen, an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, der kurz vor dem Zum Sensationelle Umwälzung in der dauergewellten durch die Neuschaffungen der Firma 9 lis>9 (gegenüber dem Hotel Bristol) welche den Damen kostenlos vorgeführt werden t: En gros En detail Die grösste internationale Kunst wer kstätto für Perücken, Scheitel und Transformationen Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken. Spezialist in Braut-Scheiteln. Diese werden der Mädchenfrisur mit verblüffender Täuschung nachgemacht. Um vor Irreführung zu schlitzen, bitte den Vornamen Othmar und die Adresse genau zu beachten I ׳: sammentreten unserer Kenessio Gedaulo sein hohes Amt angetreten hat, folgende Kundgebung zu richten : ״Die zu ihrer Kenessio Gedaulo zusammen* getretenen Mandatare der orthodoxen jüdischen Massen aus allen Staaten der Welt, die in dec Agudas Jisroel organisiert sind, entbieten dem: Präsidenten' der Vereinigten Staaten zur Uebernähme seines hohen Amtes ehrfurchtsvoll Glück-1 und Segenswünsche. Sie gedenken in tiefer Dankbarkeit der Landes, in dem Millionen ihrer Brüder eine gastliche Heimstätte gefunden, gedenken der gewaltigen Taten der Menschenliebe, mit denen1 die Bürger Amerikas ihren Brüdern in Mittel-, Osteuropa und Palästina während der letzten Jahre zur Seite gestanden und sprechen den Wunsch( und die Hoffnung aus, dass der Präsident, deir erhabenen Traditionen entsprechend, seinen Ein-■ fluss allezeit zur milden Gestaltung und Hand-: habung der amerikanischen Einwanderungsgesetz-1 gebung einsetzen möge." Da auch diese Resolution ihre Zustimmung; gefunden hat, muss ich noch von dem Lande׳ sprechen, das wir an letzter Stelle nennen, weil es uns das Teuerste und das Heiligste ist, nämlich; von Erez Jisroel. Sie wissen aus den Tagungen des; Zentralrates und des Geschäftsführenden Aus-! Schusses sowie aus Mitteilungen, die forwährend! über diese Dinge in der Presse erschienen sind,; dass Agudas Jisroel auf Grund der Entscheidungen1׳ der für sie massgebenden Rabbinischen Autoritäten,! seit langer Zeit Verwahrung dagegen eingelegt hat,! dass die Herrschaft über Erez jisroel einer ein-; zelnen Partei im Judentum ausgeliefert wird. Diel Resolution, die in dieser Hinsicht von Agudas!' Jisroel wiederholt gefasst und vor der Mandatar-; macht vertreten worden sind, sind ihnen bekannt.; Es ist daher überflüssig, die Geschichte dieser! Aktionen, die wir unternommen haben, hier zu: wiederholen. Wir haben auch keineswegs die Ab-; sicht, gerade in diesem Augenblick, ,in dem man; es für gut befunden hat, über die Wünsche der׳ Orthodoxie mit kühlem Schweigen zur Tages- Ordnung überzugehen, ein weiteres Wort darüber! zu verlieren. Unsere Liebe zu Erez Jisroel, unser; Wunsch, unser Wille und unsere Bereitschaft für: Erez Jisroel bis zum letzten Blutstropfen unsere! Kraft und unsere Habe hinzugeben, ist nicht von: irgendwelchen politischen Konstelaiionen abhängig. Der, Geschäftsführende Ausschuss beschränkt sich darauf, in Uebereinstimmung mit der aussenpolitischen Kommissioe hinsichtlich der Jewish Agency folgende Resolution vorzuscnlagen: ״Die Kenessio Gedaulo erneuert die hin-; sichtlich der Jewish Agency vom Zentralrat in! seiner Sitzung vom achten Tewes in BresslatL gefassten Beschlüsse." Die Dankbarkeit, die das ganze jüdische Volk für die Macht empfindet, die durch die Balfourerklärung, wenigstens ihre Bereitschaft erklärt hat, dem jüdisehen Volke eine Heimstätte im heiligen Lande zu gewähren, wird von der Orthodoxie im vollsten; Masse geteilt Wir geben uns keinen Enttäuschung gen hin, über die Schwierigkeiten, die wir beim. Erez Jisroel-Aufbauwerk in der Zukunft noch zu: überwinden haben werden. Die Orthodoxie wird sicherlich diejenige Gruppe im Judentum sein, die am zähesten am Aufbau Erez Jisroel festhält, denn dieser Aufbau ist eine Mizwoh und Mizwohs gibt das jüdische Volk niemals preis. Zu keiner Zeit und zu keinem Lohn Wir hegen die Ueberzeugung, dass je massvoller, je politisch reservierter, die Aussenpolitik des jüdischen Volkes geführt

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