Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 9 (1923)
- Issue
- 34 (24.8.1923)
- Date
- 1923-08-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2629891-2629999-2630034--1119-2632681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
feite f» , , ■יי! JÜDISCHE PRESSE Nr. 34 Die neunte, zehnte und elfte Sitzung. r>±e :Kx&njLrLtia 3its3Tj1xxg•- Vufilt* führt Rabbiner Horowitz aus Jerusalem. Auf der Tagesordnung stehen die Berichte folgender Kommissionen: 1• Wahlprüfungskommissloti. 2. Finanzkommission. 3. Organisationskommission. 4. Kommission für soziale Fürsorge. 5. Erez Jisroelkommission• 6• Attssenpolitisclie Kommission. 7. Innenpolitische Kommission. 8. Chinuchkommission. 9. Chisuk Hadas Kommission. 10. Statutenkommission. Es wird der Antrag auf Beschränkung der Redezeit in der Debatte über jeden Bericht auf fünf Miunten zur Abstimmung gebracht und angenommen. Delegierter Holländer erstattet den Bericht namens der Wahlprüfuflgskommission• Anerkannt werden die Mandate folgender Länder: Palästina, Polen, Amerika, England, Deutschland, Oesterreich, Böhmen und Mähren, Litauen, Slowakei, Jugoslawien, Frankreich, Lettland, Italien, Skandinavien, Holland, Belgien, Schweiz, Altrumänien, Bcssarabien, Transsilvanien, Argentinien, Mesopotamien, Aegypten, Russland und Ostgalizicn. Der Bericht der Wahlprüfungskommission wird von der Kenessio Gedaulo zur Kenntnis genommen. Hierauf ergreift das Wort Delegierter Kommerzialrat Bon di zum Bericht der Finanzkommission. Der Finanzbericht besteht aus zwei Teilen: Aus einem für die Agudas Jisroel und der anderen für die Kenessio Gedaulo. Für die Aguda waren bis zum 1. Juni 90 Millionen Kronen aufzubringen, weleher Betrag auch aufgebracht wurde. Der Gesamtbedarf für die Kenessio Gedaulo beträgt 400 Millionen Kronen. Hievon sind bis heute bereits 200 Millionen Kronen aufgebracht, so dass ein Minus von 200 Millionen besteht• Redner richtet an alle Mitglieder die Bitte, die Finanzkommis'sion zu unterstützen, damit dieser Fehlbetrag bald aufgebracht wird. Der Bericht der Finanzkommission wird zur Kenntnis genommen. Das Wort ergreift der Vorsitzende des Finanzausschusses Delegierter Holländer, um den Voranschlag für das kommende Jahr mitzuteilen. Redner konstatiert mit Befriedigung, dass für Organisationzwecke ein verhältnismässig geringer Betrag eingestellt wurde, da sich־ die besten Kräfte freiwillig zur Verfügung gestellt haben und dadurch sehr viel Geld erspart werden kann. Für die Organisation sind im ganzen 5 0 00 Pfund eingesetzt, wovon 2 00 0 Pfund für Gehalte, 1000 Pfund für die Miete der Lokale, für übrige Ausgaben wie Reisespesen, Porto, Telegramm und!Telephon sind 2 0 00 Pfund bestimmt worden. Es sei picht ausgeschlossen, dass diese Ausgaben überschritten werden müssen, wenn sich die Aguda vergrossem sollte, dann werden■ aber auch die Einnahmen steigen. Für den Chinuch wurde insgesamt 94000 Pfund bestimmt. Davon entfallen 84.000 Pfund für den Keren Hathau ro. Auf einzelne Länder verteilt, kommen folgende Summen zur Be- Stimmung: Polen 40.000, Litauen 25.000, Tschech-Slowakei 3000, Ungarn 3000, Oesterreich 1500, Rumänien 2000, Deutschland 2000, England 2000, Amerika 2000, Skandinavien 1000, Holland 500. 10.000 Pfund wurden für Lehrmittel, die Unterstützung der Literatur und Presse, ins Budget eingestellt. Die Ausgaben für Erez Jisroel wurden in vier!Teile geteilt, und zwar: Die Ausgaben für den Chinuch, für die soziale Hilfe, den wirtschaftlichen Aufbau und die Organisation. Für den Chinuch sind 3000 Pfund, für die soziale Fürsorge 10.000, für Organisationszwecke 500 Pfund. Da es im Programm der Aguda liegt, eine stärkere Imigration nach Erez Jisroel zu fördern, musste eine ganze Reihe von Insiitutionen eingereiht werden, die unseren Emigranten in Erez Jisroel zugute kommen würden. Dazu gehören Fürsorge für Chaluzim, Arbeitsnachweisstelle, ein Empfangsbureau im Hafen, ein Wohnungsbureau und ein Spital. Es muss ferner ein Kontakt mit den Kolonisten geschaffen werden. 50.000 Pfund wurden für den wirtschaftlichen Aufbau eingestellt. Die Summe ist gering, denn es muss in erster Linie Boden angekauft werden und Häuser ■gebaut. Es wird jedoch ziemlich stark auf die private Initiative gehofft, denn es gehe nicht an, dass die Aguda Geld für industrielle Unternehmungen sammelt• Die vorgeschlagenen 50.000 Pfund dürften für das erste Jahr zur Lösung der ,wirtschaftlichen Aufgaben der Aguda hinreichen. Zusummen stellen wir für Erez Jisroel 63,000 Pfund in Rechnung. Es muss hier nochmals betont werden, was für einen grossen Raum der sozialen Fürsorge im Programme der Aguda eingeräumt werden muss. Man könne sich in Wien und in seiner nächsten Nähe in Baden überzeugen, was in Wien die Aguda auf diesem Gebiete geleistet hat Für diesen Punkt wurden 10.000 Pfund eingestellt. Es sollen auch mit diesem Gelde neue Aufgaben gelöst werden. 12-000 Pfund sind eingestellt für Chisuk Hadas. Für dieses Geld sollen rituelle hygienische Bäder sowie Anschaffung von rituellen Bedarfsgegenständen für arme Juden, die Mozzothbeschaffung usw. gebraucht werden. Die Gesamtsumme unseres Budgets ist 184.500 Pfund. Wenn die Aguda, getragen vom Geiste der Kenessio Gedaulo, an ihre Arbeit herantreten wird, wird in der weiten Welt der Erfolg dieser Arbeit empfunden werden. Redner spricht die Hoffnung aus, dass es gelingen werde, diese Summen mit Hilfe der Delegierten und aller Mitglieder der Agudas Jisroel aufzubringen, damit das Programm und dadurch auch der heilige Gedanke der Agudas Jisroel verwirklicht werden könne. Das Budget wurde hierauf einstimmig angenommen. Der nächste Redner in der Debatte, Delegierter L e w i n, Warschau, appelliert an das V e r a n twortlichkeitsgefühl eines jeden Agudisten. Es muss jeder Einzelne die Verantwortung für die Gesamtheit tragen. Wenn die Delegierten nach Hause zurückkehren, müssen sie unter unseren Brüdern für den grossen Gedanken der Agudas Jisroel mit Leib und mit der Seele tätig sein. Delegierter Rab. Dr. Auerbach, Halberstadt, ergreift das Wort, um über die Verhältnisse in Deutschland kurz zu berichten. Infolge der schlechten Valutavcrhältnisse befinden sich die Juden in Deutschland in grosser Not, so dass sie oft nicht in der Lage sind, die notwendigsten rituellen Gegenstände zu beschaffen und sich Mazzoth zu besorgen. Redner erbittet die Hilfe der Aguda für die deutschen Gemeinden auf diesem Gebiete. Rabbiner M e 1 z e r aus Sluck bringt die Griisse für die Kenessio Gedaulo aus Russland, dem blutigen Lande. Er bringt die Griisse von Kindern, die aus dem Lande vertrieben wurden, weil sie am Jom Kipur Kadisch sagen gingen. Von Kindern, die monatelang eingekerkert wurden, weil sie Mazzoth am Pessach gegessen haben. Die Meinung, dass Russland tot ist, ist faslch• Trotz aller Unterdrückung und Knechtung lebt der Cheder und die Jeschiwah, wenn auch von zwei Schülern, die lernen wolle;!, de,r eine immer auf der Wache stehen muss. Es muss Hilfe für Russland gebracht werden. Grosse, starke, rasche Hilfe. Die einzigen Jeschiwoth in Russland in Minsk und Sluck befinden sich in einer schrecklichen Lage. Bis vor zwei Jahren unterstützte dieselben noch das Central Relief Comitee. Doch seit damals ist der Dollarwert durch die Teuerung stark gesunken. Der Winter naht heran lind die Kinder und Schüler sind ganz entblösst von allen schützenden Mitteln. Man sage nicht, dass es schwer sei, Geldmittel nach Russland zu beschaffen. Die Bolschewiken verstehen es noch immer, ziemlich grosse Geldmittel über die Grenzen zu bringen, und die Agudas Jisroel muss es auch können. Ex präsidio wird dem Redner mitgeteilt, dass alle Mitteln.in Anwendung gebracht werden, um den Brüdern in Russland die notwendige Hilfe angedeihen zu lassen. Das Wort ergreift Delegierter Eisenmann zum Berichte der Organisationskommission. Die Kenessio hat den Beweis geliefert, dass der Agudasgedanke seit Kattowitz Fortschritte gemacht hat. Bis nun leidet aber die Aguda an dem Mangel einer Organisation. Die Organisation wird diese Kenessio bringen, indem sie uns ein Statut geben wird. Redner stellt den Antrag, dass ein Appell an alle ergehen möge, sich dem Geschäftsführenden Ausschuss für einen oder mehrere Monate im Jahre zur Verfügung zu stellen. Es wurde ferner beschlossen, dass an dem Sitz der künftigen Leitung drei Herren beschäftigt sein müssen, von denen jeder einzelne einem Hauptressort vorstehe. Es wird beantragt, dem Geschäftsführenden Ausschüsse das Rqpht zu geben, sich drei Sitze für Kooption freizuhalten• Ferner beschäftigte sich der Organisationsausschuss mit der Frage einer Delegation nach Amerika. Amerika selbst hat diese Delegation durch Rabbiner Dr. Jung von uns erbeten. Die Organisationskommission richtete an folgende Herren die Bitte, an der Delegation nach Amerika teilzunehrnen: Chofez Chahn, der Gerer Rebbe, der Czortkower Rebbe, der Beizer Rebbe, Oberrabbiner Senator Zirelsohn, Oberrabbiner Sejmdeputierter Schapira, Reb. Chaim Ojser Grodzenski, Rab. M. M. Eppstein, Oberrabbiner Kahnemann, Dr. M. Heildesheimer und I. M. Lewin. Die Delegation soll bereits im Oktober die Reise nach Amerika unternehmen. Die Kenessio Gedaulo nimmt hierauf unter Beifall einstimmig den Antrag an. (Die diesbezügliche Resolution SQwie alle anderen Resolutionen bringen wir in vollem ,Wortlaute an anderer Stelle.) Den Bericht der Erez Jisroel-Kommission erstattet hierauf Dr. S• Ehr mann, Frankfurt. Doktor Ehrmann führte aus: Die Kommission hat aus den Verhandlungen, die hier stattfanden, eine Lehre gezoßen. E!s hat sich herausgestelli, dass die Debatten . über Erez Jisroel nicht sachlich genug geführt wurden, so dass die Kommission die Hauptarbeit leisten musste. Aus dieser Erwägung heraus, hat die Kornmission Unterabteilungen der einzelnen Ressorts der Erez Jisroel-Arbeit gebildet, und zwar: 1. Für die innerpolitischen Fragen. 2. für den Chinuch. 3. Für die wirtschaftlichen Fragen- Die inncrpolitisclien Fragen wurden naturgenüiss in der Kommission nur formuliert aber nicht gelöst, sondern eine Lösung versucht. In Erez Jisroel ist augenblicklich die politische Situation so, dass das thoratreue Judentum schwach ist und Gefahr läuft, erdrückt zu werden und sich unter Organisationen stellen zu müssen, die in keiner Weise die Interessen der Thora vertreten. Es besteht die Gefahr, dass Vereinigungen, die ausserhalb der Thora stehen, Rechte verliehen bekommen, die gceignet sind, die Autorität der Thora zu schwächen, Steuern zu erheben und Vorschriften für das religiöse Leben zu geben. Die Forderung ist also, dass die Gewissensfreiheit gewahrt wird, ohne jemandem bekämpfen zu wollen. Redner verliest hierauf die Resolutionen, die einstimmig angenommen werden. (Den genauen Wortlaut bringen wir an anderer Stelle.) Die wirtschaftliche Tätigkeit wird nach drei Richtungen betrieben werden. Es soll Boden erworben werden, der vorläufig noch nicht bearbeitet werden kann. Zweitens soll ein umfangreicher Häuserbau betrieben werden- Die dritte Richtung, die gewerbliche Betätigung, wird sich hauptsächlich auf die private Initiative von thoraircucn Industrieeilen beschränken müssen. Es wurde für diesem Zweck bereits über 7000 Pfund gezeichnet. Im organisatorischen Sinuc wurde beschlossen, dass nach Möglichkeit die Erez Jisroel-Arbeit zentralisiert werden soll. Redner teilt ferner mit, dass nach Schluss der Kenessio Gedaulo eine Reihe von Delegierten und Indu-stustriellen die Reise nach Erez Jisroel. antreten will, um gleich mit der pro d 11 k t i v c n Arbeit zu beginnen. Zur Frage des Friedens mit anderen Parteien in Palästina, glaubt Redner den Vergleich mit den Gestirnen anüihren zu dürfen. Warum halten die Sterne schalom? Weil jedes Gestirn seinen eigenen Weg geht. Wir wollen dasselbe tun, wir wollen niemandem stören und angreifen, sondern jeden einzelnen seinen Weg gehen; lassen. Wir verlangen aber für unsere Arbeit gleichfalls das Recht, eigene Wege gehen zu können. Wenn man uns nicht bekämpfen wird, so werden wir cs auch nicht tun• Im Namen der Litauischen Landsmannschaft ist Dr. Deutschländer beauftragt, zu dem vorgelesenen Resolutionen eine Erklärung abzugeben. Es ist jedermann bekannt, dass nur Dank der grossen Mitarbeit und Hilfe seitens der Orthodoxie in Litauen die jüdische Autonomie erlangt worden ist. Leider gestalteten sich die Verhältnisse derart, dass die orthodoxen Vertreter aus sämtlichen Institutionen herausgedrängt worden sind. Die Intolerenz, die man gewöhnlich der Aguda vorwirft, herrscht auf der gegnerischen Seite. Es muss endlich über diese Dinge Klarheit geschaffen werden und die orthodoxe Presse hat die ehrende Pflicht, Klarheit zu schaffen. Oberrabbiner Sejmdeputierter L e w i n-Sainbor ergreift das Wort, um eine sachliche Berichtigung zu einer Resolution zu machen. Es sei f a 1 s c h, wenn behauptet wird, dass die Moezes Gedaulo Hathauro sich über die Teilung der Gemeinden in Jerusalem ausgesprochen hat.. Die Frage der orthodoxen und sephardischen Gemeinden kann nur auf Grund der Gesetze der Thora entschieden werden. Man wandte sich deshalb an Oberrabbiner Kuk, damit binnen 6 Monaten ein psak Besdin getroffen werden soll. Gleichzeitig dürfen aber in diesem Zeiträume die Rechte einer jeden Gemeinde nicht angetastet werden. Deshalb d irr f e m an keine B t e iiern c i nheben und gegen diese Tat wird nun schärfster Protest eingelegt. Das Wort ergreift Delegierter Jakob Rosenheim (Frankfurt) im Namen des Geschäftsführernden Ausschusses: Die Ausführungen Dr. Deutsch-!anders haben auf alle einen erschütternden Eindruck gemacht. Nirgends haben die Juden so stark daran geglaubt, dass sie in der Mitte einer neuen politischen Aera leben, wie in Litauen, wo die Hoffnung atn den Aufbau eines neuen jüdischen Gemeindelebens gross gewesen ist. Die litauischen Juden sind zur Erkenntnls gekommen, dass die Zeit zum Aufbau einer; eigenen Autonomie noch nicht gekomen sei und. diese Erkenntnis ist sehr traurig. Sie beweist aber die p 0 Ii tis ch e Ehrlichkeit und die si 1111ch e religiöse Kraft, die im Judentum wohnt, wenn unsere GlaubensgenQssen den Mut aufbringen, offen auszusprechen, dass sie sjch geirrt habe. Wir; wollen vorderhand, solange formelle Beschlüsse der anderen Organisation nicht vorliegen, die ganz bestimmten konkreten Punkten die Meinungsäusserung der Agudas Jisroel herbeiführen sollen, auf gar keine Art reagieren. Litauen ist das Herz der jüdischen Orthodoxie. Von den grossen Thorastätten in Litauen ist der Geist der Orthodoxie über das Meer gezogen und alles was Litauen geleistet hat, verpflichtet die jüdische Gesamtheit, alle Kräfte daran zn -setzer^ das Judentum